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Gegenwärtige und künftige Rolle des SZR

Author(s):
International Monetary Fund
Published Date:
September 1996
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Das Exekutivdirektorium trat im April 1996 zusammen, um die Ergebnisse eines Seminars zu erörtern, das im März 1996 über die Zukunft des SZR abgehalten worden war - dem internationalen Reserve-medium, das vom Fonds 1969 geschaften wurde, um die vorhandenen Währungsreserven zu ergänzen. Das Seminar war auf Anregung des Interimsausschusses organisiert worden, der sich auf seinem Treffen im April 1995 dafür ausgesprochen hatte, “die Rolle und die Funktionen des SZR im Lichte der Änderungen des Wcltfinanzsystems unter Beteiligung externer Experten umfassend zu überprüfen” (Jahresbericht 1995, An-hatiß, S. 210). Das Seminar zielte darauf ab, einige der Hauptfragen und Aufiässungsunterschiede über die Rolle des SZR im internationalen Währungssystem zu klären (siehe Kasten 2).6

Die Direktoren stimmten darin überein, daß das Seminar dazu beigetragen hat, den Auftrag des Interimsausschusses hinsichtlich einer generellen Überprüfung des SZR zu erfüllen. Aus den Beratungen hätten sich mehrere Themen herauskristallisiert. Die Direktoren stellten fest, daß es wenig Unterstützung für das im IWF-Übereinkommen festgelegte Ziel gibt, das SZR zum Hauptreservemedium des internationalen Währungssystems zu machen. Die Direktoren verwiesen darauf, daß viele Fondsmitglieder unter dem gegenwärtigen SZR-System noch nie SZR-Zuteilungen erhalten oder nicht an allen Zuteilungen teilgenommen haben und daß dies unter Gerechrigkeitsaspekten Anlaß zur Besorgnis gibt. Unter den Direktoren gab es auch Befürworter - allerdings nicht die erforderliche sehr breite Mehrheit - für regelmäßige allgemeine SZR-Zuteilungen auf der Basis des im gegenwärtigen Übereinkommen niedergelegten Kriteriums eines langfristigen globalen Bedarfs. Die Auffassungen gingen darüber auseinander, ob die großen Diskrepanzen zwischen den Mitgliedsländern bei den Kosten der Bereitstellung vön Währungs res erven es rechtfertigen würden, eine SZR-Zuteilung im Rahmen des gegenwärtigen Übereinkommens vorzunehmen, oder eine Ergänzung der Bestimmungen über die Zuteilungsvoraussetzungen zu verlangen.

Die Direktoren ließen keine Änderung in ihren früheren Positionen bezüglich der Frage einer allgemeinen SZR-Zuteilung erkennen. Jene, die eine Gercchtigkeitszuteilung befürworteten – d.h. eine Zuteilung von SZR an jene Mitglieder, die niemals SZR erhalten oder nicht an allen früheren Allokationen teilgenommen haben – bekräftigten den weitverbreiteten Wunsch, das Ziel einer vollen Teilnahme aller Mitglieder am SZR-System zu erreichen, einschließlich des Empfangs von SZR-Zuteilungen. Mehrere Direktoren bestanden jedoch darauf, daß Zuteilungen unter dem Gerechtigkeitsaspekt mit einer allgemeinen Zuteilung verbunden werden sollten, die im Einklang mit dem gegenwärtigen Übereinkommen steht. Einige Direktoren unterstützten eine weitere Prüfung zielgerichteter Zuteilungen als einem möglichen Kompromiß zur Überbrückung der großen Auffassungsunterschiede über allgemeine Zuteilungen.

Einige Direktoren erklärten, daß im Falle einer Änderung der Artikel des Übereinkommens bezüglich des SZR auch Bestimmungen eingeführt werden sollten, die es Geschäftsbanken und anderen privaten Institutionen gestatten würden, SZR zu halten. Verschiedene Direktoren unterstützten auch den Gedanken, anderen öffentlichen Institutionen eine stärkere Nutzung des SZR zu empfehlen. Wenngleich viele Direktoren mit Interesse zur Kenntnis nahmen, daß mehrere Vorschläge bezüglich der Bewertung und der Verzinsung des SZR von Seminarteilnehmern unterbreitet worden waren, vertraten die Direktoren im allgemeinen nicht die Auffassung, daß die gegenwärtigen Bewertungs- und Verzinsungsmerkmale des SZR gravierende Probleme aufwerfen.

Kasten 2SZR-Seminar Behandelt Verschiedene Fragen

Am Seminar über die Zukunft des SZR, das im März 1996 abgehalten wurde, nahmen eine Reihe externer Experten sowie stabsmitglie der des Fonds teil. Einige der Hauptfragen, die in dem Seminar behandelt wurden, waren:

  • Profitiert die Weltwirtschaft noch von der Existenz des SZR?
  • Würde der Nutzen des SZR durch eine gezielte Zuteilung an bestimmte Gruppen erhöht?
  • Wie könnte das SZR verändert werden, um es attraktiver für die privaten Einanzmärkte zu machen?
  • Ist es wahrscheinlich, daß das SZR zum internationalen Hauptreservemedium wird - ein Ziel, das im IWF-Ühereinkommen niedergelegt wurde!

Drei umfassende Thesen kristallisierten sich aus den Beratungen im Seminar heraus:

  • Es ist unwahrscheinlich, daß das SZR Aussicht hat, zum Hauptreservemedium des internationalen Währungssystems zu werden. Die Bestimmung des SZR scheint es auch nicht zu sein, sich von einer unkonditionierten Kreditlinie zu einer eigenständigen Weltwährung zu entwickeln. Es wurden jedoch einige Vorschläge vorgelegt, die Änderungen des IWF-Übereinkommens erfordern würden und zu einer größeren Nachfrage nach SZR innerhalb öffentlicher und privater Sektoren führen könnten.
  • Das SZR sollte nicht abgeschafft werden, da es ein wertvolles “Sicherheitsnetz” zur Verfügung stellen kann, falls das internationale Währungssystem in ernste Schwierigkeiten gerät.
  • Der Fonds und die internationale Gemeinschaft stimmen hinsichtlich der Notwendigkeit überein, Wege zu finden, das als Gerechtigkeitsfrage bekannte Problem zu lösen – d.h. die Tatsache, daß viele Fondsmitglieder niemals eine SZR-Zuteilung erhalten haben.

Zu anderen im Seminar erörterten Punkten gehörten:

  • Die festgefahrenen Fronten bezüglich SZR-Zuteilungen spiegeln die anhaltenden Meinungsunterschiede darüber wider, wie das Zuteil ungskri-tcrium des Fondsabkommens – daß es einen “langfristigen globalen Bedarf” zur Ergänzung vorhandener Reserven geben müsse – zu interpretieren ist. Auf der einen Seite betonten einige Sprecher auf dem Seminar, daß “globaler Bedarf” nicht notwendigerweise bedeute, dal? eine große Mehrheit der Mitglieder gleichzeitig mit der Notwendigkeit konfrontiert sein müsse, ihre vorhandenen Reserven zu ergänzen, wenngleich erwartet werde, daß sich die Nachfrage nach internationalen Reserven in Relation zum Wachstum von Weltproduktion und -handel erhöhe. Da für die große Mehrheit der Fondsniitglieder die Kosten der Reservehaltung beträchtlich höher als die tatsächlichen wirtschaftlichen Kosten der Schaffring von Reserven sei, könne gefolgert werden, daß eine SZR-Zuteilung das Kriterium des globalen Bedarfs erfüllen würde. Auf der anderen Seite erklärten andere Sprecher, daß das Wachstum des Welthandels während der vergangenen Jahrzehnte nicht von dem begrenzten Angebot an SZR behindert worden zu sein scheint, und eine Zunahme der SZR würde nicht notwendigerweise dazu beitragen, den Welthandel auszuweiten. Außerdem gebe es gegenwärtig keinen Mangel an Liquidität im internationalen Währungssystem, und das derzeitige System flexibler Wechselkurse habe die Gefahr einer Instabilität des Systems beim Verzicht auf die Schaffring zusätzlicher Reserven beseitigt. Die Länder könnten Reserven erwerben – wenngleich zu gewissen Kosten – indem sie einen Überschuß in der Leismngsbilanz erzielen oder ein Defizit in der Kapitalverkehrsbilanz in Kauf nehmen. Es wurde auch die Auffassung vertreten, daß die Schaffung frei verwendbarer Währungsreserven durch SZR-Zutei-luiigcn für Unterstützungszihlungen an bedürftige Länder unangemessen und nachteilig für den An passu ngs pro -zcß wäre.
  • Wenngleich das gegenwärtige IWF-Übereinkommen keine selektiven oder gezielten Zuteilungen gestattet, waren einige Sprecher der Ansicht, es könne gerechtfertigt sein, globale Zuteilungen, verbunden mit einer freiwilligen post-allokativen Umverteilung zugunsten jener Länder vorzunehmen, die von einer Autstockung ihrer Reserven profitieren würden. Alternativ könnten auch Änderungen des IWF-Übereinkommens für eine gezielte Gcreehcigkeitszuteihing erwogen werden.

Die Direktoren stimmten darin überein, daß erneute Anstrengungen unternommen werden sollten, um die Gerechtigkeitsfrage sobald wie möglich zu lösen. Sie deuteten an, daß sie weiterhin bereit sind, einige der Vorschläge des SZR-Seminars zu prüfen, aber nur falls und wenn es deutlich wird, daß diese Vorschläge die notwendige breite Unterstützung finden oder generell zu Fortschritten in der Allokationsfrage beitragen könnten. Nachdem sich der Interimsausschuß im April 1996 mit dem Bericht des Direktoriums über das SZR-Seminar befaßt hatte, bat er das Direktorium, die Vorschläge über die Rolle des SZR weiter zu erörtern und sich auf einen Weg zu verständigen, über den alle Mitglieder einen gerechten Anteil an den kumulativen SZR-Zuteilungen erhalten könnten.

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