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Artikel IV-Konsultationen

Author(s):
International Monetary Fund
Published Date:
September 1996
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Gemäß Artikel IV des IWF-Übereinkommens führt der Fonds gewöhnlich einmal im Jahr bilaterale Konsultationen mit seinen Mitgliedern durch. Eine Stabsmission besucht das betreffende Land, sammelt wirtschaftliche und finanzielle Informationen und erörtert mit den Behörden die wirtschaftlichen Entwicklungen und die Politik des Landes. Nach Rückkehr in die Zentrale des Fonds erstellt der Stab einen Bericht, der die Grundlage für die Aussprache des Direktoriums bildet. Am Ende der Aussprache faßt der Geschäftsführende Direktor als Vorsitzender des Direktoriums die Stellungnahmen der Direktoren zusammen, und diese Zusammenfassung wird an die Behörden des Landes weitergeleitet. Tabelle 4 listet die 143 Artikel IV-Konsultationen auf, die der Fonds 1995/96 abgeschlossen hat.

Tabelle 4Im Geschäftsjahr 1995/96 abgeschlossene Artikel IV-Konsultationen
Ägypten22. Sept. 1995
Albanien26. Mai 1995
Algerien22. Mai 1995
Angola18. Okt. 1995
Antigua und Barbuda1. Mai 1995
Äquatorialguinea25. Okt. 1995
Argentinien27. Sept.1995
Armenien29. Sept. 1995
Aruba128. Juli 1995
Aserbaidschan17. Nov. 1995
Australien22. März 1996
Bahamas31. Juli 1995
Bahrain26. Feb. 1996
Belarus12. Sept. 1995
Belgien21. Feb. 1996
Belize26. Apr. 1996
Benin22. Mai 1995
Bhutan25. Okt. 1995
Bolivien25. März 1996
Botsuana12. Feb. 1996
Brasilien15. Dez. 1995
Bulgarien21. Dez. 1995
Burkina Faso22. Dez. 1995
Burundi1. Apr. 1996
Chile8. Sept. 1995
China1. Apr. 1996
Côte d’Ivoire11. Dez. 1995
Deutschland30. Aug. 1995
Dominica16. Juni 1995
Dominikanische Rep.16. Juni 1995
Dschibuti15. Apr. 1996
Ecuador3. Aug. 1995
El Salvador5. Apr. 1996
Fidschi15. Nov. 1995
Finnland1. Sept. 1995
Frankreich25. Okt. 1995
Gabun8. Nov. 1995
Gambia18. Okt. 1995
Georgien29. Sept. 1995
Ghana30. Juni 1995
Grenada12. Mai 1995
Griechenland4. Aug. 1995
Großbritannien30. Okt. 1995
Guatemala22. Mai 1995
Guinea20. Dez. 1995
Guinea-Bissau18. Okt. 1995
Guyana16. Juni 1995
Hongkong28. März 1996
Indien10. Juli 1995
Indonesien24. Juli 1995
Iran2. Okt. 1995
Irland30. Juni 1995
Island19. Jan. 1996
Israel15. Sept. 1995
Italien15. März 1996
Japan21. Juli 1995
Jemen10. Mai 1995
Jordanien6. Sept. 1995
Kambodscha15. Sept. 1995
Kanada1. Apr. 1996
Kasachstan5. Jan. 1996
Kenia10. Nov. 1995
Kiribati15. Nov. 1995
Kolumbien19. Jan. 1996
Korea23. Okt. 1995
Kroatien1. Nov. 1995
Kuwait28. Aug. 1995
Lesotho31. Juli 1995
Lettland20. Okt. 1995
Litauen14. Juli 1995
Luxemburg26. Apr. 1996
Madagaskar9. Juni 1995
Malawi10. Mai 1995
Malaysia2. Okt. 1995
Malediven26. Juni 1995
Mali23. Okt. 1995
Marokko23. Okt. 1995
Marshallinseln27. Juli 1995
Mauretanien17. Apr. 1996
Mauritius20. Nov. 1995
Mazedonien5. Mai 1995
Mexiko30. Juni 1995
Mikronesien27. Juli 1995
Moldau21. Juni 1995
Mongolei14. Feb. 1996
Mosambik9. Juni 1995
Myanmar20. Okt. 1995
Namibia31. Juli 1995
Nepal24. Mai 1995
Neuseeland20. Nov. 1995
Nicaragua10. Juli 1995
Niederlande1. Mai 1995
Nigeria1. Nov. 1995
Norwegen7. Feb. 1996
Oman18. Okt. 1995
Österreich31. Mai 1995
Pakistan13. Dez. 1995
Panama12. Mai 1995
Papua-Neuguinea14. Juli 1995
Paraguay12. Juli 1995
Peru1. Dez. 1995
Philippinen29. Sept. 1995
Polen17. Jan. 1996
Portugal20. Okt. 1995
Ruanda18. Sept. 1995
Rumänien21. Dez. 1995
Rußland14. Sept. 1995
São Tome und Principe7. Juni 1995
Saudi-Arabien2. Okt. 1995
Schweiz26. Feb. 1996
Senegal9. Juni 1995
Seychellen17. Apr. 1996
Sierra Leone18. Dez. 1995
Simbabwe28. Feb. 1996
Singapur27. Okt. 1995
Slowakische Rep.1. Sept. 1995
Slowenien1. Sept. 1995
Sri Lanka17. Mai 1995
St. Kitts und Nevis19. Mai 1995
St. Vincent20. Okt. 1995
Sudan13. Feb. 1996
Suriname13. März 1996
Swasiland1. Dez. 1995
Syrien6. März 1996
Tansania27. Nov. 1995
Thailand23. Juni 1995
Togo20. Dez. 1995
Tonga16. Juni 1995
Trinidad und Tobago26. Apr. 1996
Tschechische Rep.28. Juli 1995
Tunesien23. Feb. 1996
Turkmenistan23. Feb. 1996
Ukraine19. Jan. 1996
Uruguay23. Juni 1995
Vereinigte Arab. Emirate14. Juni 1995
Vereinigte Staaten4. Aug. 1995
Vietnam3. Aug. 1995
Westsamoa15. Nov. 1995
Zaire1. März 1996
Zentralafrikanische Rep.26. Juni 1995
Zypern24. Jan. 1996

Aussprachen über die Konsultation mit Aruba erfolgen im Zusammenhang mit der Konsultation mit dem Königreich der Niederlande.

Aussprachenüber die Konsultation mit Hongkong erfolgen im Zusammenhang mit der Konsultation mit Großbritannien.

Aussprachen über die Konsultation mit Aruba erfolgen im Zusammenhang mit der Konsultation mit dem Königreich der Niederlande.

Aussprachenüber die Konsultation mit Hongkong erfolgen im Zusammenhang mit der Konsultation mit Großbritannien.

In diesem Abschnitt werden die wichtigsten Grundzüge der Direktoriumsaussprachen über die Artikel-IV-Konsultationen mit einer Reihe von Ländern dargestellt. Außerdem werden zusammenfassende Überblicke über die wirtschaftspolitischen Trends in drei Gruppen von Ländern gegeben - den kleineren Industrieländern, den Entwicklungsländern und den Transformationsländern. Die einzeln aufgeführten Länder wurden aufgrund ihrer globalen oder regionalen wirtschaftlichen Bedeutung ausgewählt; einige kleinere Länder werden turnusmäßig abwechselnd in den Bericht aufgenommen. Für jedes Land wird eine Zusammenfassung der Schlußfolgerungen der Direktoriumsaussprache wiedergegeben, mit einer kurzen Darstellung der wichtigsten makroökonomischen und strukturellen Entwicklungen und einer Tabelle mit Daten, die dem Direktorium zum Zeitpunkt der Konsultation vorlagen. Spätere Revisionen der Daten sind, von wenigen Ausnahmefällen abgesehen, nicht berücksichtigt worden.

Industrieländer

Vereinigte Staaten

Die Direktoren traten im August 1995 zusammen, um die Artikel IV-Konsultation des Fonds mit den Vereinigten Staaten zu erörtern. Die wirtschaftliche Expansion in den USA, die im zweiten Quartal 1991 eingesetzt hatte, gewann 1994 an Schwung, bevor sie sich im ersten Quartal 1995 verlangsamte, zum Teil aufgrund der Straffung der Geldpolitik, die Anfang 1994 begann. Nachdem das reale BIP 1993 mit einer durchschnittlichen Jahresrate von 3,1 % gestiegen war, erhöhte es sich 1994 um 4,1 %, da die inländische Nachfrage weiterhin das Wachstum antrieb, während die realen Nettoexporte zurückgingen (siehe Tabelle 5).

Tabelle 5Vereinigte Staaten: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im August 1995 vorliegende Daten; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
19921993199419951
Binnenwirtschaft
Reales BIP2,33,14,12,8
Arbeitslosenquote (in Prozent aller Erwerbspersonen)27,46,86,15,7
Verbraucherpreisindex3,03,02,63,0
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob (in Milliarden US-Dollar)440,4456,8502,5552,23
Einfuhren, cif (in Milliarden US-Dollar)536,5589,4668,6732,43
Leistungsbilanz (in Prozent des BIP)−1,1−1,6−2,2−2,5
Direktinvestitionen (in Milliarden US-Dollar)−31,1−31,50,1−34,53
Wertpapieranlagen, netto (in Milliarden US-Dollar)21,6−37,942,6158,23
Kapitalverkehr (offiziell und privat, in Milliarden US-Dollar)85,063,9165,584,5
Realer effektiver Wechselkurs−1,94,00,8
Internationale Bruttoreserven (in Milliarden SZR)51,953,450,9
Finanzielle Grüßen
Finanzierungssaldo
des gesamten Staatssektors4−4,3−3,4−2,0−1,9
der Bundesregierung5−4,8−4,1−3,1−2,5
Ersparnis der privaten Haushalte (in Prozent des BIP)4,13,03,0
Bruttoinvestitionen (in Prozent des BIP)13,113,915,3
Wachstumsrate von M262,11,31,9
Zinssatz für Dreimonats-US-Schatzwechsel23,43,04,25,8
Zinssatz für Zchnjahres-Staatsanleihen27,05,97,16,6

Vorausgesehatzt.

Jahresdurchschnitt.

Daten für das erste Quartal 1995, auf Jahresbasis.

Auf der Grundlage der volkswirtschaftlichen Gesanitrechnung und in Prozent des BIP.

Auf Basis eines vereinheitlichten Budgets, auf Haushaltsjahr-Basis und in Prozent des BIP.

Im Jahresvergleich, in Prozent.

Vorausgesehatzt.

Jahresdurchschnitt.

Daten für das erste Quartal 1995, auf Jahresbasis.

Auf der Grundlage der volkswirtschaftlichen Gesanitrechnung und in Prozent des BIP.

Auf Basis eines vereinheitlichten Budgets, auf Haushaltsjahr-Basis und in Prozent des BIP.

Im Jahresvergleich, in Prozent.

Bis zum zweiten Quartal 1995 hatte der Kapazitätsauslastungsgrad im verarbeitenden Gewerbe, insbesondere im Gebrauchsgüter erzeugenden Sektor, Werte erreicht, die merklich über dem langfristigen Durchschnitt lagen. Die Arbeitslosenquote fiel um etwa 1 Prozentpunkt vom ersten Quartal 1994 bis zum ersten Quartal 1995, als sie 5,5 % erreichte. Sie stieg anschließend auf 5,7 % im zweiten Quartal.

Die Preisentwicklung war 1994 relativ ruhig, aber Anfang 1995 gab es gewisse Anzeichen für einen vorübergehenden Anstieg der Basisinflation (ohne Lebensmittel- und Energiepreise gerechnet). Der Satz für Zentralbankguthaben (federal funds rate), der seit September 1992 bei 3 % gelegen hatte, begann im Februar 1994 zu steigen und erreichte im Februar 1995 6 %. Im Juli 1995 beschloß die amerikanische Zentralbank, den Satz für Federal Funds um 25 Basispunkte zu senken.

Das Leistungsbilanzdefizit stieg 1993 und 1994 stark an. Der Passivsaldo im Warenhandel erhöhte sich weiter, da sich die relative Position der USA im Konjunkturzyklus im Vergleich zu ihren Handelspartnern verbesserte. Das Leistungsbilanzdefizit nahm während des ersten Quartals 1995 weiter zu, hauptsächlich, weil sich der Saldo der amerikani schen Handelsbilanz gegenüber Mexiko von einem Überschuß in ein Defizit umkehrte und weil die Warenimporte allgemein deutlich anstiegen.

In ihrer Aussprache stellten die Direktoren fest, daß die wirtschaftliche Lage der Vereinigten Staaten in vieler Hinsicht sehr günstig ist, was weitgehend das Verdienst guter Politik ist. So habe insbesondere eine geschickte Geldpolitik dazu beigetragen, Arbeitslosigkeit und Inflation auf relativ niedrigem Niveau zu halten. Der Erfolg der Behörden bei der Verminderung des strukturellen Haushaltsdefizits der Zentralregierung sei ebenfalls ein wichtiger Faktor gewesen.

Die Direktoren wiesen darauf hin, daß weitere Maßnahmen erforderlich sind, um die inländische Ersparnis zu erhöhen, die Bundesschuld im Verhältnis zum BIP abzubauen und die Inflation weiter zu verringern. Merkbare Fortschritte auf diesen Gebieten würden gewährleisten helfen, daß die inländische Ersparnis hinreichend wäre, um zufriedenstellende Investitions- und Wachstumsraten ohne zu starke Abhängigkeit von ausländischem Kapital zu ermöglichen. Diese Fortschritte würden auch die Risiken von Störungen an den globalen Finanzmärkten vermindern und sowohl aus inländischer als auch aus internationaler Sicht angebracht erscheinen. Sie begrüßten das Engagement der Behörden für einen ausgeglichenen Bundeshaushalt, was sie als ein wichtiges Signal ansahen. Einige Direktoren erklärten, daß angesichts der Notwendigkeit, die inländische Ersparnis zu erhöhen, und um zu vermeiden, daß künftigen Generationen eine unangemessene Steuerlast aufgebürdet wird, ein ehrgeizigeres Ziel vorzuziehen wäre; gleichwohl erkannten sie die praktischen Schwierigkeiten beim Erreichen eines ehrgeizigeren Zieles an.

Die Direktoren äußerten Besorgnis darüber, daß die von der Regierung und dem Kongreß vorgelegten Haushaltspläne frontlastige Steuersenkungen und hecklastige Ausgabenkürzungen enthalten, wodurch ein Großteil des Defizitabbaus auf das Ende der sieben- bzw. zehnjährigen Anpassungsperiode verschoben werde. Außerdem hingen die Haushaltskonsolidierungspläne stark von der Annahme ab, daß die Zinsen als Reaktion auf den Defizitabbau beträchtlich zurückgehen werden. Solch ein Ergebnis sei möglich, könne aber nicht als sicher unterstellt werden. Überdies werde die Wahrscheinlichkeit eines erheblichen Zinsrückgangs durch ein frontlastigeres Programm erhöht, das die Glaubwürdigkeit der Anpassungsanstrengungen stärkt und seine Anfälligkeit gegenüber Veränderungen im politischen und wirtschaftlichen Umfeld verringert. In diesem Zusammenhang vertraten die Direktoren die Auffassung, daß es wünschenswert ist, jegliche Steuersenkungen zu verschieben, bis sichtbare Fortschritte in Richtung auf einen ausgeglichenen Haushalt erzielt worden sind.

Die Direktoren lobten die Zentralbank für die von ihr während der zwölf Monate vor der Aussprache betriebene Geldpolitik und insbesondere für die Straffung der Geldpolitik im Jahre 1994 vor einem tatsächlichen Anstieg des Preisauftriebs. Diese Schritte hätten die Aussichten auf ein dauerhaft inflationsfreies Wachstum verbessert und die Glaubwürdigkeit der Verpflichtung der Zentralbank auf Preisstabilität deutlich gestärkt. Die meisten Direktoren waren der Ansicht, daß die Einführung eines expliziten Inflationszieles nicht notwendigerweise dazu beitragen würde, die Glaubwürdigkeit weiter zu erhöhen. Außerdem stimmten die Direktoren darin überein, daß die Wirtschaftspolitik nicht auf bestimmte Ziele für den Wechselkurs des Dollar ausgerichtet werden sollte.

Die Direktoren sprachen den US-Behörden zwar ihre Anerkennung für deren kräftige Unterstützung der multilateralen und regionalen Handelsliberalisierung aus, beklagten aber, daß der häufige Rückgriff der Vereinigten Staaten auf einseitige Handelsmaßnahmen diese kooperativen Anstrengungen zu unterminieren droht. Sie empfahlen den Behörden, bestehende multilaterale Verfahren stärker zu nutzen, und sprachen die Hoffnung aus, daß künftige Handelskonflikte ohne Androhung von Handelssanktionen gelöst werden können.

Die Direktoren nahmen mit Enttäuschung den Rückgang der US-Beiträge zur Entwicklungshilfe im Verhältnis zum BIP zur Kenntnis, stellten aber fest, daß solch ein Rückgang kein politisches Ziel der Behörden ist.

Seit dem Zeitpunkt der Konsultation schien sich das Tempo der wirtschaftlichen Aktivität beschleunigt zu haben. Eine verhaltene wirtschaftliche Entwicklung in der zweiten Hälfte von 1995 veranlaßte die Zentralbank, die kurzfristigen Zinsen von 5 ¾ % in zwei Schritten im Dezember 1995 und Januar 1996 auf 5 ¼% zu senken. Das reale Wachstum des BIP erholte sich auf 2 ¾ % (Jahres-rate) im ersten Quartal 1996, trotz der ungünstigen Auswirkungen des strengen Winterwetters und Arbeitskonflikten. Infolge der starken Zunahme der Beschäftigung fiel die Arbeitslosenquote auf 5,4 % im April. Wenngleich eine Aufwärtstendenz bei den Energie- und Lebensmittelpreisen zu verzeichnen war, hielt sich der allgemeine Preisauftrieb größtenteils in recht engen Grenzen, wobei die Kerninflation im ersten Jahresdrittel mit einer Jahresrate von etwa 3 % etwa ebenso hoch wie 1995 war. Die längerfristigen Zinsen stiegen Anfang 1996 deutlich an, größtenteils infolge einer lebhafteren Konjunktur, einer wieder stärkeren Beachtung der Entwicklung der Energie- und Lebensmittelpreise und ungünstigere Aussichten für die Verabschiedung eines Plans zum Ausgleich des Haushalts.

Japan

Die Direktoren kamen im Juli 1995 zusammen, um die Artikel IV-Konsultation des Fonds mit Japan zu erörtern. Den Hintergrund bildete die langsame Erholung von der Rezession, die ihren Tiefpunkt im vierten Quartal 1993 erreicht hatte (siehe Tabelle 6). Die Produktion wuchs mit einer durchschnittlichen Jahresrate von nur¾% vom vierten Quartal 1993 bis zum ersten Quartal 1995, verglichen mit einer durchschnittlichen Rate von 5½% in früheren Aufschwungphasen. Der Hauptfaktor, der dem bescheidenen konjunkturellen Umschwung zugrundelag, war ein langsamerer Rück-gang der privaten Anlageinvestitionen. Das Wachstum des privaten Verbrauchs nahm trotz der Mitte 1994 vorgenommenen Einkommensteuersenkungen nur geringfügig zu. Während sich die privaten Ausgaben erhöhten, schwächte sich die stimulierende Wirkung höherer Staatsausgaben ab, da die öffentlichen Investitionen Mitte 1994 auf hohem Niveau verharrten, bevor sie im ersten Quartal 1995 schließlich drastisch sanken.

Tabelle 6Japan: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprachc im Juli 1995 vorliegende Daten; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
19921993199419951
Binnenwirtschaft
Reales BIP1,1−0,20,50,4
Arbcitslosenquote (in Prozent)2,22,52,93,2
Verbraucherpreisindex1,71,30,7−0,2
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob (in Milliarden US-Dollar)339,7360,9395,6442,9
Einfuhren, cif (in Milliarden US-Dollar)233,0240,7274,7336,1
Leistungsbilanz (in Milliarden US-Dollar)2117,6131,4129,1127,3
Leistungsbilanz (in Prozent des BIP)3,23,12,82,4
Nettodirektinvestitionen (in Milliarden US-Dollar)−14,5−13,6−17,0
Nettowertpapieranlagen (in Milliarden US-Dollar)−26,2−62,7−48,9
Gesamtbilanz (in Milliarden US-Dollar)−1,423,5−2,3
Realer effektiver Wechselkurs (auf Basis der relativen normalisierten Lohnstückkosten; 1990 = 100)109,9128,9138,0
Internationale Reserven ohne Gold, insgesamt (in Milliarden US-Dollar)71,698,5125,9
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors (in Prozent des BIP)1,5−1,4−3,1−3,7
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors ohne Sozialversicherung (in Prozent des BIP)−2,0−4,9−6,5−7,0
Bruttoersparnis (in Prozent des BIP)34,333,131,731,1
Bruttoinlandsinvestitionen (in Prozent des BIP)31,129,928,828,8
Breit abgegrenzte Geldmenge (M2 zuzüglich Einlagenzertifikate (CDs); Durchschnitt des Zeitraums)0,61,12,1
Dreimonats-Einlagenzertifikate (Durchschnitt)4,32,82,1
Offizieller Diskontsatz (Ende des Zeitraums)3,21,81,8

Vorausgeschätzt.

Angaben beruhen auf der japanischen Zahlungsbilanzstatistik (Balance of Payments Statistics of Japan) von 1995.

Vorausgeschätzt.

Angaben beruhen auf der japanischen Zahlungsbilanzstatistik (Balance of Payments Statistics of Japan) von 1995.

Die Arbeitslosenquote stieg gegen Ende 1994 auf den Höchststand von 3 %, der zuvor 1987 kurz erreicht worden war, was gegenüber dem Niveau von 2 % zu Anfang 1992 eine starke Zunahme bedeutete. Die Arbeitslosigkeit erhöhte sich später auf etwas über 3 % im April und Mai 1995. Ein gleichzeitiger Rück-gang der Relation zwischen Stellenangeboten und Arbeitssuchenden sowie der gesamten geleisteten Arbeitsstunden waren weitere Schwächezeichen auf den Arbeitsmärkten.

Nach seiner starken Aufwertung von Mitte 1992 bis Mitte 1993 blieb der Yen im gewogenen Durchschnitt bis Anfang 1995 weitgehend stabil, dann trat ein weiterer leichter Anstieg gegenüber dem Dollar ein, der mit einem Rückgang gegenüber den europäischen Währungen einherging. Von Mitte Februar bis Mitte April 1995 stieg der Yen jedoch im gewogenen Durchschnitt um weitere 15 %. Die kumulative Aufwertung von etwa 50 % seit Mitte 1992 hat den Yen weit über historische Trends hinaus steigen lassen.

Aufgrund der hohen unausgelasteten Kapazitäten und der Auswirkungen der Yen-Aufwertung stieg der Verbraucherpreisindex 1994 nur um¾%. Der Druck auf die Preise setzte sich fort, und später traten leicht deflationäre Tendenzen auf; der Verbraucherpreisindex lag Ende des ersten Quartals 1995 um ¼ % unter dem Niveau des Vorjahres. Am Ende des ersten Quartals 1995 lockerte die japanische Zentralbank ihre Geldpolitik, indem sie den Tagesgeldsatz senkte. Dabei verwies sie auf die Abwärtsrisiken für den Aufschwung. Auf der Grundlage ihrer Einschätzung der wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklungen, einschließlich des weiteren Anstiegs des Yen und des Falls der Aktienkurse, beschloß die Bank Bedingungen durch eine Senkung des offiziellen Diskontsatzes auf den neuen Tiefststand von 1 % weiter zu lockern und einen weiteren Rückgang des kurzfristigen Geldmarktsatzes anzustreben.

Der Leistungsbilanzüberschuß, der 1992 und 1993 auf über 3 % des BIP gestiegen war, sank 1994 auf 2,8 % und in den ersten vier Monaten von 1995 weiter auf 2,4 %. Während die Erholung der Inlandsnachfrage bescheiden blieb, ließen die strukturellen Veränderungen in der Industrie und im Außenhandel sowie die verzögerten Wirkungen der früheren Yen-Aufwertung das Wachstum des Importvolumens mit einer Jahresrate von über 15 % gegen Ende 1994 und Anfang 1995 stark ansteigen. Die Haushaltsposition verschlechterte sich zwischen 1991 und 1994 beträchtlich, da sich der Saldo des Gesamthaushalts von einem Überschuß von 3 % des BIP in ein Defizit gleichen Ausmaßes umkehrte. Unter Ausschluß der Sozialversicherung stieg das Defizit 1994 auf beinahe 7 % des BIP und näherte sich dadurch den in den späten 70er Jahren erreichten historischen Höchstständen.

In ihrer Aussprache stellten die Direktoren fest, daß die Aufwertung des Yen, der Fall der Aktienkurse und die Spannungen im Finanzsektor die Aussichten auf eine Wiederbelebung des Wachstums in Japan getrübt haben. Sie begrüßten die fiskalpolitischen und geldpolitischen Maßnahmen, die während der vergangenen Jahre zur Stützung der Konjunktur ergriffen worden waren, einschließlich des ersten Nachtragshaushalts von 1995 und der Senkung der kurzfristigen Zinssätze. Dennoch vertraten die meisten Direktoren die Auffassung, daß die erneut aufgetretenen Risiken, welche die wirtschaftlichen Entwicklungsaussichten beeinträchtigen, trotz des begrenzten Handlungsspielraums weitere Stützungsmaßnahmen rechtfertigen würden, bis der Aufschwung sich selbst trägt.

Die monetären Bedingungen hätten sich trotz des niedrigen Nominalzinsniveaus infolge der starken Aufwertung des Yen im Ergebnis versteift. Gemessen an den volkswirtschaftlichen Grunddaten sei die japanische Währung eindeutig überbewertet. Demgemäß setzte sich eine Reihe von Direktoren für weitere Senkungen der kurzfristigen Zinssätze ein - einschließlich des offiziellen Diskontsatzes. Außerdem sprachen sich einige Direktoren dafür aus, dem Bankensystem zusätzliche Liquidität zur Verfügung zu stellen, und empfahlen nicht-sterilisierte Interventionen auf den Devisenmärkten, um dem Aufwertungsdruck auf den Yen entgegenzuwirken. Andere Direktoren bezweifelten jedoch, daß eine weitere Lockerung der Geldpolitik angesichts des bereits niedrigen Zinsniveaus und der Spannungen im Finanzsektor ein wirksames Mittel zur Belebung der Nachfrage ist. Viele Direktoren stimmten darin überein, daß die Maßnahmen von Japan durch angemessene Maßnahmen seiner Wirtschaftspartner ergänzt werden sollten.

Die Direktoriumsmitglieder waren sich weitgehend darüber einig, daß die eingetretene Verschlechterung des strukturellen Haushaltsdefizits erneut eine finanzpolitische Konsolidierung erfordert, sobald sich der Aufschwung selbst trägt. Viele Direktoren betonten, daß die makroökonomische Stimulierung mit umfassenden Strukturreformen verbunden werden sollte, und wiesen nachdrücklich darauf hin, daß es in Japans nationalem Interesse liegt, die Pläne für Strukturreformen und Deregulierung energisch voranzutreiben.

Die Direktoren stellten fest, daß der japanische Leistungsbilanzüberschuß primär ein makroökonomisches Phänomen ist, und unterstrichen, daß es in Japans Interesse liegt, den Marktzugang durch Maßnahmen zum Abbau von Handelshindernissen zu erhöhen. Sie drängten auch darauf, Maßnahmen zur Bewältigung der Spannungen im Finanzsystem ohne Verzug umzusetzen.

Die Direktoren würdigten Japans Rolle als der Welt größtem Geber von Finanzhilfen an Entwicklungsländer und hoben auch die Tatsache hervor, daß Japan einen Hauptbeitrag zur Erweiterten Strukturanpassungsfazilität (ESAF) des Fonds leistet.

Deutschland

Das Direktorium schloß die für 1995 angesetzte Artikel IV-Konsultation mit Deutschland im August 1995 ab, als sich die Wirtschaft im dritten Jahr eines Aufschwungs befand und die Produktion den vor der Rezession erreichten Höchststand weit übertroffen hatte. Die Rezession hatte in der ersten Jahreshälfte von 1993 ihre Talsohle durchschritten, und das BIP war 1994 mit 3 % unerwartet kräftig angestiegen. Industriebefragungen ließen den Schluß zu, daß sich das Wachstum 1995 fortsetzen werde, allerdings etwas weniger kräftig als 1994 (siehe Tabelle 7).

Tabelle 7Deutschland: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im August 1995 vorliegende Daten; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
19921993199419951
Binnenwirtschaft (Westdeutschland)
BIP (prozentuale Veränderung zu Preisen von 1991)1,8−1,72,32,5
Arbeitslosenquote (in Prozent aller Erwerbspersonen)5,87,38,38,2
Verbraucherpreisindex4,04,13,02,2
Binnenwirtschaft (Ostdeutschland)
Reales BIP7,85,89,29,0
Arbeitslosenquote (in Prozent aller Erwerbspersonen)14,714,814,612,9
Verbraucherpreisindex11,18,93,32,6
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob (in Milliarden D-Mark)671,6632,6690,2
Einfuhren, fob (in Milliarden D-Mark)630,2566,9607,8
Leistungsbilanz (in Milliarden D-Mark)−33,7−25,8−33,4−26,6
Direktinvestitionen, netto (in Milliarden D-Mark)−26,8−23,7−28,7
Wertpapiertransaktionen, netto (in Milliarden D-Mark)45,3177,3−44,6
Kapitalverkehrsbilanz (in Milliarden D-Mark)90,36,157,1
Realer effektiver Wechselkurs4,08,8−0,2
Devisenreserven (in Milliarden D-Mark)141,4120,1113,6
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors (in Prozent des BIP)−2,9−3,3−2,5−2,5
Bruttoersparnis
Bruttoinvestitionen
Geld und Quasigeld (M3; prozentuale Veränderung im Jahresdurchschnitt)8,58,28,5−0,62
Zinssatz für Dreimonatsgelder (Durchschnitt des Zeitraums, in Prozent)9,57,25,34,83
Rendite für Staatsanleihen (Durchschnitt des Zeitraums, in Prozent)8,06,36,77,04

Vorausgeschätzt.

Durchschnitt der Monate Januar-Juni.

Durchschnitt der Monate Januar-Mai 1995 verglichen mit dem Durchschnitt der Monate Januar-Mai 1994.

Durchschnitt der Monate Januar-Mai.

Vorausgeschätzt.

Durchschnitt der Monate Januar-Juni.

Durchschnitt der Monate Januar-Mai 1995 verglichen mit dem Durchschnitt der Monate Januar-Mai 1994.

Durchschnitt der Monate Januar-Mai.

Wie bereits in früheren Konjunkturzyklen führten die Exporte aus der Rezession heraus. Sie wurden zunächst vom Wachstum in den Vereinigten Staaten, Großbritannien und einigen Entwicklungsländern angetrieben, und anschließend von der Erholung auf dem übrigen europäischen Festland. Das Exportwachstum wurde auch von bedeutenden Umstrukturierungsanstrengungen in der Industrie untermauert, die zu großen Produktivitätsgewinnen führten. Auch die Inlandsnachfrage begann sich wieder zu beleben, und die Investitionen wurden zum zweiten Wachstumsmotor. Im Gegensatz dazu blieb der private Verbrauch aufgrund von Steuererhöhungen und einem nur mäßigen Anstieg der Löhne verhalten. Der Staatsverbrauch war wegen der Anstrengungen zur Haushaltskonsolidierung eher zurückhaltend.

Als Folge der Restrukturierungsmaßnahmen in der Industrie stieg die Arbeitslosigkeit noch bis weit in die Erholungsphase der Wirtschaft hinein an und ging erst mit fortschreitendem Aufschwung etwas zurück. In Westdeutschland erreichte die Arbeitslosigkeit im Mai 1994 einen Höchststand von 8,3 %, und der Verlust von Arbeitsplätzen setzte sich mit dem Rückgang der Beschäftigung um 1,3 % im Jahre 1994 fort, bevor sich diese im April 1995 schließlich zu stabilisieren schienen. Nachdem die Beschäftigung in Ostdeutschland 1992 um 12,8 % und 1993 um weitere 3 % gesunken war, schien sie gegen Ende 1993 ihren Tiefpunkt erreicht zu haben, und die Arbeitslosigkeit ging zwischen der ersten Jahreshälfte von 1994 und der ersten Hälfte von 1995 merklich zurück.

Der Preisanstieg auf der Verbraucherstufe, der sich während der Rezession als recht hartnäckig erwiesen hatte, ging bis zum letzten Quartal von 1994 allmählich auf eine Jahresrate von etwa 2 % zurück. Der Anstieg der Verbraucherpreise in Ostdeutschland, der mehrere Jahre lang ein gutes Stück oberhalb der westdeutschen Inflation gelegen hatte, näherte sich weiter dem westdeutschen Niveau an. In der ersten Jahreshälfte von 1995 entsprach der Anstieg der ostdeutschen Verbraucherpreise in etwa dem westdeutschen Niveau oder lag noch etwas darunter.

Bei der Korrektur der im Zuge der Wiedervereinigung entstandenen fiskalischen Ungleichgewichte wurden 1994 weitere Fortschritte erzielt. Durch die Kombination von steuerlichen Maßnahmen, Ausgabenkürzungen und einem höher als erwarteten Wirtschaftswachstum wurde das Defizit der öffentlichen Haushalte 1994 auf 2 ½ % des BIP verringert, fast 1 % des BIP weniger als zunächst geplant war. Allerdings stieg das Defizit 1995 auf 3,5 % des BIP an.

Bei ihrer Erörterung lobten die Direktoren die von den deutschen Behörden vorgenommene finanzpolitische Konsolidierung. Die Direktoren merkten an, daß die zunächst nach der Wiedervereinigung entstandenen Haushaltsungleichgewichte und auch der Inflationsdruck erheblich nachgelassen hätten. Beim Abbau der Haushaltsdefizite seien erhebliche Fortschritte erzielt worden. Gleichwohl waren sie der Ansicht, daß noch bedeutende Herausforderungen fortbestünden, insbesondere in Form der hartnäckigen Strukturprobleme.

Die Direktoren unterstützten die mittelfristigen Ziele der Finanzpolitik, die einen weiteren Abbau des Haushaltsdefizits und eine Verringerung der in Deutschland sehr hohen Steuerlast beinhalten. Es sei wichtig, beide Ziele mit Ehrgeiz zu verfolgen, insbesondere im Hinblick auf die haushaltsmäßigen Belastungen, die sich wahrscheinlich mit der absehbaren Alterung der deutschen Bevölkerung ergeben würden. Ein weiterer Defizitabbau würde bei weiter fortschreitender Erholung auch die Geldpolitik entlasten und das Kapitalangebot im In- und Ausland erhöhen.

Die Direktoren lobten die im Haushaltsentwurf vorgesehenen Maßnahmen zur Begrenzung des Defizits des Bundes und zur Schaffung der Voraussetzungen für niedrigere Defizite der öffentlichen Haushalte insgesamt.

Die Direktoren begrüßten die erhebliche, wenngleich graduelle Lockerung der Geldpolitik, die zwischen 1992 und 1994 erfolgt war und die im wesentlichen durch die anhaltenden Fortschritte bei der Haushaltskonsolidierung ermöglicht worden war. Sie stellten fest, daß die drastische Aufwertung der D-Mark von Anfang 1995 die Schwierigkeiten für die Wirtschaftspolitik noch verstärkt hatte.

Die Direktoren lobten die bei der Beseitigung bedeutender Strukturprobleme u. a. durch Deregulierungsmaßnahmen, Privatisierungen und eine Reform des Finanzsystems erzielten Fortschritte, unterstrichen aber, daß noch vieles zu tun bleibe. Sie bedauerten insbesondere, daß es bei der Beseitigung der strukturellen Arbeitslosigkeit, die zu Deutschlands dringlichstem Problem geworden war, nur geringe Fortschritte gegeben hätte. Sie waren der Meinung, daß Deutschland letztendlich die schwierigen Probleme angehen müsse, die sich aus der Beziehung zwischen großzügiger sozialer Absicherung und einer geringen Lohndifferenzierung auf der einen Seite und der hohen strukturellen Arbeitslosigkeit auf der anderen Seite ergeben.

Mehrere Direktoren lobten die Behörden für ihre umfangreiche Unterstützung der Transformationsländer und hofften, daß der bei der öffentlichen Entwicklungshilfe in den vorangegangenen Jahren festgestellte Rückgang wieder umgekehrt werden könne.

Frankreich

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation 1995 mit Frankreich im Oktober 1995, als sich das Tempo der Erholung von der tiefen Rezession des Jahres 1993 gegenüber 1994 verlangsamte (siehe Tabelle 8). Das reale BIP stieg im Jahresdurchschnitt 1994 um 3 % an, aber in der ersten Jahreshälfte von 1995 schwächte sich das Wachstum auf eine Jahresrate von 2 ¼ % ab. Die Erholung wurde hauptsächlich voneinem Anstieg der Auslandsnachfrage getragen, was zur Wiederbelebung des Exportwachstums führte. Nach einer kräftigen Zunahme gegen Ende 1994 und Anfang 1995 schwächte sich die Exportentwicklung im zweiten Quartal parallel zur Wachstumsverlangsamung in den europäischen Partnerländern merklich ab.

Tabelle 8Frankreich: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im Oktober 1995 vorliegende Daten: jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
19921993199419951
Binnenwirtschaft
Reales BIP1,3−1,52,92,9
Arbeitslosenquote (in Prozent aller Erwerbspersonen)10,311,612,411,7
Verbraucherpreisindex2,42,11,72,1
Außenwirtschaft
Ausfuhrvolumen4,9−0,45,86,9
Einfuhrvolumen1,1−3,46,85,7
Leistungsbilanzsaldo (in Milliarden Franc)20,459,554,162,0
Nettodirektinvestitionen (in Milliarden Franc)−16,8−0,10,3
Nettoportfolioinvestitionen (in Milliarden Franc)187,116,9−308,2
Kapitalbilanz (in Milliarden Franc)2−132,5−79,750,2
Effektiver Wechselkurs (MERM)33,70,50,74,24
Nettoveränderung der offiziellen Währungsreserven (in Milliarden Franc; – = Zunahme)5,330,9−13,9
Finanzielle Grüßen
Finanzierung des gesamten Staatssektors (in Prozent des BIP)−4,0−6,1−6,0−5,2
Bruttoersparnis (in Prozent des BIP)19,918,118,9
Bruttoinvestitionen (in Prozent des BIP; Aufbau von Lagerbeständen eingeschlossen)19,817,218,4
Breit abgegrenzte Geldmenge (M3)5,3−3,22,04,65
Zinssatz für Dreimonats-Interbankgelder10,48,45,86,85
Rendite für Staatsanleihen8,66,87,27,75

Vorausgeschätzt.

Summe aus lang und kurzfristigem Kapitalverkehr (letzterer ohne Kapitalverkehr mit öffentlichen Stellen), einschließlich der statistischen Diskrepanz.

Beruht auf dem multilateralen Wechselkursmodell des Fonds (MERM); eine positive Zahl zeigt Aufwertung an.

Durchschnitt bis zum 15. September 1995; prozentuale Veränderungen wurden im Verhältnis zum Durchschnittswert des vorangegangenen Jahres ermittelt.

Zweites Quartal 1995 im Vergleich zum gleichen Quartal des Jahres 1994.

Vorausgeschätzt.

Summe aus lang und kurzfristigem Kapitalverkehr (letzterer ohne Kapitalverkehr mit öffentlichen Stellen), einschließlich der statistischen Diskrepanz.

Beruht auf dem multilateralen Wechselkursmodell des Fonds (MERM); eine positive Zahl zeigt Aufwertung an.

Durchschnitt bis zum 15. September 1995; prozentuale Veränderungen wurden im Verhältnis zum Durchschnittswert des vorangegangenen Jahres ermittelt.

Zweites Quartal 1995 im Vergleich zum gleichen Quartal des Jahres 1994.

Die Beschäftigung außerhalb des Landwirtschaftssektors stieg im Jahresverlauf 1994 an und wuchs in den 15 Monaten bis Juni 1995 um 2,2 %. Die Arbeitslosigkeit nahm allerdings aufgrund der gestiegenen Erwerbsbeteiligung weiter zu, und zwar selbst nachdem der Wendepunkt bei Produktion und Beschäftigung bereits erreicht worden war. Die Arbeitslosenquote blieb für den Großteil des Jahres 1994 in der Nähe ihres Rekordwertes von 12 ½ % weitgehend stabil, ging aber anschließend bis Juli 1995 auf 11,4% zurück.

Der Anstieg der Verbraucherpreise, der selbst auf dem Höhepunkt des vorangegangenen Konjunkturzyklus relativ niedrig gewesen war, schwächte sich während der Rezession und zu Beginn des Aufschwungs weiter ab. Obwohl die Erhöhung der Steuer auf Mineralölprodukte zu Beginn des Jahres 1995 und die im Sommer erfolgte Anhebung der Mehrwertsteuer das Preisniveau in die Höhe trieben, handelte es sich dabei nur um einen temporären Effekt. Die geringe Basisinflation war die Folge eines schwachen Lohnwachstums und einer weiterhin erheblichen Nachfragelücke.

Die Leistungsbilanz blieb 1994 mit ungefähr ¾ % des BIP in einer Überschußposition, da der Anstieg der Auslandsnachfrage nach französischen Exporten kräftiger ausfiel als der Anstieg der Inlandsnachfrage nach Importen. Die Leistungsbilanz blieb auch Anfang 1995 in einer Überschußposition, gleichzeitig kam es zu weiteren langfristigen Nettokapitalexporten, die bereits 1994 eine erhebliche Größenordnung erreicht hatten. 1994 und Anfang 1995 blieb die internationale Wettbewerbsfähigkeit im wesentlichen unverändert; der nominale und der reale handelsgewichtete Wechselkurs hatten sich nur geringfügig aufgewertet.

Das Defizit der öffentlichen Haushalte erreichte 1993 in Frankreich einen bisher noch nicht dagewesenen Höchststand von 6,1 % des BIP und verharrte 1994 bei 6 %. Die nach den Präsidentschaftswählen vom Mai 1995 neu gebildete Regierung bekräftigte ihren Willen zur Haushaltskonsolidierung. Als ersten Schritt legte die Regierung für 1995 einen Ergänzungshaushalt vor; dieser sah vor, die Abweichungen beim Defizit der Zentralregierung vom ursprünglichen Haushaltsziel zu korrigieren. Auf dieser Basis erwarteten die Behörden einen Rückgang des Defizits der öffentlichen Haushalte auf ungefähr 5 % des BIP im Jahre 1995.

Anläßlich ihrer Begutachtung nahmen die Direktoren den Fortgang der wirtschaftlichen Erholung in Frankreich und den Rückgang der Arbeitslosigkeit von dem 1994 erreichten Rekordniveau zur Kenntnis. Sie lobten Frankreich auch für die im letzten Jahrzehnt bei der Inflationsbekämpfung erzielten Fortschritte. Die Direktoren merkten allerdings an, daß die französischen Behörden es leider versäumt hätten, die günstigen Rahmenbedingungen zur Korrektur von zwei hartnäckigen Problemen zu nutzen. Bei ihnen handele es sich um das Haushaltsdefizit und die hohe Arbeitslosigkeit, deren wichtigste Ursachen die Großzügigkeit und die unzureichende Zielorientierung des sozialen Sicherungssystems sowie Verkrustungen am Arbeitsmarkt seien.

Die Direktoren stellten mit Besorgnis fest, daß in den letzten Jahren das Defizit der öffentlichen Haushalte kräftig gestiegen war und 1995 immer noch oberhalb von 5 % des BIP bleiben könnte. Sie betonten, daß die baldige Ankündigung und Umsetzung eines glaubhaften Haushaltskonsolidierungsprogramms wesentlich seien, um eine dauerhafte Zinssenkung sicherzustellen, um das Vertrauen in die Gesamtstrategie der Behörden im Inland und im Ausland zu stärken und dauerhafte finanzielle Stabilität und ein nachhaltiges Wachstum zu fördern. Wenngleich der im September vorgelegte Haushaltsentwurf der Zentralregierung für 1996 ein Schritt in die richtige Richtung sei, müsse noch wesentlich mehr getan werden. Die Direktoren forderten Frankreich daher mit Nachdruck dazu auf, Sofortmaßnahmen zur Reduzierung des Defizits der öffentlichen Haushalte auf unter 3 % des BIP bis 1997 anzukündigen.

Auf strukturpolitischem Gebiet empfahlen mehrere Direktoren, energischere Maßnahmen zur Privatisierung und Deregulierung zu ergreifen, um den Wettbewerb im Inland und die Reform der Staatsbetriebe zu fördern. Die Direktoren betonten, daß die Arbeitsmarktpolitik die zentralen Ursachen der hohen Arbeitslosigkeit unter den ungelernten Arbeitskräften grundlegend angehen müsse - nämlich den hohen Mindestlohn und die damit zusammenhängenden hohen Lohnnebenkosten, die gemeinsam dafür verantwortlich seien, daß viele ungelernte Arbeitskräfte auf dem Arbeitsmarkt zu teuer seien, und die großzügigen Sozialhilfemindestsätze, die den Anreiz zur Arbeitsaufnahme minderten.

Die Direktoren lobten die Bank von Frankreich für ihre geschickte Geldpolitik. Sie stellten allerdings fest, daß der zinspolitische Spielraum der Zentralbank begrenzt bleibe. Rasche Fortschritte bei der Haushaltskonsolidierung seien dringend erforderlich, um die Glaubwürdigkeit des Wechselkursankers zu sichern und die Zinsen auf ein Niveau abzusenken, das mit der im Inland vordringlichen Aufgabe der Schaffung von Arbeitsplätzen besser vereinbar sei.

Die Direktoren lobten Frankreich für seine großzügige öffentliche Entwicklungshilfe, die mit 0,65 % des BIP höher als die der meisten anderen Industrieländer sei. Sie gaben ihrer Hoffnung Ausdruck, daß diese Hilfen trotz Frankreichs Bemühungen, sein Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen, beibehalten würden.

Nach der Konsultation, und zwar gegen Ende Oktober, verkündeten die französischen Behörden, daß die Realisierung der Konvergenzziele gemäß dem Vertrag zur Europäischen Währungsunion von nun an das wichtigste Ziel ihrer Wirtschaftspolitik sei. Zu diesem Zweck kündigte die Regierung an, daß sie ein umfassendes Haushaltskonsolidierungsprogramm beschließen werde mit dem Ziel, das Defizit der öffentlichen Haushalte 1996 auf 4 % des BIP und 1997 auf 3 % zu senken. Als ersten Schritt legte die Regierung im November einen weitreichenden Plan zur Reform des Sozialversicherungssystems vor, wobei das Schwergewicht auf Ausgabenkürzungen im Gesundheitswesen gelegt wurde.

Großbritannien

Die Artikel IV-Konsultation mit Großbritannien wurde im Oktober 1995 von den Direktoren erörtert, als sich die Konjunkturentwicklung in Großbritannien etwas verlangsamte und der Aufschwung in eine fortgeschrittenere Phase eintrat. Von einer Jahresrate von 4 % in der ersten Hälfte von 1994 ging das reale BIP-Wachstum in der ersten Hälfte von 1995 auf knapp über 2 % zurück, wofür eine Straffung der Wirtschaftspolitik und eine Abschwächung des Wachstums im Ausland verantwortlich waren. Der Beschäftigungszuwachs und der Rückgang der Arbeitslosigkeit schwächten sich ebenfalls ab; dabei sank die Arbeitslosigkeit auf etwa 8 % nach einem 1992 erreichten Höchststand von 10,5 % (siehe Tabelle 9).

Tabelle 9Großbritannien: Konjunkturindikatoren(Bei der Dircktoriumsaussprache im Oktober 1995 vorliegende Daten; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
19921993199419951
Binnenwirtschaft
Reales BIP−0,52,23,82,7
Durchschnittliche Arbeitslosenquote (in Prozent aller Erwerbspersonen)9,710,39,38,3
Einzelhandelsindex24,73,02,42,9
Außenwirtschaft (in Milliarden Pfund Sterling)
Ausfuhren107,3121,4134,5148,1
Einfuhren120,4134,8145,1158,7
Leistungsbilanz−9,8−11,0−1,7−7,4
Nettodirektinvestitionen−1,7−7,5−9,7−8,7
Nettoportfolioinvestitionen−3,8−37,750,4−10,6
Grundbilanz−15,3−56,239,0−28,3
Nominaler effektiver Wechselkurs (Durchschnitt des Zeitraums, 1990 = 100)96,9988,9889,2585,333
Offizielle Währungsreserven (Ende des Zeitraums)27,529,028,129,3
Finanzielle Größen
Einnahmen des gesamten Staatssektors4 (in Milliarden Pfund Sterling)223,0231,0250,8278,2
Ausgaben des gesamten Staatssektors4 (in Milliarden Pfund Sterling)267,0281,3296,1305,6
Bruttoersparnis
Bruttoinvestitionen
M02,44,96,46,25
M43,15,04,26,15
Zinssatz für Dreimonats-Interbankgelder9,65,95,56,76
Rendite für Zchnjahres-Staatsanleihen9,17,58,27,96

Vorausgeschätzt.

Ohne Hypothekenzinsen.

Durchschnitt der Monate Januar-September.

Entnommen dem Statistischen Zentralamt (Central Statistical Office) für die Haushaltsjahre 1992/93, 1993/94 und 1994/95 und der Haushaltsvorlage im Financial Statement and Budget Report für das Haushaltsjahr 1995/96.

Durchschnitt der Monate Januar-August.

September.

Vorausgeschätzt.

Ohne Hypothekenzinsen.

Durchschnitt der Monate Januar-September.

Entnommen dem Statistischen Zentralamt (Central Statistical Office) für die Haushaltsjahre 1992/93, 1993/94 und 1994/95 und der Haushaltsvorlage im Financial Statement and Budget Report für das Haushaltsjahr 1995/96.

Durchschnitt der Monate Januar-August.

September.

Zwischen 1993 und 1994 verlagerte sich die Hauptquelle des Wachstums vom privaten Verbrauch zu den Exporten. Im wesentlichen aufgrund der Straffung der Finanzpolitik, der anhaltenden Abwertung des realen Wechselkurses und aufnahmefähiger Exportmärkte entwickelte sich die anfänglich vom Konsum getragene Erholung gegen Ende 1994 und Anfang 1995 zu einem zunehmend von den Exporten und der Investitionsnachfrage getriebenen Aufschwung. Höhere Zinsen, ein schwacher Wohnungsmarkt und Druck auf die verfügbaren Einkommen beschränkten ab der zweiten Hälfte von 1994 die Verbrauchsausgaben.

Die Finanzpolitik wurde auf der Grundlage der mittelfristigen Finanzplanung der Regierung durchgeführt. Der Haushaltsplan vom November 1994 sah eine Reduzierung des Kreditbedarfs des öffentlichen Sektors von 6 % (ohne Privatisierungserlöse) 1994/95 auf 3,4 % 1995/96 vor und strebte für 1998 einen ausgeglichenen Haushalt an. Als integraler Bestandteil der mittelfristigen Finanzplanung wird die Geldpolitik seit Ende 1992 an einem quantifizierten Ziel für die Basisinflation ausgerichtet, nämlich an der unteren Hälfte des Zielbereichs von 1 bis 4 %, die bis spätestens zum zweiten Quartal 1997 erreicht werden soll, und danach sollen dauerhaft 2 ½ % oder weniger realisiert werden. Die kurzfristigen Zinsen wurden in drei gleichgroßen Schritten zwischen September 1994 und Februar 1995 um 150 Basispunkte erhöht. Die Basisinflation erreichte gegen Ende 1994 mit einer Jahresrate von 2 % ihren Tiefstand, stieg dann aber aufgrund höherer Importkosten wieder an. Die Rohstoffpreise stiegen 1994 kräftig, und die mit ihrem anschließenden Rückgang zu Beginn des Jahres 1995 verbundenen Auswirkungen wurden teilweise durch die Abwertung des Sterling ausgeglichen.

Aufgrund hoher Exporte und steigender Einkünfte aus Kapitalanlagen im Ausland bewegte sich die Leistungsbilanz 1994 in nahezu ausgeglichener Position. Für die günstige Exportentwicklung war zum Teil die Zunahme des Welthandels verantwortlich, aber auch die Exportmarktanteile hatten sich erhöht. Anfang 1995 schwächte sich das Exportwachstum aufgrund der zurückgehenden Nachfrage auf einigen wichtigen Märkten ab. Nach einer Periode relativer Stabilität über weite Strecken von 1993 und 1994 wertete sich der handelsgewichtete nominale Wechselkurs des Sterling in der ersten Hälfte von 1995 um 6 % ab, bevor er sich wieder stabilisierte.

Bei ihrer Begutachtung stellten die Direktoren fest, daß sich der wirtschaftliche Aufschwung in Großbritannien fortgesetzt hatte, das Wachstum sich auf ein durchhaltbares Tempo verlangsamt hatte und der inländische Kostendruck trotz des weiteren Rückgangs der Arbeitslosigkeit gering geblieben war. Die Direktoren waren der Meinung, daß die im vergangenen Jahr in Großbritannien durchgeführte Wirtschaftspolitik eindeutig mit den Prinzipien, die der Madrider Erklärung (des Interimsausschusses) zugrundeliegen, im Einklang standen. Sie verwiesen auf die mittelfristige Konzeption der Wirtschaftspolitik der Behörden als einen ganz wichtigen Grund für die günstige Entwicklung. Die Direktoren empfahlen den Behörden, zur Realisierung eines dauerhaften Erfolges die mittelfristige Grundorientierung beizubehalten und jedwedem Druck auf Lockerung der Wirtschaftspolitik in der Vorwahlphase zu widerstehen. Die Direktoren betonten, daß der Haushaltsentwurf vom November 1995 eine wichtige Rolle dabei spielen müsse, das entschlossene Festhalten an der mittelfristigen Strategie zu dokumentieren.

Die Direktoren unterstrichen auch die Bedeutung der Finanzpolitik für die längerfristige wirtschaftliche Entwicklung, und mehrere Sprecher befürworteten eine deutlichere wirtschaftspolitische Präzisierung der mittelfristigen Finanzpolitik. Da Ersparnis, Investitionen und das Potentialwachstum in Großbritannien, verglichen mit einigen anderen Industrieländern, noch gering erschienen, merkten einige Direktoren an, daß die Umsetzung der mittelfristigen Haushaltskonsolidierungspläne wesentlich sei, um die inländische Sparquote anzuheben und das Wachstum zu verbessern.

Die Direktoren waren der Meinung, daß die Ausrichtung der Geldpolitik an einem Inflationsziel, die eine vorbeugende Straffung der Geldpolitik ausgelöst hatte, der Wirtschaft gute Dienste erwiesen hatte. Sie glaubten allerdings, daß die Präsentation des Ziels durch die Behörden hätte direkter sein können und empfahlen, die Ausrichtung der Geldpolitik an einem Inflationsziel einfach zu gestalten. Die Direktoren begrüßten die Transparenz des geldpolitischen Rahmens. Sie stellten dazu fest, daß die Veröffentlichung der Protokolle die Zurechenbarkeit gestärkt und die Politikformulierung verbessert hätte. Einige Direktoren empfahlen, der Bank von England ein höheres Maß an Unabhängigkeit einzuräumen, insbesondere durch Übertragung der Verantwortung für die Zinspolitik. In Anbetracht der günstigen Außenwirtschafts- und Wettbewerbsposition waren die Direktoren der Ansicht, daß eine Aufwertung des realen Wechselkurses auf das Niveau von Anfang 1995 wünschenswert sei.

Mehrere Direktoren lobten die Behörden für die Bewältigung der strukturellen Hindernisse in der Wirtschaft. Sie merkten an, daß die Reform des Arbeitsmarktes im Hinblick auf Beschäftigung und Lohnentwicklung geglückt sei. Allerdings war die Arbeitslosigkeit noch hoch, und die Langzeitarbeitslosigkeit blieb ein besonderes Problem; sie begann 1995 jedoch zu sinken. Die Behörden wurden aufgefordert, die Initiativen zur Verbesserung der Arbeitsmarktchancen der Langzeitarbeitslosen weiterzuentwickeln.

Italien

Die Direktoren beendeten die Artikel IV-Konsultation mit Italien im März 1996 vor dem Hintergrund eines kräftigen, aber unausgewogenen Aufschwungs, bei dem das Wachstum der Exporte die treibende Kraft war (siehe Tabelle 10). Das reale BIP-Wachstum beschleunigte sich von 2,2 % 1994 auf etwa 3 % 1995, als die Schwäche der Lira und der weitere Rückgang der Lohnstückkosten zu weiter wachsenden Exportmarktanteilen führten und den Leistungsbilanzüberschuß auf 2 ½ % des BIP ausweiteten. Haushaltskürzungen dämpften den staatlichen Verbrauch, und der private Konsum blieb schwach, da eine mäßige Lohnentwicklung und eine Verringerung der Anzahl der abhängig Beschäftigten das Wachstum der gesamten Lohnund Gehaltssumme verlangsamten. Ungewißheit über die Beschäftigungs- und Einkommenssituation und ein Anstieg der Inflation belasteten das Vertrauen der Verbraucher ebenfalls und führten zu verstärktem Vorsorgesparen. Die Inlandsnachfrage war deshalb gedämpft, obwohl die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt lebhaft war.

Tabelle 10Italien: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im März 1996 vorliegende Daten; jährliehe prozentuale Veränderungen, falls nicht anders vermerkt)
19921993199419951
Binnenwirtschaft
Reales BIP0,7−1,22,23,2
Arbeitslosenquote (in Prozent aller Erwerbspersonen)210,710,211,212,0
Verbraucherpreisindex5,24,54,05,4
Außenwirtschaft3
Ausfuhrvolumen3,88,910,713,6
Einfuhrvolumen3,4−10,211,412,9
Leistungsbilanz (in Prozent des BIP)−2,31,11,52,5
Nettodirektinvestitionen (in Milliarden Lire)−3 373−5 469−4 6321 589
Nettoportfolioinvestitionen (in Milliarden Lire)1 288113 485−8 26444 531
Kapitalverkehrsbilanz (in Milliarden Lire)10 31714 799−22 157
Realer effektiver Wechselkurs−2,9−14,9−6,2−8,3
Offizielle Bruttowährungsreserven insgesamt (in Millionen US-Dollar, Ende des Zeitraums)50 81851 13858 60760 475
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors (in Prozent des BIP)4−9,5−9,6−9,0−7,1
Breit abgegrenzte Geldmenge55,98,21,92,1
Zinssatz für Sechsmonats-schatzwechsel614,410,59,110,9
Zehnjahres-Schatzanweisungen613,311,210,611,6

Vorausgeschätzt.

Ohne am Lohnergänzungsfonds beteiligte Arbeitskräfte.

Volumina auf Zollabfertigungsbasis; Leistungsbilanz auf Zahlungsbasis.

Einschließlich der auf Schuldverschreibungen mit Nullkupon aufgelaufenen Zinsen.

Die zur Überwachung des Geldmengenwachstums benutzte Zielrate, d. h. gleitender Dreimonatsdurchschnitt.

In Prozent, brutto.

Vorausgeschätzt.

Ohne am Lohnergänzungsfonds beteiligte Arbeitskräfte.

Volumina auf Zollabfertigungsbasis; Leistungsbilanz auf Zahlungsbasis.

Einschließlich der auf Schuldverschreibungen mit Nullkupon aufgelaufenen Zinsen.

Die zur Überwachung des Geldmengenwachstums benutzte Zielrate, d. h. gleitender Dreimonatsdurchschnitt.

In Prozent, brutto.

Die Kombination einer schwachen Lira mit dem an Kraft gewinnenden Aufschwung verstärkten andere Faktoren, wie höhere internationale Rohstoffpreise und den Anstieg der indirekten Steuern, und ließen die Inflation von dem zuletzt vor 25 Jahren erreichten niedrigen Wert von 3,8 % zur Jahresmitte 1994 auf einen Durchschnitt von 5,4 % 1995 hochschießen. Die Basisinflation, gemessen anhand der um den Anstieg der indirekten Steuern und Terms of Trade-Veränderungen bereinigten Verbraucherpreise, war mit ungefähr 4 % weitgehend unter Kontrolle geblieben. Dies war im wesentlichen auf die von der Tarifeinigung vom Juli 1993 ausgehende Zurückhaltung zurückzuführen, die weiterhin Mindestlohnerhöhungen auf das offizielle Inflationsziel von 2 ½ % begrenzte. Das Abkommen führte somit zu einer unnachgiebigeren Lohnpolitik als erwartet, so daß die Lohnstückkosten 1995 bei sinkenden Reallöhnen und steigender Produktivität im zweiten aufeinanderfolgenden Jahr zurückgingen.

Das Defizit aller öffentlichen Haushalte ging 1995 auf 7,3 % des BIP zurück, von 9 ½ % des BIP im Jahre 1994, verglichen mit einem zunächst angestrebten Budgetziel von 8 % des BIP. Da sich der Primärüberschuß auf 3,4 % des BIP vergrößerte, wurde der Anstieg der staatlichen Schuldenquote gestoppt. Die während der letzten Jahre erzielte Verbesserung war vollständig auf den Rückgang bei den Primärausgaben um 4 Prozentpunkte des BIP zwischen 1993 und 1995 zurückzuführen. Das Niveau der Primärausgaben liegt gegenwärtig um etwa 3 ½ Prozentpunkte des BIP unter dem Durchschnitt der Europäischen Union, während die Staatseinnahmenquote in etwa so hoch ist wie in den übrigen Ländern der Europäischen Union.

Die Geldpolitik blieb weiterhin vorsichtig restriktiv. Um aufkommende Inflationstendenzen frühzeitig zu unterbinden, erhöhte die Bank von Italien seit der Jahresmitte 1994 in drei Schritten ihre Zinsen um insgesamt 200 - 250 Basispunkte und trieb wegen wiederholter Anspannungen am Devisenmarkt die Geldmarktsätze in die Höhe. M 2 weitete sich bis Dezember 1995 im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt um 2,1 % aus.

Bei ihrer Begutachtung lobten die Direktoren Italiens Erfolg bei der Haushaltskonsolidierung, die unter schwierigen politischen Umständen realisiert worden sei. Die 1995 erfolgte Korrektur der öffentlichen Finanzen war besser als geplant ausgefallen und hatte bereits dazu beigetragen, den zuvor unaufhaltsam erscheinenden Anstieg der Schuldenquote zu stoppen. Die Direktoren waren der Meinung, daß die Reform der Rentenversicherung eine weitere konkrete und wichtige Leistung sei, und forderten die Behörden mit Nachdruck dazu auf, diese Fortschritte für die weitere Arbeit nutzbar zu machen.

Die Direktoren merkten an, daß die Schwäche der Lira zu einem unausgewogenen Aufschwung geführt hatte, der die zwischen den Regionen vorhandenen strukturellen Ungleichgewichte verschärft hatte. Sie waren der Meinung, daß eine Kräftigung der Lira als Folge der Haushaltskonsolidierung warscheinlich von sinkenden Zinsen begleitet sein würde, was die üblichen kontraktiven Effekte der Haushaltskonsolidierung und der Wechselkursaufwertung ausgleichen werde. Vor diesem Hintergrund verlangten die Direktoren, Tempo und strukturelle Inhalte der Haushaltskonsolidierung noch zu verstärken, und stimmten darin überein, daß die Konsolidierungspolitik für die Märkte glaubwürdig sein müsse. Die meisten Direktoren waren der Meinung, daß Italien die Einhaltung der Maastrichter Kriterien bereits für 1997 anstreben solle, ein Jahr früher als man gegen Ende des Jahres 1994 angenommen hatte. Deshalb forderten sie die Behörden dazu auf, sofort wirksam werdende Maßnahmen zu beschließen, um das Defizitkriterium von 3 % des BIP bis 1997 zu realisieren. Sie waren sich einig, daß die Haushaltsanpassung, wie in den Plänen der Behörden vorgesehen, weitmöglichst in Form dauerhafter Ausgabenkürzungen erfolgen sollte.

Die Direktoren führten aus, daß eine glaubhafte Beschleunigung der Haushaltsanpassung günstigere Rahmenbedingungen für die Geldpolitik schaffen und wahrscheinlich zu einer weiteren Aufwertung der Lira führen würde. Sie stellten fest, daß ohne erneute Anstrengungen zur Haushaltskonsolidierung die Geldpolitik eine hohe Last tragen müsse, um die angestrebte Senkung der Inflation zu erreichen. Unter diesen Umständen müsse die Wirtschaftspolitik straff bleiben, und die Bank von Italien müsse bereit sein, die nötigen Maßnahmen zu ergreifen, falls Kursaufweichungen in der Finanzpolitik das Inflationsziel gefährdeten.

Die Direktoren waren der Überzeugung, daß die Strukturreformen einen neuen Impuls benötigten. Sie unterstrichen, daß es notwendig sei, den Haushaltsprozeß zu reformieren, damit sich die von der gesamtwirtschaftlichen Situation gesetzten Grenzen auf das Ausgabenverhalten auswirken, die Verantwortlichkeit verbessert und die Transparenz in den Haushaltsdokumenten erhöht wird. Sie stellten fest, daß die Verabschiedung des Gesetzes über die Aufsichtsbehörden die Grundlage für die Privatisierung der staatlichen Versorgungsunternehmen geschaffen hätte, die jetzt mit einem noch höheren Tempo vorangebracht werden solle, und sie rieten auch dazu, der Privatisierung der im Besitz öffentlicher Stiftungen befindlichen Banken eine hohe Dringlichkeit einzuräumen. Sie waren besorgt über die Hartnäckigkeit der Arbeitslosigkeit, den Unterschied zwischen dem Norden und dem Süden und die hohe Jugend- und Langzeitarbeitslosigkeit und betonten unter anderem die Notwendigkeit einer größeren Lohndifferenzierung zwischen den Regionen und den Industriezweigen.

Kanada

Das Direktorium erörterte den Stabsbericht zur Artikel IV-Konsultation 1996 mit Kanada im April 1996. Der kräftige wirtschaftliche Aufschwung der Jahre 1993 und 1994 schwächte sich 1995 ab (siehe Tabelle 11). Zum Zeitpunkt der Artikel IV-Konsultation 1995 war die Abschwächung des realen BIP-Wachstums 1995 wesentlich größer, als man früher angenommen hatte. Ursächlich für die Wachstumsabschwächung waren im wesentlichen die wider Erwarten großen Auswirkungen des Zinsanstiegs, der gegen Ende 1994 eingesetzt hatte, das geringe Vertrauen der Verbraucher und der Wirtschaft und die kräftige Konjunkturabschwächung in den Vereinigten Staaten in der ersten Hälfte von 1995, die das Exportwachstum beschränkte.

Tabelle 11Kanada: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im April 1996 vorliegende Daten; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
19931994199519961
Binnenwirtschaft
Reales BIP2,24,62,21,9
Arbcitslosenquote (in Prozent aller Erwerbspersonen)11,210,49,59,6
Verbraucherpreisindex (Jahresdurchschnitt)1,80,22,11,3
Außenwirtschaft
Ausfuhrvolumen11,214,712,36,6
Einfuhrvolumen11,113,69,83,8
Leistungsbilanz (in Milliarden kanadischer Dollar)−28,8−22,3−13,1−5,3
Nettodirektinvestitionen (in Milliarden kanadischer Dollar)−1,11,78,8
Nettoportfolioinvestitionen (in Milliarden kanadischer Dollar)27,112,520,2
Realer effektiver Wechselkurs (auf Basis von Lohnstückkosten)−8,5−5,5−6,6
Offizielle internationale Bruttoreserven (in Milliarden US-Dollar)12,812,515,2
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors (in Prozent des BIP)−7,3−5,3−4,2−2,4
Bruttoersparnis (privat, in Prozent des BIP)17,818,018,416,5
Bruttoinlandsinvestitionen (in Prozent des BIP)15,816,315,416,3
M2 (Geld und Quasigeld, Ende des Zeitraums)3,12,74,0
Zinssatz für Dreimonats-Schatzwechsel (in Prozent)4,85,57,05,1
Zinssatz für Zehnjahres-Staatsanleihen (in Prozent)7,28,48,17,7

Vorausgeschätzt.

Vorausgeschätzt.

Das reale BIP-Wachstum bewegte sich in der ersten Hälfte von 1995 in der Nähe von Null, wofür der kräftige Rückgang bei den Nettoexporten und der Bautätigkeit sowie die Abschwächung des privaten Verbrauchs verantwortlich waren. Die Wirtschaft erholte sich wieder im dritten Quartal, als die Nettoexporte kräftig wuchsen, aber kühlte im vierten Quartal als Folge von Schwächen beim Verbrauch, den Lagerinvestitionen und dem Wohnungsbau wieder ab. Das Beschäftigungswachstum ging von 3 % 1994 auf 0,8 % im Jahre 1995 zurück, als sich die Zunahme der Erwerbstätigkeit im privaten Sektor verlangsamte und die Beschäftigung im öffentlichen Sektor zurückging. Die Erwerbsquote sank weiter, so daß die Arbeitslosenquote von einem konjunkturell bedingten Höchststand von 11,9 % zum Jahresende 1992 auf 9,6 % zum Jahresende 1994 zurückging und sich 1995 und bis ins Jahr 1996 hinein nur wenig veränderte.

Die Kerninflation auf der Verbraucherstufe stieg geringfügig von 1,6 % 1994 auf 1,9 % im Jahre 1995 an, wofür die mit zeitlicher Verzögerung auftretenden Effekte der Abwertung des kanadischen Dollar und ein kräftiger Anstieg der Rohstoffpreise in der ersten Hälfte von 1995 verantwortlich waren. Das Leistungsbilanzdefizit verringerte sich von 3 % des BIP 1994 auf 1,7 % des BIP 1995, als der Wert der Exporte kräftig anstieg. Diese Entwicklung hing mit höheren Exportpreisen für Rohstoffe, der vorangegangenen Abwertung des kanadischen Dollar, sinkenden Lohnstückkosten in der verarbeitenden Industrie und der im Jahresverlauf kräftigeren Importnachfrage der Vereinigten Staaten zusammen.

Ein sich über weite Strecken von 1995 und Anfang 1996 aufwertender kanadischer Dollar, das schwächer als erwartete Wirtschaftswachstum und der nachlassende Inflationsdruck ermöglichten der Bank von Kanada eine Lockerung der Geldpolitik. Zwischen Anfang Mai 1995 und Ende März 1996 senkte die Bank von Kanada ihren Zielbereich für den Tagesgeldsatz um 300 Basispunkte.

Der dem Parlament im März 1996 vorgelegte Haushalt für 1996/97 bestätigte die Regierungsziele für das Defizit des Bundes in Höhe von 3 % des BIP 1996/97 und 2 % des BIP 1997/98 und formulierte aufs neue die Absicht der Regierung, längerfristig einen ausgeglichenen Haushalt zu realisieren. Die Haushaltsmaßnahmen konzentrierten sich im wesentlichen auf Ausgabenkürzungen, die darauf abzielen, das Niveau der nicht auf Zinszahlungen entfallenden Ausgaben im Durchschnitt der nächsten drei Jahre mit einer Jahresrate von 2,5 % abzubauen. Um dieses Ziel zu realisieren, sah der Haushalt weitere Kürzungen bei den Verteidigungsausgaben vor, bei der Entwicklungshilfe, den sozialen und kulturellen Programmen sowie den Subventionen für die Landwirtschaft, den Transportsektor und bei den staatlichen laufenden Ausgaben.

Bei ihrer Begutachtung lobten die Direktoren die Behörden für die Fortschritte, die sie bei der Umsetzung ihrer Strategie seit der letzten Artikel IV-Konsultation im Mai 1995 erzielt hatten. Die Inflation war unter Kontrolle gebracht und würde den Vorhersagen zufolge weiterhin niedrig bleiben, das Haushaltsdefizit des Bundes war weiter zurückgegangen, das Leistungsbilanzdefizit hatte sich verringert, und es waren Fortschritte bei der Reform einer Reihe wichtiger Sozialprogramme erzielt worden. Gleichwohl waren die Direktoren der Meinung, daß es wichtig bleibe, den Anpassungsschwung beizubehalten, um die hohe Schuldenquote deutlich zu verringern, weil die hohe Staatsverschuldung die Wirtschaft anfällig für Vertrauens-schwankungen an den Märkten und für binnen- und außenwirtschaftliche Schocks machen würde.

Die Direktoren merkten an, daß die Regierung mit dem Haushalt vom März 1996 ihre Entschlossenheit zur Verringerung des Haushaltsdefizits bekräftigt hatte und vermutlich ihre Ziele zur Verringerung des Defizits im Bundeshaushalt realisieren werde, aber sie unterstrichen, wie wichtig es sei, die Haushaltskonsolidierung mittelfristig fortzuführen. Obwohl man erwarte, daß die Schuldenquote des Bundes 1997/98 sinken werde, sei sie im internationalen Vergleich noch hoch und mache die Wirtschaft gegenüber ungünstigen Zinsentwicklungen anfällig. Die meisten Direktoren waren sich darin einig, daß das Hauptaugenmerk der Haushaltskonsolidierung weiterhin auf Ausgabenkürzungen in den Bereichen gerichtet werden solle, die gleichzeitig die Strukturreformen unterstützen. Das Direktorium begrüßte die Verbesserungen im Haushaltsprozeß, die auf Ausgabenkürzungen bei einer ganzen Palette von Programmen und Dienstleistungen abzielen.

Die Direktoren billigten die Anstrengungen der Behörden zur Reform des Arbeitslosenversicherungssystems, obwohl einige Direktoren feststellten, daß größere Leistungskürzungen zur Verringerung der strukturellen Arbeitslosigkeit in Kanada beitragen könnten. Die Schritte, die zur längerfristigen Sicherung des Systems staatlicher Unterstützungen für ältere Menschen unternommen worden waren, wurden von den Direktoren begrüßt. Es wurde allerdings angemerkt, daß die Maßnahmen erst in späteren Jahren zu Haushaltseinsparungen führen würden. Bedenken äußerten die Direktoren auch gegenüber den hohen und noch weiter ansteigenden, ungedeckten Verpflichtungen des kanadischen Rentensystems, die beträchtliche Anhebungen der Beitragssätze oder erhebliche Leistungskürzungen oder beides erforderlich machen würden. Änderungen des Systems werden gegenwärtig diskutiert.

Die Direktoren lobten die Behörden für ihre anhaltenden Erfolge bei der Bewahrung eines niedrigen Inflationsniveaus und für die Schritte, die zur besseren Darstellung der Geldpolitik gegenüber der Öffentlichkeit unternommen worden waren. Sie waren sich im allgemeinen einig, daß die seit Anfang 1995 erfolgte Lockerung der Geldpolitik in Anbetracht der günstigen Preisentwicklung und der erheblichen Nachfrageschwäche der Wirtschaft angemessen gewesen war.

Die Direktoren waren der Meinung, daß Kanadas unbeirrbares Eintreten für den Freihandel lobenswert sei, und begrüßten insbesondere die jüngsten Maßnahmen zur Reduzierung der Agrarsubventionen, zur Beschleunigung der in der Uruguay-Runde vereinbarten Zollsenkungen und zur Vereinfachung und übersichtlicheren Gestaltung des Tarifsystems. Die Liberalisierung des Binnenhandels wurde ebenfalls begrüßt. Die Behörden wurden für die hohe Qualität ihrer öffentlichen Entwicklungshilfe gelobt und dazu ermuntert, ihr Versprechen zu erfüllen, 0,7 % des BIP als öffentliche Entwicklungshilfe bereitzustellen.

Kleinere Industrieländer

Während des Geschäftsjahres 1996 schloß der Fonds mit fast allen seiner 16 Mitglieder unter den kleineren Industrieländern Artikel IV-Konsultationen ab. Eine Reihe von Ländern, unter ihnen Australien, Irland, Luxemburg, Neuseeland, Norwegen und Österreich, verzeichnete eine recht lebhafte Wirtschaftstätigkeit. Die Direktoren sahen Anzeichen für eine investitionsgetriebene Konjunkturerholung in Griechenland, und sie begrüßten die Rückkehr Finnlands auf einen Wachstumspfad mit geringer Inflation. Sie waren sich darin einig, daß eine Wachstumsabschwächung in Neuseeland in Anbetracht des hohen Kapazitätsauslastungsgrades und des drastischen Rückgangs der Arbeitslosenquote des Landes angemessen war. Sie nahmen auch zur Kenntnis, daß sich Belgiens Wirtschaftswachstum parallel zu den Entwicklungen in den Nachbarländern deutlich abgeschwächt hatte und daß die wirtschaftliche Erholung in der Schweiz enttäuschend langsam vorankam.

Mit der bemerkenswerten Ausnahme von Neuseeland war für viele dieser Länder die Haushaltssituation ein Hauptgrund der Besorgnis. Die Direktoren forderten die Länder mit Nachdruck dazu auf, die sich durch den Wirtschaftsaufschwung bietenden Gelegenheiten zur notwendigen Haushaltskonsolidierung zu nutzen; aber sie riefen auch dazu auf, bei schwächerem Wirtschaftswachstum fiskalische Disziplin zu wahren, damit die bereits erzielten Fortschritte gesichert werden könnten. Die wirtschaftlichen Aktivitäten in einem kleinen Land wie beispielsweise Luxemburg unterlägen erheblichen Schwankungen - eine Tatsache, die zusätzlich die Argumente für eine zurückhaltende Ausgabenpolitik der öffentlichen Hand unterstütze, so stellte das Direktorium fest. Sie rieten zu einem entschlossenen Defizitabbau in Finnland, um den Anstieg der Schuldenquote der Zentralregierung zu stabilisieren und umzukehren; und sie forderten Österreich dazu auf, seine Sparanstrengungen im Haushaltsbereich zu beschleunigen. Die Direktoren lobten die irischen Behörden für die Begrenzung ihres Haushaltsdefizits und für die Reduzierung der hohen staatlichen Schuldenquote, aber sie bedauerten, daß die durch das kräftige Wirtschaftswachstum entstandene Gelegenheit für einen rascheren Abbau des Haushaltdefizits nicht im vollen Umfang genutzt worden war.

Die Direktoren glaubten, daß eine weitere Haushaltskonsolidierung in Belgien unerläßlich sei, um die Hartwährungspolitik des Landes und die Teilnahme an der EWU zu sichern. Sie merkten auch an, daß für den Plan der neuen Regierung in Australien eine mittelfristige Haushaltskonsolidierung sehr wesentlich sei und daß es wichtig wäre, Schritte zur Erhöhung der privaten Ersparnis zu unternehmen. Die Direktoren begrüßten den von Griechenland seit der letzten Konsultation bei der Haushaltskonsolidierung erzielten Fortschritt, warnten aber vor einer voreiligen Lockerung der Finanzpolitik; sie betonten die Notwendigkeit fiskalischer Disziplin, um die Last zu mindern, die gegenwärtig von der Geldpolitik getragen wird, und um den nachteiligen Auswirkungen der bestehenden großen fiskalischen Ungleichgewichte entgegenzutreten.

Die hohen steuerlichen Belastungen in vielen dieser Länder begrenzten faktisch den Spielraum für einnahmeverbessernde Maßnahmen; gleichwohl betonten die Direktoren die Wichtigkeit einer weiteren Stärkung der Steuerverwaltung in Portugal sowie einer Verbreiterung der Steuerbasis und einer verbesserten Steuermoral in Griechenland. In den meisten Ländern müsse sich die Haushaltskonsolidierung auf eine Mischung von Maßnahmen stützen, die zu dauerhaften Ausgabenreduzierungen führen könnten. Dies könne Anstrengungen erfordern, um die Personalausgaben zu begrenzen, Subventionen und Übertragungen zu kürzen und in einigen Fällen die Rolle des Staates in der Wirtschaft zu vermindern. Solche Schritte wurden beispielsweise im Fall von Norwegen empfohlen, um längerfristig den Übergang zu einer wettbewerbsfähigen, nicht mehr so stark auf Öl gestützten Volkswirtschaft zu fördern.

Die Direktoren merkten an, daß eine niedrigere staatliche Schuldenquote den Regierungen in der Fiskalpolitik und bei der Behandlung des Problems der alternden Bevölkerungen und dem daraus resultierenden Druck auf die Rentenversicherungssysteme größere Flexibilität verschaffen würde. Sie lobten, daß es in Finnland gelungen war, sich auf eine Reform des Rentenversicherungssystems zu einigen, und unterstützten Luxemburgs erste Schritte zur Kostendämpfung im Rentensystem der öffentlichen Hand. Sie merkten an, daß die Reform der Rentenversicherung für viele der kleineren Industrieländer mittelfristig ein großes Problem bleibt.

Die Direktoren lobten die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik in vielen der kleineren Industrieländer; insbesondere hoben sie dabei die Geldpolitik Neuseelands hervor. Ihr sei es gelungen, den Inflationsdruck während des Wirtschaftsaufschwungs in Neuseeland unter Kontrolle zu halten, und die Direktoren glaubten, daß auch weiterhin eine straffe Geldpolitik angemessen sei. Sie empfahlen auch anderen Ländern, die an niedrigen Inflationsraten festhalten wollen, wie beispielsweise Irland, eine Straffung der Geldpolitik; sie merkten zugleich an, daß sich in einer Reihe von Ländern eine restriktivere Finanzpolitik als sinnvolle Ergänzung für die Geld- und Wechselkurspolitik erweisen würde. Die Direktoren begrüßten die Straffung der Geldpolitik in Island, und sie ermunterten die Behörden, sie noch weiter zu verschärfen, um die niedrigen Währungsreserven wieder aufzustocken. Griechenlands wechselkursgestützte Geldpolitik hätte zur Halbierung der Inflation gegenüber ihrem Höchststand von 1990 beigetragen, aber seine Erfahrungen mit Kapitalzuflüssen spiegelten die Grenzen wider, bis zu denen sich die weitere Inflationsbekämpfung ausschließlich auf die Geldpolitik stützen könne. Die Direktoren lobten auch Portugals vorsichtigen geldpolitischen Kurs, aber sie rieten dringend dazu, die Geld- und Wechselkurspolitik stärker durch eine angemessene Finanzpolitik zu unterstützen.

Die Direktoren gratulierten einer Reihe von Ländern zu ihrer glaubwürdigen Wechselkurspolitik; sie merkten an, daß für mehrere europäische Länder die Hartwährungspolitik ihren Zweck gut erfüllt habe. Sie lobten Finnland dafür, daß es begonnen habe, eine Politik stabiler Wechselkurse zu verfolgen. Das Direktorium stellte fest, daß Islands Politik fester, aber anpaßbarer Wechselkurse die inländische Inflation begrenzt und die Wettbewerbsfähigkeit erhalten habe; sie äußerten aber ihre Besorgnisse über die anhaltenden privaten Kapitalexporte und über den weiteren Rückgang der Reserven.

Die anhaltende Aufwertung des Schweizer Franken spiegelte nach Auffassung der Direktoren die hohe Sparquote und die Anziehungskraft der Schweiz als eines sicheren Hafens (safe haven) wider. Verbunden mit der fortschreitenden Integration der Schweiz in die europäische und die Weltwirtschaft mache es die Aufwertung unbedingt erforderlich, daß das Land die strukturelle Anpassung seiner Wirtschaft beschleunigt vorantreibe und die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit seines Sektors der nicht handelbaren Güter erhöhe, um auf mittlere Frist ein zufriedenstellendes Beschäftigungsniveau zu erhalten.

Die Direktoren verwiesen auf ein mögliches Spannungsverhältnis zwischen hohen Öleinnahmen und den Bemühungen, die norwegische Krone stabil und die Inflation niedrig zu halten. Sie merkten an, daß eine straffere Finanzpolitik zu einer Abschwächung des Aufwertungsdrucks beitragen könnte. Die Lohnentwicklung stelle in Finnland das größte Inflationsrisiko dar; die Direktoren glaubten, daß eine Verschärfung der Geldpolitik notwendig werden könnte, falls sich Lohndruck aufbaue. Sie bedauerten auch die fiskalischen Zugeständnisse, die in Island im Zusammenhang mit der jüngsten Überprüfung des allgemeinen Lohnabkommens gewährt worden waren, und waren der Ansicht, daß man diese Kosten vollständig durch neue Maßnahmen hätte ausgleichen sollen.

Die Direktoren gratulierten Neuseeland zu der nachhaltigen Durchführung von strukturellen Wirtschaftsreformen und zur Beibehaltung einer soliden Wirtschaftspolitik, was dem Land zum Erreichen eines höheren Potentialwachstums verholfen habe. Sie glaubten, daß die umfassende Deregulierung des Arbeitsmarktes das Entstehen eines allgemeinen Lohndrucks hinausgeschoben, ein kräftiges Beschäftigungswachstum gefördert und Investitionen im Schulwesen und in der Ausbildung begünstigt habe. Demgegenüber seien allerdings die Arbeitslosenquoten in vielen anderen Ländern hartnäckig hoch geblieben, was auf strukturelle Ursachen dieses Problems schließen lasse. Die Direktoren begrüßten die Reformen zur Erhöhung der Arbeitsmarktflexibilität, wie beispielsweise Finnlands verschärfte Anforderungen an die Gewährung von Arbeitslosenunterstützung; sie waren sich aber darin einig, daß viele dieser Länder von energischeren Anstrengungen zur Beseitigung von Hindernissen bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze profitieren würden. Beifällig äußerten sich die Direktoriumsmitglieder zu der Entscheidung der neuen australischen Regierung, der Arbeitsmarktreform höchste Priorität einzuräumen. Überdies begrüßten sie neue Initiativen, die darauf abzielen, den Wettbewerb auf Staatsunternehmen und andere geschützte Wirtschaftssektoren auszuweiten.

Die Direktoren riefen eine Reihe von Ländern, unter ihnen Portugal, dazu auf, zur Stärkung ihrer Finanzsektoren die Bankenaufsicht zu verbessern. Sie merkten auch an, daß es für Island wichtig sei, weitere Schritte zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit des Finanzsektors zu unternehmen.

Schließlich überprüften die Direktoren im Einklang mit der Initiative des Fonds auf dem Gebiet der Statistik die Aktualität und Genauigkeit der von diesen Ländern zusammengestellten Wirtschaftsdaten und ermunterten eine Reihe von ihnen dazu, in bestimmten Bereichen Verbesserungen vorzunehmen, wie beispielsweise in den Daten über den Außenhandel und die Verbraucherpreise sowie in den volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen.

Australien

Das Direktorium schloß die Artikel IV-Konsultation 1995 mit Australien im März 1996 ab. Seit Ende der 80er Jahre ist die australische Wirtschaft über den Abbau der Zollmauern und weitreichende Deregulierungsmaßnahmen im Finanzsektor in zunehmendem Maße in die Weltwirtschaft integriert worden. Vor diesem Hintergrund begrüßten die Direktoren die während der letzten Jahre im allgemeinen günstige Entwicklung der australischen Wirtschaft, die sich in einem seit vier Jahren anhaltenden Wirtschaftswachstum, einer wesentlich geringeren Inflation und beträchtlichen Beschäftigungsgewinnen niederschlug (siehe Tabelle 12). Die Direktoren stellten allerdings fest, daß die australische Wirtschaft vor zwei zentralen Strukturproblemen steht - nämlich der längerfristigen Verschlechterung der Leistungsbilanzposition, die zur Kumulierung einer hohen Auslandsverschuldung geführt hatte, und hoher struktureller Arbeitslosigkeit. Außerdem waren die Direktoren auch darüber besorgt, daß der Nachfrage druck zu einer weiteren Verschlechterung der Zahlungsbilanz und zum Wiederaufleben der Inflation führen würde. Um diesen Problemen zu begegnen, haben die Behörden eine umfassende wirtschaftspolitische Strategie entwickelt, die darauf aufbaut, die inländische Ersparnis zu erhöhen, die niedrige Inflation abzusichern und die Produkt- und Faktormärkte flexibler zu machen.

Tabelle 12Australien: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im März 1996 vorliegende Daten; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
1991/921992/931993/941994/95
Binaenwirtschaft
Reales BIP0,73,24,44,5
Arbeitslosenquote10,311,010,58,9
Verbrauchcrpreisindex1,91,01,83,2
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob (in Milliarden australischer Dollar)54,960,063,966,4
Einfuhren, fob (in Milliarden australischer Dollar)51,159,464,474,7
Leistungsbilanz (in Milliarden australischer Dollar)−11,6−14,9−16,7−27,6
Bruttodirektinvestitionen (in Milliarden australischer Dollar)112,5121,9128,6
Portfolioinvestitionen (in Milliarden australischer Dollar)127,5122,9126,8
Kapitalverkehr (in Milliarden australischer Dollar)14,914,313,223,1
Bruttoauslandsschulden (in Milliarden australischer Dollar)191,3208,4205,9223,3
Realer effektiver Wechselkurs (1989/90 = 100)89,582,177,378,6
Internationale Nettoreserven (in Millionen US-Dollar)16,714,015,114,3
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors (in Prozent des BIP)−4,6−4,7−3,1−2,4
Breit abgegrenzte Geldmenge0,82,31,37,8
Zinssatz (Zehnjahres-Anweisungen)9,98,37,49,9

Die Direktoren glaubten, daß eine mittelfristige Haushaltskonsolidierung sehr wichtig sei, um die inländische Ersparnis zu erhöhen, der Verschlechterung der Zahlungsbilanz gegenzusteuern und das Wachstum fortzusetzen. Die Direktoren begrüßten das Ziel der neuen Regierung, bis 1997/98 einen ausgeglichenen Staatshaushalt zu realisieren. Sie teilten im allgemeinen die Sicht der Behörden, wonach sich die Haushaltskonsolidierung im wesentlichen auf die Ausgabenseite konzentrieren müsse. Die Direktoren erwähnten auch den Rückgang der privaten Ersparnis und wie wichtig es sei, ein wirtschaftliches Umfeld zu schaffen, das private Ersparnisse fördert. Die Festlegung der Behörden auf das Ziel der Preisstabilität werde durch das vorausschauende, transparentere geldpolitische Konzept unterstützt.

In Anbetracht der voraussichtlich anhaltend kräftigen Nachfrage waren die Direktoren der Auffassung, daß eine weiterhin stabilitätsorientierte Wirtschaftspolitik betrieben werden müsse, um die inländischen Kosten unter Kontrolle zu halten und sicherzustellen, daß die Basisinflation sich wieder ihrem Zielbereich von 2-3 % annähert. Einige Direktoren glaubten, daß die Geldpolitik noch weiter gestrafft werden müsse, insbesondere wenn es Hinweise auf ein kräftigeres Wirtschaftswachstum gebe. Mehrere vertraten die Ansicht, daß eine genauere Spezifizierung des Inflationsziels zur Klärung der Inflationserwartungen beitragen und bei Einhaltung des Ziels zu raschen Vertrauensgewinnen führen könnte.

Während der letzten Jahre haben die Behörden zahlreiche Initiativen zur Beseitigung der strukturellen Hindernisse in der Wirtschaft unternommen. Zu ihnen zählten weitreichende Schritte, um die Staatsunternehmen und andere geschützte Wirtschaftssektoren stärker dem Wettbewerb auszusetzen, sowie Maßnahmen zur Förderung eines flexibleren und effizienteren Arbeitsmarktes. Letzteres geschieht, indem bei den Beziehungen zwischen den Tarifparteien ein allmählicher Übergang von zentralen Tarifrunden auf unternehmensbezogene Verhandlungen unterstützt wird. Die Direktoren lobten diese Initiativen, merkten aber an, daß andere Herausforderungen, insbesondere diejenige, die Arbeitslosigkeit abzubauen, bestehen blieben. Sie stellten fest, daß erhebliche Verkrustungen auf dem Arbeitsmarkt die Effektivität von Lohnverhandlungen auf Unternehmensebene schmälerten und das Risiko verschärften, daß Lohnabschlüsse über das hinausgingen, was die Produktivitätsverbesserungen einbrächten. Daher begrüßten die Direktoren nachdrücklich die Hinweise, daß eine Arbeitsmarktreform mit dem Ziel, Lohnverhandlungen auf Unternehmensebene zu erleichtern, eine wichtige wirtschaftspolitische Priorität der Regierung sein werde. Sie rieten auch dringend dazu, anderen möglichen Ursachen der hohen Arbeitslosigkeit Aufmerksamkeit zu widmen, wie beispielsweise dem Niveau der Lohnnebenkosten und den Sozialhilfeleistungen, die den Anreiz zur Arbeitsaufnahme mindern könnten. Einige Direktoren wiesen auch auf die Notwendigkeit hin, den Ausbildungsstand und die Produktivität der Arbeitnehmer zu verbessern, um so die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.

Die Direktoren begrüßten das nachdrückliche Eintreten der Behörden für eine liberale Außenhandelspolitik. Einige Direktoren empfahlen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit weitere Handelsliberalisierungsmaßnahmen, insbesondere Zollsenkungen. Die Behörden wurden auch dazu aufgerufen, ihre öffentliche Entwicklungshilfe zu erhöhen.

Finnland

Als die Direktoren Anfang September 1995 die Artikel IV-Konsultation mit Finnland erörterten, schien die wirtschaftliche Entwicklung in dem Land durch solides Wachstum gekennzeichnet zu sein. Die Inlandsnachfrage erholte sich, die Inflation blieb niedrig, und die Leistungsbilanz wies einen Überschuß auf. Gleichwohl blieb die Arbeitslosigkeit hoch, und in einigen Exportindustrien waren Kapazitätsgrenzen sichtbar.

Nach einem kumulativen Rückgang von 13 % in den vorangegangenen drei Jahren wuchs das reale BIP 1994 um 4 % und setzte sein kräftiges Wachstum auch Anfang 1995 fort (siehe Tabelle 13). Die Arbeitslosenquote ging von einem Höchststand von 19 % Anfang 1994 auf 17 % im April 1995 zurück. Nachdem der Wechselkurs im September 1992 freigegeben worden war, wertete sich die Markka stark ab. Diese Abwertung legte zusammen mit einer verbesserten Produktivität die Grundlage für eine kräftige, exportgestützte wirtschaftliche Erholung, bei der die Exporte in drei aufeinanderfolgenden Jahren jeweils um real 10 % zulegten. Im Jahresverlauf 1994 geriet die Leistungsbilanz zum ersten Mal seit 15 Jahren in eine Überschußposition. Anschließend gab es Anzeichen für einen Übergang zu einem ausgeglicheneren wirtschaftlichen Aufschwung. Die privaten Investitionen ziehen an, und die Inlandsnachfrage hat sich verstärkt. Zudem beruhte der Anstieg der Exporte 1994 nicht auf der Währungsabwertung (die Markka hatte sich seit Anfang 1993 um 25 % aufgewertet), sondern auf der wirtschaftlichen Belebung in den Partnerländern, einschließlich der Transformationsländer, und auf den verbesserten realen Austauschverhältnissen, da sich die Preise für Zellstoff und Papier wieder erholt hatten. 1995 war die Inflation niedrig geblieben, allerdings deuteten verschiedene Anzeichen auf einen kräftigen Anstieg der Verbraucherpreise in der Folgezeit hin. Trotz einiger Ausgabenkürzungen weitete sich das Haushaltsdefizit der Zentralregierung 1994 geringfügig auf 10,5 % aus, und für 1995 wurde mit keiner Verbesserung gerechnet. Hierzu haben neben anderen Gründen der Anstieg der Arbeitnehmervergütungen, die Beitrittskosten zur Europäischen Union und der Fehlschlag beigetragen, mit fiskalischen Maßnahmen einen ausreichenden Strukturwandel herbeizuführen.

Tabelle 13Finnland: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprachc im September 1995 vorliegende Daten; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
1992199319941995
Binnenwirtschaft
Reales BIP−3,6−1,63,95,0
Arbeitslosenquote (in Prozent)13,117,918,416,5
Verbraucherpreisindex2,62,21,11,5
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob (in Milliarden Markka)105,8132,6152,2174,3
Einfuhren, cif (in Milliarden Markka)93,2101,6118,6133,5
Leistungsbilanz (in Prozent des BIP)−4,0−1,01,12,5
Nettodirektinvestitionen (in Milliarden Markka)5,2−4,6−12,0
Nettoportfolioinvestitionen (in Milliarden Markka)34,835,137,4
Kapitalbilanz (in Milliarden Markka)13,90,923,5
Auslandsschulden, netto (in Prozent des BIP)48,255,150,2
Realer effektiver Wechselkurs−17,5−15,96,34,51
Internationale Nettoreserven (in Milliarden US-Dollar)5,35,510,711,11
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors (in Prozent des BIP)−5,9−7,8−5,6−4,7
Bruttoersparnis (in Prozent des BIP)12,113,617,521,0
Bruttoanlageinvestitionen−16,9−18,64,115,1
Breit abgegrenzte Geldmenge−0,13,81,9−0,31
Zinssatz (Dreimonats-Geldmarktsatz)13,37,75,46,02

Erstes Quartal 1995.

Juni 1995.

Erstes Quartal 1995.

Juni 1995.

Im Rahmen ihrer Diskussion merkten die Direktoren an, daß die jüngsten Entwicklungen in Finnland im wesentlichen das Ergebnis der in den vergangenen drei Jahren verfolgten stetigen Wirtschaftspolitik seien. Sie betonten allerdings, daß die Beibehaltung des zur Verringerung der Arbeitslosigkeit erforderlichen inflationsfreien Wirtschaftswachstums eine größere Haushaltskonsolidierung erfordere, die von Lohnzurückhaltung, Arbeitsmarktreformen und anderen strukturellen Veränderungen unterstützt werden müsse. Sie begrüßten die verschärften Regelungen für die Inanspruchnahme der Arbeitslosenversicherung; merkten aber an, daß noch weitere Reformen benötigt würden, da die gegenwärtig noch recht großzügigen Leistungen den von den Arbeitslosen ausgehenden dämpfenden Einfluß auf die Lohnforderungen abschwächten. Wenngleich sie ihre Besorgnis über die anhaltend hohen Haushaltsdefizite ausdrückten, begrüßten sie den Haushaltsentwurf für 1996, der völlig in Übereinstimmung mit dem zuvor angekündigten Haushaltsprogramm steht. Nach ihrer Auffassung sah der Haushaltsplan eine erhebliche Defizitreduzierung vor und konzentrierte sich in angemessener Weise auf Maßnahmen, die zu dauerhaften Ausgabensenkungen führen würden. Sie stellten fest, daß die Glaubwürdigkeit der Regierungsstrategie durch Maßnahmen wie die Einigung auf die Rentenreform gestärkt worden war, die auf längere Frist zu erheblichen Einsparungen führen würde.

Die Direktoren verwiesen auf das niedrige Inflationsniveau und die Stärke der Markka als sichtbare Zeichen für den Erfolg der Geldpolitik im vorangegangenen Jahr. Sie betonten, daß das Inflationsziel weiterhin im Zentrum der Geldpolitik stehen solle und waren sich, da die Regierung der Haushaltskonsolidierung verpflichtet bleibe, darin einig, daß von der Lohnentwicklung das größte Risiko für die Inflationsperspektiven ausgeht. Die Direktoren stellten fest, daß eine beträchtliche Währungsaufwertung erfolgt war und daß Finnland damit begonnen hatte, solide Leistungen bei der Stabilisierung der Wechselkurse nachzuweisen. Sie vertraten die Meinung, daß man sich einer weiteren, vom Markt ausgehenden Aufwertung nicht widersetzen solle.

Die Direktoren begrüßten die Anzeichen dafür, daß Finnland bei der Integrierung in die Europäische Union überzeugende Fortschritte macht, sie merkten aber an, daß die mit der Integrierung verbundene Herausforderung die Bedeutung von Strukturreformen noch unterstreiche. Sie äußerten die Hoffnung, daß Finnland trotz seiner budgetären Probleme in der Lage sein werde, seine traditionell großzügige Bereitstellung öffentlicher Entwicklungshilfe wieder aufzunehmen.

Nach der Artikel IV-Konsultation hat sich das wirtschaftliche Umfeld erheblich verändert. Hauptsächlich aufgrund außenwirtschaftlicher Schocks (insbesondere der konjunkturellen Abschwächung in Europa) ging das BIP-Wachstum im zweiten Quartal 1995 merklich zurück. Zudem hatte der Ende September vereinbarte Tarifabschluß sowohl für 1996 als auch für 1997 moderate Lohnerhöhungen zur Folge. Vor diesem Hintergrund lockerte die Bank von Finnland die Geldpolitik beträchtlich. Sie senkte ihren Tendersatz zwischen Oktober 1995 und März 1996 um insgesamt 2,25 Prozentpunkte.

Österreich

Als die Direktoren im Mai 1995 die Artikel IV-Konsultation 1995 erörterten, befand sich Österreich nach der vergleichsweise milden Rezession von 1993 in einem soliden Wirtschaftsaufschwung. Die Auslandsnachfrage und die Binnennachfrage wuchsen beide recht kräftig. Der private Verbrauch belebte sich, und die Finanzpolitik blieb expansiv. Der Anstieg der Löhne ging als Folge des 1993 zwischen der Regierung und ihren Sozialpartnern geschlossenen Stabilitätspaktes weiter zurück. In Anbetracht dieser Entwicklung und der nahezu stabilen Importpreise schwächte sich der Anstieg der Verbraucherpreise (von 3,6 % 1993 auf 3,0 % 1994) nur geringfügig ab. Gleichwohl vergrößerten sich die Gewinnspannen im Dienstleistungssektor, während die Ertragskraft in der verarbeitenden Industrie auf ihr höchstes Niveau seit Anfang der 70er Jahre anstieg.

Die Geldpolitik wurde weiterhin von der engen Anbindung des österreichischen Schilling an die D-Mark bestimmt. Da diese Politik hohe Glaubwürdigkeit genießt, konnten die Behörden eine Lockerung der monetären Bedingungen zulassen. Die kurzfristigen Zinsen blieben niedriger als in Deutschland. Der nominale gewogene Wechselkurs des österreichischen Schillings blieb in etwa stabil. Das Leistungsbilanzdefizit vergrößerte sich 1994 jedoch wegen des konjunkturbedingt starken Anstiegs der Importe und eines beträchtlichen Rückgangs der Nettoeinnahmen aus dem Tourismus auf ungefähr 1 % des BIP (siehe Tabelle 14). Allerdings reichten die Nettokapitalimporte zur Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits aus.

Tabelle 14Österreich: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im Mai 1995 vorliegende Daten; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
199219931994119952
Binnenwirtschaft
Reales BIP1,8−0,12,73,0
Arbeitslosenquote3,64,24,44,2
Verbraucherpreisindex4,13,63,02,7
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob (in Milliarden Schilling)487,6467,2512,5560,0
Einfuhren, cif (in Milliarden Schilling)593,9564,9628,9663,0
Leistungsbilanz (in Prozent des BIP)−0,1−0,4−1,0−1,1
Direktinvestitionen (in Milliarden Schilling)−10,2−5,60,7
Portfolioinvestitionen (in Milliarden Schilling)−29,8−20,4−48,3
Kapital bi1anzsa1do (in Milliarden Schilling)21,10,532,0
Realer effektiver Wechselkurs1,41,8−2,2
Internationale Nettoreserven (in Milliarden Schilling)−119,0−139,0
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors (in Prozent des BIP)−3,3−4,6−4,7−4,3
Bruttoanlageinvestitionen1,3−2,15,55,8
Breit abgegrenzte Geldmenge4,24,05,3
Zinssatz (Sechsmonats-Interbankensatz)9,46,85,2

Vorläufig.

Vorausgeschätzt.

Vorläufig.

Vorausgeschätzt.

Der Zustand der öffentlichen Finanzen verschlechterte sich 1994 im zweiten aufeinanderfolgenden Jahr. Das strukturelle Defizit näherte sich 1994 dem Wert von 3 % des BIP, was auf höhere Ausgaben für Leistungsprogramme und Einnahmeausfälle bei der Körperschaftssteuer und der Kapitalertragssteuer zurückzuführen war. In den zwei Jahren bis 1994 stieg die öffentliche Brutto Verschuldung um 5 % auf 63 % des BIP an.

Die Direktoren begrüßten die Artikel IV-Konsultation 1995 als die erste seit Österreichs Beitritt zur Europäischen Union und nahmen mit Genugtuung die gute wirtschaftliche Lage in Österreich zur Kenntnis. Die Wirtschaft habe sich rasch von der milden Rezession des Jahres 1993 erholt, und das kräftige Wachstum werde sich wahrscheinlich fortsetzen. Die Arbeitslosigkeit sei im europäischen Vergleich bemerkenswert niedrig. Die Direktoren äußerten sich allerdings mit Besorgnis zu der Verschlechterung der öffentlichen Finanzen, die sich nur zum Teil auf vorübergehende Faktoren zurückführen lasse und beunruhigend sei, weil sie mit Österreichs Annahme der Ziele des Maastrichter Vertrags zusammenfalle.

Unter den Direktoren bestand die einhellige Auffassung, daß die Wiederherstellung einer soliden Haushaltsposition die wichtigste wirtschaftspolitische Priorität der nächsten Jahre sein solle. Sie forderten die Behörden nachdrücklich dazu auf, 1996 das Tempo der Haushaltskonsolidierung zu erhöhen. Sie betonten, daß Österreich die derzeitige und künftige wirtschaftliche Aufschwungsphasen dazu nutzen solle, das Defizit der öffentlichen Haushalte auf einen Wert unterhalb des Maastrichter Kriteriums von 3 % des BIP zu senken und den nach oben zeigenden Trend der staatlichen Schuldenquote umzukehren, um diese unter die EWU-Grenze von 60 % zu bringen. Um das Defizit der Bundesregierung zu verringern, müßten Leistungsprogramme gekürzt werden.

Die Direktoren lobten die Behörden für den reibungslosen und schnellen Eintritt des Schilling in den Wechselkursmechanismus des Europäischen Währungssystems (EWS). Gleichzeitig betonten sie, daß die strikte Befolgung eines ehrgeizigen Haushaltskonsolidierungsprogramms wesentlich sei, um die Verknüpfung zwischen Schilling und D-Mark zu sichern und die geringen Zinsdifferenzen zu Deutschland beizubehalten.

Die Direktoren waren sich darin einig, daß es Möglichkeiten gebe, den Wettbewerbsdruck insbesondere im geschützten Dienstleistungssektor zu erhöhen. Es müsse auch etwas zur Verringerung der übertriebenen Anreize zur Frühpensionierung getan werden, um die Erwerbsquote zu erhöhen, die Lohnnebenkosten zu senken und die längerfristige Finanzierbarkeit des Rentenversicherungssystems zu sichern.

Nach der Konsultation weitete sich 1995 das Defizit der öffentlichen Haushalte auf etwa 6 % des BIP aus. Nachdem im Dezember 1995 Wahlen stattgefunden hatten, bereitete die neue Regierung Anfang 1996 ein mutiges Haushaltskonsolidierungsprogramm für 1996/97 vor, das zwei Drittel der Anpassung auf der Ausgaben-seite vorsieht. Das Programm zielt darauf ab, das Maastrichter Defizitkriterium von 3 % des BIP 1997 zu erreichen. Im April 1996 billigte das Parlament den Zweijahres-Haushalt der Regierung einschließlich der Maßnahmen, die zur Durchführung des Haushaltskonsolidierungsprogramms der Regierung erforderlich sind.

Entwicklungsländer

Im Laufe des Geschäftsjahres 1996 erörterte das Direktorium mehr als neunzig Artikel IV-Konsultationen mit Entwicklungsländern. Viele Länder wurden für die beeindruckenden Wirtschaftsreformen gelobt, die häufig mit finanzieller Unterstützung des Fonds erfolgt waren. Ihre insgesamt soliden Wachstumsergebnisse bei niedriger oder zurückgehender Inflation spiegelten die Erfolge einer mit energischen Strukturreformen verbundenen stabilitätsorientierten Wirtschaftspolitik wider. Bei den meisten von ihnen seien allerdings weitere Maßnahmen zur gesamtwirtschaftlichen Stabilisierung und strukturellen Anpassung erforderlich; die Direktoren rieten zu anhaltenden Anstrengungen bei der Schaffung stabiler gesamtwirtschaftlicher Rahmenbedingungen, die zur Beibehaltung eines qualitativ hochwertigen Wachstums notwendig seien. Jedwede Stockung bei den Anpassungs- und Reformbemühungen der Länder bringe tendenziell eine schnelle Reaktion der Finanzmärkte, die an die Länder jetzt in dieser Hinsicht einen höheren Maßstab anlegten.

Die günstige Gesamtsituation der Entwicklungsländer überdecke erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Während einige ein anhaltend lebhaftes Wachstum verzeichneten, bleibe eine Reihe anderer Länder in einen Teufelskreis von niedrigem Wachstum, hoher Inflation und einer hartnäckigen Auslandsverschuldung verstrickt. Die Direktoren unterstrichen, wie äußerst wichtig es sei, eine stabile Wachstumsbasis zu schaffen und die Entwicklung eines leistungsstarken Privatsektors zu fördern. Für viele Entwicklungsländer, die aufgrund ihrer jungen Bevölkerungen vor einem kräftigen Anstieg ihres Arbeitskräftepotentials stünden, könne ein dynamischer Privatsektor den Schlüssel für höheres Wachstum und mehr Beschäftigung bereithalten. Die Direktoren betonten, daß in vielen Ländern noch beträchtliche Möglichkeiten bestünden, um die Rolle des Staates in der Wirtschaft zu verringern, das Wachstum des Privatsektors zu fördern und die notwendigen Ressourcen in staatliche Investitionen für das Erziehungswesen und die Infrastruktur umzulenken. Sie gingen auch auf die wichtige Rolle ein, die den Regierungen bei der Schaffung und Erhaltung eines wirtschaftspolitischen Umfeldes zukommt, das ein qualitativ hochwertiges Wachstum fördert.

Das Direktorium sah in einem geordneten Staatswesen eine Grundvoraussetzung für Reformen und Wachstum. Eine solide Wirtschaftspolitik und ein vitaler Privatsektor könnten bei kriegerischen Verhältnissen und einer zweifelhaften Sicherheitslage keine Wurzeln bilden. Die Direktoren hofften, daß einige Länder die für staatliche Ordnung und Wachstum notwendigen Verhältnisse wiederherstellen können; sie lobten auch einige Länder, die vor kurzem Konflikte hinter sich gebracht hatten und mit Hilfe des Fonds und anderer Institutionen versuchten, ihre Staaten und ihre Volkswirtschaften wieder aufzubauen.

In der Mehrzahl der Diskussionen mit den Mitgliedsländern betonten die Direktoren die Notwendigkeit einer verstärkten Finanzdisziplin. Häufig unterstrichen sie die Notwendigkeit einer Defizitreduzierung im öffentlichen Sektor, damit gewährleistet werden könne, daß von ihm kein Inflationsdruck ausgeht und die Entwicklung des Privatsektors nicht behindert wird. Sie warnten eine Reihe von Ländern vor steigender oder dauerhaft hoher Staatsverschuldung. Allgemeiner noch betonten sie die Rolle, die eine solide Finanzpolitik dabei spielt, gesamtwirtschaftliche Stabilität zu erzielen und zu bewahren, ausreichende Staatseinnahmen zu sichern, eine höhere inländische Ersparnis (und ein geringeres Entsparen des öffentlichen Sektors) zu fördern und die Investitionen anzuregen. Zur Sicherung ausreichend hoher Staatseinnahmen empfahlen sie häufig eine Erweiterung der Steuerbasis und in einigen Fällen die Einführung von Umsatz- oder Mehrwertsteuern sowie eine verbesserte Steuerverwaltung und Anstrengungen zur Bekämpfung des Steuerbetrugs.

In vielen Fällen müßten die Maßnahmen zur Erhöhung des Steueraufkommens jedoch durch eine strikte Ausgabenkontrolle ergänzt werden. Insbesondere stellten die Direktoren fest, daß Zurückhaltung beim Personalaufwand des öffentlichen Sektors, dem bei den Staatsausgaben vieler Entwicklungsländer eine Schlüsselrolle zukommt, Mittel für produktivere öffentliche und private Investitionen freisetzen könnte. In einigen Fällen könne eine zurückhaltende Lohnpolitik im öffentlichen Sektor auch eine nützliche Signalwirkung auf die in der Privatwirtschaft gezahlten Löhne haben und auf diesem Wege den Ländern dabei helfen, ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu bewahren oder zu stärken.

Die Direktoren unterstrichen, daß es notwendig sei, die Ressourcen effizient zu nutzen und unproduktive Ausgaben zu vermeiden. In dieser Hinsicht empfahlen sie einer Reihe von Ländern, die Subventionen einzustellen, die Militärausgaben zu verringern und die sozialen Netze besser auf die Zielgruppen abzustimmen. Ausgabenkürzungen bei unproduktiven Verwendungen würden es den Ländern ermöglichen, Mittel in die notwendigen Investitionen in Humankapital und Sachanlagen, insbesondere in das Gesundheits- und Erziehungswesen und die Infrastruktur umzulenken. Zusätzlich zur Identifizierung unproduktiver Ausgaben müßten einige Länder auch noch weitreichende und grundlegende Schritte beim Setzen sinnvollerer Ausgabenprioritäten unternehmen und den Haushaltsprozeß verbessern. In zahlreichen Diskussionen forderten die Direktoren die Länder dazu auf, eine zurückhaltende Ausgabenpolitik durch beschleunigte Privatisierungsmaßnahmen und eine Reform der staatseigenen Unternehmen zu ergänzen.

Im Hinblick auf die monetäre Seite lobten die Direktoren eine Reihe von Ländern für ihre angemessene Geldpolitik, die zu niedriger Inflation und einem stabilen gesamtwirtschaftlichen Umfeld beigetragen hatte. Sie rieten den Ländern, die Fortschritte erzielt hatten, zu weiterer Sorgfalt und empfahlen Ländern, in denen weiterhin eine hohe Inflation die Wachstumsaussichten schwächte, im Rahmen umfassender Reformen die Wirtschaft zu stabilisieren und die Inflation zu senken. Die Direktoren merkten an, daß in einigen Ländern die Lohnindexierung ein ernstes Hindernis für die Inflationsbekämpfung darstelle.

Sofern eine Änderung der Geldpolitik empfohlen wurde, handelte es sich häufig um einen Schritt zur Straffung der Geldpolitik als Reaktion auf grundlegende Veränderungen in der Volkswirtschaft. Die Direktoren hielten beispielsweise eine straffere Geldpolitik in mehreren Ländern für angezeigt, die sich längerer Phasen kräftigen Wirtschaftswachstums erfreut hatten, inzwischen aber an ihren Kapazitätsgrenzen angelangt waren und dem Risiko einer konjunkturellen Überhitzung gegenüberstanden. Die Direktoren empfahlen einer Reihe von Ländern, sich bei der Formulierung ihrer Geldpolitik und der Bestimmung der Zinsen künftig stärker auf marktkonforme Instrumente zu stützen. Sie gingen auch auf die wichtige Rolle ein, die positive Realzinsen für Investitionen und Wachstum haben.

Unabhängige Zentralbanken haben einen nachweislichen Beitrag zur Gestaltung und Umsetzung einer wirksamen Geldpolitik geleistet, und die Direktoren empfahlen einer Reihe von Ländern, die Autonomie ihrer Zentralbanken zu stärken. Die Direktoren wiesen auch auf die Gefahren hin, die mit einem automatischen Zugang der Regierung oder staatlicher Unternehmen zu Krediten verbunden sind. In ähnlicher Weise drückten sie auch ihre große Besorgnis über die Kreditpolitik mehrerer Länder aus, die Kreditvergaben vorschreiben oder lenken; sie merkten hierzu an, daß eine solche Politik zu Verzerrungen in der Wirtschaft führt. In einigen Fällen äußerten sich die Direktoren zu der auf die einzelnen Banken zugeschnittenen Kreditallokation, waren aber der Auffassung, daß dies bis zur Entwicklung mehr indirekt wirkender geldpolitischer Instrumente ein vertretbarer Zwischenschritt sei.

Bei der Überprüfung der Wirtschaftspolitik nach der Mexiko-Krise untersuchten die Direktoren die Auswirkungen großer und möglicherweise volatiler kurzfristiger Kapitalimporte und erörterten die Auswirkungen von Kapitalverkehrskontrollen zur Verhinderung einer plötzlichen Umkehr dieser Ströme. Sie merkten an, daß große Kapitalimporte die Geld- und Wechselkurspolitik erschweren können und gelangten zu der Auffassung, daß wirtschaftspolitische Maßnahmen, die darauf abzielen, längerfristige Kapitalimporte anzuziehen, eine Möglichkeit zur Lösung dieses Problems sein könnten. Zum Einsatz von Kapitalverkehrskontrollen hatten sie unterschiedliche Ansichten; viele waren davon überzeugt, daß Kapitalverkehrskontrollen eine solide Wirtschaftspolitik nicht ersetzen können.

Um eine solide Finanzpolitik und ein günstiges Inflationsklima zu ergänzen, betonten die Direktoren die Rolle von Strukturreformen, die diesen für die Schaffung einer flexiblen und anpassungsfähigen Wirtschaft und für die effiziente Ressourcennutzung zukommt. In vielen Ländern bestehen nach Überzeugung des Direktoriums noch erhebliche Möglichkeiten zur Durchführung oder Ausweitung von Privatisierungsanstrengungen. Insbesondere verwiesen sie auf das weitverbreitete Erfordernis, den öffentlichen Dienst zu reformieren, was sowohl die Qualität und Leistungsfähigkeit des öffentlichen Sektors stärken als auch mehr Ressourcen für Investitionen freisetzen könne. Die Direktoren verwiesen auch auf die Notwendigkeit, staatseigene Unternehmen zu restrukturieren, um sie leistungsfähiger zu machen oder die von ihnen wahrgenommenen Aufgaben zu privatisieren.

Einer Reihe kleinerer Volkswirtschaften - insbesondere vielen kleineren Inselstaaten - empfahlen die Direktoren verstärkte Diversifizierungsmaßnahmen, damit diese Volkswirtschaften besser auf abrupte Nachfrageänderungen bei einzelnen Produkten reagieren können. Sie betonten im allgemeinen, daß es wichtig sei, die außenwirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und erwähnten das zentrale Erfordernis, Lohnerhöhungen nur im Einklang mit den Produktivitätszuwächsen vorzunehmen. Mehrere Länder wurden für ihre Investitionen im Erziehungs- und Ausbildungsbereich gelobt, die es ihren Arbeitskräften ermöglichen werden, von arbeitsintensiven zu anspruchsvolleren Produktionsverfahren überzuwechseln.

Mit Blick auf den Finanzsektor stellten die Direktoren den angeschlagenen Zustand des Bankensektors in einer Reihe von Ländern fest und verwiesen auf die ernsten Probleme, die daraus für die Stabilisierungsanstrengungen und das Wachstum entstehen können, falls Insolvenzen den Zustand des Bankensystems schwächten. Sie rieten dringend dazu, der Fristigkeitsstruktur der Kreditportfolios mehr Aufmerksamkeit zu widmen und verstärkte Anstrengungen zur Identifizierung und Lösung der Probleme der notleidend gewordenen Kredite und der in Zahlungsschwierigkeiten geratenen Banken zu unternehmen sowie die Bankenaufsicht und die gesetzlichen Regelungen zu verbessern.

Zur Wechselkurspolitik merkten die Direktoren an, daß sich die derzeitigen Wechselkursregelungen in vielen Ländern bewährt hätten, bei einigen Ländern aber noch Möglichkeiten zur Erhöhung der Wechselkursflexibilität bestünden. Bei einigen Erörterungen betonten sie auch, wie wichtig es sei, eine marktkonforme Wechselkurspolitik zu entwickeln, da sich diese bei der Verminderung der Risiken, die mit destabilisierenden kurzfristigen Kapitalbewegungen verbunden sind, als hilfreich erweisen könnte. Die Direktoren lobten eine große Anzahl von Ländern für ihre Anstrengungen beim Abbau von Devisen- und Handelsrestriktionen. In Fällen, in denen weiterhin multiple Wechselkursregelungen bestanden, rieten die Direktoren mit Nachdruck zur Einführung eines marktbestimmten einheitlichen Wechselkurses.

Die Direktoren begrüßten die Entscheidung einer zunehmenden Anzahl von Mitgliedsländern, die Verpflichtungen gemäß Artikel VIII des IWF-Übereinkommens zu akzeptieren. Hierdurch verpflichten sich diese Länder, nicht ohne Zustimmung des Fonds Zahlungen und Übertragungen für laufende internationale Geschäfte administrativ zu beschränken oder diskriminierenden und multiplen Währungsregelungen zu unterwerfen. Die Direktoriumsmitglieder gaben ihrer Hoffnung Ausdruck, daß im nächsten Jahr weitere Mitgliedsländer den Artikel VIII-Status annehmen würden.

Wenngleich eine Reihe von Ländern die Tragfähigkeit ihrer Zahlungsbilanzposition erfolgreich erhalten oder wiederhergestellt hatten, machten die Direktoren deutlich, daß bei den meisten Ländern kaum Spielraum für eine Lockerung der Wirtschaftspolitik vorhanden sei und daß auf mittlere Sicht weitere Anpassungsmaßnahmen erforderlich seien. Sie verwiesen auf mehrere Länder, die ihre Wirtschaftspolitik voreilig gelockert hatten, was eine gravierende Verschlechterung ihrer Außenwirtschaftsposition zur Folge hatte.

Die Direktoriumsmitglieder äußerten sich besorgt über die mit der hohen Schuldenlast in einer Reihe von Ländern verbundenen Einschränkungen. Sie lobten die von mehreren Ländern zur Restrukturierung ihrer Schulden und ihres Schuldendienstes auf der Basis der Neapel-Konditionen unternommenen Schritte und forderten andere Länder dazu auf, ähnliche Schritte zu unternehmen. Die Direktoren forderten eine Reihe von Ländern mit Nachdruck dazu auf, Kreditaufnahmen zu marktmäßigen Konditionen zu unterlassen, um nicht ihre außenwirtschaftliche Position zu gefährden oder ihre Schuldenlast zu erhöhen. Gegenüber einer Reihe von Ländern betonten sie auch das wichtige Erfordernis, für eine zügige Ablösung in- und ausländischer Zahlungsrückstände zu sorgen und die Beziehungen zu ihren ausländischen Gläubigern und Geldgebern zu normalisieren.

Das Direktorium ging schließlich auch auf die wichtige Rolle ein, die aktuelle und aussagekräftige Wirtschaftsdaten für die Formulierung einer angemessenen Wirtschaftspolitik besitzen. Die Direktoren lobten mehrere Mitglieder für die hohe Qualität ihrer Wirtschaftsdaten, merkten aber gleichzeitig an, daß zahlreiche andere Mitglieder Umfang, Aktualität und Transparenz ihrer Wirtschafts- und Finanzstatistiken noch verbessern müßten. Sie stellten fest, daß im Bedarfsfall technische Hilfe von Seiten des Fonds verfügbar ist.

Argentinien

Nach vier Jahren eines von hohen privaten Kapitalimporten gestützten kräftigen Wirtschaftswachstums setzte nach der Mexiko-Krise ein Kapitalabfluß aus Argentinien ein, was einen starken Rückgang der Inlandsnachfrage und der wirtschaftlichen Aktivität verursachte. Als Reaktion hierauf unternahmen die Behörden im Rahmen der durch das Konvertibilitätsgesetz gesteckten Grenzen erhebliche Anstrengungen zur Stärkung der öffentlichen Finanzen und zur Stützung des Bankensystems. Sie erhöhten den Mehrwertsteuersatz vorübergehend um drei Prozentpunkte auf 21 %, kürzten die Löhne für die höherbezahlten Beschäftigten im öffentlichen Sektor und errichteten zwei Treuhandfonds zur Förderung der Umstrukturierung der Privatbanken und zur Privatisierung von Provinzbanken. Als demzufolge das Direktorium im September 1995 die Artikel IV-Konsultation mit Argentinien erörterte, schien sich die Wirtschaft wieder stabilisiert zu haben: Ungefähr die Hälfte der zwischen Dezember 1994 und Mitte Mai 1995 ins Ausland abgeflossenen Bankeinlagen in Höhe von nahezu 8 Mrd US-$ war wieder ins Land zurückgekehrt, die Kreditgewährung der Banken begann sich wieder zu beleben, dem Land war die Rückkehr an die internationalen Kapitalmärkte gelungen, und die Währungsreserven wurden wieder aufgestockt.

Die Ereignisse vom Jahresbeginn 1995 verursachten allerdings im zweiten Quartal 1995 einen scharfen Rückgang des Verbrauchs und der Investitionen - und dementsprechend auch des BIP - und für das Gesamtjahr ging man davon aus, daß das reale BIP nur mäßig wachsen würde (siehe Tabelle 15). Zudem zeichnete sich trotz der durchgeführten Maßnahmen ab, daß die Kreditklemme und der Einbruch bei den Ausgaben für den privaten Verbrauch 1995 einen größeren Steuerausfall verursachen würden, was eine Anpassung der finanzpolitischen Ziele des Programms notwendig machte. Außerdem stieg die Arbeitslosigkeit von 12 % im Oktober 1994 auf 18,5 % im Mai 1995 an, in erster Linie wegen des kräftigen Anstiegs der Erwerbsquote.

Tabelle 15Argentinien: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im September 1995 vorliegende Daten; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
19921993199419951
Binnenwirtschaft
Reales BIP8,76,07,40,5
Arbeitslosenquote7,09,611,518,62
Verbraucherpreisindex (Durchschnitt des Zeitraums)24,910,64,13,6
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob (in Milliarden US-Dollar)12,213,115,821,4
Einfuhren, cif (in Milliarden US-Dollar)14,916,821,619,9
Leistungsbilanz (in Prozent des BIP)3−2,8−2,9−3,5−1,3
Direktinvestitionen471,350,9−70,294,7
Kapitalverkehrsbilanz (in Prozent des BIP)4,53,83,60,3
Auslandsschulden−3,82,88,1
Schuldendienstquote (in Prozent der Ausfuhren von Waren und Diensten, ohne Faktorerträge)40,847,138,142,5
Realer effektiver Wechselkurs13,89,8−1,3
Internationale Nettoreserven (in Milliarden US-Dollar)8,611,511,412,75
Finanzielle Größen
Gesamtbilanz des öffentlichen Sektors (in Prozent des BIP, ohne Privatisierungserlöse)−0,20,9−0,5−0,8
Bruttoersparnis (in Prozent des BIP)13,915,316,417,5
Bruttoinlandsinvestitionen (in Prozent des BIP)16,718,219,918,8
Breit abgegrenzte Geldmenge (M3, Durchschnitt des Zeitraums)69,440,914,1
Zinssatz (im Betriebsverkehr, Durchschnitt des Zeitraums)18,28,08,5

Vorausgeschätzt.

Stand vom Mai 1995.

Nach Schätzungen der Behörden war das Leistungsbilanzdefizit infolge höherer geschätzter Zinserträge in den Jahren 1994-95 um etwa 0,3-0,5 % des BIP geringer.

Einschließlich Privatisierungen.

Mit Stand vom September 1995.

Vorausgeschätzt.

Stand vom Mai 1995.

Nach Schätzungen der Behörden war das Leistungsbilanzdefizit infolge höherer geschätzter Zinserträge in den Jahren 1994-95 um etwa 0,3-0,5 % des BIP geringer.

Einschließlich Privatisierungen.

Mit Stand vom September 1995.

Der scharfe Abfluß der Bankeinlagen und der Anstieg der notleidend gewordenen Kredite wurde abgemildert durch eine Eigenkapitalausstattung, die höherist als nach der Baseler Kapitaladäquanzvereinbarung notwendig wäre, und durch die relativ hohen durchschnittlichen Mindestreserveerfordernisse. Diese Konstellation ermöglichte es der Zentralbank, am Ziel der Preisstabilität festzuhalten und dennoch zugleich die mit dem beträchtlichen Rückgang der Anzahl der Banken von 172 im Dezember 1994 auf ungefähr 125 im August 1995 verbundenen finanziellen Auswirkungen zu begrenzen. Die Treuhandfonds stellten für 14 Privatbanken Hilfen zur Verfügung. Darüber hinaus wurden 15 Provinzbanken entweder privatisiert oder befanden sich gerade im Privatisierungsprozeß. Um die Liquiditätslage des Bankensystems zu verbessern und um niedrigere Zinsspannen zu fördern, kündigte die Regierung an, daß ab November 1995 einheitliche Liquiditätsanforderungen die Mindestreserveerfordernisse ersetzen würden.

Der gewogene reale Wechselkurs des argentinischen Peso wertete sich zwischen Anfang 1994 und August 1995 um 8 % ab, und die argentinischen Exporte stiegen - angekurbelt von der anhaltend günstigen Entwicklung bei den Ausfuhren von Fertigerzeugnissen - in der ersten Jahreshälfte 1995 gegenüber der Vergleichsperiode 1994 (auf US-$-Basis) um 47 % an. Inzwischen wurde der Handelsbilanzüberschuß für 1995 auf 1,4 Mrd US-$ veranschlagt, gegenüber einem Defizit von nahezu 6 Mrd US-$ 1994, und es wurde erwartet, daß sich das Leistungsbilanzdefizit im Gesamtjahr auf 3,7 Mrd US-$, nach 10 Mrd US-$ im Vorjahr, verringern würde. Die Behörden schätzten, daß das Leistungsbilanzdefizit 1994/95 aufgrund geschätzter höherer Zinseinnahmen ungefähr 1,0 bis 1,5 Mrd US-$ niedriger ausfallen werde.

Anläßlich der Überprüfung lobten die Direktoren die Behörden für die Anfang 1995 ergriffenen entschlossenen Maßnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft; sie merkten an, daß sich anschließend das Vertrauen wieder festigte und die Einlagen wieder ins Bankensystem zurückflössen. Sie erwähnten auch die beträchtliche Verbesserung der Leistungsbilanz. Allerdings hatte sich die wirtschaftliche Aktivität wegen der begrenzten Möglichkeiten zur Kreditaufnahme deutlicher abgeschwächt, als man erwartet hatte, und ein kräftiger Anstieg der Arbeitslosigkeit war die Folge.

Vor diesem Hintergrund waren die Direktoren der Meinung, daß die Lockerung der fiskalpolitischen Ziele für 1995 gerechtfertigt sei. Weil Glaubwürdigkeit und Durchhaltbarkeit des Konvertibilitätsplanes (der weiterhin Parität zwischen dem argentinischen Peso und dem US-Dollar vorsieht) die Beibehaltung solider Staatsfinanzen erfordern, unterstrichen die Direktoren zugleich die dringende Notwendigkeit, 1996 wieder ein Haushaltsgleichgewicht herzustellen, u. a. durch die Bekämpfung der Steuerhinterziehung und über weitere Ausgabenkürzungen. Sie forderten die Behörden auch mit Nachdruck dazu auf, die Anstrengungen zur Konsolidierung der öffentlichen Finanzen der Provinzen zu verstärken.

Die Direktoren glaubten, daß die neuen, einheitlichen Liquiditätserfordernisse dazu beitragen würden, die Zinsspannen zu verringern und das Finanzsystem zu stärken. Sie begrüßten die nach Mai 1995 erfolgte Erholung der Bankeinlagen, äußerten sich allerdings besorgt zu der anhaltend schwachen Verfassung von Teilen des Finanzsystems. Es wurde auch betont, daß weitere Strukturreformen, insbesondere solche zur Erhöhung der Arbeitsmarktflexibilität, zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und zur Bekämpfung des Arbeitslosenproblems, dazu beitragen würden, daß die argentinische Wirtschaft rascher wieder auf einen Entwicklungspfad mit Investitions-, Produktions- und Beschäftigungswachstum zurückkehrt. Die Direktoren merkten an, daß die kürzlich angekündigte schrittweise Absenkung der Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung dazu beitragen könnte, eines der größeren Beschäftigungshemmnisse zu korrigieren.

In Anbetracht der günstigen Exportentwicklung in Argentinien und der raschen Anpassung der Zahlungsbilanz sahen die Direktoren Argentiniens derzeitiges Wettbewerbsniveau als in etwa angemessen an. Die Direktoren vertraten im allgemeinen die Ansicht, daß die argentinischen Wechselkursregelungen der Wirtschaft gute Dienst geleistet hätten. Angesichts der argentinischen Erfahrungen waren die Direktoren schließlich auch der Auffassung, daß es vernünftig sei, die freien Reserven der Zentralbank über die Programmziele hinaus aufzustocken, um den Konvertibilitätsplan zu stärken.

Botsuana

Die Direktoren erörterten den Artikel IV-Konsultationsbericht 1995 für Botsuana im Februar 1996 vor dem Hintergrund ermutigender Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung von dem Abschwung zu Beginn der 90er Jahre. Von einem jahresdurchschnittlichen Wachstum von 10 % in den 80er Jahren hatte sich das reale BIP-Wachstum in Botsuana in den Jahren 1991-95 auf durchschnittlich 3 % pro Jahr verlangsamt; wichtigster Grund hierfür war die schwache Verfassung des Diamantenmarktes, die zur Einführung von Absatzquoten beim Export von Diamanten geführt hatte. Botsuanas gesamtwirtschaftliche Situation wird von den Entwicklungen im Diamantensektor dominiert, der 1990 ungefähr 30 % des BIP, nahezu 80 % der Exporte und 55 % der Einnahmen der Zentralregierung ausmachte.

Während die konjunkturelle Abschwächung das Wachstum der Staatseinnahmen verringerte, führten verspätete Anstrengungen zur Begrenzung des Anstiegs der Staatsausgaben zu einer Verschlechterung der Haushaltsposition von einem Überschuß von 10 % des BIP im Zeitraum 1991-94 zu einem Überschuß von nur noch unter 2 % 1994/95 (siehe Tabelle 16). Man ging davon aus, daß der Staatshaushalt 1995/96, der niedrigere Einkommensteuersätze und weitere Zurückhaltung bei den Löhnen im öffentlichen Sektor vorsah, ein geringes Defizit ausweisen würde. Seit 1993 hat eine restriktive Geldpolitik das Wachstum der Geldmenge und der Kredite gedämpft, die Inflation zurückgeführt und zu positiven Realzinsen beigetragen.

Tabelle 16Botsuana: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im Februar 1996 vorliegende Daten; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
199219931994119952
Binnenwirtschaft
Reales BIP3−0,34,12,17,7
Verbraucherpreisindex (Jahresdurchschnitt)16,114,410,610,7
Außenwirtschaft
Ausfuhren, tob (in Millionen US-Dollar)1 725,21 725,11 879,52 030,4
Einfuhren, cif (in Millionen US-Dollar)1 539,51 457,91 508,71 627,0
Leistungsbilanz (in Prozent des BIP)6,112,51,36,5
Direktinvestitionen, einschließlich einbehaltencr Verluste (in Millionen US-Dollar)−3,3−288,3−49,234,4
Portfolioinvestitionen (in Millionen US-Dollar)0,10,2−0,1−0,3
Kapitalbilanz (in Millionen US-Dollar)6,68,56,06,9
Auslandsschulden (in Prozent des BIP)15,816,716,718,3
Schuldendienstquote (in Prozent der Ausfuhren von Waren und Diensten)5,14,74,53,9
Realer effektiver Wechselkurs1,23,7−0,90,6
Internationale Bruttoreserven (in Millionen US-Dollar)3 7934 0974 4024 436
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo der Zentralregierung (in Prozent des BIP)10,68,91,7−1,7
Breit abgegrenzte Geldmenge (M2)14,39,34,510,1
Leitzinssatz14,515,014,514,5

Vorläufig.

Geschätzt.

Fur die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung beginnt das Rechnungsjahr im Juli.

Vorläufig.

Geschätzt.

Fur die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung beginnt das Rechnungsjahr im Juli.

1994 stieg der Wert der Warenausfuhren, u. a. aufgrund einer günstigen Entwicklung bei den Textilund Fahrzeugexporten, auf US-Dollar-Basis um 9 % an, aber das Wachstum der Importe blieb aufgrund der konjunkturbedingt schwächeren Nachfrage auf 3,5 % begrenzt. Der Leistungsbilanzüberschuß ging hauptsächlich wegen der geringeren Einnahmen aus der Anlage der Währungsreserven, die Ende 1994 dem Gegenwert von 28 Monaten an Importen von Gütern und Dienstleistungen entsprachen, auf 1,3 % des BIP zurück. Der nominale gewogene Wechselkurs der Pula wertete sich in den Jahren 1991-95 um insgesamt 12 % ab, worin sich die Abwertung des südafrikanischen Rand gegenüber dem US-Dollar widerspiegelte. Da die Inflation in Botsuana zum Teil aufgrund der umfassenderen Umsatzbesteuerung geringfügig höher als in Südafrika gewesen war, wertete sich der reale effektive Wechselkurs im gleichen Zeitraum jedoch um 4 % auf.

Die Direktoren stellten bei ihrer Erörterung fest, daß die Behörden weiterhin eine Wirtschaftspolitik verfolgten, die ein liberales Wirtschaftssystem fördert, und daß sich die wirtschaftliche Erholung trotz ihrer breiten Fundierung auf mittlere Frist aufgrund der unsicheren Aussichten auf dem Diamantenmarkt abschwächen würde. Sie rieten den Behörden dringend dazu, ihre Wirtschaftspolitik weiter zu verschärfen, um die Inflation zu verringern und die Strukturreformen zu vertiefen. Sie wiesen auf die Notwendigkeit hin, die Abhängigkeit von den Einnahmen aus dem Bergbau zu verringern und die Steuerbasis zu verbreitern. Die Direktoren forderten die Behörden dazu auf, die Kreditgarantien für den öffentlichen Dienst abzuschaffen und eine angemessene Finanzierung für die Rentenversicherung des öffentlichen Dienstes sicherzustellen. Sie begrüßten die Maßnahmen zur Herstellung kostendeckender Preise für staatliche Leistungen sowie die jüngsten Reformen der staatlichen Unternehmen. Sie rieten den Behörden, die Stellenbesetzung beim “Amt zur Überwachung der staatseigenen Unternehmen” zu beschleunigen, um die Reformen im quasi-staatlichen Unternehmenssektor zu koordinieren. Die Direktoren rieten zu weiteren Verkäufen von Geldmarktpapieren der Zentralbank, um die Überschußliquidität zu absorbieren. Eine bessere Koordinierung zwischen der Fiskal- und Geldpolitik sei wesentlich, insbesondere weil weitere Reformen das Potential für Kapitalimporte vergrößern würden.

Auf außenwirtschaftlichem Gebiet begrüßten die Direktoren die kontinuierlichen Reformen des Zollwesens im Rahmen der südafrikanischen Zollunion und die zur Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit von den Behörden unternommenen Maßnahmen zur Senkung der Steuern und zur Begrenzung der Löhne und anderer Kosten. Sie waren der Ansicht, daß das derzeitige Wechselkurssystem Botsuana gute Dienste leistet und daß es auch künftig durch eine solide Geld- und Finanzpolitik gestützt werden solle. Die Direktoren begrüßten, daß Botsuana die Verpflichtungen gemäß Artikel VIII mit Wirkung vom 17. November 1995 akzeptiert hat und äußerten sich mit Anerkennung zu Botsuanas Beitrag zum ESAF-Subventionskonto.

Die Direktoren stellten fest, daß Botsuana zur Förderung privater Investitionen wichtige Strukturreformen vornimmt. Sie rieten mit Nachdruck zur Beseitigung bürokratischer Hindernisse für höhere private Investitionen.

China

Die Direktoren erörterten im April 1996 die Artikel IV-Konsultation mit China. Die Erörterung fand zu einem Zeitpunkt statt, als sich die Wirtschaft nach einer längeren Überhitzungsphase in einem Abkühlungsprozeß befand, ohne dabei eine scharfe Wachstumsabschwächung zu erleben.

Die chinesische Volkswirtschaft war Anfang 1992 in eine kräftige Aufschwungphase eingetreten. Die Inlandsnachfrage, insbesondere die Investitionen, waren infolge einer expansiven Geld- und Finanzpolitik kräftig angestiegen, was zur Inflationsbeschleunigung und zu Störungen auf den Finanz- und Devisenmärkten beigetragen hatte. Seit Mitte 1993 konzentrierte sich die Wirtschaftspolitik auf eine Abkühlung der Wirtschaft. Die makroökonomischen Politikbereiche wurden gestrafft, um den Inflationsdruck zu verringern und das Produktions- und Nachfragewachstum auf ein durchhaltbares Tempo zu senken. Trotz einiger Anfangserfolge trugen die kräftige monetäre Expansion und die Auswirkungen administrierter Preiserhöhungen und angebotsseitige Probleme 1994 zum Wiederanstieg der Inflation bei. 1995 straffte die Regierung ihre Geld- und Finanzpolitik, weitete ihre Investitionskontrollen aus und verstärkte die administrativen Anstrengungen zur Eindämmung der Inflation. Strukturreformen im Zentralbank- und Haushaltsbereich, am Wechselkurssystem und am rechtlichen Rahmen wurden ebenfalls durchgeführt.

Als Folge hiervon ging die Inflation von ihrem Spitzenwert von 25 % im Oktober 1994 bis zum Jahresende 1995 auf etwa 8 % zurück, und das reale BIP-Wachstum verlangsamte sich von 12 % 1994 auf ungefähr 10 % 1995 (siehe Tabelle 17). Der Außenwirtschaftssektor blieb in guter Verfassung: Die Leistungsbilanz wies einen Überschuß aus, der Zustrom hoher ausländischer Direktinvestitionen hielt an, und die Währungsreserven stiegen von 54 Mrd US-$ 1994 auf ungefähr 77 Mrd US-$ bis zum Jahresschluß 1995. Diese Entwicklungen setzten sich Anfang 1996 fort.

Tabelle 17China: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im April 1996 vorliegende Daten; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
19921993199419951
Binnenwirtschaft
Reales BIP14,213,512,610,2
Städtische Beschäftigung2,42,15,40,3
Einzelhandelspreise (Ende des Zeitraums)6,717,623,38,3
Außenwirtschaft
Ausfuhren (in Milliarden US-Dollar)69,675,7102,6128,1
Einfuhren (in Milliarden US-Dollar)64,486,395,3110,1
Leistungsbilanz (in Prozent des BIP)11,5−2,81,50,2
Direktinvestitionszuflüsse (in Milliarden US-Dollar)12,027,533,837,7
Kapitalverkehrsbilanz (in Milliarden US-Dollar; ohne statistische Diskrepanz)1−0,223,532,638,7
Auslandsschulden (in Milliarden US-Dollar)69,384,495,0106,6
Schuldendicnstquote (in Prozent der Ausfuhren von Waren und Diensten ohne Faktorerträge)9,810,29,37,32
Realer effektiver Wechselkurs373,672,178,683,0
Offizielle internationale Bruttoreserven (in Milliarden US-Dollar)421,223,053,576,0
Finanzielle Größen
Gesamtbilanz des Staatshaushalts (in Prozent des BIP)−2,3−2,0−1,6−1,7
Bruttoersparnis (in Prozent des BIP)137,740,541,439,7
Bruttoinlandsinvestitionen (in Prozent des BIP)136,243,339,939,5
Breit abgegrenzte Geldmenge (Ende des Zeitraums)31,324,034,529,9
Zinssatz57,5610,9810,9810,98

Geschätzt.

Offizieile Schätzung.

Bei Jahresende, 1990 = 100; Rückgang zeigt eine Abwertung an.

Seit September 1992 melden die Behörden unter offiziellen Währungsreserven nur die Auslandsaktiva der Volksbank von China, nicht aber jene der Bank von China und anderer Sonderbanken.

Auf Einjahres-Termineinlagen am Jahresende.

Geschätzt.

Offizieile Schätzung.

Bei Jahresende, 1990 = 100; Rückgang zeigt eine Abwertung an.

Seit September 1992 melden die Behörden unter offiziellen Währungsreserven nur die Auslandsaktiva der Volksbank von China, nicht aber jene der Bank von China und anderer Sonderbanken.

Auf Einjahres-Termineinlagen am Jahresende.

Im Rahmen ihrer Erörterung begrüßten die Direktoren Chinas weiterhin beeindruckende wirtschaftliche Entwicklung und die zur Stärkung der Wirtschaftspolitik und zur weiteren Integration in die Weltwirtschaft unternommenen Schritte in Richtung auf ein marktwirtschaftliches System. Sie lobten die erfolgreiche Dämpfung von Wachstum und Nachfrage auf besser durchhaltbare Größenordnungen und die Verringerung der Inflation auf einstellige Werte. Die Direktoren rieten den Behörden dringend dazu, mit einer vorsichtigen Geld- und Finanzpolitik und mutigen Strukturreformen weiter voranzuschreiten.

Die Direktoren hoben hervor, daß es wegen der nach wie vor vorhandenen Inflationsrisiken sehr wichtig sei, eine vorsichtige geld- und finanzpolitische Linie zu steuern. Außerdem müsse man sich dringend den tief verwurzelten Schwachstellen im Bereich der staatlichen Unternehmen und des Finanzsektors zuwenden, um nicht den angemessenen geld- und finanzpolitischen Kurs zu gefährden. Die Direktoren betonten ebenfalls, daß zwar einerseits zur Beibehaltung niedriger Inflation eine erhebliche Verlangsamung des breit abgegrenzten Geldmengenwachstums erforderlich sei, andererseits müsse die Wirtschaftspolitik in Anbetracht der Risiken und Unsicherheiten jedoch flexibel sein.

Die Direktoren äußerten sich besorgt zum Rückgang der Staatseinnahmen in Relation zum BIP, der eine Ausgabenkompression notwendig gemacht hatte. Anhaltend schwache Staatseinnahmen würden Ausgaben zur sozialen Absicherung der Unternehmensrestrukturierung und der Infrastruktur verhindern. Die Direktoren begrüßten Maßnahmen zur Reduzierung und übersichtlicheren Gestaltung steuerlicher Vorzugsregelungen. Sie unterstrichen, daß weitere Maßnahmen zur Verbreiterung der Steuerbasis und zur Stärkung der Steuerverwaltung notwendig seien, um die Staatseinnahmen zu erhöhen und das mittelfristige Ziel der Behörden zu erreichen, das Haushaltsdefizit zu beseitigen und gleichzeitig den künftigen Ausgabenanforderungen nachzukommen. Die Direktoren unterstrichen, daß die Haushaltseinsparungen erhöht werden könnten, indem das Ausgabenmanagement wirksamer gestaltet und Haushaltsabwicklung und -kontrolle weiter verbessert werden.

Die Direktoren unterstrichen, daß Chinas solide Außenwirtschaftsposition die Möglichkeit für eine beschleunigte Liberalisierung von Außenhandel und Zahlungsverkehr biete, und sie begrüßten die auf diesen Gebieten eingeleiteten Maßnahmen. Die Direktoren legten besonderen Wert auf den Abbau quantitativer Restriktionen und die Liberalisierung der Außenhandelsrechte. Sie begrüßten die Experimente der Regierung bei der Liberalisierung von Devisenkontrollen in ausgewählten Versuchszonen und die Verkündung einer Zwischenregelung der Devisenkontrollen, die als Übergangsrahmen für weitere Liberalisierungsmaßnahmen auf diesem Gebiet dienen soll. Die meisten Direktoren rieten mit Nachdruck zur Abschaffung der bei den laufenden internationalen Transaktionen noch verbliebenen Restriktionen und gaben ihrer Hoffnung Ausdruck, daß China bald die Verpflichtungen gemäß Artikel VIII des IWFÜbereinkommens akzeptieren würde. Darüber hinaus betonten die Direktoren, daß der Aufwertungsdruck durch eine frühzeitige und weitreichende Handelsreform gemildert würde.

Die Direktoren waren damit einverstanden, daß den Problemen der staatseigenen Unternehmen Priorität eingeräumt wird. Sie begrüßten die auf Experimentierbasis eingeführten Maßnahmen, wie beispielsweise größere Freiräume für unterschiedliche Eigentumsformen, und riefen zu mutigeren Reformen auf, einschließlich der Schaffung eines klareren rechtlichen Rahmens. Die Direktoren merkten an, daß eine erfolgreiche und nachhaltige Reform der staatseigenen Unternehmen verstärkte Anstrengungen erfordern würde, um ein soziales Sicherheitsnetz zu schaffen und die Arbeitsmobilität zu verbessern sowie gleichzeitig Beschäftigungsverhältnisse im nichtstaatlichen Sektor zu fördern. Die Direktoren drängten die Regierung dazu, die gerade erst beginnenden Anstrengungen zur Reduzierung subventionierter Kredite und sonstiger finanzieller Hilfen für die staatseigenen Unternehmen fortzuführen.

Die Direktoren begrüßten die Reform des monetären und finanziellen Sektors, einschließlich der Offenmarktoperationen auf dem integrierten Interbankenmarkt. Sie unterstützten nachdrücklich die Pläne zur Entwicklung der Infrastruktur für eine indirekte geldpolitische Steuerung und zur Stärkung der Aufsichtsbestimmungen. Die Direktoren verlangten Maßnahmen zur Lösung des Problems der notleidend gewordenen Kredite der Spezialbanken. Sie begrüßten die größere Flexibilität bei ausgewählten kurzfristigen Zinsen, betonten aber die Notwendigkeit einer weiteren Vereinfachung der Zinsstruktur und einer häufigeren Anpassung der administrierten Zinsen. Die Direktoren äußerten sich besorgt über die Schwächen in Chinas Wirtschaftsstatistiken, erkannten aber an, daß China Anstrengungen zu ihrer Beseitigung unter nimmt, und rieten dringend zu weiteren Schritten.

Cöte d’Ivoire

Die Direktoren erörterten im Dezember 1995 die Artikel IV- Konsultation mit Cöte d’Ivoire und überprüften die zweite ESAF-Jahresvereinbarung (siehe den Abschnitt “Unterstützung der Mitgliedsländer durch den Fonds”). Die Erörterung fand vor dem Hintergrund günstiger Entwicklungen in der ivorischen Wirtschaft statt.

Die Abwertung des CFA-Franc im Januar 1994, eine strengere Wirtschaftspolitik und strukturelle Reformen hatten Cöte d’Ivoire auf einen durchhaltbaren Wachstumspfad zurückgeführt. Das BIP wuchs 1994 um 1,8 % und dürfte 1995 um schätzungsweise 6,5 % zulegen (siehe Tabelle 18). Nach der im Anschluß an die Abwertung erfolgten Anpassung bei den Preisen der handelbaren Güter war die Inflation zur Jahresmitte 1994 mittels einer strafferen Finanz- und Lohnpolitik und temporärer Preiskontrollen unter Kontrolle gebracht worden. Hauptsächlich aufgrund von Erhöhungen der Lebensmittelpreise in der ersten Jahreshälfte von 1995 wurde jedoch mit einer Inflation auf einer Zwölfmonatsbasis von 9 % gerechnet.

Tabelle 18Côte D’ivoire: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im Dezember 1995 vorliegende Daten; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
199311994119952
Binnenwirtschaft
BIP (zu konstanten Preisen)0,11,86,5
Verbraucherpreisindex (Ende des Zeitraums)2,632,29,0
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob (zu jeweiligen Preisen, auf CFA-Franc-Basis)−3,7114,123,6
Einfuhren, fob (zu jeweiligen Preisen, auf CFA-Franc-Basis)−5,987,232,2
Leistungsbilanz (in Prozent des BIP)3−10,8−2,3−2,3
Kapitalverkehrsbilanz (in Millionen US-Dollar)47,1656,9138,5
Auslandsschulden (in Prozent des BIP)4158,9200,1175,3
Schuldendienst (in Prozent des BIP)516,918,817,3
Realer effektiver Wechselkurs6−2,4−38,69,5
Nettoauslandsaktiva7−10,767,022,4
Finanzielle Größen
Konsolidierter Finanzierungssaldo der Regierung (in Pozent des BIP, auf Basis internationaler Zahlungsaufträge)−13,3−7,6−4,5
Bruttoersparnis (in Prozent des BIP)−2,212,413,7
Bruttoinvestitionen (in Prozent des BIP)8,614,816,0
Geld und Quasigeld (M2)−4,446,919,5
Zinssatz (Durchschnitt am Ende des Zeitraums)
Geldmarktsatz7,55,56,0
BCEAO-Diskontsatz10,510,07,5

Geschätzt.

Vorausgeschätzt.

Einschließlich Verzugszinsen offizieller Übertragungen, aber ausschließlich des spären Eingangs von Zinsen auf Zahlungsrückstände gegenüber Geschäftsbanken.

Einschließlich Verpflichtungen gegenüber dem IWF, kurzfristiger Verbindlichkeiten gegenüber dem Operationskonto der Banque Centrale des Etats de l’Afrique de 1’Ouest (BCEAO) und aller Rückstände gegenüber Geschäftsbanken.

Einschließlich Verpflichtungen gegenüber dem IWF, aber ausschließlich Verzugszinsen auf Rückstände gegenüber Geschäftsbanken.

Auf Basis von Veränderungen der relativen Verbraucherpreise und des nominalen effektiven Wechselkurses am Ende des Zeitraums; – zeigt eine Abwertung an.

Ende des Zeitraums (prozentuale Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge am Periodenanfang; für 1993 erfolgte Anpassung auf Basis der CFA-Franc-Abwertung im Januar 1994.

Geschätzt.

Vorausgeschätzt.

Einschließlich Verzugszinsen offizieller Übertragungen, aber ausschließlich des spären Eingangs von Zinsen auf Zahlungsrückstände gegenüber Geschäftsbanken.

Einschließlich Verpflichtungen gegenüber dem IWF, kurzfristiger Verbindlichkeiten gegenüber dem Operationskonto der Banque Centrale des Etats de l’Afrique de 1’Ouest (BCEAO) und aller Rückstände gegenüber Geschäftsbanken.

Einschließlich Verpflichtungen gegenüber dem IWF, aber ausschließlich Verzugszinsen auf Rückstände gegenüber Geschäftsbanken.

Auf Basis von Veränderungen der relativen Verbraucherpreise und des nominalen effektiven Wechselkurses am Ende des Zeitraums; – zeigt eine Abwertung an.

Ende des Zeitraums (prozentuale Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge am Periodenanfang; für 1993 erfolgte Anpassung auf Basis der CFA-Franc-Abwertung im Januar 1994.

Das Leistungsbilanzdefizit wurde 1994 um ungefähr 75 % auf 2,3 % des BIP verringert, und 1995 dürfte es sich auf diesem Niveau stabilisieren. Das gesamte öffentliche Defizit wurde nach einer günstigen Einnahmeentwicklung und einer entsprechenden Ausgabenpolitik 1994 auf 7,6 % des BIP verringert; als Folge einer weiteren wirtschaftspolitischen Straffung dürfte es sich 1995 auf 4,5 % des BIP verringern. Die Regierung hatte 1995 die Strukturreformen verstärkt, indem sie Schritte zur weiteren Liberalisierung des Binnenmarktes sowie zur Vermarktung von Kakao und Kaffee im In- und Ausland, zur Beseitigung nichttarifärer Handelsschranken, zur Erhöhung der Arbeitsmarktflexibilität und zur Beschleunigung der Privatisierung unternommen hatte.

Bei ihrer Erörterung stellten die Direktoren fest, daß die ivorische Wirtschaft bemerkenswert gut auf die Veränderung der relativen Preise und die als Folge der Abwertung des CFA-Franc eingetretene Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit reagiert hätte. Sie stellten fest, daß eine restriktive Wirtschaftspolitik und Strukturreformen zu einer erheblichen Verringerung der fiskalischen und außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte und zum weiteren Abbau struktureller Hemmnisse beigetragen hätten. Als Folge hiervon sei das Wachstum wieder in Gang gekommen, und Ersparnisse und Investitionen seien angestiegen. Obwohl die Inflation nach der Abwertung rasch unter Kontrolle gebracht worden sei, seien in der ersten Jahreshälfte von 1995 noch einige Folgewirkungen aufgetreten, stellten die Direktoren fest. Sie begrüßten die Absicht der Behörden, die Wirtschaftspolitik noch weiter zu straffen, damit die Inlandsnachfrage und die Preise unter Kontrolle blieben und die Wettbewerbsfähigkeit nicht beeinträchtigt würde.

Die Direktoren glaubten, daß eine durchhaltbare Haushaltsposition der Schlüssel zur Erlangung einer tragfähigen Außenwirtschaftsposition sei, und sie nahmen mit Bedauern die Abweichungen einiger Ausgabenkategorien von den Programmzielen und die Verzögerungen bei der Privatisierung zur Kenntnis. Sie forderten die Regierung nachdrücklich dazu auf, aus den günstigen Rahmenbedingungen das Beste zu machen und 1996 die Haushaltsposition zu konsolidieren und die Strukturreformen zu beschleunigen, damit sich die Bedingungen für ein mittelfristiges Wachstum verbessern würden.

Auf fiskalpolitischem Gebiet unterstrichen die Direktoren, daß es wichtig sei, die im Programm vorgesehene Verringerung des Haushaltsdefizits zu realisieren. Sie merkten an, daß die Verbreiterung der Steuerbasis und Verbesserungen bei der Steuerverwaltung wegen der Steuersenkungen und der Herabsetzung der Zollgebühren und Abgaben auf Kakao- und Kaffee-Exporte noch dringlicher geworden seien. Die Direktoren unterstrichen auch die Notwendigkeit, Ausgabenverpflichtungen besser zu kontrollieren und Ausgabenprioritäten zu setzen. In dieser Hinsicht maßen sie den Anstrengungen der Regierung zur Verbesserung des Haushaltsvollzugs und zur Vereinheitlichung des Budgets große Bedeutung bei. Auf strukturpolitischem Gebiet begrüßten die Direktoren die Deregulierung des Arbeitsmarktes und der Preise, die Liberalisierung des Seetransports sowie der Vermarktung von Kakao und Kaffee. Nach ihrer Meinung würden neue privatwirtschaftliche Investitionen allerdings eine kritische Masse an zusätzlichen Strukturreformen erfordern, wozu auch die Umstrukturierung und Privatisierung staatlicher Unternehmen, die Verringerung der Kosten, die aufgrund wirtschaftlicher und verwaltungsmäßiger Vorschriften entstehen, die Einführung besser umsetzbarer staatlicher Verwaltungsanordnungen und die Verbesserung des Gerichtswesens gehörten.

Die Direktoren waren über die im September-Oktober 1995 erfolgte Kumulation von nicht mehr über Umschuldungen ablösbarer Zahlungsrückstände gegenüber dem Ausland besorgt und forderten die Behörden nachdrücklich zur umgehenden Begleichung dieser Zahlungsrückstände auf. Obwohl sich die Haushalts- und Außenwirtschaftsposition von Cöte d’Ivoire verbessert hätten, bleibe die Schuldenlast gegenüber dem Ausland sehr groß, und erhebliche Finanzierungslücken bestünden fort. Dementsprechend räumten die Direktoren ein, daß das Land zur Erlangung einer tragfähigen Finanzsituation weiterhin ausländische Finanzhilfen zu konzessionären Bedingungen und Schuldenerleichterungen benötigen werde.

Die Direktoren forderten die für die Region zuständige Zentralbank zur Entwicklung neuer marktkonformer Instrumente auf, die dazu verwendet werden könnten, den Kreditgewährungsspielraum der Banken zu steuern und Überschußliquidität abzuschöpfen. Sie betonten die Notwendigkeit, die Mittlerfunktion des Finanzsektors auf einigen Gebieten, die von der Schaffung besserer Kreditaumahmemöglichkeiten für den ländlichen Raum bis hin zur Entwicklung eines Aktienmarktes reichen, zu verbessern und zu modernisieren, um damit die Mobilisierung von Ersparnissen und die Finanzierung von Investitionen zu fördern.

Indien

Die Direktoren erörterten im Juli 1995 die indische Artikel IV-Konsultation. Die Erörterung fand vor dem Hintergrund einer robusten wirtschaftlichen Entwicklung und einer soliden Außenwirtschaftsposition statt. Die Erholung stand inzwischen auf einer festen Basis, das reale BIP-Wachstum wurde für 1994/95 auf ungefähr 6 % geschätzt (siehe Tabelle 19), die Reserven waren auf ein komfortables Niveau angestiegen, das Leistungsbilanzdefizit war niedrig, die Exporte wuchsen kräftig, und der Wechselkurs war in etwa wettbewerbsfähig.

Tabelle 19Indien: Konjunkturindikatoren

(Bei der Direktoriumsaussprache im Juli 1995 vorliegende Daten; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)1

1992/931993/941994/9521995/963
Binnenwirtschaft
Reales BIP4,34,36,346,24
Großhandelspreise (Ende des Zeitraums)7,010,811,08,0
Außenwirtschaft (in Milliarden US-Dollar, falls nicht anders vermerkt)
Ausruhren, fob18,922,726,730,7
Einfuhren, cif23,224,029,535,0
Leistungsbilanz−3,9−0,6−1,4−4,0
Direktinvestitionen0,30,61,01,5
Portfolioinvestitionen0,23,53,51,1
Kapitalbilanz2,88,57,84,8
Auslandsschulden (in Prozent des BIP, Ende des Zeitraums)536,935,831,227,9
Schuldendienstquote (in Prozent)30,425,427,327,1
Realer effektiver Wechselkurs (jährliehe prozentuale Veränderung, Ende des Zeitraums)−3,23,8−5,1
Offizielle Bruttoreserven (Ende des Zeitraums)6,415,120,820,1
Finanzielle Größen
Konsolidiertes Haushaltsdefizit des öffentlichen Sektors (in Prozent des BIP)68,411,010,59,9
Bruttoersparnis (in Prozent des BIP)20,020,221,422,5
Bruttoinvestitionen (in Prozent des BIP)22,020,421,923,6
Breit abgegrenzte Geldmenge (Ende des Zeitraums)15,718,421,215,5
Zinssatz711,110,111,2

Haushaltsjahr (1. April bis 31. März).

Geschätzt.

Vorausgeschätzt.

Daten wurden nach der Aussprache im Direktorium revidiert.

Einschließlich militärbezogener Schulden.

Fur 1995/96 basieren die Projektionen auf Haushaltsvorlagen für 1995/96.

Für 364-Tages-Sehatzwechsel, Ende des Zeitraums.

Haushaltsjahr (1. April bis 31. März).

Geschätzt.

Vorausgeschätzt.

Daten wurden nach der Aussprache im Direktorium revidiert.

Einschließlich militärbezogener Schulden.

Fur 1995/96 basieren die Projektionen auf Haushaltsvorlagen für 1995/96.

Für 364-Tages-Sehatzwechsel, Ende des Zeitraums.

Allerdings hatte sich die Inflation 1994/95 meistens im zweistelligen Bereich bewegt, was auf eine kräftige Inlandsnachfrage und die aufgelockerte monetäre Lage zurückzuführen war, die mit hohen Kapitalimporten einhergegangen war. In Anbetracht dieser Umstände hatten die Behörden Maßnahmen zur Begrenzung des Geldmengenwachstums, zur Dämpfung der Kapitalimporte und zur Beseitigung angebotsseitiger Engpässe unternommen. Vor diesem Hintergrund war die Inflation vor kurzem unter 10 % gesunken, während die Zinsen gestiegen waren. Unzureichende Fortschritte bei der Haushaltsanpassung erschwerten die wirtschaftspolitische Reaktion auf diese Situation. Zwar hatte es auf der Ebene des Zentralhaushalts 1994/95 einige Anpassungen gegeben, aber die Finanzen der Bundesstaaten hatten sich verschlechtert. Daher wurde das konsolidierte Defizit des gesamten öffentlichen Sektors auf ungefähr 10 ½ % des BIP geschätzt, ähnlich hoch wie 1990/91.

Die Strukturreformen waren auf einigen Gebieten im Vorjahr weiter fortgesetzt worden, aber der Fortschritt war gering, und es würden weitere Anstrengungen benötigt, bevor die positiven Wirkungen zum Vorschein kämen. Auf mehreren Gebieten, wie beispielsweise der Reform der staatseigenen Unternehmen und der Agrarpolitik, waren die Reformen sehr weit zurückgeblieben.

Im Rahmen ihrer Erörterung lobten die Direktoren Indiens robuste wirtschaftliche Erholung und die Stärke seiner Außenwirtschaftsposition, die auf die 1991 begonnenen Reformen zurückzuführen sei. Die Haushaltskonsolidierung sei zur Absicherung dieser Fortschritte von größter Bedeutung. Die Direktoren verwiesen auf den Inflationsdruck und auf steigende Zinsen als erste Anzeichen für Spannungen und äußerten sich auch besorgt zur hohen Staatsverschuldung. Wegen der Dringlichkeit der Haushaltskonsolidierung könnten sie eine eher graduelle Anpassungsstrategie nicht unterstützen und betonten, daß zumindest jedwedes Abweichen von dem Budgetziel für 1995/96 vermieden werden müsse. Sie betonten auch, wie wichtig es sei, die Budgetrestriktionen für die Bundesstaaten zu verschärfen, um sie zu veranlassen, die Reform ihrer Staatsfinanzen voranzutreiben und einen Teil der Last der Haushaltsanpassung zu übernehmen.

Ohne eine größere Haushaltskonsolidierung, so stellten die Direktoren fest, würde der Geldpolitik eine schwere Last aufgebürdet. Sie begrüßten die bei der Inflationsbekämpfung erzielten Fortschritte und billigten das Inflationsziel der Behörden von 8 % bis zum Ende des Fiskaljahres 1995/96. Die Realisierung dieses Ziels würde eine nachhaltige Verringerung des Geldmengenwachstums erfordern. Um ihre Entschlossenheit zu einer antiinflationären Politik zu dokumentieren, müßten die Behörden die vereinbarten Obergrenzen für den automatischen Kreditzugang der Regierung bei der indischen Notenbank im Fiskaljahr 1995/96 einhalten und derartige Kreditaufnahmen sobald wie möglich auslaufen lassen.

Die Direktoren glaubten, daß Indiens außenwirtschaftliche Perspektiven günstig blieben, sofern die Haushaltskonsolidierung fortgesetzt werde und die Reformen weitergingen. Sie billigten Indiens vorsichtige Politik bei der Kontrolle der Kapitalzuflüsse und rieten dazu, ausländischen Direktinvestitionen ein größeres Gewicht einzuräumen. Viele Direktoren rieten auch zu einer energischeren Importliberalisierung. Die Direktoren merkten an, daß das Wechselkursniveau zwar in etwa angemessen sei, sie unterstützten aber eine grössere Flexibilität in der Wechselkurspolitik. Sie rieten nachdrücklich dazu, im laufenden Jahr den Schwung bei den Strukturreformen beizubehalten, hierzu gehöre die beschleunigte Durchführung geplanter Steuerund Handelsreformen und die Beseitigung der bei der Beteiligung von privaten Anlegern an Infrastrukturinvestitionen noch vorhandenen Hindernisse.

Mit Blick auf die Zukunft betonten die Direktoren, daß die Realisierung von kräftigem Wachstum, Preisstabilität und einer nachhaltigen Verringerung der Armut eine energische Förderung des Privatsektors unter Einbeziehung ausländischer Investoren erfordere. Die Regierung müsse die Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung fortsetzen und eine mutige zweite Reformwelle einleiten, um Ersparnisse und Investitionen weiter zu stärken. Die Haushaltskonsolidierung müsse auf höhere Einnahmen aus einer verbreiterten Steuerbasis, kostendeckenden Preisen für staatliche Leistungen und auf Kürzungen bei den Ausgabenkategorien mit geringer Priorität gestützt werden. Zusätzliche Strukturreformen würden in den Bereichen benötigt, die bisher weniger Aufmerksamkeit erhalten hätten, wozu die Umstrukturierung und Privatisierung staatlicher Unternehmen, die Reform des Arbeitsmarktes und der Kündigungsbestimmungen, die Importliberalisierung für Konsumgüter, die Reform des Agrarsektors und die Liberalisierung des Finanzsektors gehörten. Die Direktoren begrüßten, daß Indien die Verpflichtungen gemäß Artikel VIII des IWF-Übereinkommens akzeptiert hat, und sie empfahlen die Abschaffung der noch verbliebenen Devisenrestriktionen.

Indonesien

Im Juli 1995 erörterten die Direktoren die Artikel IV-Konsultation mit Indonesien. Die Wirtschaftspolitikdes Landes war beeindruckend, obwohl die Behörden kurzfristig vor der Herausforderung einer wirtschaftlichen Überhitzung standen. Die Geldpolitik war Mitte 1993 gelockert worden, um das Wachstum zu stützen. Die Anlageinvestitionen belebten sich, der private Verbrauch stieg kräftig an, und das BIP-Wachstum erreichte 1994 etwa 7 ¼% (siehe Tabelle 20). Das Wachstum der Inlandsnachfrage führte den Aufschwung an und überstieg im Fiskaljahr 1994/95 das BIP-Wachstum. Zwar erhöhte sich das Exportwachstum, aber die Importe wuchsen noch kräftiger, und das Leistungsbilanzdefizit vergrößerte sich geringfügig auf 2 % des BIP. Die Geldmengenaggregate wuchsen im Fiskaljahr 1994/95 kräftig, wobei die Expansion der Inlandsaktiva den Rückgang der Währungsreserven mehr als ausglich. Diese Ausweitung war trotz des seit April 1994 erfolgten graduellen Zinsanstiegs erfolgt. Die Inflation blieb hoch, im Juni 1995 betrug die Zwölfmonatsrate 10,5 %.

Tabelle 20Indonesien: Konjunkturindikatoren

(Bei der Direktorimnsaussprache im Juli 1995 vorliegende Daten; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)1

1992/931993/941994/9521995/963
Binnenwirtschaft
Reales BIP (Kalenderjahr)6,56,57,37,5
Verbraucherpreisindex (Ende des Zeitraums)5,010,29,69,5
Außenwirtschaft (in Milliarden US-Dollar, falls nicht anders vermerkt)
Ausfuhren, fob35,336,542,0
Einfuhren, cif30,332,337,7
Leistungsbilanz−2,9−3,0−3,6−5,3
Direktinvestitionen1,72,02,5
Portfolioinvestitionen1,22,00,8
Kapitalbilanz47,73,32,25,4
Auslandsschulden83,589,197,6101,1
Schuldendienstquote (in Prozent der Ausfuhren von Waren und Diensten ohne Faktorerträge)21,521,320,320,8
Realer effektiver Wechselkurs−3,9−2,7−3,3
Offizielle Brutto-Alislandsaktiva18,318,617,117,3
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors (in Prozent des BIP)−1,5−0,50,2−0,3
Bruttoersparnis (Kalenderjahr; in Prozent des BIP)33,331,332,031,3
Bruttoinvestitionen (Kalenderjahr; in Prozent des BIP)35,933,234,033,8
Breit abgegrenzte Geldmenge (Ende des Zeitraums)22,221,221,518,9
Zinssätze513,59,312,814,3

Haushaltsjahre (jeweils 1. April bis 31. März), fallsnicht anders vermerkt.

Geschätzt.

Vorausgeschätzt.

Einschließlich Zahlungsverkehr von Geschäftsbanken und statistischer Diskrepanz.

Ausscheidungssätze bei Auktion von 30-Tages-Schuldenzertifikaten der Zentralbank im Dezember des Kalenderjahres (für 1995, die Rate für März).

Haushaltsjahre (jeweils 1. April bis 31. März), fallsnicht anders vermerkt.

Geschätzt.

Vorausgeschätzt.

Einschließlich Zahlungsverkehr von Geschäftsbanken und statistischer Diskrepanz.

Ausscheidungssätze bei Auktion von 30-Tages-Schuldenzertifikaten der Zentralbank im Dezember des Kalenderjahres (für 1995, die Rate für März).

Von der Finanzpolitik, die Mitte 1993, als die Geldpolitik gelockert wurde, gestrafft worden war, ging weiterhin ein dämpfender Einfluß aus. Die Ölpreise waren geringfügig höher, als bei der Haushaltsaufstellung angenommen worden war, die Einnahmen und die laufenden Ausgaben befanden sich im Einklang mit den Zielvorgaben, und die Entwicklungsausgaben waren vergleichweise niedrig. Die gesamte Haushaltsposition der Zentralregierung war im Fiskaljahr 1994/95 ausgeglichen, wobei das Defizit (ohne Öl- und Gaseinnahmen) auf 3 ¼ % des BIP zurückging. Das Leistungsbilanzdefizit wurde hauptsächlich mit langfristigen Kapitalimporten finanziert. Die kurzfristigen Kapitalströme, die im Fiskaljahr 1993/94 stark geschwankt hatten, stabilisierten sich Anfang 1994/95.

Bei ihrer Erörterung äußerten sich die Direktoren sehr lobend über die indonesische Wirtschaftspolitik, die zu einer beeindruckenden wirtschaftlichen Entwicklung geführt, die Abhängigkeit vom Ölsektor verringert und den Lebensstandard verbessert hatte. Wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Erlangung gesamtwirtschaftlicher Stabilität und höherer Spar- und Investitionsquoten hatten im Verbund mit marktmäßigen Strukturreformen die Grundlage für anhaltendes Vertrauen der in- und ausländischen Investoren geschaffen. Die Direktoren begrüßten insbesondere die von der Regierung vor kurzem durchgeführten Handelsreformen.

Die Direktoren stellten fest, daß wegen der hohen Auslandsverschuldung und der Notwendigkeit, das Leistungsbilanzdefizit zu begrenzen, auf mittlere Frist eine erhebliche Anpassung im Haushaltsbereich erforderlich sei, wobei das Schwergewicht auf der Einnahmenseite liegen müsse. Zu den sonstigen mittelfristigen Herausforderungen zählten die Setzung klarer Ausgabenprioritäten, weitere Schritte zur Liberalisierung des Handels und der Investitionen und die Förderung des Privatsektors. Kurzfristig war auch die Überhitzung der Wirtschaft ein Anlaß zur Besorgnis: Die Inflation war bereits höher als geplant, und das Leistungsbilanzdefizit hatte sich ausgeweitet. Eine strategische Entscheidung, die Inflation ganz erheblich zu verringern, werde benötigt. Um dieses Ziel zu erreichen und die Aussichten auf eine Realisierung der mittelfristigen Wachstumsziele zu verbessern, seien eine straffere Finanz- und Geldpolitik und größere Flexibilität in der Wechselkurspolitik erforderlich.

Wenngleich sie anerkannten, daß die Behörden trotz zurückgehender Öleinnahmen eine beeindrukkende Anpassung im Haushaltsbereich geschafft hatten, betonten die Direktoren, daß zusätzliche Anpassungsmaßnahmen im Haushaltsbereich zur mittelfristigen Erhöhung der öffentlichen Ersparnis und zur Begrenzung des kurzfristigen Nachfragedrucks wesentlich seien. Die vor kurzem eingeführten steuerlichen Änderungen, so stellten sie fest, würden sich kurzfristig negativ auf die Haushaltseinnahmen auswirken, und sie rieten dazu, im Fiskaljahr 1995/96 zusätzliche Maßnahmen zur Erhöhung der Staatseinnahmen aus anderen Quellen als Öl und Erdgas zu beschließen. Die Direktoren machten auch auf die Möglichkeiten zur weiteren Verbesserung der Steuerverwaltung und zur Verbreiterung der Steuerbasis aufmerksam. Priorität auf der Ausgabenseite sollte es sein, die Ausgaben auf die im Budget ausgewiesenen Ansätze zu begrenzen und sich dem Druck auf außerbudgetäre Finanzierungen zu widersetzen.

Die Direktoren begrüßten den seit 1994 eingetretenen graduellen Zinsanstieg und empfahlen mit großem Nachdruck eine weitere Straffung der Geldpolitik. Sofern höhere Zinsen zu übertrieben hohen Kapitalimporten führten, sollten die Behörden nach Meinung der Direktoren den Marktkräften bei der Wechselkursfindung eine größere Rolle einräumen, was auch eine effektive Aufwertung der Rupie einschließen könne. Die Direktoren begrüßten die Maßnahmen zur Verbreiterung des Wechselkursbandes und rieten nachdrücklich zu weiteren Schritten in diese Richtung. Zum Problem der notleidenden Kredite des Bankensystems unterstrichen sie die Notwendigkeit, das Programm zur Verbesserung der Qualität von Neukrediten zu beschleunigen, die vorhandenen Problemkredite und Problembanken einer Lösung zuzuführen und die Bankenaufsicht zu verbessern.

Die Direktoren begrüßten die vor kurzem verkündete Senkung der Zollsätze und verlangten weitere Anstrengungen zur Verringerung nicht-tarifärer Handelsbarrieren und zur Liberalisierung des Handels mit den wichtigsten Rohstoffen. Indonesiens beispielhaftes Verhalten bei der Bedienung seiner Auslandsschulden wurde gelobt; die Direktoren rieten jedoch mit Nachdruck zur Einführung von Obergrenzen für marktmäßige Kreditaufnahmen im Ausland und für vom öffentlichen Sektor aufgenommene Exportkredite und unterstützten die Verwendung von Privatisierungserlösen zur Rückzahlung teurer Auslandsschulden. Sie empfahlen den Behörden, ihre Statistiken zu verbessern, wobei auch an eine bessere Beobachtung der privaten Kapitalströme und der privaten Auslandsverschuldung, sowie der nicht dem Haushaltsbereich zuzurechnenden öffentlichen Transaktionen und Konten der staatseigenen Unternehmen gedacht sei.

Israel

Im September 1995 erörterten die Direktoren die Artikel IV-Konsultation mit Israel. Während der vorangegangenen fünf Jahre war die israelische Wirtschaftspolitik von der massiven Einwanderungswelle aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion beeinflußt worden. Seit 1990 waren über 600 000 Emigranten in die inländische Wirtschaft integriert worden. Das reale BIP weitete sich 1994 um 6,5 % aus, und die Arbeitslosigkeit, die 1992 mit 11,2 % einen Höchststand erreicht hatte, ging im ersten Quartal 1995 auf 6,9 % zurück (siehe Tabelle 21). Die Inflation beschleunigte sich von 11,2 % 1993 auf 14 ½ % im Jahre 1994, ging aber in der ersten Jahreshälfte 1995 auf 9 ½ % zurück.

Tabelle 21Israel: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im September 1995 vorliegende Daten; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
19921993199419951
Binnenwirtschaft
Reales BIP6,63,46,55,0
Arbeitslosenquote (Durchschnitt)11,210,07,87,2
Verbraucherpreisindex (Durchschnitt)11,910,912,310,2
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob (in Milliarden US-Dollar)13,314,816,517,8
Einfuhren, cif (in Milliarden US-Dollar)−18,3−20,4−22,6−25,9
Leistungsbilanz (in Milliarden US-Dollar)0,2−1,4−2,8−4,8
Kapitalverkehrsbilanz (in Milliarden US-Dollar)−2,12,01,17,0
Auslandsschulden des öffentlichen Sektors19,0221,020,0
Realer effektiver Wechselkurs3−4,91,62,4
Nettoschuldendienst415,415,716,6
Offizielle Bruttoreserven (Ende des Zeitraums)52,22,62,54,1
Finanzielle Größen
Bruttoersparnis (in Prozent des Volkseinkommens)21,619,518,119,0
Bruttoinvestitionen (in Prozent des Volkseinkommens)21,721,321,7
Breit abgegrenzte Nominalgeldmcnge (Ende des Zeitraums)33,025,026,0

Schätzungen des IWF.

Durchschnitt der Jahre 1990-92.

Auf Basis von IWF-Schätzimgen (für die Verbraucherpreise herangezogen wurden); viertes Quartal im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal.

In Prozent der Gesamtausfuhren von Waren und Diensten.

In Monaten der Gesamtausfuhren von Waren und Diensten.

Schätzungen des IWF.

Durchschnitt der Jahre 1990-92.

Auf Basis von IWF-Schätzimgen (für die Verbraucherpreise herangezogen wurden); viertes Quartal im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal.

In Prozent der Gesamtausfuhren von Waren und Diensten.

In Monaten der Gesamtausfuhren von Waren und Diensten.

Der private Verbrauch legte 1994 um beinahe 9 % zu, und die Investitionen außerhalb des Wohnungsbaus stiegen um beeindruckende 17 %. Die private Sparquote, die zu Beginn der 90er Jahre ungefähr 20 % des BIP erreicht hatte, fiel auf 16 ¼% des BIP zurück. Das Defizit der öffentlichen Haushalte ging von 2,8 % 1993 auf 1 % des BIP zurück, und die öffentliche Verschuldung sank von 99 % des BIP im Jahre 1993 auf 92 % im Jahre 1994.

Im Juli 1993 verringerte die Bank von Israel in Übereinstimmung mit dem Inflationsziel von 8 % für das Jahr 1994 den vorab angekündigten Abwertungssatz beim Wechselkurs von einer Jahresrate von 8 % auf 6 %. Da es nicht gelang, das Inflationsziel einzuhalten, kam es zwischen Mitte 1993 und Anfang 1995 zu einer realen effektiven Währungsaufwertung von 6 %. Dies und das starke Wachstum der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage führten 1994 zu einem Leistungsbilanzdefizit von 4 % des BIP und ungefähr 6 % im ersten Quartal 1995.

Zur Finanzierung des Defizits griff Israel auf seine Kreditgarantie der Vereinigten Staaten zurück. Da auch der Privatsektor hohe Kreditaufnahmen im Ausland tätigte, um sich die Vorteile niedriger Zinsen bei Auslandskrediten zu sichern, stiegen die Nettowährungsreserven von 6,5 Mrd $ Ende 1993 auf eine Rekordgröße von 9,6 Mrd $ im Mai 1995 an.

Die Direktoren lobten die israelischen Behörden für das seit 1990 beeindruckende wirtschaftliche Wachstum und für die vollständige Integrierung der neuen Emigranten bei gleichzeitigem Abbau der Arbeitslosigkeit. Sie waren auch darüber erfreut, daß sich die Wachstumsperspektiven durch den Friedensprozeß verbessert hatten; allerdings gebe die Überhitzung der Wirtschaft Anlaß zur Besorgnis. Wenngleich die Direktoren der Auffassung waren, daß das Leistungsbilanzdefizit kein akutes Finanzierungsproblem darstelle, waren sie sich doch darin einig, daß sein gegenwärtiges Niveau nicht durchhaltbar sei.

Sie sahen die Erhöhung der Inlandsersparnis als wichtigste wirtschaftspolitische Herausforderung an und betonten, daß die Finanzpolitik in dieser Hinsicht eine wesentliche Rolle spielen müsse. Zu diesem Zweck empfahlen sie ehrgeizigere fiskalische Anstrengungen auf der Basis einer straffen Ausgabenkontrolle. Sparmaßnahmen im Haushaltsbereich seien auch erforderlich, um die öffentliche Verschuldung zu verringern, zukünftige Rentenverpflichtungen zu erfüllen und sich auf mögliche künftige Kürzungen bei den einseitigen Übertragungen aus dem Ausland vorzubereiten. In diesem Zusammenhang lobten die Direktoren die Anstrengungen zur Reform des Rentensystems, machten aber darauf aufmerksam, daß das System ohne weitere Anpassungsmaßnahmen den künftigen Budgets hohe Belastungen auferlegen würde.

Unter Hinweis auf die 1994 enttäuschende Preisentwicklung warnten die Direktoren vor einer voreiligen Senkung der Zinsen. Sie betonten dabei, daß die Geldpolitik darauf abzielen müsse, das Inflationsziel der Regierung für 1995 zu erreichen und danach die Basis für einen weiteren Inflationsrückgang zu legen. Die Direktoren waren der Meinung, daß das System des Wechselkursbands Israel gute Dienste geleistet hätte. Trotzdem machten einige Direktoren unter Hinweis darauf, daß die Geldpolitik durch die kurzfristigen Kapitalzuströme erschwert werde, darauf aufmerksam, daß die Behörden ohne weitere Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung vor die unangenehme Wahl einer weiteren Währungsaufwertung oder höherer Kapitalimporte gestellt werden könnten.

Die Politik der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage-steuerung müßte nach Meinung der Direktoren von neuen Anstrengungen zur Stärkung der Angebotsseite ergänzt werden. Sie bedauerten, daß der Privatisierungsprozeß ins Stocken geraten war, unterstützten das kürzlich von der Regierung vorgeschlagene Verfahren zur Verteilung von Optionen und rieten mit Nachdruck zu seiner baldigen Umsetzung.

Die Direktoren begrüßten die Gelegenheit, die jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen in der Westbank und im Bereich des Gaza-Streifens und die wachsende Einbeziehung des Fonds in die Bereitstellung technischer Hilfe an die palästinensischen Behörden zu überprüfen. Sie waren der Überzeugung, daß sich die Entwicklungsstrategie in der Region nach außen orientieren und vom privaten Sektor angeführt werden müsse, und sie legten allergrößten Wert auf die Schaffung solider und überschaubarer öffentlicher Finanzen.

Kolumbien

Die Direktoren erörterten Kolumbiens Artikel IV-Konsultation 1995 im Januar 1996. Vor dem Hintergrund des stetigen realen BIP-Wachstums während der vergangenen 25 Jahre und der Abschwächung der Inflation auf 23 % im Jahre 1994 strebten die Behörden für 1995 an, das Wirtschaftswachstum in einer Größenordnung von 5,5 bis 6,0 % zu halten, die Inflation auf 18 % zu senken und die Währungsreserven etwas aufzustocken. Um diese Ziele zu erreichen, sollte der Staatshaushalt ausgeglichen oder mit einem kleinen Überschuß abschließen, und die in der zweiten Jahreshälfte 1994 begonnene straffere Geldpolitik sollte fortgeführt werden.

Im Ergebnis blieb das Wachstum bei über 5 % (siehe Tabelle 22), obwohl es - teilweise bedingt durch die Abschwächung des privaten Verbrauchs und der Investitionen als Folge der ab Ende 1994 restriktiveren Geldpolitik - 1995 etwas zurückging. Das Wachstum wurde von einem Anstieg der Investitionen um 14,8 % vorangetrieben. Die Inflation ging im fünften aufeinanderfolgenden Jahr zurück, und zwar auf 19,5 % - das erste Mal in zehn Jahren, daß sie unter das Niveau von 20 % gesunken war. Trotz der Verschiebung einiger großer importintensiver Projekte im Ölsektor weitete sich das Leistungsbilanzdefizit 1995 auf 5 ¼% des BIP aus, nach 4 ½ % im Jahre 1994. Die Nettowährungsreserven stiegen 1995 in etwa im erwarteten Umfang an, und die Bruttoreserven erreichten zum Jahresschluß 8,5 Mrd $, was ungefähr dem Gegenwert von fünf Monaten an Importen von Gütern und Diensten entspricht. Das Handelsbilanzdefizit ging von 3,5 % im Jahre 1994 auf 3,2 % des BIP im Jahre 1995 zurück, weil die nicht-traditionellen Exporte in US-Dollar gerechnet, um 20 % zulegten. Das zusammengefaßte Defizit des öffentlichen Sektors in Höhe von 0,5% des BIP bewegte sich zwar noch innerhalb relativ konservativer Grenzen; es fiel jedoch höher aus, als ursprünglich beabsichtigt war. Ausfälle bei der Einkommensteuer, weiter steigende Staatsausgaben und niedriger als erwartete Weltmarkt preise für Kaffee, die zu einer unerwarteten Verschlechterung der Finanzen des nationalen Kaffeefonds führte, trugen dazu bei.

Tabelle 22Kolumbien: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im Januar 1996 vorliegende Daten; jährliehe prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
19921993199419951
Binnenwirtschaft
Reales BIP4,05,25,75,3
Arbeitslosenquote10,28,68,98,4
Verbraucherpreisindex (Durchschnitt des Zeitraums)27,022,422,820,9
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob (in Millionen US-Dollar)7 2637 4288 75610 725
Einfuhren, fob (in Millionen US-Dollar)6 0299 08611 04013 249
Leistungsbilanz (in Prozent des BIP)1,8−3,9−4,6−5,3
Direktinvestitionen56,94,6113,538,5
Portfolioinvestitionen (in Millionen US-Dollar)65,0203,0−65,0200,0
Kapitalverkehrsbilanz (in Prozent des BIP)0,94,14,75,5
Auslandsschulden35,034,832,828,9
Schuldendienstquote (in Prozent der Ausfuhren von Waren und Diensten)44,937,239,635,3
Realer effektiver Wechselkurs (Ende des Zeitraums)8,67,310,5−7,82
Internationale Nettoreserven (in Millionen US-Dollar)1 326153128185
Finanzielle Größen
Saldo des nichtfinanziellen öffentlichen Sektors (in Prozent des BIP)−0,1−0,20,5−0,7
Bruttoersparnis (in Prozent des BIP)19,016,015,315,3
Bruttoinlandsinvestitionen (in Prozent des BIP)17,219,919,820,6
Breit abgegrenzte Geldmenge35,030,236,229,4
Zinssätze
Dreimonats-Anlagezins26,425,629,532,03
Kreditzins37,335,840,543,14

Geschätzt.

Prozentuale Veränderung von Dezember 1994 bis Oktober 1995.

Januar bis einschließlich 14. Dezember 1995.

Januar-November 1995.

Geschätzt.

Prozentuale Veränderung von Dezember 1994 bis Oktober 1995.

Januar bis einschließlich 14. Dezember 1995.

Januar-November 1995.

Im Rahmen ihrer Erörterung stellten die Direktoren fest, daß die günstige Entwicklung und die Fähigkeit der kolumbianischen Wirtschaft, den im regionalen Wirtschaftsraum aufgetretenen Schocks zu widerstehen, Nachweis der soliden und konsequenten Wirtschaftspolitik der Behörden seien. Die Direktoren be- grüßten die im Dezember 1995 erstmals nach vielen Jahren erzielte Verringerung der Inflation auf unter 20 %, sie betonten aber, daß die Inflation immer noch zu hoch sei und daß ein weiterer Inflationsabbau die wichtigste wirtschaftspolitische Herausforderung bleibe. Sie ermunterten die Behörden dazu, eine straffere, ausgewogenere Mischung von Finanz- und Geldpolitik als derzeit vorgesehen zu verfolgen, um die Inflation rascher abzusenken. Insbesondere waren die Direktoren der Ansicht, daß eine restriktivere Finanzpolitik notwendig sei, um die Geldpolitik zu entlasten und die wirtschaftlichen Perspektiven für den Privatsektor zuverbessern. Um die tiefsitzenden Inflationserwartungen zu durchbrechen, müßte es zu weiteren Fortschritten bei der Abschaffung der an der vergangenen Inflationsentwicklung ausgerichteten Lohnvereinbarungen kommen. Gleichzeitig wurde angemerkt, daß es wichtig sei, die Ausgaben für Soziales zu schützen. Die Direktoren verlangten Kürzungen bei den nicht zwingend notwendigen laufenden Haushaltsausgaben und einen langsameren, stärker auf die tatsächlichen Schwerpunktaufgaben konzentrierten Anstieg der staatlichen Investitionen, und sie begrüßten die im Dezember 1995 beschlossenen Maßnahmen zur Erhöhung der Steuersätze, zur Verbesserung der Steuerverwaltung und zur Verringerung der Steuerhinterziehung. Sie begrüßten auch die Anstrengungen zur Straffung der Geld- und Kreditpolitik und forderten die Behörden dazu auf, monetäre Disziplin zu wahren, um die Inflation weiter abzubauen.

Die Direktoren stellten fest, daß die Umsetzung einer soliden Geld- und Finanzpolitik auch der Schlüssel für die Glaubwürdigkeit des gesteuerten Wechselkursbandes sei, das sich 1995 trotz ungünstiger Entwicklungen innerhalb der Region und im Inland als widerstandsfähig erwiesen habe. Einige Direktoren merkten an, daß eine schrittweise Lockerung der Restriktionen bei der Kreditaufnahme im Ausland vertretbar sein könne, sofern sie von einer Verschärfung der Finanzpolitik und anderer wirtschaftspolitischer Maßnahmen, die zur Erhöhung der Inlandsersparnis beitragen sollen, begleitet würde. Einige Direktoren äußerten sich besorgt zur Ausweitung des Leistungsbilanzdefizits. Zwar sei es im wesentlichen über ausländische Direktinvestitionen finanziert worden, sie hielten aber eine straffere Geld- und Finanzpolitik und Maßnahmen zur Erhöhung der Inlandsersparnis für angezeigt, um die Risiken zu verringern und ein stetiges und ausgewogenes Wachstum sicherzustellen.

Korea

Als im Oktober 1995 die Artikel IV-Konsultation mit Korea erörtert wurde, deutete die Wachstumsprognose, die seit Jahresbeginn schon mehrfach nach oben revidiert worden war, auf einen Anstieg des realen BIP um mehr als 9 % im Jahre 1995 hin (siehe Tabelle 23). Der Konjunkturaufschwung, der 1993 begonnen hatte und sich 1994 noch verstärkte, wurde von einem anhaltend kräftigen Anstieg der Exporte und der Ausrüstungsinvestitionen untermauert. Wegen der kräftigen Wachstumsbelebung schien es wahrscheinlich, daß der Auslastungsgrad des gesamtwirtschaftlichen Produktionspotentials 1995 geringfügig höher als normal ausfallen würde (positiver output gap).

Tabelle 23Korea: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaitsspracbe im Oktober 1995 vorliegende Daten; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
1992199319941995
Binnenwirtschaft
Reales BIP5,15,88,49,0
Arbeitslosenquote2,42,82,42,0
Verbraueherprcisindex6,24,86,24,5
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob (in Milliarden US-Dollar)75,280,993,7123,2
Einfuhren, fob (in Milliarden US-Dollar)77,379,196,8128,0
Leistungsbilanz (in Prozent des BIP)−1,50,1−1,2−2,0
Direktinvestitionen (netto, in Millionen US-Dollar)−496−540−1 318−1 703
Portfolioinvestitionen (netto, in Millionen US-Dollar)5 74210 7256 8058 518
Gesamtbilanz (in Milliarden US-Dollar)3,73,04,6
Auslandsschulden (in Prozent des BIP)14,013,314,7
Schuldendienstquotc (in Prozent der Ausfuhren von Waren und Diensten, ohne Faktorerträge)6,09,16,2
Realer effektiver Wechselkurs1−0,7−0,90,44,3
Internationale Bruttoreserven (in Milliarden US-Dollar, Ende des Zeitraums)17,120,225,632,7
Finanzielle Größen
Konsolidierter Finanzierungssaldo der Zentralregierung (in Prozent des BIP)−0,70,30,50,52
Bruttoersparnis (in Prozent des BIP)34,735,134,735,1
Bruttoinvestitionen (in Prozent des BIP)36,635,135,937,0
Breit abgegrenzte Geldmenge (M2)18,418,615,615,5
Zinssatz (Rendite auf industrielle Schuldver-schreibungen, Durchschnitt des Zeitraums)16,212,612,913,8

Durchschnitt vom Dezember über den gleichen Zeitraum des vorangegangenen Jahres.

Vorläufig geschätztes Ergebnis.

Durchschnitt vom Dezember über den gleichen Zeitraum des vorangegangenen Jahres.

Vorläufig geschätztes Ergebnis.

Obwohl die Inflation auf der Erzeugerstufe als Folge von Preissteigerungen bei importierten Rohstoffen im Juni 1995 auf nahezu 6 % angestiegen war, blieb der Preisanstieg auf der Verbraucherstufe verhalten und ging sogar etwas zurück. Die Lohnerhöhungen waren mäßig, nachdem es 1994 im verarbeitenden Gewerbe zu einem kräftigen Anstieg der Verdienste gekommen war, der über die Produktivitätsgewinne hinausging.

Getrieben von anhaltenden Importsteigerungen hatte sich das Leistungsbilanzdefizit im Zeitraum Januar-Mai 1995 gegenüber der vergleichbaren Vorjahresperiode mehr als verdoppelt; bezogen auf die Größe der Volkswirtschaft blieb es aber gering. Die Zahlungsbilanz verzeichnete in dieser Periode einen kleinen Überschuß, während die Währungsreserven, hauptsächlich aufgrund von Bewertungseffekten im Zusammenhang mit Wechselkursänderungen, weiter anstiegen. Vor dem Hintergrund der in etwa ausgeglichenen Außenwirtschaftsposition wertete sich der Won im Zeitraum Januar-Mai 1995, real und im gewogenen Durchschnitt gerechnet, um 2 ¼% ab, und zwar in erster Linie aufgrund der kräftigen Abschwächung des Dollar gegenüber dem Yen, bevor er sich im Zeitraum Juni-August wieder erholte.

Da mit einem weiterhin kräftigen Wachstum zu rechnen war, verschärften die Behörden 1995 den bereits zu Beginn der Aufschwungphase eingeleiteten Restriktionskurs. Der zusammengefaßte Haushalt der Zentralregierung sah für 1995 eine geringfügige Rücknahme des Konjunkturimpulses vor, und der Zielbereich für das Wachstum von M 2 wurde auf 12 bis 16 % abgesenkt. Allerdings überschritt die Geldmengenexpansion in der ersten Jahreshälfte von 1995 den oberen Rand des Zielbereichs.

Im Rahmen ihrer Erörterung lobten die Direktoren die Behörden für Koreas bemerkenswerte wirtschaftliche Entwicklung, insbesondere die trotz eines kräftigen Wirtschaftswachstums weiterhin mäßige Inflation. Da sich die Wirtschaft aber dem Zustand der Vollbeschäftigung nähere, müsse trotzdem darauf aufmerksam gemacht werden, daß es erforderlich sei, einen vorsichtigen wirtschaftspolitischen Kurs zu steuern, um die Gefahr einer Überhitzung zu vermeiden. In diesem Zusammenhang waren die Direktoren der Auffassung, daß der Entzug des Fiskalimpulses 1995 angemessen sei, und sie begrüßten die Absicht der Behörden, zur Milderung infrastruktureller Engpässe die Investitionen in das soziale Netz auszuweiten, ohne die Haushaltsposition zu schwächen. Das Direktorium begrüßte auch die während der letzten Monate eingetretene Verlangsamung des M 2-Wachstums. Da die Nachfrage nach M 2 instabiler geworden wäre, war es zudem der Meinung, daß die Behörden einer größeren Bandbreite von Indikatoren, einschließlich der Zinsen, mehr Aufmerksamkeit schenken sollten.

Die Direktoren begrüßten die Absicht der Behörden, die strukturpolitischen Vorhaben kontinuierlich umzusetzen, und betonten dabei, daß die Regierung die Wirtschaft weiter deregulieren und öffnen solle, um Koreas Übergang zu einem fortschrittlichen Industrieland abzuschließen, das vollständig in die Weltwirtschaft integriert sei. Die derzeitigen Verhältnisse seien optimal, um die erforderlichen Strukturreformen im Finanzsektor, der Kapitalbilanz und im Handel beschleunigt umzusetzen. Die Direktoren wiesen darauf hin, daß es für das Reformprogramm im Finanzsektor sehr wichtig sei, ein vollständig marktkonformes monetäres Kontrollsystem zu entwickeln; sie stellten auch fest, daß die meisten Kredit- und Einlagenzinsen liberalisiert worden wären, aber starrer blieben, als man erwartet hätte. Die Direktoren lobten den 1994 zur Unterstützung der Liberalisierung der Kapitalbilanztransaktionen verkündeten Plan zur Reform des Devisenmarktes, forderten die Behörden aber mit Nachdruck dazu auf, einen konkreteren Zeitplan zu entwickeln und die Liberalisierung zu beschleunigen. Die Direktoren waren generell der Meinung, daß im Zusammenhang mit der Liberalisierung der Kapitalbilanz ein flexibler Wechselkurs zunehmend wichtiger werde. Dementsprechend unterstützten sie die Forderung nach flexibleren Wechselkursen und einer größeren Ausnutzung des verbreiterten Bandes im System der durchschnittlichen Marktsätze. Sie waren auch der Meinung, daß die jüngste Stärkung des realen effektiven Wechselkurses mit den konjunkturellen Notwendigkeiten und der verbesserten Außenwirtschaftsposition im Einklang stünden.

Mexiko

Die Direktoren erörterten im Juni 1995 den Stabsbericht zur Artikel IV-Konsultation 1995 mit Mexiko und die zweite Überprüfung der im Februar 1995 genehmigten Bereitschaftskreditvereinbarung in Höhe von 12,1 Mrd SZR. Diese Summe enthält einen Zusatzbetrag von 6,8 Mrd SZR, der später verfügbar gemacht wurde.

Anfang Januar 1995 beschlossen die mexikanischen Behörden ein Wirtschaftsprogramm, um die Finanzkrise zu bewältigen, die im Anschluß an die drastische Abwertung des Peso gegen Ende Dezember 1994 entstanden war. Mit diesem Programm, das von einer Bereitschaftskreditvereinbarung unterstützt wurde, gelang es nicht, die Finanzmärkte zu beruhigen, und Anfang März 1995 verabschiedeten die Behörden zusätzliche Maßnahmen, einschließlich einer größeren Haushaltsanpassung und einer Straffung der Geldpolitik, die 1995 einen geordneten Abbau des Leistungsbilanzdefizits auf 654 Mio $ gegenüber den ursprünglich geschätzten 14 Mrd $ ermöglichten.

Die anschließende Reaktion der Märkte war ermutigend. Der Peso wertete sich von etwa 7,60 MexN$ pro US-$ von Anfang März auf ungefähr 6,20 MexN$ Anfang Juni auf. Im selben Zeitraum gingen die Zinsen für einmonatige Schatzwechsel von über 85 % auf 54 % zurück, und der Aktienmarkt erholte sich um etwa 32 %. In diesem Zusammenhang gelang es Mexiko nach dem zweiten Quartal 1995, allmählich wieder an die internationalen Kapitalmärkte zurückzukehren. Aufgrund des erheblich verbesserten Vertrauens nahm die mexikanische Regierung im Mai 1995 die Emission von Schatzwechseln mit einer Laufzeit von 182 Tagen wieder auf.

Die Notwendigkeit, im ersten Quartal 1995 kurzfristige Auslandsverbindlichkeiten der Regierung (hauptsächlich tesobonos) und der Geschäftsbanken zurückzuzahlen, führte zu einem Anstieg der Nettoinlandsaktiva der Bank von Mexiko und einem Rückgang der Währungsreserven. Allerdings hatten der scharfe Zinsanstieg und die Liquiditätsprobleme vieler Banken real gerechnet einen Rückgang der Kreditgewährung an den privaten Sektor zur Folge. Im zweiten Quartal 1995 wurde ein Anstieg der Nettowährungsreserven um 3,4 Mrd $ verzeichnet, weil der Anteil fälliger tesobonos stieg, der in Peso zurückgezahlt wurde, und die Geschäftsbanken damit begannen, in US-Dollar denominierte Kredite zurückzuzahlen, die ihnen zuvor von der Bank von Mexiko durch FOBAPROA (der Fonds zum Schutz der Ersparnisse) gewährt worden waren. Gleichzeitig ermöglichten es der kräftige Rückgang der nicht auf Zinszahlungen entfallenden Ausgaben und die wider Erwarten hohen Einnahmen aus der Einkommensteuer den Behörden, das Programmziel für den Überschuß in der Primärbilanz des staatlichen Sektors (ohne staatseigene Banken) im ersten Quartal 1995 nahezu zu verdoppeln.

Der Handelsbilanzüberschuß erhöhte sich dramatisch auf kumulative 1,3 Mrd $ im April 1995, verglichen mit einem Defizit von 5,7 Mrd $ während der ersten vier Monate von 1994. Das reale BIP ging im ersten Quartal 1995 um 2,9 % gegenüber dem vorangegangenen Quartal zurück, aber im dritten Quartal 1995 setzte eine allmähliche Erholung ein. Im gesamten Jahr sank das reale BIP um 6,9 % (siehe Tabelle 24). Für die Inflation wurde erwartet, daß sie sich nach dem im Mai 1995 beobachteten Rückgang bis zum Jahresende auf einen Wert von 42 % zurückbilden würde; tatsächlich führte der verschärfte Preisdruck, der aus der höher als erwartet ausgefallenen Abwertung des Peso und aus Anpassungen bei den Löhnen und staatlichen Preisen im Dezember resultierte, die Bestandteil des Wirtschaftsprogramms für 1996 waren, zum Jahresschluß zu einer Inflation von 52 %.

Tabelle 24Mexiko: Konjunkturindikatoren(Bei der Dircktoriumsaussprache im Juni 1995 vorliegende Daten; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
19921993199419951,2
Binnenwirtschaft
Reales BIP2,80,73,5−6,9
Quote der offenen Arbeitslosigkeit2,83,43,76,3
Verbraucherpreisindex (Ende des Zeitraums)11,98,07,152,0
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob (in Milliarden US-Dollar)32,335,440,453,4
Einfuhren, fob (in Milliarden US-Dollar)48,248,958,946,3
Leistungsbilanz (in Prozent des BIP)−7,4−6,5−7,8−0,3
Direktinvestitionen (in Milliarden US-Dollar)4,44,411,07,0
Portfolioinvestitionen (Plazierungen von Staatsanleihen und Aktieninvestitionen, in Milliarden US-Dollar)8,317,06,40,9
Kapitalverkehrsbilanz (in Prozent des BIP)8,08,43,0−0,2
Auslandsschulden des öffentlichen Sektors2,381,783,589,3116,8
Auslandsschulden (in Prozent der Ausfuhren von Waren, Diensten und Übertragungen)2254,1263,0249,3240,7
Realer effektiver Wechselkurs (durchschnittliche Abwertung, –)7,57,4−4,0−33,3
Veränderung der internationalen Nettoreserven (in Milliarden US-Dollar; Zunahme, –)−1,9−7,117,91,3
Finanzielle Größen
Grundbilanz (in Prozent des BIP)5,83,92,35,6
Bruttoersparnis (in Prozent des BIP)14,114,213,914,7
Bruttoinvestitionen (in Prozent des BIP)21,520,621,715,0
Breit abgegrenzte Geldmenge (M2)229,417,622,834,7
Zinssatz fur Einmonats-Schatzwechsel (Durchschnitt der Primärauktion)15,615,014,048,4

Vorläufig.

Daten wurden nach der Aussprache im Direktorium revidiert.

Einschließlich Verschuldung beim IWT.

Vorläufig.

Daten wurden nach der Aussprache im Direktorium revidiert.

Einschließlich Verschuldung beim IWT.

Bei ihrer Erörterung gingen die Direktoren auf die seit März 1995 erfreulich deutliche Verbesserung der wirtschaftlichen Entwicklung in Mexiko ein. Sie waren der Meinung, daß der derzeitige wirtschaftspolitische Kurs angemessen sei, betonten aber zugleich die Notwendigkeit, zur weiteren Inflationsbekämpfung und zur Stabilisierung der Finanzmärkte eine straffe Geldpolitik beizubehalten. Mit einer weiterhin soliden Wirtschaftspolitik und der Durchführung von Strukturre formen sollte es möglich sein, die Leistungsbilanz auf einem tragbaren Niveau zu halten und die wirtschaftliche Erholung zu fördern.

Die Direktoren betonten, daß die Zusicherung einer ausreichenden Unterstützung aus dem Ausland das Vertrauen der Märkte stärken und im weiteren Verlauf des Jahres zur weiteren Aufstockung der Währungsreserven beitragen werde. In diesem Zusammenhang begrüßten sie die Entscheidung der Vereinigten Staaten, im Juli 1995 2,5 Mrd $ auszuzahlen mit der Bestätigung, daß zur Rückzahlung kurzfristiger Auslandsverbindlichkeiten im August 1995 zusätzliche Mittel im benötigten Umfang verfügbar seien. Sie waren sich auch darin einig, daß die im Zeitraum bis August vorgesehenen nächsten beiden Ziehungen vom Fonds als Signal für die Fortsetzung der internationalen Unterstützung für Mexikos Programm und zur Unterstützung bei der Wiederauffüllung der Währungsreserven notwendig seien. (Die Ziehungen sind im Juli bzw. August 1995 erfolgt.) Die Direktoren waren im allgemeinen der Meinung, daß mit der Fortsetzung einer angemessenen Politik das Vertrauen erhalten bleiben und ein normaler Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten wiederhergestellt werden könnte. Sie erkannten an, daß wichtige Programme auf den Weg gebracht worden waren, und begrüßten die Absicht der Behörden, auf Ziehungen zu verzichten - sofern sich Zahlungsbilanz und Währungsreserven, wie unter dem Programm angenommen, verbessern würden - und frühzeitige Rückzahlungen an den Fonds zu leisten, sofern dies die Reserveentwicklung zulasse.

Die Direktoren stellten fest, daß die größten Risiken für die Geldpolitik im weiteren Verlauf des Jahres von möglichen Anspannungen an den Finanzmärkten ausgehen könnten (bei unzureichenden Finanzierungen aus dem Ausland) und von einer weiteren Verschlechterung der Kreditportfolios der Geschäftsbanken. Sie betonten, daß die Wiederherstellung eines gesunden Bankensystems hauptsächlich von der Rückgewinnung gesamtwirtschaftlicher Stabilität und einer finanziellen Neuordnung der schwächeren Banken abhinge. Die Direktoren lobten Mexiko für die in jüngster Zeit erfolgte Verbesserung im Umfang und in der Qualität der statistischen Informationen, die zur Veröffentlichung bereitgestellt werden.

Mosambik

Die Direktoren erörterten im Juni 1995 die Artikel IV-Konsultation mit Mosambik. Im Oktober 1992 hatten mit Unterzeichnung einer Friedensvereinbarung zwischen der Regierung und der Renamo-Bewegung 16 Jahre Bürgerkrieg geendet. Seitdem wurden 80 000 Soldaten demobilisiert; es wurden von einem internationalen Beobachtergremium überwachte Wahlen abgehalten; die Wiederansiedlung von Flüchtlingen und Vertriebenen ist nahezu abgeschlossen. Die Beseitigung der Landminen und der Wiederaufbau sind im Gange.

Seit 1987 hat der Fonds Mosambik mit Finanzhilfen aus der Strukturanpassungsfazilität (SAF) und der Erweiterten Strukturanpassungsfazilität (ESAF) bei seinen Anpassungsanstrengungen geholfen. Obwohl es zu den ärmsten Ländern der Welt gehört, hat Mosambik erhebliche Fortschritte dabei erzielt, seinen wirtschaftlichen Abstieg aufzuhalten, Strukturreformen durchzuführen und seine Wirtschaft zu liberalisieren.

1994 blieb Mosambiks Wirtschaftswachstum mit 5,4 % breit fundiert und kräftig (siehe Tabelle 25). Die Produktion stieg - bis auf den Industriebereich, wo sie im fünften aufeinanderfolgenden Jahr sank - in jedem wichtigen Sektor. Der Wohnungsbau expandierte mit einer realen Zuwachsrate von 7,5 %; das Transportwesen und der Kommunikationsbereich legten 5,7 % zu; und die landwirtschaftliche Produktion stieg um 5 %, nachdem es 1993 zu einem Zuwachs von 21,3 % gekommen war.

Tabelle 25Mosambik: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im Juni 1995 vorliegende Daten; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
199219931994119952
Binnenwirtschaft
Reales BIP−0,819,35,44,3
Verbraucherpreisindex (Dezember 1989 = 100)54,543,670,124,0
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob (in Millionen US-Dollar)139,3131,8149,5170,0
Einfuhren, cif (in Millionen US-Dollar)−855,0−954,7−1 018,5−868,7
Leistungsbilanz, einschließlich verlorener Zuschüsse (in Millionen US-Dollar)−239,1−321,3−305,4−310,1
Direktinvestitionen, netto25,332,035,045,0
Kapitalverkehrsbilanz (in Millionen US-Dollar)−155,1−107,0−22,125,7
Auslandsschulden (in Millionen US-Dollar)5 083,04 999,05 403,95 610,0
Schuldendienstquote (in Prozent der Ausfuhren)
Vor der Schuldenerleichterang144,5134,7119,2116,2
Nach der Schuldenerleichterung388,382,869,782,1
Realer effektiver Wechselkurs6,4−18,119,1
Bruttowährungsreserven (in Millionen US-Dollar; Ende des Jahres)4384,8372,1427,6475,2
Finanzielle Größen
Bruttoersparnis (in Prozent des BIP)34,637,839,434,6
Bruttoinvestitionen53,259,760,255,3
Geld und Quasigeld (M2)52,863,049,326,5
Zinssatz (auf Sechs- bis Zwölfmonatseinlagen; Ende des Zeitraums)43,043,069,7

Vorläufig.

Programmziel

Die Quoten beinhalten nicht die Auswirkungen der von den Niederlanden gewährten Schulden-streichung.

Bruttoaiislandsaktiva des Bankensystems.

Vorläufig.

Programmziel

Die Quoten beinhalten nicht die Auswirkungen der von den Niederlanden gewährten Schulden-streichung.

Bruttoaiislandsaktiva des Bankensystems.

Im Gefolge der Wahlen von 1994 durchbrachen allerdings einige wirtschaftliche Indikatoren die für sie unter dem fondsgestützten Wirtschafts- und Finanzprogramm für 1994 festgelegten Zielwerte, obwohl sich die Behörden um ihre Einhaltung bemüht hatten: Die Inflation erreichte 1994 70 %, und die breit abgegrenzte Geldmenge stieg um 49 %. Ein Steuerausfall und überhöhte Ausgaben verursachten eine Ausweitung des Defizits der öffentlichen Haushalte (ohne Einbeziehung unentgeltlicher Übertragungen) auf 30 % des BIP, das sind 5 % mehr als dem Ziel entsprochen hätte.

Die Zahlungsbilanz verbesserte sich 1994 erheblich. Das Leistungsbilanzdefizit betrug unter Einbeziehung von Auslandsübertragungen 305 Mio $ oder 77 % des Wertes der Exporte von Gütern und Diensten. Die Exporte erhöhten sich um 13 %, und damit um weniger als angenommen worden war, was zum Teil auf den geringen Export von Cashew-Nüssen zurückzuführen war. Die Importe stiegen um ungefähr 7 %, was einem Rückgang von 3 % gegenüber dem Niveau von 1993 entspricht; ausgelöst wurde diese Entwicklung von einem Rückgang der öffentlichen Übertragungen aus dem Ausland.

Seitdem Mitte 1994 mit Abschaffung des besonderen Wechselkurses für zweckgebundene Finanzhilfen die Wechselkurspolitik weiter liberalisiert worden war, wird der Marktkurs frei bestimmt. Der reale effektive Wechselkurs hatte sich zwischen Dezember 1993 und Dezember 1994 kumulativ um 19 % aufgewertet. Soziale Probleme besaßen 1994 weiterhin Priorität für die Regierungspolitik, insbesondere die Armutsbekämpfung.

Bei ihrer Erörterung lobten die Direktoren die mosambikischen Behörden für den reibungslosen Abschluß des Demobilisierungsprogramms und die Wiederansiedelung von Millionen von Vertriebenen und Flüchtlingen. Sie merkten an, daß mit der Wiederherstellung des Friedens die neue Regierung die historische Chance habe, die Anstrengungen des Landes auf die Realisierung eines exportgetriebenen, selbsttragenden Wirtschaftswachstums zu konzentrieren.

Die Direktoren brachten ihre Besorgnis darüber zum Ausdruck, daß das Haushaltsdefizit und die Inflation die Zielwerte des Wirtschaftsund Finanzprogramms ganz erheblich überschritten hatten. Sie forderten die Behörden daher mit großem Nachdruck dazu auf, alle Anstrengungen zur vollständigen Umsetzung des für 1995 vorgesehenen Programms zu unternehmen, zu dessen Unterstützung Mosambik eine Verlängerung der ESAF-Vereinbarung beantragt hatte. Die Direktoren unterstrichen, daß eine rasche Implementierung und eine sorgfältige Programmüberwachung für den Erfolg der Entwicklungsstrategie der Regierung ausschlaggebend seien.

Die Direktoren begrüßten die von den Behörden seit den Wahlen unternommenen Schritte, das Programm wieder auf den vorgesehenen Kurs zu bringen, nämlich die vorgeschlagenen Kürzungen bei den Militärausgaben und die Umschichtung der Staatsausgaben zugunsten des Gesundheits- und Erziehungswesens. Die Direktoren unterstrichen die Notwendigkeit, die Steuereinziehung und die Zollverwaltung zu verbessern und Steuerhinterziehungen zu bekämpfen, um das Ungleichgewicht im Haushalt zu verringern.

Auf dem Gebiet der Strukturreformen verlangten die Direktoren eine zügige Privatisierung der meisten staatseigenen Unternehmen und der zwei im Staatsbesitz befindlichen Geschäftsbanken. Da die Landwirtschaft für das Exportwachstum und die Verminderung der Armut eine sehr wesentliche Rolle spielt, betonten die Direktoren, daß es wichtig sei, sich frühzeitig um die Neuregelung der Landbesitzrechte zu kümmern. Einige Direktoren unterstrichen auch die Dringlichkeit einer raschen Umsetzung der für die öffentliche Verwaltung vorgesehenen Reformen, die Bedeutung einer soliden Staatsfuhrung und die Notwendigkeit, Rechtsstaatlichkeit zu gewährleisten.

Die Exporte erhöhten sich zwar, sie wären aber noch zu gering, um die Abhängigkeit des Landes von ausländischer Unterstützung zu verringern, stellten die Direktoren fest. Die Aussichten für den Export von Elektrizität und Gas seien gut, aber andere Exporte müßten gesteigert werden. Die Direktoren räumten ein, daß Mosambik in Anbetracht seiner hohen Schuldenlast gegenüber dem Ausland, einschließlich seiner Verschuldung gegenüber multilateralen Gläubigern, großzügige Schuldenerleichterungen benötige. Die Direktoren gingen auch auf die Notwendigkeit ein, die administrativen Kapazitäten zu verbessern, um Zufluß und Verwendung ausländischer Hilfen sowie die Aufbringung entsprechender Gegenwerte im Inland genau zu überwachen.

Nigeria

Die Direktoren schlössen die Artikel IV-Konsultation mit Nigeria Anfang November 1995 ab. Die Erörterung fand vor dem Hintergrund von vier aufeinanderfolgenden Jahren (1990-94) statt, in denen das reale BIP-Wachstum zurückgegangen war, sich die Inflation beschleunigt und die Außenwirtschaftsposition verschlechtert hatten. Häufige Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik und eine expansive Finanz- und Geldpolitik hatten das Vertrauen untergraben und langfristige Planung und Investitionen beeinträchtigt, während die unzureichende Instandhaltung der Infrastruktur und die Schwäche der öffentlichen Versorgungsbetriebe zu höheren Produktionskosten geführt hatten. Im Zeitraum 1990 - 1994 wurde Nigerias Handelsüberschuß mehr als halbiert, die Leistungsbilanz schlug von einem Überschuß von 10 % des BIP in ein Defizit von 3 % des BIP um, und die Reserven sackten auf den Gegenwert von einem Importmonat ab. Zum Jahresschluß 1994 überstiegen die Zahlungsrückstände gegenüber dem Ausland 9 Mrd $ (siehe Tabelle 26).

Tabelle 26Nigeria: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im November 1995 vorliegende Daten; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
199219931994119952
Binnenwirtschaft
Reales BIP2,92,31,33,3
Verbraucherpreisindex (Ende des Zeitraums)48,861,376,835,0
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob1,5−8,2−15,610,0
Einfuhren, fob10,7−7,0−17,98,1
Leistungsbilanz (in Prozent des bereinigten BIP)−1,9−2,8−2,9−1,6
Direktinvestitionen (in Milliarden US-Dollar)0,80,60,60,6
Kapitalverkehrsbilanz (in Milliarden US-Dollar)−7,0−2,2−1,7−1,8
Auslandsschulden (in Prozent des bereinigten BIP)90,789,790,690,3
Schuldendienst (in Prozent der Ausfuhren von Waren und Diensten)69,943,347,746,1
Realer effektiver Wechselkurs−17,29,083,2−27,5
Internationale Bruttoreserven (in Milliarden US-Dollar)30,80,70,91,1
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors (in Prozent des BIP)−7,9−18,1−8,8−1,4
Bruttoersparnis (in Prozent des BIP)22,613,715,218,7
Bruttoinvestitionen (in Prozent des BIP)24,516,717,719,7
Breit abgegrenzte Geldmenge51,348,038,418,1
Zinssatz (Diskontsatz)17,526,013,5

Geschätzt.

Vorausgeschätzt.

Naeh der Aussprache im Direktorium lieferten Nigerias Währungsbehörden die folgenden Daten zu den internationalen Bruttoreserven: 1992, 0,7 Mrd $; 1993, 1,3 Mrd $; 1994, 1,7 Mrd $; und 1995, 1,4 Mrd S.

Geschätzt.

Vorausgeschätzt.

Naeh der Aussprache im Direktorium lieferten Nigerias Währungsbehörden die folgenden Daten zu den internationalen Bruttoreserven: 1992, 0,7 Mrd $; 1993, 1,3 Mrd $; 1994, 1,7 Mrd $; und 1995, 1,4 Mrd S.

Vorläufige Daten für die erste Jahreshälfte von 1995 deuteten darauf hin, daß ein Haushaltsüberschuß erzielt worden war, teilweise aufgrund von Ausgabenkürzungen sowie einer Überschußposition in dem neu geschaffenen Petroleum-Treuhandfonds. Trotz einer strafferen Geldpolitik war die Inflation im Mai gegenüber dem Vorjahr um 89 % gestiegen. Um dem in finanziellen Schwierigkeiten befindlichen Bankensystem zu helfen, unternahmen die Behörden energische Schritte und ernannten für 17 insolvente Banken neues Führungspersonal. Sie erwogen, die Kontrolle über die drei größten Banken, die 1993 privatisiert worden waren, wieder ansichzuziehen.

Zwar äußerten sich die Direktoren im Verlauf ihrer Erörterung besorgt zur Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in Nigeria im Jahr 1994, sie begrüßten aber die Verschärfung der Fiskalpolitik und die Einrichtung eines eigenständigen Devisenmarktes im Jahre 1995. Gleichzeitig unterstrichen die Direktoren, daß zusätzliche Korrekturmaßnahmen wesentlich seien, und betonten, daß ein unsystematischer wirtschaftspolitischer Stabilisierungsansatz ungeeignet sei. Die Direktoren betonten, wie dringlich es sei, eine umfassend angelegte Stabilisierungspolitik in einem mittelfristigen Rahmen zu verfolgen, wozu auch ein realistischer, einheitlicher Wechselkurs und weitreichende Strukturreformen gehörten, die die Volkswirtschaft nach außen öffnen.

Die Direktoren bedauerten, daß die Kontrolle der Zinssätze, die real gerechnet negativ waren und die Inlandsersparnis sowie eine effiziente Allokation der inländischen Ressourcen behinderten, beibehalten wurde. Sie forderten die Behörden daher mit Nachdruck zur Liberalisierung der Zinsen auf und verlangten eine Neuregelung der bisherigen Praxis einer obligatorischen Übernahme von Staatspapieren zu negativen Realzinsen und der Bereitstellung billiger Notenbankkredite an die Regierung. Die Direktoren unterstrichen, wie wichtig es sei, die Mittel des Petroleum-Treuhandfonds und die Gewinne der Notenbank vernünftig zu verwenden, um die Haushaltsdisziplin zu stärken. Die Direktoren waren über die Ausbreitung von Notlagen im Bankensektor besorgt, dessen Stabilität nur über Korrekturmaßnahmen auf der Ebene jeder einzelnen Bank und über eine Verstärkung der Bankenaufsicht und der Kontrollen wiederhergestellt werden könnte. Sie waren von der Entscheidung der Behörden enttäuscht, den amtlichen Wechselkurs auf einem ganz erheblich überhöhtem Niveau zu belassen, da dies volkswirtschaftliche und verwaltungsmäßige Kosten verursache, und rieten mit Nachdruck dazu, frühzeitig ein einheitliches, marktmäßiges Wechselkurssystem einzuführen. Wenngleich Verbesserungen bei der Rechnungslegung im öffentlichen Sektor durchgeführt worden waren, zeigten sich die Direktoren besorgt wegen des Mangels an Transparenz und Aktualität in der bisherigen Berichterstattung über den Staatshaushalt und hielten weitere Verbesserungen für notwendig.

Schließlich riefen die Direktoren nachdrücklich dazu auf, zur Ausarbeitung eines umfassenden Pakets von Anpassungsmaßnahmen eng mit dem IWF-Stab zusammenzuarbeiten. Sie unterstützten den Vorschlag eines soliden, vom Stab überwachten Programms, sofern es zunächst einmal zu einer deutlich verbesserten Umsetzung der wirtschaftspolitischen Maßnahmen komme.

Pakistan

Im Dezember 1995 erörterten die Direktoren die Artikel IV-Konsultation mit Pakistan und dessen Antrag auf eine Bereitschaftskreditvereinbarung (siehe Abschnitt über “Unterstützung der Mitgliedsländer durch den Fonds”). Ein kräftiger Rückgang seiner Währungsreserven im Zeitraum Juli-November 1995 veranlaßte Pakistan dazu, ein umfassendes, mittelfristig angelegtes Programm zur makroökonomischen Anpassung- und Strukturreform anzugehen. Im Fiskaljahr 1994/95 war die Wirtschaftspolitik im Ergebnis gelockert worden, und schlechtes Wetter sowie Ernteschäden hatten das Wachstum beeinträchtigt und die Inflation erhöht.

Das reale BIP-Wachstum erholte sich im Fiskaljahr 1994/95 auf 5,5 %, dies war aber weniger als angestrebt. Die Inflation, die im Januar 1995 gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat einen Höchstwert von 15,3 % erreicht hatte, betrug im Gesamtjahr 12,1 %. Die Inlandsersparnis war 1994/95 mit 12,9 % des BIP geringfügig niedriger als 1993/94 (siehe Tabelle 27).

Tabelle 27Pakistan: Konjunkturindikatoren

(Bei der Direktoriumsaussprache im Dezember 1995 vorliegende Daten; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)1

1992/931993/941994/951995/962
Binnenwirtschaft
Reales BIP zu Faktorkosten2,34,54,46,0
Verbraucherpreisindex (Ende des Zeitraums)9,111,912,19,0
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob (in Millionen US-Dollar)6 7826 6857 8848 988
Einfuhren, fob (in Millionen US-Dollar)−10 049−8 685−10 137−10 926
Leistungsbilanz (in Millionen US-Dollar)−3 326−1 650−2 091−2 665
Direktinvestitionen310360440949
Portfolioinvestitionen1372891 090116
Kapitalbilanzsaldo (in Millionen US-Dollar)2 7373 2342 3382 063
Auslandsschulden (in Prozent des BIP)45,548,244,744,1
Schuldendienstquote (in Prozent des BIP)322,522,722,524,2
Realer effektiver Wechselkurs22,1−4,9−0,3
Internationale Nettoreserven (in Millionen US-Dollar)512−1 880−349515
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors−9,8−6,8−6,7−5,0
Bruttoersparnis (in Prozent des BIP)13,414,412,915,1
Gesamtinvestitionen (in Prozent des BIP)20,518,216,819,7
Geld und Quasigeld418,016,016,612,1
Nominaler Zinssatz/nominale Zinssätze12,312,411,712,0

Haushaltsjahr jeweils (1. Juli bis 30. Juni).

Schätzungen des IWF-Mitarbeiterstabes.

Ohne Fremdwährungseinlagen. Mittel- und langfristiger Schuldendienst in Prozent der Waren und Dienste und der privaten Nettoübertragungen.

Veränderungen in Prozent des Anfangsbestandes an inländischer Liquidität.

Haushaltsjahr jeweils (1. Juli bis 30. Juni).

Schätzungen des IWF-Mitarbeiterstabes.

Ohne Fremdwährungseinlagen. Mittel- und langfristiger Schuldendienst in Prozent der Waren und Dienste und der privaten Nettoübertragungen.

Veränderungen in Prozent des Anfangsbestandes an inländischer Liquidität.

Trotz der gesamtwirtschaftlichen Ungleichgewichte hatte Pakistan seit dem Zeitraum 1993-94 eine Reihe von Schritten zur Liberalisierung seines Wechselkurs-systems unternommen. Die Rupie war für laufende Transaktionen vollständig konvertibel geworden, die Obergrenzen für den Erwerb von Devisen und sonstige Währungsrestriktionen wurden abgeschafft, und im Juli 1994 akzeptierte Pakistan die Verpflichtungen gemäß Artikel VIII des IWF-Übereinkommens. Um ein ausreichendes Maß an internationaler Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und die Wirtschaft zu stabilisieren, hatte Pakistan eine Wechselkurspolitik des überwachten Floatens (manag edfloating) verfolgt, die auf kleinen, regelmäßigen Anpassungen der Rupie gegenüber dem US-Dollar basierte.

Die Direktoren bedauerten, daß Pakistans Anpassungs- und Reformanstrengungen ins Stocken geraten waren; sie waren aber gleichwohl von der energischen Wiederaufnahme der Anpassungsanstrengungen seitens der Regierung im Oktober 1995 ermutigt. Sie unterstrichen, daß das neue Wirtschaftsprogramm rigoros umgesetzt werden müsse, um seine Ziele zu erreichen und rasch das Vertrauen wiederherzustellen, und forderten die Behörden mit Nachdruck dazu auf, erforderlichenfalls noch zusätzliche Korrekturmaßnahmen zu ergreifen. Es wurde festgestellt, daß es wegen der hohen kurzfristigen Auslandsverschuldung und der geringen Währungsreserven zu keinen wirtschaftspolitischen Versäumnissen kommen dürfe.

Die Haushaltskonsolidierung sei ein Eckpfeiler des Anpassungsprogramms, stellten die Direktoren fest. Sie wiesen darauf hin, daß ein Schlüsselelement der gesamten Reformanstrengungen die Abschaffung der regulativ wirkenden Einfuhrabgabe und eine weitere Verringerung der Zollsätze sei, und forderten die Behörden mit Nachdruck dazu auf, die Reform des Zollwesens voranzubringen. Reformen zur Verbesserung der Haushaltsstruktur müßten ebenfalls energisch umgesetzt werden. Die Direktoren legten besonderen Wert auf die Ausweitung der allgemeinen Umsatzsteuer und der Besteuerung des Landwirtschaftssektors sowie die stufenweise Abschaffung von Steuerbefreiungen und -konzessionen.

Die Direktoren unterstrichen die Notwendigkeit, die Staatsausgaben zu begrenzen und ihren Wirkungsgrad sowie ihre Zusammensetzung zu verbessern. Sie verlangten größere Anstrengungen bei der Kürzung unproduktiver Ausgaben, einschließlich der Militärausgaben, und bei der Erhöhung von Entwicklungsausgaben. Die Direktoren betonten, daß keine Privatisierungserlöse zur Finanzierung der andernfalls nicht tragbaren Erhöhung der Staatsausgaben verwendet werden sollten und daß es für Pakistan äußerst wichtig sei, den Haushaltsvollzug transparenter zu gestalten.

Schlüsselelemente zur substantiellen Verringerung des Geldmengenwachstums im Fiskaljahr 1995/96 seien die Verbesserung der Haushaltslage, die Verringerung der Kreditgewährung an die Regierung und eine Begrenzung der Ausleihungen an die staatlichen Unternehmen. In diesem Zusammenhang begrüßten die Direktoren die Abschaffung des Mechanismus, der die Kreditvergabe an die Einlagenentwicklung bindet, und der Obergrenze für Renditen.

Die Direktoren unterstrichen, daß es unverzichtbar sei, die Wechselkurspolitik auf jeden Fall durch eine restriktive Finanz- und Geldpolitik zu unterstützen, um die Inflation zu begrenzen und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Die meisten Direktoren waren der Meinung, daß die flexible Wechselkurspolitik angemessen sei.

Mehrere Direktoren waren der Überzeugung, daß es im heutigen globalisierten Finanzsystem mit rasch erfolgenden Reaktionen der internationalen Finanzmärkte für Pakistan darauf ankomme, über einen längeren Zeitraum hinweg fundamentale und nachhaltige Anpassungsmaßnahmen nachzuweisen. Dies würde zur Wiederherstellung und Erhaltung des Vertrauens der Märkte und der internationalen Gemeinschaft fuhren.

Peru

Im Dezember 1995 erörterten die Direktoren Perus Artikel IV-Konsultation und führten die halbjährliche Revision sowie die Überprüfung der Finanzierungssituation des dritten Jahres der Erweiterten Kreditvereinbarung für Peru durch.

Die peruanische Regierung hatte 1990 mit der Durchführung eines Stabilisierungs- und Strukturanpassungsprogramms begonnen, um der Hyperinflation zu begegnen sowie dem negativen Realwachstum und den Zahlungsrückständen gegenüber dem Ausland, die sich im vorangegangenen Jahrzehnt aufgebaut hatten. Im Rahmen des Programms kam es im Zeitraum 1993-94 zu einer kräftigen wirtschaftlichen Erholung, und diese Verbesserung setzte sich 1995 fort. Das Wirtschaftswachstum schwächte sich gegenüber dem 1994 verzeichneten Niveau zwar auf eine durchhaltbarere Größenordnung ab, blieb aber über 7 % (siehe Tabelle 28), während die Jahresinflation im Oktober 1995 auf ungefähr 10 % zurückging. Das Leistungsbilanzdefizit vergrößerte sich in der ersten Jahreshälfte von 1995, worin die höheren Importe ihren Niederschlag fanden, zu denen es hauptsächlich im Zusammenhang mit privaten Investitionen gekommen war. Allerdings stiegen die Nettowährungsreserven als Folge kräftiger Kapitalimporte weiter an.

Tabelle 28Peru: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im Dezember 1995 vorliegende Daten; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
19921993199419951
Binnenwirtschaft
Reales BIP−1,85,613,07,5
Arbeitslosenquote9,410,18,8
Verbraucherpreisindex73,248,523,711,0
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob4,2−0,529,620,4
Einfuhren, cif15,9−0,138,634,2
Leistimgsbilanz (in Prozent des BIP)−4,8−5,2−5,4−7,4
Kapitalbilanz6,47,011,58,9
Auslandsschulden3,74,27,27,1
Schuldendienstquote (in Prozent des BIP)60,964,857,1
Realer effektiver Wechselkurs2,8−7,56,5
Internationale Nettoreserven (in Millionen US-Dollar)3082642 337906
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors (vor der Privatisierung, in Prozent des BIP)0,30,60,70,5
Bruttoersparnis (in Prozent des BIP)11,613,316,116,5
Bruttoinvestitionen (in Prozent des BIP)16,418,621,523,9
Breit abgegrenzte Geldmenge (Jahresende)84,175,246,829,9
Zinssatz (Kreditvergabe, Jahresende)16,915,215,2

Vorausgeschätzt.

Vorausgeschätzt.

Der nicht-finanzielle öffentliche Sektor wies im Zeitraum Januar-Juni 1995 (ohne Privatisierungserlöse) einen Überschuß in Höhe von 0,2 % auf, verglichen mit einem projizierten Defizit von 0,4 %. Geringere Aufwendungen für die Bedienung der Staatsschulden und höhere Nettobetriebseinnahmen der staatlichen Unternehmen schafften einen mehr als hinreichenden Ausgleich gegenüber den Ausfällen bei den laufenden Steuereinnahmen der Zentralregierung, zu denen es aufgrund von verspätet durchgeführten Maßnahmen in der Steuerverwaltung gekommen war. Eine selektivere Umsetzung von Projekten ermöglichte es den Behörden unterdessen, die Investitionsausgaben unterhalb der im Programm vorgesehenen Werte zu halten.

Während der ersten sechs Monate des Jahres 1995 gingen die Nettoinlandsaktiva der Zentralbank im Verhältnis zu der am Jahresanfang umlaufenden Geldmenge um ungefähr 24 % zurück, verglichen mit einem Rückgang von 1 %, der im Programm unterstellt worden war. Diese Entwicklung spiegelte eine solidere Haushaltsposition, größere Mindestreserveeinlagen der Geschäftsbanken und die Plazierung eines größeren Volumens von Geldmarktpapieren der Notenbank wider. Zwischen April und August 1995 hob die Notenbank den Diskontsatz um mehr als 5 Punkte an, sie erhöhte die effektiven Mindestreserveanforderungen an die Banken, indem sie die durchschnittlichen Berechnungszeiträume verkürzte, und verschärfte die Bestimmungen, die eine vollständige Einhaltung des Reservesolls sichern sollen. Die Kreditgewährung an die Privatwirtschaft verringerte sich zwar von einer Jahresrate von etwa 34 % im Dezember 1994 auf 28 ½ % im September 1995, aber sie blieb damit höher, als im Programm vorgesehen war. Der neue Sol wertete sich handelsgewichtet zwischen Dezember 1994 und August 1995 um 2,6 % ab, hauptsächlich weil sich der US-Dollar gegenüber den anderen wichtigen Währungen abgewertet hatte.

Peru stellt gegenwärtig dem Fonds die wirtschaftlichen Eckdaten hinsichtlich ihrer Periodizität, Aktualität, ihres Umfangs und ihrer Qualität in angemessener Weise zur Verfügung. Im Rahmen ihrer Erörterung lobten die Direktoren die Behörden für die gleichermaßen beeindruckende wie erfolgreiche Durchführung einer soliden Wirtschaftspolitik und struktureller Reformen in den letzten Jahren, die zu einer erheblichen Verringerung der Inflation, der Wiederbelebung eines kräftigen Wirtschaftswachstums und der Verbesserung der Außenwirtschaftsposition auf ein komfortables Niveau geführt hatten. Die durch das rasche Wachstum der Inlandsnachfrage bewirkte Ausweitung des Leistungsbilanzdefizits im Jahre 1995 warf wichtige Fragen auf, ob diese Entwicklung durchgehalten werden könne. Die Direktoren merkten allerdings an, daß die Erhöhung des Leistungsbilanzdefizits zum Teil auf vom Privatsektor unternommene Investitionen zurückzuführen war, die für Perus mittelfristige wirtschaftliche Entwicklung wichtig wären.

Die Direktoren betonten, daß eine weitere Straffung des finanzpolitischen Kurses wesentlich sei, um den Nachfrage druck zu mildern, die Inflation zu verringern und gleichzeitig ausreichende Entfaltungsmöglichkeiten für das Wachstum des privaten Sektors bestehen zu lassen. Sie forderten die Behörden mit Nachdruck dazu auf, ihre Anstrengungen zur Erhöhung des Steueraufkommens fortzusetzen, und begrüßten ihre Anstrengungen zur Ausgabenkürzung. Die Direktoren brachten auch darüber ihre Hochachtung zum Ausdruck, daß die Behörden großes Interesse zeigten, die Armut zu verringern und die sozialen Verhältnisse zu verbessern.

Wegen der großen Belastungen, die mit den hohen privaten Kapitalimporten für die Geldpolitik verbunden seien, verlangte das Direktorium, das rasche Wachstum der Kredite an den privaten Sektor weiter genau zu beobachten. In diesem Zusammenhang wurde auch die Notwendigkeit betont, zur Förderung einer wirksamen Finanzintermediation die Aufsicht über die Banken zu verbessern.

Die Direktoren merkten an, daß die hohen privaten Kapitalimporte die Währung unter Aufwertungsdruck setzten; sie rieten aber im allgemeinen von der Einführung von Kapitalverkehrskontrollen ab, da diese keine wirksame politische Option seien. Die Direktoren betonten, daß es wichtig sei, eine straffe Haushaltspolitik und eine zurückhaltende Lohnpolitik zu verfolgen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu bewahren.

Die Direktoren lobten die weitreichenden Reformen, die bei den Arbeitsmarktregelungen, den Landrechten und dem Rentensystem vorgenommen worden waren. Sie ermunterten die Behörden zur Fortsetzung und Vertiefung ihrer strukturellen Reformen und insbesondere dazu, die Privatisierung der Staatsunternehmen energisch voranzubringen. Im Zusammenhang mit Perus noch immer recht schwierigen mittelfristigen Wirtschaftsperspektiven begrüßten die Direktoren die mit den ausländischen Gläubigerbanken erzielte Grundsatzeinigung auf ein Umschuldungspaket und ermunterten die Behörden dazu, die Verhandlungen mit den nicht zum Pariser Klub gehörenden bilateralen Gläubigern zu beschleunigen.

Philippinen

Das Direktorium erörterte im September 1995 die Artikel IV-Konsultation mit den Philippinen. Dies geschah vor dem Hintergrund einer wider Erwarten günstigen wirtschaftlichen Entwicklung, während die Performanz der Politik trotz erheblicher Fortschritte noch hinter den Plänen zurückgeblieben war.

Das Wirtschaftswachstum hatte in der zweiten Jahreshälfte von 1993 begonnen, sich zu beschleunigen. Ursächlich hierfür waren Maßnahmen, die zur Förderung eines exportorientierten Wachstums, zur Beseitigung von Engpässen bei der Energieversorgung, zur Liberalisierung des Devisensystems, zur Fortsetzung einer straffen Haushaltspolitik und zur Verbesserung der Außenwirtschaftsposition des Landes getroffen worden waren. Um einen dauerhaften Aufschwung zu sichern, formulierte die Regierung 1993 ein mittelfristiges Wirtschaftsprogramm, in dessen Zentrum eine Reform des Steuersystems und eine Strukturbereinigung bei den Staatsausgaben standen und das die Grundlage für die im Juni 1994 vom Fonds genehmigte Erweiterte Kreditvereinbarung bildete.

1994 waren die wesentlichen Elemente eines kräftigen Aufschwungs zu beobachten. Das BSP wuchs um 5,3 %, die Übertragungen stiegen um 32 %, das Leistungsbilanzdefizit verkleinerte sich auf 4 ½ % des BSP, höhere Auslandsinvestitionen brachten die Zahlungsbilanz insgesamt in eine Überschußposition, und die Inflation ging bis zum Jahresschluß auf 7,2 % zurück (siehe Tabelle 29). Diese günstigen Trends hatten bis Mitte 1995 angehalten: Wachstum und Inflation verstetigten sich, die Währungsreserven erholten sich deutlich als Folge der im zweiten Quartal erfolgten Straffung der Geldpolitik, und die Exporte stiegen sprunghaft an.

Tabelle 29Philippinen: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im September 1995 vorliegende Daten; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerket)
19921993199419951
Binnenwirtschaft
Reales BSP1,62,15,35,7
Arbeitslosenquote (in Prozent)9,89,39,59,5
Verbraucherpreisindex8,97,69,08,1
Außenwirtschaft
Ausfuhren (in Milliarden US-Dollar)9,811,413,517,4
Einfuhren (in Milliarden US-Dollar)14,517,621,326,4
Leistungsbilanz (in Prozent des BSP)−1,6−5,5−4,5−2,5
Direkt- und Portfolioinvestitionen (netto, in Millionen US-Dollar)7378121 5582 280
Kapitalverkehrsbilanz (netto, in Millionen US-Dollar)1 6932 3064 4982 437
Auslandsschulden (in Milliarden US-Dollar)30,934,337,740,62
Schuldendienstquote317,017,117,414,5
Realer effektiver Wechselkurs (Durchschnitt des Zeitraums)12,0−2,36,65,9
Offizielle angepaßte Bruttowährungsreserven (in Milliarden US-Dollar)45,24,76,46,7
Finanzielle Größen (in Prozent des BSP, falls nicht anders vermerkt)
Konsolidierter Finanzierungssaldo des öffentlichen Sektors−1,9−2,2−0,5−0,1
Bruttoersparnis19,117,419,221,5
Bruttoinvestitionen21,023,423,524,8
Breit abgegrenzte Geldmenge (Ende des Zeitraums)27,831,734,738,3
Zinssatz (Jahresdurchschnitt, in Prozent)516,112,313,611,3

Daten wurden nach der Aussprache im Direktorium revidiert.

Stand vom Juni 1995.

In Prozent der Ausfuhren von Waren und Diensten; nach der Umschuldung.

Bruttoreserven abzüglich Wertpapiere und Gold, die als Pfand für kurzfristige Kredite hinterlegt sind.

Zinssatz für 91-Tages-Schatzwechsel.

Daten wurden nach der Aussprache im Direktorium revidiert.

Stand vom Juni 1995.

In Prozent der Ausfuhren von Waren und Diensten; nach der Umschuldung.

Bruttoreserven abzüglich Wertpapiere und Gold, die als Pfand für kurzfristige Kredite hinterlegt sind.

Zinssatz für 91-Tages-Schatzwechsel.

Die Regierung brachte im Juli einen Gesetzentwurf zur Reform des Steuersystems und zur Reorganisation der Regierung im Kongreß ein. Im Juni geriet der Ölpreisstabilisierungsfonds ins Defizit, aber die Regierung leitete Maßnahmen zur Erhöhung der Ölpreise ein und, was noch wichtiger war, brachte einen Gesetzentwurf zur Einrichtung eines automatischen Ölpreismechanismus und zur Abschaffung der Ölpreiskontrollen ein.

In der Aussprache lobten die Direktoren die fortgesetzten Anstrengungen der Behörden, die Wirtschaft nach außen zu öffnen und zu liberalisieren und wieder ein gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht herzustellen, was zusammen mit der größeren politischen Stabilität die kräftige Wachstumsbelebung ausgelöst hatte. In Anbetracht der verbesserten Außenwirtschaftsposition der Philippinen, einschließlich des kräftigen Exportwachstums und des deutlichen Rückgangs der Schuldendienstquote, pflichteten die meisten Direktoren der Entscheidung der Behörden bei, die Erweiterte Kreditvereinbarung mit dem Fonds als Vorsichtsmaßnahme anzusehen.

Nach Meinung des Direktoriums würden jedoch noch wesentlich weitergehende Anstrengungen benötigt, um die Erholung in einen selbsttragenden Wirtschaftsaufschwung einmünden zu lassen. Eine besonders wichtige wirtschaftspolitische Notwendigkeit seien höhere Inlandsersparnisse, was eine sofortige und energische Haushaltskonsolidierung erfordere. Die Direktoren forderten die Regierung nachdrücklich dazu auf, die vorgesehenen Reformen so rasch wie möglich umzusetzen. Die Steuerreform müsse zu einem kräftigen und stetigen Anstieg der Einnahmen für den Staatshaushalt führen, und es sei wichtig, mit der Durchforstung der Ausgaben voranzuschreiten. Die Reorganisation der Regierung müsse eine erhebliche Verringerung des öffentlichen Dienstes zum Ziel haben.

Offensichtliche Veränderungen in der Geldnachfrage und das Auftreten hoher Kapitalzuflüsse haben die Geldpolitik erschwert. Als Reaktion darauf seien die Behörden dazu übergegangen, die Inflationsziele nur begrenzt festzulegen, merkten die Direktoren an. Sie forderten die Behörden mit Nachdruck dazu auf, in der Geldpolitik im Zweifel eher einen vorsichtigeren Kurs zu steuern, indem die Geldbasis unterhalb der Programmgrenzen gehalten wird. Sie merkten auch an, daß die monetäre Entwicklung ständig beobachtet werden müsse, wenn man die Fortschritte in der Inflationsbekämpfung absichern wolle.

In diesem Zusammenhang sollten verschiedene monetäre Indikatoren beobachtet werden, und erforderlichenfalls solle die Geldpolitik weiter gestrafft werden. Unter diesen Umständen sollten die Behörden sich einem von den Märkten ausgehenden Aufwertungsdruck nicht widersetzen, merkten sie an.

Die Direktoren forderten die Regierung dazu auf, die Strukturreformen zu beschleunigen, und stimmten mit den Behörden überein, daß eine umfassende Lösung der Probleme des Ölsektors eine sofortige und vollständige Deregulierung erfordere. In der Zwischenzeit solle die Regierung die inländischen Ölpreise anheben und rasch das Defizit des Stabilisierungsfonds beseitigen. Die Direktoren lobten die Philippinen dafür, daß sie die Verpflichtungen gemäß Artikel VIII des IWF-Übereinkommens übernommen hatten. Sie begrüßten das Regierungsprogramm zum mittelfristigen Abbau der Zölle und verlangten die Aufhebung der noch bestehenden quantitativen Beschränkungen für landwirtschaftliche Erzeugnisse. Schließlich lobten die Direktoren die Philippinen noch für die zeitgerechte Übermittlung umfassender statistischer Daten an den Fonds.

Nach der Direktoriumsaussprache weitete die Regierung Anfang 1996 die Mehrwertsteuerpflicht ganz erheblich aus und erhöhte die Benzinpreise beträchtlich. Außerdem billigte sie Gesetze zur Deregulierung des Ölsektors und zur Abschaffung quantitativer Restriktionen für landwirtschaftliche Erzeugnisse. Die wirtschaftliche Erholung setzte sich ebenfalls fort. Das BSP wuchs 1995, angetrieben von der verarbeitenden Industrie und den Exporten, um 5,7 %. Die Inflation stieg während der ersten vier Monate von 1996 allerdings auf 11,5 % an, hauptsächlich weil sich die Reisversorgung noch nicht wieder vollständig normalisiert hatte und die Preise deshalb weiterhin hoch blieben. Die Ausweitung der Mehrwertsteuerpflicht und die Benzinpreisanpassung erzeugten ebenfalls kurzfristige Preiswirkungen.

Senegal

Die Direktoren erörterten im Juni 1995 Senegals Artikel IV-Konsultation und nahmen die halbjährliche Überprüfung der ersten ESAF-Jahresvereinbarung des Landes vor. (Die zweite ESAF-Jahresvereinbarung wurde im Dezember 1995 genehmigt; siehe den Abschnitt “Unterstützung der Mitgliedsländer durch den Fonds”.) Die Erörterung fand vor dem Hintergrund der verschärften Anpassungsstrategie statt, die Anfang 1994 von den Behörden eingeleitet worden war, um die drängendsten Probleme der Volkswirtschaft anzugehen: Die Verschlechterung der Terms of Trade, die Abschwächung des realen BIP-Wachstums, die Ausweitung der binnen- und außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte und die Anhäufung von Zahlungsrückständen gegenüber dem Ausland. Das umfassende Anpassungsprogramm baute auf der 50 %igen Abwertung des CFA-Franc vom Januar 1994 auf und umfaßte zwei Elemente: Eine strenge unterstützende Finanzund Geldpolitik und die Beschleunigung der Strukturrreformen, um die Anreize für den privaten Sektor zu verbessern und das Wachstum zu fördern.

Insgesamt waren die Ergebnisse 1994 ermutigend. Das reale BIP wuchs um 2 %, was in etwa dem Programmziel entsprach, und die Inflation konnte unterhalb der vorhergesagten Marke von 39 % gehalten werden, obschon man erwartet hatte, daß sie nach den Preiserhöhungen im Anschluß an die Abwertung des CFA-Franc hoch sein werde (siehe Tabelle 30). Von der außenwirtschaftlichen Seite her verbesserte der Rückgang des effektiven realen Wechselkurses - um etwa 35 % nach der Abwertung - die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft, und die Nachfrage der Verbraucher verlagerte sich zugunsten der im Inland hergestellten Güter. Allerdings blieben die ausländischen Finanzhilfen hinter den Prognosen zurück, was im wesentlichen auf Verzögerungen bei der Auszahlung von Weltbankdarlehen zurückzuführen war.

Tabelle 30Senegal: Konjunkturindikatoren(Bei der Dircktoriumsaussprache im Juni 1995 vorliegende Daten; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
199219931994119952
Binnenwirtschaft
Reales BIP2,8−2,12,04,5
Verbraucherpreisindex−0,1−0,632,17,8
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob (in Millionen SZR)587,9514,7554,3612,8
Einfuhren, fob (in Millionen SZR)852,0789,0716,9774,5
Leistungsbilanz (in Prozent des BIP)3−9,6−10,2−9,2−7,7
Gesamtbilanz (in Millionen SZR)−92,5−199,589,817,9
Auslandsschulden (in Prozent des BIP)56,062,580,272,5
Schuldendienstquote422,722,518,917,7
Realer effektiver Wechselkurs−1,0−2,4−35,2
Offizielle Bruttowährungsreserven (in Einfuhrwochen)0,60,11,06,4
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors (in Prozent des BIP)5−3,8−4,0−5,7−2,6
Bruttoersparnis (in Prozent des BIP)4,43,04,47,9
Bruttoinvestitionen (in Prozent des BIP)14,013,213,615,6
Breit abgegrenzte Geldmenge (M2)3,6−12,639,219,6
Zinssatz (Diskontsatz, Jahresende)12,510,510,0

Geschätzt.

Vorausgeschätzt.

Ohne offizielle Übertragungen.

In Prozent der Ausfuhren von Waren, Diensten und privaten Übertragungen.

Auf Zusagenbasis, ohne verlorene Zuschüsse.

Geschätzt.

Vorausgeschätzt.

Ohne offizielle Übertragungen.

In Prozent der Ausfuhren von Waren, Diensten und privaten Übertragungen.

Auf Zusagenbasis, ohne verlorene Zuschüsse.

Die Behörden bewahrten Ausgabendisziplin, insbesondere bei den Löhnen. Allerdings fielen die Staatseinnahmen im wesentlichen aufgrund von Verwaltungsschwächen niedriger als geplant aus. Das gesamte Haushaltsdefizit überschritt das Programmziel deshalb um etwa einen Prozentpunkt. Die Nettokreditgewährung des Bankensektors an den Staat und die Nettoinlandsaktiva des Bankensektors blieben ein gutes Stück unterhalb der diesbezüglichen Programmgrenzen; außerdem stieg die Kreditnachfrage in der zweiten Jahreshälfte geringfügig an, aber sie wurde unterhalb der Programmgrenzen gehalten.

Die meisten der für 1994 geplanten Strukturreformen wurden durchgeführt. Für zwölf Güter wurden die Preiskontrollen wie geplant abgeschafft, und die Vermarktung und Weiterverarbeitung von im Inland erzeugtem Reis wurden vollständig liberalisiert. Die Privatisierung der Erdnuß-Vermarktungsgesellschaft blieb jedoch hinter dem Zeitplan zurück.

Die Direktoren merkten an, daß die Entwicklung in Senegal trotz einiger Rückschläge 1994 ganz ermutigend gewesen war. Das Wirtschaftswachstum hatte sich wieder belebt, und es war den Behörden gelungen, die Inflation zu kontrollieren. Es war außerdem zu größeren Kapitalrückflüssen und einer kräftigen Verbesserung der Nettoauslandsposition des Bankensektors gekommen. Die Direktoren stellten fest, daß die meisten Erfüllungskriterien und die quantitativen und strukturellen Zielmarken unter der ESAF-Vereinbarung eingehalten worden waren, mit Ausnahme derjenigen, die die Beseitigung bzw. das Verhindern neuer Zahlungsrückstände gegenüber dem Ausland sowie die Entwicklung der Staatseinnahmen betrafen.

In Anbetracht von Senegals noch immer labiler Wirtschaftslage forderten die Direktoren die Regierung mit Nachdruck dazu auf, ihre Anpassungs- und Reformanstrengungen fortzusetzen und zu intensivieren. Sie betonten, daß zur Realisierung der für 1995 vorgesehenen Verringerung des Haushaltsdefizits die Staatseinnahmen erhöht werden müßten, indem die Steuer- und Zollverwaltung verbessert, die Steuerbasis verbreitert und Steuerbetrug bekämpft würden. Bei den Ausgaben müßten die Behörden die Personalkosten wie im Programm vorgesehen unter Kontrolle halten, Neueinstellungen im öffentlichen Sektor begrenzen, die nicht unbedingt notwendigen Ausgaben niedrig halten und Ausgaben außerhalb des Budgetrahmens vermeiden. Das Direktorium betonte auch, daß es wichtig sei, die Zahlungsrückstände gegenüber Inländern und gegenüber dem Ausland zu begleichen.

Die Direktoren forderten die Behörden dazu auf, eine vorsichtige Kreditpolitik zu betreiben und die Geldpolitik über einen wirksameren Einsatz indirekter Instrumente zu stärken. Anstrengungen zur Beschleunigung der wirtschaftlichen Integrierung und zur intensiveren Abstimmung der Finanz- und Geldpolitik innerhalb der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion wurden ebenfalls als wichtig angesehen.

Die Direktoren vertraten die Auffassung, daß die Abwertung des CFA-Franc der Regierung eine günstige Gelegenheit zur Förderung der Entwicklung des Privatsektors und zur Diversifizierung der Wirtschaft verschafft hatte. Sie riefen die Behörden dazu auf, die bereits auf den Weg gebrachen Reformen beschleunigt umzusetzen, insbesondere die Privatisierung der Erdnuß-Vermarktungsgesellschaft. Die Behörden wurden auch dazu ermuntert, baldmöglichst die Verpflichtungen gemäß Artikel VIII des IWF-Übereinkommens zu übernehmen.

Tunesien

Die Direktoren erörterten die Artikel IV-Konsultation mit Tunesien im Februar 1996. Seit 1986 hatte Tunesien bei der Durchführung umfassender Strukturreformen stetige Fortschritte erzielt und eine durchgängig stabilitätsorientierte Wirtschaftspolitik verfolgt. Als Folge hiervon belief sich das reale BIP-Wachstum - hauptsächlich angetrieben von steigenden Industriegüterexporten und dem Tourismus - im Zeitraum 1986-93 auf durchschnittlich 3,8 % p.a. Zu den Strukturreformen hatten die graduelle Verringerung nicht-tarifärer Handelsbarrieren, die Liberalisierung der inländischen Preise und des Anreizsystems, die Abschaffung von Beschränkungen für Leistungsbilanztransaktionen und eine Reform des Finanzsektors gehört.

1994 betrug das reale BIP-Wachstum 3,4 %, und es wurde für 1995 auf 3,5 % geschätzt (siehe Tabelle 31). Ursächlich hierfür war ein anhaltend kräftiges Wachstum in der verarbeitenden Industrie, im Bergbau und Dienstleistungsbereich, was die sinkende Ölproduktion und die durch die Trockenheit hervorgerufene scharfe Kontraktion im Agrarsektor ausglich. Die Inflation stieg von 4,0 % im Jahre 1993 auf geschätzte 6,2 % im Jahre 1995 an, wofür zum Teil gestiegene Lebensmittelpreise verantwortlich waren.

Tabelle 31Tunesien: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im Februar 1996 vorliegende Daten; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
19921993199419951
Binnenwirtschaft
Reales BIP7,82,33,43,5
Verbraucherpreisindex, Durchschnitt5,84,04,76,2
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob (US-Dollar-Basis)8,2−6,523,716,52
Einfuhren, cif (US-Dollar-Basis)24,2−4,46,920,82
Leistungsbilanz, ausschließlich verlorener Zuschüsse (in Prozent des BIP)−7,0−7,7−2,9−4,5
Direktinvestitionen (in Prozent des BIP)3,14,32,41,5
Kapitalverkehrsbilanz (in Millionen SZR)861794674679
Auslandsschulden (in Millionen SZR, Ende des Zeitraums)5 4445 6095 9226 318
Schuldendienstquote320,220,618,518,7
Realer effektiver Wechselkurs42,1−1,20,52,1
Offizielle Bruttoreserven (in Monaten von Einfuhren)1,81,92,82,8
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo der Zentralregierung, einschließlich verlorener Zuschüsse (in Prozent des BIP)−2,4−2,9−2,7−2,8
Bruttoersparnis (in Prozent des BIP)22,221,321,421,1
Bruttoinvestitionen (in Prozent des BIP)29,128,823,825,0
Geld und Quasigeld7,27,07,87,6
Zinssatz (in Prozent)511,38,88,88,8

Geschätzt.

Hierin spiegelt sich hauptsächlich die Abwertung des US-Dollar gegenüber den Währungen der europäischen Handelspartner Tunesiens wider.

In Prozent der Ausfuhren von Waren und Diensten; einschließlich der IWF-Gebühren.

IMF Information Notice System (Datenbank).

Geldmarktsatz.

Geschätzt.

Hierin spiegelt sich hauptsächlich die Abwertung des US-Dollar gegenüber den Währungen der europäischen Handelspartner Tunesiens wider.

In Prozent der Ausfuhren von Waren und Diensten; einschließlich der IWF-Gebühren.

IMF Information Notice System (Datenbank).

Geldmarktsatz.

Die Trockenheit und das geringer als erwartet ausgefallene Wirtschaftswachstum erschwerten die Haushaltskonsolidierung. Das Defizit der öffentlichen Haushalte bewegte sich ohne ausländische Finanzhilfen gerechnet 1994 und 1995 um ungefähr 3 % des BIP. 1995 stiegen die Staatseinnahmen insgesamt um nur etwa 8 %, erheblich weniger als die Haushaltszielgröße von 15 %.

Die Zahlungsbilanz verbesserte sich 1994 sehr deutlich, wobei sich das Leistungsbilanzdefizit ohne Einbeziehung der Auslandshilfen auf 2,9 % des BIP verringerte. Hierin fand das kräftige Wachstum der Exporte außerhalb des Energiesektors, einschließlich hoher Olivenölausfuhren seinen Niederschlag, sowie das nach Abschluß von zwei größeren Energieprojekten geringere Importwachstum. Für 1995 wurde geschätzt, daß sich das Leistungsbilanzdefizit, teilweise aufgrund geringerer Olivenölausfuhren, auf 4,5 % des BIP ausgeweitet hat.

Die Direktoren lobten die Behörden für ihre Beständigkeit bei der Durchführung von Strukturreformen und einer stabilitätsorientierten Wirtschaftspolitik. Sie begrüßten die Absicht der Behörden, auf dem bisher erzielten Fortschritt aufzubauen und auch auf mittlere Frist weitere Strukturreformen und eine Politik der wirtschaftlichen Konsolidierung fortzusetzen. Die Direktoren glaubten, daß die mittelfristige Strategie, die darauf abzielte, die Inlandsersparnis zu erhöhen und eine marktorientierte, offene, vom Privatsektor angetriebene Wirtschaft zu fördern, angemessen sei, um ein nachhaltig höheres Wirtschaftswachstum zu erzielen und die Arbeitslosigkeit zu verringern.

Die Direktoren begrüßten den Abschluß des Assoziierungsabkommens mit der Europäischen Union. Es wurde als ein wichtiger Rahmen für die Ausweitung des Handels und als klares Signal für die Bereitschaft der Behörden angesehen, die tunesische Wirtschaft weiter zu entwickeln und zu modernisieren und sie vollständig in die Weltwirtschaft zu integrieren. Weitere Anpassungsanstrengungen und Reformen seien notwendig, um die Vorteile des Assoziierungsabkommens voll zu nutzen.

Die Direktoren unterstrichen die Notwendigkeit einer weiteren Haushaltskonsolidierung, um die gesamtwirtschaftliche Stabilität beizubehalten und Ressourcen für höhere Privatinvestitionen freizusetzen. Sie wiesen besonders darauf hin, daß die Realisierung des Haushaltsziels für 1996 die energische Umsetzung der geplanten Maßnahmen auf der Einnahmen- und Ausgabenseite verlange. Die Absicht der Behörden, das Mehrwertsteuersystem weiterzuentwickeln und zu stärken, um dadurch die im Zusammenhang mit der Handelsliberalisierung entstehenden Einnahmeverluste auszugleichen, wurde begrüßt. Die Direktoren rieten ebenso zu verstärkten Anstrengungen, um im Zusammenhang mit der im Gang befindlichen Reform des öffentlichen Dienstes das Wachstum der Personalkosten in den Griff zu bekommen und die Verbrauchersubventionen zu verringern. Die Direktoren stellten fest, daß eine Stärkung der öffentlichen Finanzen eine weiterhin stabilitätsorientierte Geldpolitik erleichtern würde.

Die Direktoren unterstützten im wesentlichen die Politik der Zentralbank, vor dem Hintergrund einer zurückhaltenden Finanz- und Einkommenspolitik den effektiven realen Wechselkurs stabil zu halten. Gleichwohl betonten sie, daß die Wechselkurspolitik auch künftig immer wieder überprüft werden müsse.

Es wurde unterstrichen, daß es wichtig sei, das Anreizsystem zu verbessern, und gleichzeitig den industriellen Sektor zu restrukturieren, um höhere Ersparnisse und Investitionen zu fördern und umfangreiche ausländische Direktinvestitionen anzuziehen. Die Direktoren rieten dazu, die Liberalisierung der Inlandspreise zu vollenden, mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt einzuführen, die Entwicklung des Humankapitals zu verstärken und die Handelsliberalisierung weiter voranzubringen. Sie begrüßten das höhere Privatisierungstempo und forderten nachdrücklich dazu auf, die Privatisierung auf alle Sektoren und auf die größeren Staatsunternehmen auszuweiten.

Die Direktoren rieten dazu, die Liberalisierung des Finanzsektors zu beschleunigen, und drängten darauf, die noch verbliebenen Zinskontrollen abzubauen und die Sparkassen zu reformieren, um damit zu einer höheren Ersparnis beizutragen und die Effizienz der Kreditwirtschaft zu steigern.

Transformationsländer

In der Länderklassifizierung des Fonds umfassen die Transformationsländer drei Gruppen: Mittel- und Osteuropa und die baltischen Staaten, Rußland und die anderen Länder der ehemaligen Sowjetunion, und die Mongolei. Wenngleich jede Gruppe einige spezifische Merkmale aufweist, ist ihnen allen gemeinsam, daß sich ihre Volkswirtschaften im Übergang von einem zentralverwalteten zu einem auf Marktprinzipien fundierten System befinden.

Aus dem Kreis der mittel- und osteuropäischen Länder und der Baltischen Staaten schloß das Direktorium Artikel IV-Konsultationen ab mit: Albanien, Bulgarien, Estland, Kroatien, Lettland, Litauen, der früheren Jugoslawischen Republik Mazedonien, Polen, Rumänien, der Slowakischen Republik, Slowenien und der Tschechischen Republik. Im allgemeinen setzten sich die wirtschaftlichen Verbesserungen in diesen Ländern weiter fort, die Anstrengungen zur Inflationskontrolle waren im wesentlichen erfolgreich, und es wurden weitere Fortschritte bei der Liberalisierung der Handelsund Zahlungsverkehrssysteme gemacht. Allerdings war es in vielen Ländern zu einigen besorgniserregenden Entwicklungen im Haushaltsbereich gekommen, und die bei der Umsetzung von Strukturreformen, insbesondere im Finanzsektor, erzielten Fortschritte waren unausgewogen.

Alle diese Länder verfolgten ernsthafte Stabilisierungs- und Reformanstrengungen. Diejenigen Länder, die bereits frühzeitig nachhaltige Anpassungsprogramme eingeleitet hatten und mit dem Übergang bereits weiter vorangekommen waren, wie beispielsweise Albanien, Polen, die Slowakische Republik, Slowenien und die Tschechische Republik, ernteten die Früchte in Form eines kräftigen Wachstums. Die Direktoren stellten jedoch fest, daß es Anzeichen für eine mögliche Überhitzung in der Tschechischen Republik gab und daß der Abbau der Inflation in Polen schwieriger war, als man angenommen hatte.

Wenngleich es den meisten Ländern gelungen war, die Inflation unter Kontrolle zu halten, würde die Erlangung von Preisstabilität weiterhin eine große Herausforderung darstellen. Für diejenigen Länder, die vor einer möglichen Überhitzung standen, unterstrichen die Direktoren die Notwendigkeit, die Politik zu straffen, um eine baldige Verlangsamung der Inflation und des Lohnanstiegs zu erreichen. In diesem Zusammenhang nahmen die Direktoren mit Besorgnis zur Kenntnis, daß viele Länder ihre Finanzpolitik gelockert hatten, und unterstrichen die Notwendigkeit einer weiterhin wachsamen und vorsichtigen Haushaltspolitik.

Die bei den Strukturreformen erzielten Fortschritte waren unterschiedlich ausgefallen. In einigen Ländern waren insbesondere fragile Bankensysteme und unzureichende finanzielle Disziplin die Hauptursachen für gesamtwirtschaftliche Instabilitäten. In Lettland und Litauen hatten das langsame Tempo bei der Reform des Bankwesens und das Ausbleiben rascher Gegenmaßnahmen auf die ersten Anzeichen von Problemen hin zu umfassenden Krisen im Bankensektor geführt. Die Umstrukturierung der Unternehmen und die Privatisierungsanstrengungen hatten sich in vielen Ländern, und zwar selbst in einigen der weiter vorangeschrittenen Volkswirtschaften, wie der Slowakischen Republik und Slowenien, ebenfalls festgefahren. In anderen Ländern, wie beispielsweise der früheren Jugoslawischen Republik Mazedonien und in Rumänien, stand die Stabilisierung auf einem schwachen Fundament, weil die Umsetzung der Strukturreformen nur langsam voranschritt.

Die Direktoren äußerten sich insgesamt zustimmend zu der von den meisten Ländern verfolgten flexiblen Wechselkurspolitik, die den Marktkräften angemessene Entfaltungsmöglichkeiten einräumte. Zahlreiche Direktoren forderten die anderen Länder, wie beispielsweise Polen und die Tschechische Republik, dazu auf, ihre Wechselkurssysteme flexibler zu gestalten. Einige andere Direktoren rieten den Behörden, sich vor einer größeren Erosion ihrer Wettbewerbspositionen im Gefolge der kräftigen Kapitalimporte und deren möglichen Auswirkungen auf den Wechselkurs zu schützen. Allerdings bezweifelten mehrere Direktoren die Wirksamkeit von Kapitalverkehrskontrollen. Im allgemeinen forderten die Direktoren die Behörden dazu auf, ihre Zahlungsbilanzsituation sehr genau zu überwachen und erforderlichenfalls ihren politischen Kurs anzupassen.

Nahezu alle Länder dieser Gruppe hatten zusätzliche Schritte zur Liberalisierung ihrer Handels- und Zahlungsverkehrssysteme unternommen, und einige waren dabei, Leistungsbilanzkonvertibilität zu erreichen oder hatten dies schon geschafft. Eine bedauerliche Ausnahme war Rumänien: Die Direktoren stellten fest, daß es erneut zu Devisenmarktproblemen gekommen war, und sie unterstrichen, wie wichtig es sei, die wirtschaftspolitischen Vereinbarungen, die man hinsichtlich der Wechselkurspolitik als Basis für fortgesetzte Fondsunterstützung getroffen hatte, nachhaltig und konsequent umzusetzen.

Von den übrigen Transformationsländern wurden 1995/96 Artikel IV-Konsultationen mit Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien, Kasachstan, Moldau, der Mongolei, Rußland und der Ukraine abgeschlossen. Die Direktoren begrüßten die entschlossenen Anstrengungen der meisten dieser Länder, Stabilisierungsmaßnahmen und marktorientierte Reformen vorzunehmen; allerdings bedauerten sie, daß die Anstrengungen der Ukraine nach einem vielversprechenden Beginn in der zweiten Jahreshälfte von 1995 ins Stocken geraten waren. Viele Länder mußten allerdings noch mit außen- und binnenwirtschaftlichen Instabilitäten kämpfen, und der geringe Fortschritt bei den Strukturreformen hatte zur Folge, daß selbst die erfolgreicheren ihr ökonomisches Potential nicht vollständig ausschöpfen konnten.

Die Haushaltssituation der meisten dieser Länder blieb labil. Die Direktoren merkten an, daß dauerhafte Kürzungen der unproduktiven Ausgaben zusammen mit Maßnahmen zur Erhöhung der Staatseinnahmen nötig wären. Die Direktoren warnten jedoch vor tiefgreifenden, nicht durchhaltbaren Ausgabenkürzungen, sie betonten statt dessen die Bedeutung einnahmestärkender Maßnahmen. In diesem Zusammenhang rieten sie zu größeren Anstrengungen, um den Steuereinzug und die Steuerverwaltung zu verbessern. Die Inflationskontrolle war weiterhin eine große Herausforderung, und für einige Länder, insbesondere für Rußland, blieb ein weiterer Inflationsabbau die wichtigste wirtschaftspolitische Aufgabe. Gleichwohl stellten die Direktoren fest, daß es in einigen Ländern, wie beispielsweise Belarus und Kasachstan, mit einer straffen Geld- und Finanzpolitik gelungen war, die Inflation zu verringern.

Die Direktoren betonten, daß eine erfolgreiche gesamtwirtschaftliche Stabilisierung Unterstützung in Form von nachhaltigen und rascheren Fortschritten im Bereich der Strukturreformen bedürfe, und stellten mit Bedauern fest, daß die Strukturreformen nur enttäuschend langsam vorankamen. Das Finanzsystem sei weiterhin fragil, und die Direktoren forderten die nationalen Behörden mit Nachdruck dazu auf, erhebliche Anstrengungen zur Reform des Sektors zu unternehmen, indem die Bankenaufsicht intensiviert, die operationellen Fähigkeiten der Banken verbessert und die rechtlichen Rahmenbedingungen für Finanzinstitute aus dem Bereich der Nichtbanken verschärft werden. Außerdem müsse das Tempo bei der Umstrukturierung der Unternehmen, der Privatisierung und der Reform des Rechtswesens beschleunigt werden, um einen wirksamen Übergang von einer vom Staat gelenkten zu einer marktorientierten Wirtschaft zu gewährleisten.

Im allgemeinen begrüßten die Direktoren die Verfolgung einer flexiblen Wechselkurspolitik in den Ländern der Region. Im Falle Rußlands bezweifelten einige Direktoren, ob es möglich sei, gleichzeitig ein Wechselkurs band beizubehalten und an dem revidierten monetären Wachstumspfad festzuhalten, der für einen deutlichen Inflationsabbau notwendig war. Im Hinblick auf Rußland und andere Länder betonten die Direktoren, daß es wichtig sei, die Wechselkurspolitik im Lichte von sich verändernden Rahmenbedingungen ständig zu überprüfen.

Unter Hinweis auf die Störanfälligkeit der Zahlungsbilanzen vieler Länder, die in einigen Fällen noch durch eine hohe Schuldenlast gegenüber dem Ausland verschärft wurde, forderten die Direktoren die Behörden dazu auf, ihre Verschuldung gegenüber dem Ausland neu zu ordnen und die Beziehungen zu den Gläubigern zu normalisieren. Die Perspektiven einiger anderer Länder, wie beispielsweise Aserbaidschans, waren allerdings günstiger, wenngleich die Direktoren klarstellten, daß die Aussichten auf hohe Erlöse aus dem Export von Öl nicht die Entschlossenheit, an einer disziplinierten Wirtschaftspolitik festzuhalten, schwächen dürften.

Georgien

Im September 1995 erörterte das Exekutivdirektorium die Artikel IV-Konsultation 1995 mit Georgien und nahm die erste Überprüfung der im Juni 1995 genehmigten Bereitschaftskreditvereinbarung vor. (Im Februar 1996 wurde die Bereitschaftskreditvereinbarung von der ersten ESAF-Jahresvereinbarung Georgiens abgelöst; siehe den Abschnitt “Unterstützung der Mitgliedsländer durch den Fonds”).

Die georgische Volkswirtschaft zeigte 1995 erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Stabilisierung, mit bemerkenswerten Fortschritten bei der Eindämmung der Hyperinflation (siehe Tabelle 32) und der Stabilisierung des Kupon-Wechselkurses. Der Wechselkurs wertete sich zunächst von einem inoffiziellen Kurs von 5 Mio Kupons pro US-Dollar zu Beginn der Stabilisierungsmaßnahmen im September 1994 auf 1,3 Mio Kupons bis zum Jahresende 1994 auf, war aber seitdem gegenüber dem US-Dollar stabil geblieben und hatte sich gegenüber dem russischen Rubel aufgewertet. Der Produktionsrückgang verlangsamte sich, und es gab ermutigende Anzeichen für größere wirtschaftliche Aktivitäten im Landwirtschaftsbereich, im Transportwesen und im Einzelhandel.

Tabelle 32Georgien: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im September 1995 vorliegende Daten; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
19921993199419951
Binnenwirtschaft
Reales BIP−44,8−25,4−11,4−5,02
Beschäftigung−21,2−9,7−0,1
Verbraucher/Einzelhandelspreise (Durchschnitt des Zeitmunis)38873 12518 9221602
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob (in Millionen US-Dollar)267457381181
Einfuhren, cif (in Millionen US-Dollar)645905744399
Leistungsbilanz (in Millionen US-Dollar)−318−485−446−191
Kapitalverkehrsbilanz (in Millionen US-Dollar)248306−19,3−56,1
Bruttoauslandsschulden (Prozent des BIP)8,251,780,242,6
Schuldendienstquote (in Prozent der Ausfuhren von Waren und Diensten, ohne Faktorerträge)0,72,931,151,2
Wechselkurs (Kupons/US-Dollar, Durchschnitt des Zeitraums)41 102,300
Internationale Nettoreserven (in Milliarden Kupons, Ende des Zeitraums)−152−37,43 308−22 358
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors (in Prozent des BIP; auf Fälligkeitsbasis)−37,3−26,2−16,5−5,92
Breit abgegrenzte Geldmenge (Ende des Zeitraums; inklusive Fremdwährungseinlagen)623 09373 26755 699
Zinssatz (kommerzieller Bankeinlagensatz für Kupons)12,5–153–5

Januar-Juni, falls nicht anders vermerkt.

Projektionen für Jas Gesamtjahr.

Vor 1993, dem Einzelhandelspreisindex zufolge; nach Dezember 1993, einem 295 Güter umfassenden Laspeyres-Index zufolge.

Nach dem Devisenkurs zwischen Banken in Tiflis.

Januar-Juni, falls nicht anders vermerkt.

Projektionen für Jas Gesamtjahr.

Vor 1993, dem Einzelhandelspreisindex zufolge; nach Dezember 1993, einem 295 Güter umfassenden Laspeyres-Index zufolge.

Nach dem Devisenkurs zwischen Banken in Tiflis.

Eine kräftige Verringerung des Defizits der öffentlichen Haushalte (von 16,5 % des BIP im Jahre 1994 auf 6,9 % in der ersten Jahreshälfte von 1995) hatte bei den Stabilisierungsanstrengungen eine zentrale Rolle gespielt. Die Entwicklung der Steuereinnahmen blieb schwach, hauptsächlich wegen der unzureichenden Steuerverwaltung. Die Ausgaben wurden von mehr als 24 % des BIP im Jahre 1994 auf ungefähr 13 % in der ersten Jahreshälfte von 1995 gekürzt; es gab aber kaum noch Möglichkeiten zu weiteren Kürzungen.

Die monetäre Expansion verlangsamte sich erheblich: Die Zentralbankgeldbestände stiegen in der ersten Jahreshälfte von 1995 um 25 % gegenüber ungefähr 400 % im Jahre 1994. Es gab in der ersten Jahreshälfte 1995 praktisch keine Kreditvergaben der Nationalbank an die Geschäftsbanken, und die Devisentransaktionen wurden teilweise dazu benutzt, die Nettokreditgewährung an die Regierung zu sterilisieren. Der Anstieg der Zentralbankgeldbestände war die Folge einer unerwartet großen Nachfrage nach der neu eingeführten Binnenwährung und wurde von einer stärker als im Programm angenommenen Entwicklung der Netto Währungsreserven begleitet.

Die Strukturreformen umfaßten die Neuordnung des Staatlichen Steuerdienstes (State Tax Service), die Durchführung eines Projektes des Schatzamtes und die Erfassung der inländischen Zahlungsrückstände des Staates. Eine bemerkenswerte Aktion war die Entfernung von 132 000 im Gesundheitswesen beschäftigten Personen von der Gehaltsliste des Staates im Rahmen der Umwandlung des Gesundheitswesens in ein System mit gebührenpflichtigen Leistungen. Gesetzentwürfe zur Landreform und zur Aufhebung von Monopolen wurden im Parlament eingebracht. Allerdings gab es auch Rückschläge bei den Strukturreformen, wovon der wichtigste die Übernahme neuer Haushaltsverpflichtungen für Gasimporte war.

Der Fortschritt auf dem Gebiet der Wirtschaftsstatistik fiel unterschiedlich aus. Es wurde ein neuer Index der Verbraucherpreise entwickelt, und es wurden Verbesserungen in den Bereichen öffentliche Finanzen und monetäre Statistiken eingeführt, aber mit der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und der Zahlungsbilanzstatistik war man nur unzureichend vorangekommen.

Die Direktoren lobten die Behörden für ihre entschlossenen Stabilisierungsanstrengungen und marktorientierten Reformen unter extrem schwierigen Umständen. Sie waren von den ersten Anzeichen einer Produktionsbelebung in einigen Sektoren und vom Erfolg bei der Eindämmung der Hyperinflation ermutigt; dies schaffe ein günstiges Umfeld für die Einführung der neuen Währung, des Lari.

Die Direktoren stellten fest, daß die öffentlichen Finanzen schwach blieben und daß die Stabilisierungserfolge deshalb auf sehr tönernen Füßen stünden. Die Entwicklung der Staatseinnahmen habe sich zwar verbessert, sie bleibe aber weiterhin enttäuschend. Die Direktoren forderten die Behörden nachdrücklich zur Intensivierung ihrer Anstrengungen auf, die fiskalischen Institutionen weiter zu stärken, die Steuer- und Zollverwaltung zu verbessern, die weitverbreiteten Steuerbefreiungen zu verringern und die Mechanismen für eine Monetisierung der Lebensmittelhilfen weiter zu verbessern. Sie merkten auch an, daß es wichtig sei, bei der Ausgabenkontrolle wachsam zu bleiben.

Die Direktoren stellten fest, daß die Akzeptanz der neuen Währung in der Bevölkerung von der sorgfältigen Umsetzung einer sie unterstützenden Geld- und Finanzpolitik abhänge. Sie forderten die Behörden daher mit Nachdruck dazu auf, jedwedem Druck auf Lockerung der Kreditpolitik der Nationalbank von Georgien zu widerstehen. Eine sorgfältige Beobachtung der Geldmengenaggregate sei wesentlich.

Die schlechte Verfassung des Bankensystems bot den Direktoren Anlaß zu ernster Besorgnis. Sie forderten die Behörden mit Nachdruck dazu auf, rasch ein Programm auszuarbeiten und umzusetzen, das die tiefsitzenden strukturellen Schwächen im Bankensystem angehen könnte.

Die Direktoren gingen auf die extrem schwierigen mittelfristigen Zahlungsbilanzperspektiven Georgiens ein, die von einer hohen Auslandsverschuldung dominiert würden, und forderten die Behörden mit Nachdruck dazu auf, die Anstrengungen zur Umstrukturierung ihrer Auslandsverschuldung und zur Normalisierung der Beziehungen zu den Gläubigern zu intensivieren.

Ungeachtet der bisher erzielten großen Fortschritte stellten die Direktoren fest, daß das Strukturreformprogramm noch nicht abgeschlossen war. Sie waren enttäuscht über die bei der Verabschiedung der Gesetzgebung zum Kreditwesen, zur Landreform und beim Antimonopolgesetz eingetretenen Verzögerungen, begrüßten aber die bei der Privatisierung im Vorjahr erzielten Fortschritte. Sie ermunterten die Behörden dazu, rasch den öffentlichen Sektor zu reformieren, eine weitere Verkleinerung budgetärer Institutionen vorzunehmen und Sozialausgaben besser auf die Bedürftigen zuzuschneiden.

Mongolei

Die Direktoren erörterten im Februar 1996 die Artikel IV-Konsultation mit der Mongolei und überprüften ihre zweite ESAF-Jahresvereinbarung. Die Diskussion fand vor dem Hintergrund des beträchtlichen Fortschritts statt, den das Land auf seinem Weg zur Marktwirtschaft gemacht hatte.

Seitdem sie 1990 mit dem Transformationsprozeß begonnen hatte, hatte die Mongolei erhebliche Fortschritte erzielt, insbesondere durch die umfassende Liberalisierung der Preise, des Handels und des Wechselkurssystems. Als Folge hiervon konnten die insgesamt im Zeitraum 1990-93 entstandenen Wachstumsverluste auf ungefähr 20 % begrenzt werden, und 1994 setzte wieder ein positives Realwachstum ein. Die Transformationsanstrengungen wurden 1995 fortgesetzt und von der zweiten ESAF-Jahresvereinbarung unterstützt. Die Regierung hatte zur Jahresmitte 1995 erneut Stabilisierungsmaßnahmen ergriffen, und alle fiskalischen und monetären Zielmarken unter dem ESAF-Programm für Ende 1995 wurden eingehalten. Das reale BIP wuchs um 6 % (siehe Tabelle 33), und die privatwirtschaftlichen Aktivitäten in der Viehwirtschaft, dem Bergbau, dem Wohnungsbau und dem Handel nahmen weiter zu. Das Leistungsbilanzdefizit (ohne öffentliche Übertragungen) wurde auf 7 % des BIP begrenzt. Der Export von Kupfer und anderen Gütern erhöhte sich und war mehr als hinreichend, um die Auswirkungen hoher Importe als Folge des kräftigen Wirtschaftswachstums auszugleichen. Die Nettowährungsreserven stiegen an, entsprachen aber immer noch nur dem Gegenwert von sechs Importwochen. Eine marktmäßige Kreditaufnahme im Ausland wurde vermieden, und die Auslandsschuldenquote ging zurück. Die Inflation war allerdings mit einer Jahresrate von 53 % höher als geplant.

Tabelle 33Mongolei: Konjunkturindikatoren(Bei Direktoriumsaussprachc im Februar 1996 vorliegende Daten; jährliebe prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
19941995119962
Binnenwirtschaft
Reales BIP2,36,35,0
Beschäftigung3−12,70,93,0
Verbraucherpreise (Ende des Zeitraums)66,353,125–30
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob (in Millionen US-Dollar)367,0451,0436,5
Einfuhren, cif (in Millionen US-Dollar)370,5473,0500,8
Leistungsbilanz (ohne offizielle Übertragungen; in Prozent des BIP)−5,8−7,1−9,6
Direktinvestitionen (in Millionen US-Dollar)7,010,014,0
Kapitalverkehrsbilanz (in Millionen US-Dollar)−36,25,837,1
Auslandsschulden (in Prozent des BIP)468,656,656,4
Schuldendienst (in Prozent der laufenden Einnahmen)516,314,112,1
Wechselkurs (Tug./US-S, Ende des Zeitraums)414474539
Internationale Nettoreserven (in Millionen US-Dollar)37,250,060,0
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors (in Prozent des BIP)−24,6−11,1−10,9
Bruttoersparnis (in Prozent des BIP)15,116,614,8
Bruttoanlageinvestitionen (in Prozent des BIP)20,923,724,4
Breit abgegrenzte Geldmenge81,427,230,0
Zinssatz672–26472–150

Vorläufig.

Die dem IWF-Programm zugrundeliegenden revidierten Ziele.

Auf der Basis einer Stichprobe der größten Unternehmen.

Ausschließlich Schulden in Höhe von 10 Mrd transferierbarer Rubel gegenüber Rußland und Jen anderen ehemaligen Mitgliedsländern des Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW).

Ausschließlich Bedienung mittel- und langfristiger Verpflichtungen in transferierbaren Rubel gegenüber Rußland und den anderen ehemaligen Mitgliedsländern des RGW.

Clcaring-Satz der Zentralbank, in Prozent pro Jahr.

Vorläufig.

Die dem IWF-Programm zugrundeliegenden revidierten Ziele.

Auf der Basis einer Stichprobe der größten Unternehmen.

Ausschließlich Schulden in Höhe von 10 Mrd transferierbarer Rubel gegenüber Rußland und Jen anderen ehemaligen Mitgliedsländern des Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW).

Ausschließlich Bedienung mittel- und langfristiger Verpflichtungen in transferierbaren Rubel gegenüber Rußland und den anderen ehemaligen Mitgliedsländern des RGW.

Clcaring-Satz der Zentralbank, in Prozent pro Jahr.

In ihrer Aussprache lobten die Direktoren die Mongolei für die bei der Förderung gesamtwirtschaftlicher Stabilität und struktureller Veränderungen seit 1990 erzielten Fortschritte. Wenngleich sie sich enttäuscht über die in der ersten Jahreshälfte von 1995 eingetretene finanz- und geldpolitische Lockerung äußerten, begrüßten sie die zur Jahresmitte von der Regierung durchgeführten Korrekturmaßnahmen und ihre erneute Absichtserklärung, die Reformen fortsetzen zu wollen. Als Folge hiervon waren die meisten Programmziele realisiert worden. Die Direktoren waren besonders zufrieden, daß das reale BIP-Wachstum in dem Jahr merklich gestiegen war, und sie glaubten, daß die Aussichten für ein weiterhin kräftiges Produktionswachstum 1996 gut seien.

Die Direktoren waren allerdings darüber besorgt, daß die Inflation unangemessen hoch bleibe und daß die Außenwirtschaftsposition der Mongolei noch störanfällig sei, was in dem niedrigen Niveau der Währungsreserven zum Ausdruck komme. Sie betonten, daß es wichtig sei, Maßnahmen zu ergreifen, um einen ehrgeizigeren Inflationsabbau und eine Stärkung der Außenwirtschaftsposition zu erreichen. Die Direktoren unterstützten das Budget für 1996, das einen höheren Überschuß der laufenden Einnahmen über die laufenden Ausgaben in Relation zum BIP vorsah und die Finanzierung des Gesamtdefizits durch das inländische Bankensystem vermied. Sie forderten die Regierung mit Nachdruck dazu auf, sicherzustellen, daß die wichtigsten Steuermaßnahmen rasch und vollständig greifen können, wozu auch die Abschaffung von Befreiungen von der Einkommensteuer und von den Zollabgaben, die Ausweitung der Umsatzsteuer und die Stärkung der Steuerverwaltung zählen. Die Direktoren unterstrichen, daß eine zuverlässige Kontrolle der laufenden Ausgaben wichtig sei; die Begrenzung der Personalkosten auf einen Wert unterhalb der Inflation und die abschließende Formulierung der Pläne zur Personalverringerung im öffentlichen Dienst besäßen dabei Priorität. Allerdings sagten sie, daß zur Unterstützung der dringend notwendigen Entwicklung des Humankapitals während der Verkleinerung des öffentlichen Sektors eine ausreichende Versorgung mit Erziehungsund Gesundheitsleistungen gewährleistet werden solle.

Die Direktoren billigten das Wirtschaftsprogramm für 1996, das zur Förderung des privaten Sektors höhere Kredite vorsah, während es die Darlehen an die Staatsunternehmen strikt begrenzte. Nach ihrer Meinung sollten die monatlichen Kreditobergrenzen so lange beibehalten werden, bis die Banken eine solide Kreditvergabepolitik verfolgen, und die allmähliche Entwicklung indirekter monetärer Steuerungsinstrumente solle fortgesetzt werden. Die Direktoren sahen es als notwendig an, die Zentralbank zu stärken, damit sie eine wirksame Anti-Inflationspolitik betreiben könne, und hierzu zähle auch eine umfassende, moderne Bankengesetzgebung. Sie forderten die Behörden nachdrücklich dazu auf, die Rehabilitation des Bankensystems zu beschleunigen, wozu auch die Stärkung der Bankenaufsicht und der bankrechtlichen Bestimmungen zähle.

Die Direktoren führten aus, daß die Reform der staatseigenen Unternehmen zur Realisierung der angepeilten Ziele im budgetären, kreditpolitischen und inflationsbekämpfenden Bereich wesentlich sei. Insbesondere müsse frühzeitig eine Energiepreiserhöhung vorgenommen werden, um die Betriebskosten zu decken, zur Finanzierung der notwendigen Investitionen beizutragen, den Bedarf an Kreditaufnahmen bei den Banken zu verringern und Einkommen zu erzielen. Ähnlich müsse auch das Privatisierungsprogramm auf die großen, profitablen Staatsunternehmen ausgeweitet werden, und es müßten Maßnahmen ergriffen werden, um die Sanierung oder Schließung nicht überlebensfähiger Unternehmen zu beschleunigen.

Mit Blick auf die Zahlungsbilanz der Mongolei war das Direktorium der Meinung, daß die Regierung ihre Absorptionskapazitäten für öffentliche Hilfen verbessern, kommerzielle Kreditaufnahmen im Ausland vermeiden und die Wettbewerbsfähigkeit erhalten müsse. Die Mongolei, so unterstrichen die Direktoren, sei bei ihrer wirtschaftlichen Transformation an einem kritischen Punkt angelangt. Es sei wesentlich, die unter der ESAF-Vereinbarung vorgesehenen Politikmaßnahmen energisch umzusetzen und zur Verbesserung der Glaubwürdigkeit erneute wirtschaftspolitische Versäumnisse zu vermeiden. Es wurde begrüßt, daß die Mongolei die Verpflichtungen gemäß Artikel VIII des IWF-Übereinkommens akzeptiert hat.

Polen

Die Direktoren erörterten die Artikel IV-Konsultation 1995 mit Polen im Januar 1996 und begutachteten die Wirtschaftsentwicklung des vergangenen Jahres. Polen spielte weiterhin eine gewisse Vorreiterrolle unter den Transformationsländern, allerdings waren seine erheblichen Fortschritte nicht ohne Risiken geblieben.

Das Land hatte in dem zu begutachtenden Jahr einen beeindruckenden BIP-Zuwachs von mehr als 6,5 % erzielt (siehe Tabelle 34), mit einem Wachstum der industriellen Produktion um 9,4 % und einem Produktionsanstieg von 13 % in der Landwirtschaft. Allerdings war das Wachstum unausgewogen, da es hauptsächlich von den Exporten und den Investitionen angespornt wurde, während die Inlandsnachfrage schwach blieb. Gegen Jahresende hatte es jedoch Anzeichen für einen Anstieg der Reallöhne und des Vertrauens der Verbraucher gegeben.

Tabelle 34Polen: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im Januar 1996 vorliegende Daten; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
19921993199419951
Binnenwirtschaft
Reales BIP2,63,86,06,5
Arbeitslosenquote (Ende des Zeitraums)13,616,416,0
Verbraucherpreisindex (Durchschnitt des Zeitraums)43,035,332,228,4
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob (in Millionen US-Dollar)13 99713 58516 95022 971
Einfuhren, cif (in Millionen US-Dollar)13 48515 87817 78624 395
Leistungsbilanz (in Millionen US-Dollar)21 575−852 1283 463
Direktinvestitionen (in Millionen US-Dollar)284580542900
Kapitalverkehrsbilanz (in Millionen US-Dollar)−1 472−679−3304 788
Auslandsschulden (Ende des Zeitraums; (in Milliarden US-Dollar)48,248,740,939,4
Auslandsschuldendienstquote320,021,516,215,3
Abwertung der kommerziellen Devisenkurse (–) gegenüber dem US-Dollar
(Durchschnitt des Zeitraums)−22,4−24,9−20,3
Internationale Nettoreserven (Zunahme; in Millionen US-Dollar)1 6146342 5349 200
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors (in Prozent des BIP)−6,6−2,9−2,0−2,8
Bruttoersparnis4 (in Prozent des nominellen BIP)17,015,517,818,6
Bruttoinvestitionen (in Prozent des nominellen BIP)15,215,615,515,7
Breit abgegrenzte Geldmenge (Geld und Quasigeld)557,536,038,334,0
Warschauer Interbanken-Angebotssatz (Jahresende, in Prozent)44,334,128,425,5

IWF-Schätzungen.

Nicht-registrierter Handel eingeschlossen.

In Prozent der in konvertierbaren Währungen erfolgten Ausfuhren von Waren und Gütern (ohne Faktorerträge).

Juli 1995.

Prozentuale Veränderung der Bestände am Jahresende.

IWF-Schätzungen.

Nicht-registrierter Handel eingeschlossen.

In Prozent der in konvertierbaren Währungen erfolgten Ausfuhren von Waren und Gütern (ohne Faktorerträge).

Juli 1995.

Prozentuale Veränderung der Bestände am Jahresende.

Die Nettowährungsreserven waren kräftiger als erwartet gestiegen. Dies überforderte die Sterilisierungsmöglichkeiten der Nationalbank von Polen und führte zu einem kräftigen Anstieg der breit abgegrenzten Geldmenge, was die Inflationsbekämpfung erschwerte. Allerdings führten sinkende Lebensmittelpreise, eine Härtung der Wechselkurspolitik und eine gewisse Verschärfung der Finanzpolitik in der zweiten Jahreshälfte von 1995 zu einem Inflationsrückgang.

Die wichtigste Reaktion der Behörden auf den kräftigen Anstieg der Nettowährungsreserven war eine Wechselkursmaßnahme. Zunächst hatte man sich darauf konzentriert, den laufenden Abwertungssatz im Rahmen der gleitenden Kursfixierung (crawlinjj peg) zu verringern; im Mai 1995 wurde jedoch ein Element der Flexibilität in Form eines Crawling-Bandes von ± 7 % der zentralen Parität eingeführt. Der Zloty wertete sich rasch auf einen Wert von 5 % (später 6 %) oberhalb der zentralen Parität auf. Im Dezember 1995 hoben die Behörden zudem die zentrale Parität um 6 % an und ließen eine Aufwertung des aktuellen Kurses um 2 ½ Prozentpunkte zu.

Das Haushaltsergebnis für 1995 war mit einem vorläufig auf 2 ¾ % des BIP geschätzten gesamten Staatsdefizit zwar besser als erwartet, aber immer noch schlechter als 1994. Allerdings war der verbesserte Haushaltsabschluß zum Teil das Ergebnis eines hohen Lohnwachstums im Jahre 1995 (5 % in realer Rechnung), was zu einem kräftigen Anstieg des Einkommensteueraufkommens und der Sozialversicherungsbeiträge führte. Die Einnahmen aus der Privatisierung und der Körperschaftssteuer waren ebenfalls höher als erwartet, während die Ausgaben geringfügig unterhalb der veranschlagten Größen gehalten wurden.

Der Übergang zum Privateigentum beschleunigte sich zum Jahresende hin, und ein überarbeiteter Entwurf des Privatisierungsgesetzes war in Vorbereitung. Außerdem wurde im Dezember ein Plan zur mittelfristigen Reform des Rentensystems vom Ministerrat gebilligt.

Bei ihrer Aussprache lobten die Direktoren Polens beeindruckende wirtschaftliche Entwicklung, einschließlich des sehr kräftigen Wachstums der Industrie und des Export-Booms. Gleichzeitig merkten sie an, daß der Erfolg des Landes das Ergebnis mehrerer Jahre stetiger Stabilisierungs- und Reformanstrengungen war. Sie stellten jedoch fest, daß sich die Inflationsbekämpfung schwieriger als erwartet erwiesen hatte, und sie betonten, daß eine nach vorn gerichtete, reformorientierte Politik für weitere Erfolge wichtig sei.

Die Direktoren glaubten, daß der weitere Abbau der Inflation die höchste Priorität für die Wirtschaftspolitik haben müsse und daß dementsprechend die Rahmenbedingungen für die Geld- und Wechselkurspolitik klar abgesteckt werden müßten. Während das Crawling-Peg-System Polen in der Vergangenheit gute Dienste erwiesen habe, glaubten die Direktoren allgemein, daß eine flexiblere Wechselkurspolitik die Effizienz der Geldpolitik verbessern und zu geringerer Inflation führen könne. Wechselkurs- und Geldpolitik müßten von einer strafferen Haushaltspolitik und energischen Fortschritten bei den Strukturreformen unterstützt werden.

Die Direktoren lobten die Behörden dafür, daß sie das Defizit der öffentlichen Haushalte unterhalb der Zielgröße von 3 % des BIP gehalten hatten, betonten allerdings, daß es wichtig sei, hauptsächlich über Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen weitere Fortschritte zu erzielen. Die Direktoren unterstrichen die Bedeutung weiterer Strukturreformen, um ein anhaltend kräftiges Wachstum und eine tragfähige Haushaltsposition zu realisieren. Sie begrüßten die bei der umfassenden Privatisierung und der Reform des Handels- und des Devisensystems erzielten Fortschritte, einschließlich der Akzeptanz der Verpflichtungen gemäß Artikel VIII des IWF-Übereinkommens. Aber auf anderen Gebieten sei man noch nicht so weit vorangekommen, und sie forderten die Behörden nachdrücklich dazu auf, eine breit angelegte Reform des Sozialversicherungssystems zu veranlassen, das seinerzeit im Vorbereitungsstadium befindliche überarbeitete Privatisierungsgesetz zu verbessern und die Umstrukturierung und Privatisierung der Geschäftsbanken zügig abzuschließen. Außerdem solle die Lohnindexierung verringert werden.

Rumänien

Im Dezember 1995 erörterte das Direktorium im Rahmen der Artikel IV-Konsultation 1995 die Entwicklung der rumänischen Volkswirtschaft in den Jahren 1994 und 1995. Sie führten auch die Überprüfung der vom Fonds im Mai 1994 genehmigten Bereitschaftskreditvereinbarung durch und erörterten den Antrag auf deren Verlängerung und Aufstockung (siehe den Abschnitt “Unterstützung der Mitgliedsländer durch den Fonds”).

Die wirtschaftliche Entwicklung war 1994 durch einen kräftigen Anstieg des Vertrauens gekennzeichnet, wofür die energische Durchführung einer restriktiven Finanz- und Geldpolitik durch die Behörden verantwortlich war. Die reale Geldnachfrage stieg wieder, nachdem sie vier Jahre lang zurückgegangen war. Der Wechselkurs stabilisierte sich zur Jahresmitte 1994 auf ein Niveau, bei dem Angebot und Nachfrage ausgeglichen waren; anschließend erfolgten erhebliche Devisenankäufe zur Wiederaufstockung der Währungsreserven. Die Inflation auf der Verbraucherstufe fiel auf ein Drittel ihres Wertes von 1993 zurück. Die Exporte nahmen um 24 % zu, und der reale Verbrauch stieg kräftig an, während sich das Wirtschaftswachstum 1994 auf 4 % beschleunigte (siehe Tabelle 35).

Tabelle 35Rumänien: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im Dezember 1995 vorliegende Daten, ausschließlich der Ergebnisse des Jahres 1995; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
1995
1992199319941ProjektionenErgebnis
Binnenwirtschaft
Reales BIP−8,81,33,95,06,9
Arbeitslosenquote17025,97,8−10,0−10,1
Verbraucher-/Einzelhandelspreise (Durchschnitt)2102561373132
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob (in Milliarden US-Dollar)4,34,96,17,47,5
Einfuhren, cif (in Milliarden US-Dollar)5,46,06,68,98,8
Leistungsbilanz (in Milliarden US-Dollar)2−1,5−1,2−0,5−1,5−1,3
Direktinvestitionen (in Milliarden US-Dollar)0,30,40,4
Kapitalverkehrsbilanz (in Milliarden US-Dollar)1,41,31,21,21,3
Bruttoauslandsschulden (in Milliarden US-Dollar)33,44,45,55,946,2
Schuldendienstquote (in Prozent der laufenden Einnahmen)8,15,88,913,012,1
Lei/US-Dollar (Ende des Zeitraums)4601 2761 7672 54252 578
Internationale Nettoreserven (in Milliarden Lei, Ende des Zeitraums)6803682 3892 19253 426
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors (in Prozent des BIP)−4,6−0,1−1,0−2,8−2,5
Bruttoersparnis (in Prozent des BIP)22,923,824,924,925,5
Bruttoanlageinvestitionen (in Prozent des BIP)18,817,920,021,020,8
Breit abgegrenzte Geldmenge (Ende des Zeitraums)80141138527667
Zinssatz (gewogener Durchschnitt der Nationalbank von Rumänien, in Prozent)444167856567

IWF-Schätzungen.

Außenhandel in tranterierbaren Rubel nicht einbezogen.

Konvertierbare Währungen, einschließlich Akkreditive und der auf empfangene Hinfuhren falligen Zahlungen.

September 1995.

Oktober 1995.

Fremdwährungen und Gold, die zu Devisenkursen am Periodenende in Lei umgewechselt wurden; Gold und SZR sind zu konstanten Dollarpreisen bewertet.

Zinszahlungen der nationalen Sparkasse für 1995 nicht eingeschlossen.

IWF-Schätzungen.

Außenhandel in tranterierbaren Rubel nicht einbezogen.

Konvertierbare Währungen, einschließlich Akkreditive und der auf empfangene Hinfuhren falligen Zahlungen.

September 1995.

Oktober 1995.

Fremdwährungen und Gold, die zu Devisenkursen am Periodenende in Lei umgewechselt wurden; Gold und SZR sind zu konstanten Dollarpreisen bewertet.

Zinszahlungen der nationalen Sparkasse für 1995 nicht eingeschlossen.

Die wirtschaftliche Entwicklung in den ersten neun Monaten des Jahres 1995 war problematischer. Bereits in der zweiten Jahreshälfte von 1994 wurden Versäumnisse im Bereich der Strukturpolitik deutlich. Das quasifiskalische Defizit des Unternehmenssektors wurde nicht energisch genug angegangen, was Anfang 1995 zu einem starken Kreditdruck und zum Abschmelzen der Reserven führte. Interventionen der Behörden am Devisenmarkt verschlechterten die Situation noch weiter. Daher traten erneut Zahlungsbilanzprobleme auf, obwohl sich das Wirtschaftswachstum 1995 auf 7 % erhöhte. Die Exporte stiegen um 23 %, aber die Importe stiegen doppelt so schnell, was zu einer beträchtlichen Ausweitung des Leistungsbilanzdefizits führte.

Die Arbeitslosigkeit begann 1995 zu sinken, und die Verbraucherpreise gingen weiter dramatisch zurück. Die Geldnachfrage stieg, allerdings langsamer als 1994. Der Anstieg der Reallöhne beschleunigte sich drastisch, was zu einem Anstieg des Verbrauchs führte und gleichzeitig eine höhere reale Ersparnis der Haushalte ermöglichte. Im Gegensatz dazu verschlechterte sich seit Anfang 1995 die finanzielle Situation des Unternehmenssektors erheblich. Zum Teil war dies auf massive Lageraufstockungen mit importierten Rohstoffen wie Öl und eine erhöhte Lagerhaltung in den von den großen Staatsbetrieben dominierten Sektoren zurückzuführen. Pläne zur Schließung von staatseigenen Unternehmen, die große Verluste oder Zahlungsrückstände aufwiesen, wurden zurückgestellt. Und der Spielraum der Nationalbank, die Liquidität zu verknappen, wurde durch ein von der Regierung Ende 1994 aufgelegtes umfangreiches Programm von subventionierten Kreditvergaben an den Landwirtschaftssektor eingeschränkt.

Die Direktoren merkten an, daß die rumänische Wirtschaft 1994 und 1995 kräftig gewachsen war, begleitet von einem deutlichen Inflationsrückgang und einer Verringerung der Arbeitslosigkeit. Weitere Fortschritte dieser Art würden beschleunigte Strukturreformen und stetige Stabilisierungsanstrengungen notwendig machen. Die Direktoren stellten mit großer Besorgnis fest, daß es nach Genehmigung der Bereitschaftskreditvereinbarung im Mai 1994 bei den Strukturreformen zu ersten Abweichungen gekommen war. Erneute Interventionen am Devisenmarkt waren zu verzeichnen, und dem Druck auf die Vergabe von Agrarkrediten durch die Nationalbank wurde nachgegeben. Diese Vorgänge wurden als besorgniserregende Rückfälle in eine nicht marktorientierte Politik angesehen und hätten 1995 zu einer raschen Kreditexpansion und einer nicht durchhaltbaren Ausweitung des Zahlungsbilanzdefizits beigetragen.

Die Direktoren begrüßten die seit September 1995 zur Verbesserung der Ressourcenallokation und zur Verringerung des Leistungsbilanzdefizits ergriffenen Maßnahmen. Die Ende 1995 eingeleitete und für 1996 vorgesehene Straffung der Finanzpolitik sei in Anbetracht der ernsten Zahlungsbilanzprobleme dringend notwendig.

Die Direktoren forderten die Behörden nachdrücklich dazu auf, weitere störende Eingriffe in den Devisenmarkt zu unterlassen; dies sei wesentlich, um das Vertrauen in die inländischen Finanzanlagen zu erhalten und eine weitere Verminderung der Währungsreserven zu verhindern. Die Direktoren unterstützten eine flexible Wechselkurspolitik, begleitet von einer straffen Ausrichtung der Finanz-, Geld- und Einkommenspolitik, um die Inflation zu verringern.

Die Direktoren stimmten überein, daß die zentrale Ursache für die Instabilität der Wirtschaft das quasifiskalische Defizit des staatseigenen Unternehmenssektors sei. Zwar hätten die Behörden vor kurzem einige mutige Schritte eingeleitet, die Strukturreformen kämen jedoch weiterhin nur langsam voran. Es sei außerordentlich wichtig, energische Maßnahmen zur Reform der Problembetriebe in der staatseigenen Industrie und in der Landwirtschaft zu unternehmen. Der rechtliche Rahmen zur Privatisierung sei zwar im großen und ganzen vorhanden, die erfolgreiche Umsetzung sei aber erforderlich, um einen Anstieg der Wirtschaftsaktivität des privaten Sektors zu bewirken, was wiederum notwendig sei, um ein tragfähiges Wirtschaftswachstum und einen weiteren Anstieg des Lebensstandards zu erreichen.

Die Direktoren empfahlen den Behörden, die Qualität der statistischen Daten aus dem monetären Bereich und der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zu verbessern, ebenso wie die Angaben über die Aktivitäten der größeren Staatsbetriebe, die hohe Verluste oder Zahlungsrückstände aufweisen. In Anbetracht der labilen Außenwirtschaftsposition Rumäniens müßten die Behörden unbedingt weitere wirtschaftspolitische Kursabweichungen oder Kehrtwendungen vermeiden und ihre wirtschaftspolitischen Versprechungen einhalten; andernfalls bestünde das Risiko eines Rückgangs des Vertrauens in die Wirtschaft, was die wirtschaftliche Erholung gefährden und die Außenwirtschaftsposition des Landes einem Risiko aussetzen würde.

Rußland

Im September 1995 erörterte das Direktorium im Rahmen der Artikel IV-Konsultation 1995 die wirtschaftliche Entwicklung Rußlands in der zweiten Jahreshälfte von 1994 und der ersten Hälfte von 1995. Gleichzeitig nahm es die erste Quartalsüberprüfung der im April 1995 genehmigten russischen Bereitschaftskreditvereinbarung vor.

Den wichtigsten Anlaß zur Besorgnis in dem betrachteten Zeitraum bot die Inflation, die sich nach Erreichen eines Tiefpunkts von 4,6 % auf Monatsbasis im August 1994 bis zum Januar 1995 auf 17,8 % beschleunigt hatte. Zwar ging sie dann bis zum Juli 1995 auf 5,4 % kräftig zurück, sie blieb jedoch erheblich oberhalb des für Juli gesteckten Zieles von 1 %. Der unerwartet langsame Inflationsrückgang war teilweise darauf zurückzuführen, daß die Geldbasis kräftiger als angenommen gewachsen war, was mit den Auswirkungen der erheblichen Devisenzuflüsse zusammenhing.

Auf der außenwirtschaftlichen Seite kam es in der ersten Jahreshälfte von 1995 in der Leistungs- und der Kapitalverkehrsbilanz zu erheblichen Verbesserungen. Hauptsächlich aufgrund des Anstiegs der Exporte nach Ländern außerhalb der ehemaligen Sowjetunion stiegen die Ausfuhren insgesamt um 18 % gegenüber der vergleichbaren Vorjahresperiode (siehe Tabelle 36), und die konsolidierte Leistungsbilanz wies einen Überschuß von 3 Mrd $ aus, gegenüber einem Defizit von 0,4 Mrd $ in der ersten Jahreshälfte von 1994. Die zur gleichen Zeit erfolgte Verbesserung der Kapitalverkehrsbilanz spiegelte den scharfen Rückgang der privaten Kapitalabflüsse wider.

Tabelle 36Rußland: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im September 1995 vorliegende Daten, ausschließlich der Daten für das Jahr 1995; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
1995
199219931994Jan.-JuniGesamtjahr
Binnenwirtschaft
Reales BIP1−19−12−15−4−4
Registrierte Arbeitslosigkeit20,81,12,12,73,2
Offene Arbeitslosigkeit24,85,57,17,78,3
Verbraucherpreisindex, Durchschnitt1 353896302186190
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob (in Milliarden US-Dollar)352,158,369,636,978,6
Einfuhren, cif (in Milliarden US-Dollar)346,544,255,228,960,6
Leistungsbilanz (in Milliarden US-Dollar)3−4,22,63,42,94,7
Kapitalverkehrsbilanz (in Milliarden US-Dollar)3−12,3−19,3−2,30,2
Auslandsschulden120,6115,9
Schuldendienstquote424,920,3
Durchschnittlicher Wechselkurs (Rubel/US-Dollar)2221 0342 2624 5944 560
Internationale Nettoreserven553830013840
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo der Bundes-regierung (in Prozent des BIP)6−11,1−6,9−11,1−3,4−4,6
Saldo des öffentlichen Sektors (in Prozent des BIP)7−18,97,6−10,1−2,9−4,9
Bruttoersparnis28,927,0
Bruttoinvestitionen27,725,9
Geldbasis51 07064718671118
Nettoinlandsaktiva der Währungsbehörden 3,85313471851578
Refinanzierungssatz der Zentralbank (Ende des Zeitraums, Prozent)80210180180160

Goskomstat hat kürzlich seine BIP-Statistiken fur 1992 und 1994 überarbeitet. Die hier angegebenen Zahlen fußen auf den offiziellen (nicht revidierten) Daten.

Stand am Periodenende, in Prozent der Erwerbspersonen.

Umfaßt Transaktionen sowohl mit Staaten der ehemaligen Sowjetunion als auch mit anderen Ländern.

Fälliger öffentlicher Auslandsschuldendienst, in Prozent der gesamten Ausfuhren und Dienste (ohne Faktorerträge).

Veränderungen im Verhältnis zur Geldbasis am Anfang des Zeitraums.

Einnahmcn-Ausgaben-Rechnung.

Einschließlich der Bundesregierung und Lokalbehörden, der außerbudgetären Mittel und unbudgetierter Einfuhrsubventionen im Zusammenhang mit Auslandszahlungen.

Die Währungsbehörden sind so definiert, daß sie die Zentralbank von Rußland und die Regierung mit einschließen.

Goskomstat hat kürzlich seine BIP-Statistiken fur 1992 und 1994 überarbeitet. Die hier angegebenen Zahlen fußen auf den offiziellen (nicht revidierten) Daten.

Stand am Periodenende, in Prozent der Erwerbspersonen.

Umfaßt Transaktionen sowohl mit Staaten der ehemaligen Sowjetunion als auch mit anderen Ländern.

Fälliger öffentlicher Auslandsschuldendienst, in Prozent der gesamten Ausfuhren und Dienste (ohne Faktorerträge).

Veränderungen im Verhältnis zur Geldbasis am Anfang des Zeitraums.

Einnahmcn-Ausgaben-Rechnung.

Einschließlich der Bundesregierung und Lokalbehörden, der außerbudgetären Mittel und unbudgetierter Einfuhrsubventionen im Zusammenhang mit Auslandszahlungen.

Die Währungsbehörden sind so definiert, daß sie die Zentralbank von Rußland und die Regierung mit einschließen.

Die Behörden führten im Juli 1995 ein Wechselkursband ein und verpflichteten sich dazu, den Rubelkurs innerhalb dieses Bandes zu halten.

Auf finanzpolitischem Gebiet wurde das Haushaltsdefizit der Bundesregierung durch eine Ausgabenkompression verringert, die noch über die Steuerausfälle hinausging, die bei allen wichtigen Einnahmekategorien entstanden waren. Die schwache Entwicklung der Staatseinnahmen hatte mehrere Ursachen, wozu Verzögerungen bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Erhöhung der Staatseinnahmen und zur Abschaffung von Steuerbefreiungen, ein Anstieg der Steuerrückstände, anhaltende Probleme mit der Steuerehrlichkeit, einschließlich der Schwierigkeiten beim Steuereinzug vom aufstrebenden Privatsektor, sowie die Auswirkungen der nominalen Aufwertung des Rubels gehörten. Die Behörden richteten mit Erfolg einen Markt für Schatzwechsel ein, der eine wichtige Quelle nicht-inflationärer Finanzierungsmöglichkeiten darstellte.

Zu den im Berichtsjahr durchgeführten Strukturreformen gehörten weitere Maßnahmen zur Handelsliberalisierung (insbesondere im Exportsektor) und die Liberalisierung des Ölexportsystems, aber Tempo und Umfang der Privatisierung und der Landreform waren geringer als erwartet. Größere soziale Programme, einschließlich des Programms zur Arbeitslosenunterstützung, waren sowohl unzureichend als auch finanziell nicht tragfähig.

Die Direktoren stellten fest, daß die russischen Behörden trotz dieser Schwierigkeiten bisher alle Programmziele erreicht hatten, und sie lobten die Behörden für ihre energischen Anstrengungen zur Fortsetzung des Stabilisierungsprozesses. Die von ihnen erzielten Fortschritte waren beeindruckend, wenn man sie mit den Verhältnissen zu Beginn von 1995 vergleicht. Es gab Anzeichen dafür, daß die Realwirtschaft sich jetzt endlich von dem Zusammenbruch zu erholen begann, den sie seit 1991 erlitten hatte. Außerdem hatte der Inflationsdruck wesentlich nachgelassen.

Die Direktoren lobten besonders die Entschlossenheit, mit der die Behörden ihr Ziel verfolgt hatten, das Haushaltsdefizit abzubauen. Die Ausgaben waren außerordentlich stark zusammengestrichen worden. Allerdings hatten die Direktoren Zweifel, ob diese Politik der Ausgabenkompression durchgehalten werden könne und welche volkswirtschaftlichen Kosten möglicherweise damit verbunden seien. Sie wiesen darauf hin, daß die Haushaltssituation labil bleibe, und betonten, daß dauerhafte Kürzungen bei den unproduktiven Ausgaben, zusammen mit Maßnahmen zur Erhöhung der Staatseinnahmen, dringend notwendig seien. Sie begrüßten das von den Behörden verabschiedete Steuerpaket; sie glaubten allerdings, daß zur Gewährleistung einer mittelfristig tragfähigen Haushaltsposition noch mehr getan werden müsse.

Die Direktoren betonten, daß ein weiterer Inflationsabbau die wichtigste Aufgabe der Wirtschaftspolitik bleiben müsse. Das Wachstum der Geldbasis müsse eng begrenzt werden. Die Behörden müßten dem Funktionieren des Wechselkursbandes besondere Aufmerksamkeit widmen. Die Direktoren unterstrichen die Notwendigkeit, die Wechselkurspolitik ständig zu überprüfen, und die Behörden müßten erforderlichenfalls zu Anpassungen bereit sein.

Die Exekutivdirektoren äußerten sich mit Besorgnis zu den Schwierigkeiten im Bankensystem und forderten die Behörden dazu auf, energische Schritte zur Verbesserung der Bankenaufsicht und zur Beschleunigung der Reformen zu unternehmen, die zu einer Neuordnung des Bankensektors führen würden. Die Direktoren forderten die Behörden mit Nachdruck dazu auf, das Reformtempo in einigen anderen strukturellen Bereichen zu beschleunigen, und zwar insbesondere bei der Landreform und der Privatisierung.

Auch während der zweiten Jahreshälfte von 1995, im Anschluß an die Direktoriumsaussprache, hielten die russischen Behörden alle monetären und fiskalischen Programmziele ein, allerdings mit wachsenden Schwierigkeiten zum Jahresende hin. Als Folge der russischen Anstrengungen im Rahmen des Programms ging die Inflation für das Jahr insgesamt auf einen Durchschnittswert von 190 % zurück, verglichen mit 302 % im Jahre 1994. 1995 wurden auch die ersten Erholungsanzeichen in der Industrie sichtbar, insbesondere in den Bereichen Energie, Metallurgie und Chemie. Das reale BIP blieb im Jahresverlauf 1995 in etwa stabil, im Durchschnitt war es etwa 4 % niedriger als 1994. Auf der außenwirtschaftlichen Seite vergrößerte sich der Leistungsbilanzüberschuß auf 4,7 % des BIP, nach 3,4 % im Jahre 1994. Die Einführung des Wechselkurskorridors mit dem erklärten Ziel, u. a. die Wechselkurserwartungen zu stabilisieren, wird generell als Erfolg bewertet. Auf dem Gebiet der Strukturpolitik waren die Ergebnisse weiterhin unterschiedlich. Die Umstrukturierung des Bankensektors kam beispielsweise nur langsam voran, und Geschwindigkeit und Ausmaß des Privatisierungsprogramms blieben hinter den Erwartungen zurück. Bei der Landreform hatte es nur geringe Fortschritte gegeben. Im März 1996 genehmigte der Fonds eine Vereinbarung im Rahmen der Erweiterten Fondsfazilität über 6,9 Mrd SZR (siehe den Abschnitt “Unterstützung der Mitgliedsländer durch den Fonds”).

Slowakische Republik

Das Direktorium erörterte im September 1995 im Rahmen der Artikel IV-Konsultation die wirtschaftliche Entwicklung der Slowakischen Republik im letzten Jahr. Die Wirtschaft hatte 1994 mit einem Wachstum von 5 %, einem Leistungsbilanzüberschuß von 6 %, einer Verdoppelung der offiziellen Währungsreserven und der Halbierung der Inflation auf 12 % (siehe Tabelle 37) einen dramatischen Umschwung erlebt. Diese Entwicklungen waren das Ergebnis aus der Kombination eines 20 %igen Exportanstiegs (angetrieben vom Produktivitätswachstum und Fortschritten bei der Umstrukturierung) und einer schwachen Inlandsnachfrage, was auf die beträchtlichen finanzpolitischen Anpassungsmaßnahmen und die straffe Kreditpolitik zurückzuführen war. Das Wachstum setzte sich in der ersten Jahreshälfte von 1995 fort, wobei vorläufige Zahlen auf eine unerwartet kräftige Erholung der Inlandsnachfrage hindeuten, die von den Investitionen und dem privaten Verbrauch getragen wird.

Tabelle 37Slowakische Republik: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktorimnsaitssprache im September 1995 vorliegende Daten, ausschließlieb der Ergebnisse für 1995; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
1995
1992199319941Jan.-JuniErgebnis
Binnenwirtschaft
Reales BIP−7,0−4,14,86,17,5
Arbeitslosenquote (in Prozent der Erwerbspersonen, Durehsehnitt des Zeitraums)11,312,814,614,313,8
Verbraucherpreisindex (CPI; Zwölfmonatsänderung)9,125,011,710,57,2
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob (in Milliarden US-Dollar)6,55,46,74,28,6
Einfuhren, cif (in Milliarden US-Dollar)7,26,426,64,28,5
Leistungsbilanz0,03−0,60,70,30,6
Auslandsdirektinvestitionen (in Milliarden US-Dollar)0,1−0,40,30,10,2
Sonstiger mittel- und langfristiger Kapitalverkehr (in Milliarden US-Dollar)0,30,60,70,10,7
Gesamtbilanz (in Milliarden US-Dollar)−0,50,41,40,61,6
Auslandsschulden (in Milliarden US-Dollar, Ende des Zeitraums)42,83,43,94,5
Schuldendienstbilanz (in Prozent der Ausfuhren insgesamt)3,38,98,712,0
Realer effektiver Wechselkurs (auf Basis des Verbraucherpreisindexes; Durchschnitt)1,10,8−0,31,51,9
Offizielle Währungsreserven (Ende des Zeitraums; in Milliarden US-Dollar)0,80,92,23,13,9
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors (in Prozent des BIP)−12,8−7,62−1,42,00,6
Bruttoersparnis (in Prozent des BIP)23,2318,0522,821,56
Bruttoinlandsinvestitionen (in Prozent des BIP)22,8321,9517,119,56
Breit abgegrenzte Geldmenge (Ende des Zeitraums)4,718,518,42,920,8
Zinssatz (Kredit an den Privatsektor; Durchschnitt)16,114,114,914,614,5

Vorläufig.

Rüstungsgüterimporte im Wen von 170 Mio UNS im Jahre 1993 (im Austausch gegen eine Teilabsehreibung slowakischer Forderungen an Rußland) sind in der Zahlungsbilanz (Einfuhren), nicht aber im Budget erfaßt.

Nach Haushaltsübertragungen (oder Fiskaltransfers) aus der Tschechischen Republik, die auf etwa 7 % des BIP geschätzt werden.

Ausschließlich der umstrittenen Interbank-Verbindlichkeiten gegenüber der Tschechischen Republik.

Rüstungsgüterimporte aus Rußland sind von der externen Ersparnis und dem Defizit aller öffentlichen Haushalte ausgenommen.

Projektion für das ganze Jahr.

Vorläufig.

Rüstungsgüterimporte im Wen von 170 Mio UNS im Jahre 1993 (im Austausch gegen eine Teilabsehreibung slowakischer Forderungen an Rußland) sind in der Zahlungsbilanz (Einfuhren), nicht aber im Budget erfaßt.

Nach Haushaltsübertragungen (oder Fiskaltransfers) aus der Tschechischen Republik, die auf etwa 7 % des BIP geschätzt werden.

Ausschließlich der umstrittenen Interbank-Verbindlichkeiten gegenüber der Tschechischen Republik.

Rüstungsgüterimporte aus Rußland sind von der externen Ersparnis und dem Defizit aller öffentlichen Haushalte ausgenommen.

Projektion für das ganze Jahr.

Das Haushaltsdefizit wurde 1994 um 6 Prozentpunkte auf 1 ½ % des BIP verringert; dies war erheblich niedriger als das Programmziel von 4 % (unter der im Juli 1994 genehmigten Bereitschaftskreditvereinbarung). Die Ausgaben waren geringfügig höher als geplant, aber höhere Einnahmen aus den direkten Steuern als Folge der wider Erwarten günstigen Wirtschaftsentwicklung haben den Abbau des Defizits ermöglicht. Die günstige Entwicklung setzte sich in der ersten Jahreshälfte von 1995 fort, in der der Staatssektor einen nennenswerten Überschuß aufwies, da die Ausgaben durch gezielte Einzelkontrolle unterhalb der im Budget angesetzten Beträge gehalten wurden.

Die breit abgegrenzte Geldmenge stieg 1994 kräftiger als angestrebt war, aber dies stand mit der erhöhten Nachfrage nach Finanzanlagen im Einklang und ging vollständig auf den Anstieg der Nettoauslandsaktiva des Bankensystems zurück. Ab Mitte 1994 unternahm die slowakische Nationalbank Ausgleichsoperationen zur Sterilisierung der großen Devisenzuflüsse, zu denen es im Zusammenhang mit dem kräftigen Anstieg der Exporterlöse gekommen war. Anhaltende Sterilisierungsmaßnahmen und ein Haushaltsüberschuß begrenzten das Wachstum der breit abgegrenzten Geldmenge in der ersten Jahreshälfte von 1995 auf 3 %.

Die Slowakische Republik hatte von den in den vorangegangenen Jahren durchgeführten Strukturreformen profitiert und von der straffen Geld- und Finanzpolitik, die den Unternehmen harte Budgetrestriktionen auferlegt hatte. Allerdings hatten instabile politische Verhältnisse und administrative Hemmnisse während der letzten Jahre die Umsetzung der Strukturreformen verzögert. Die Slowakische Republik hatte die Erfüllungskriterien ihres vorsorglich mit dem IWF vereinbarten Programms Ende 1994 eingehalten, aber die Fortschritte wurden von der zögerlichen Formulierung der strukturpolitischen Maßnahmen und einem unerwarteten Wechsel in der Privatisierungspolitik beeinträchtigt. Im Juni 1995 entschloß sich die Regierung dazu, die zweite Welle des Gutschein-Privatisierungsmodells abzusagen, Privatisierungsanleihen (im Gegenwert von 8 % des BIP) an die Bevölkerung auszugeben und das Staatseigentum an Unternehmen oder die staatliche Kontrolle über Unternehmen in einer großen Zahl von Fällen beizubehalten.

Die Direktoren lobten die slowakischen Behörden dafür, daß es ihnen mittels einer straffen Geldund Finanzpolitik und den früher durchgeführten Strukturreformen gelungen war, einen beeindruckenden wirtschaftlichen Umschwung zu erreichen. Sie stellten allerdings fest, daß die jüngsten Versäumnisse in der Strukturpolitik den Abschluß der ersten Überprüfung der Bereitschaftskreditvereinbarung verzögert hätten, und hofften, daß die Behörden den früheren Schwung in der Reformpolitik wieder zurückgewinnen und dadurch die Aussichten auf eine nachhaltige Erholung von Wachstum und Investitionen verbessern würden.

Die Direktoren bedauerten, daß die Rückschläge bei der Privatisierung die Glaubwürdigkeit des Eintretens der Regierung für die Marktwirtschaft beeinträchtigt und die Attraktivität der Slowakischen Republik für ausländische Investoren verringert hätten. Sie forderten die Behörden mit Nachdruck zur Wiederbelebung des Privatisierungsprozesses auf und unterstrichen dabei die Notwendigkeit, die Budgetrestriktionen zu härten und staatliche Eingriffe in privatisierte Unternehmen zu unterlassen.

Die Direktoren betonten, daß eine straffere Geld- und Finanzpolitik erforderlich sei, um eine Überhitzung der Wirtschaft zu verhindern. In Anbetracht der Risiken, die aus der rasch wachsenden Inlandsnachfrage und den inflationären Wirkungen der Privatisierungsanleihen resultieren, empfahlen sie, für 1995 ein ehrgeizigeres Haushaltsziel vorzusehen, das sich auf Ausgabenkürzungen stützt. Sie merkten auch an, daß die mit künftigen Strukturreformen verbundenen Kosten dem Staatshaushalt in den kommenden Jahren zusätzliche Lasten aufbürden würden.

Die Direktoren merkten an, daß die vorsichtige Politik der National-bank der Schlüssel für die Stabilisierungsfortschritte gewesen sei, und sie begrüßten die jüngste Entscheidung der Behörden, die Kreditpolitik zu verschärfen und nötigenfalls zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen. Sie empfahlen den Behörden, den Übergang zu marktkonformen Instrumenten so bald wie möglich abzuschließen und die Unabhängigkeit sowie den Wirkungsgrad der Nationalbank zu erhöhen. Die Direktoren begrüßten die jüngsten Schritte zur Stärkung der finan- ziellen Lage der Geschäftsbanken.

Die Direktoren lobten die slowakischen Behörden für ihre Absicht, das Devisensystem weiter zu liberalisieren, und zwar mit dem Ziel, volle Konvertibilität der Leistungsbilanztransaktionen zu erreichen und bis zum 1. Januar 1996 den Artikel VIII-Status zu akzeptieren. Sie bedauerten die Entscheidung der Behörden, den Importzuschlag bis Mitte 1996 beizubehalten und verlangten nachdrücklich dessen baldige Abschaffung.

Ukraine

Die Direktoren erörterten im Januar 1996 die Artikel IV-Konsultation mit der Ukraine. Seit der letzten Konsultation variierte die Entschlossenheit der Behörden in ihren Reformanstrengungen. Drei Hauptphasen lassen sich dabei unterscheiden. Gegen Ende 1994 und in der ersten Hälfte von 1995 unternahmen die Behörden nachhaltige Anstrengungen zur Inflationsbekämpfung und zur Reform der Wirtschaft. Im April 1995 verabschiedeten sie einen Haushalt, der die Rolle des Staates in der Wirtschaft verringerte, und reformierten das Steuersystem. Ihnen wurde eine Umschuldung der Auslandsverbindlichkeiten und Zahlungsrückstände gewährt, und sie verpflichteten sich dazu, die umgeschuldeten Verbindlichkeiten pünktlich zu bedienen. Sie unternahmen auch Schritte zur Beschleunigung der Massenprivatisierung und zur Liberalisierung der Außenhandelsregelungen.

Während der folgenden Monate verlangsamte sich das Reformtempo. Im Juli nahm die Regierung verschiedene Formen der finanziellen Unterstützung des Unternehmenssektors wieder auf, u. a. durch direkte Kreditvergaben aus dem Haushalt. Es entstanden neue Zahlungsrückstände gegenüber dem Ausland, und zwar im Zusammenhang mit Gasimporten und Schuldendienstverpflichtungen gegenüber dem Ausland. Außerdem blieben die Strukturreformen hinter den Vorgaben zurück.

Wegen der nachteiligen Auswirkungen dieser wirtschaftspolitischen Versäumnisse, insbesondere auf die Inflation, strafften die Behörden in den letzten Monaten von 1995 die Geldpolitik etwas. Dies trug zur Verringerung des Inflationsdrucks und zur Stabilisierung des Wechselkurses bei. Darüber hinausgehende Korrekturmaßnahmen mit dem Ziel, das Programm wieder auf den vorgesehenen Kurs zu bringen, wurden allerdings aufgeschoben.

Die wirtschaftliche Entwicklung blieb 1995 überwiegend schwach, aber der für das Jahr geschätzte BIPRückgang von 13 % stellte eine erhebliche Verbesserung gegenüber 1994 dar (siehe Tabelle 38). Die geringer als erwartet ausgefallene landwirtschaftliche Produktion trug zum Rückgang des realen BIP bei.

Tabelle 38Ukraine: Konjunkturindikatoren(Bei der Dircktoriumsanssprache im Januar 1996 vorliegende Daten; jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders vermerkt)
19921993199419951
Binnenwirtschaft
Reales BIP−17−17−23−13
Beschäftigung−2,0−2,3−3,8
Verbraucherpreisindex1 2104 735891376
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob (in Milliarden US-Dollar)11,312,811,812,3
Einfuhren, cif (in Milliarden US-Dollar)11,915,314,214,4
Leistungsbilanz (in Millionen US-Dollar)−621−854−1 395−1 380
Direktinvestitionen (in Millionen US-Dollar)17020091120
Kapitalverkehrsbilanz (in Millionen US-Dollar)−2 087−317−238−2 206
Auslandsschuldendienst (in Millionen US-Dollar)161971 7871 531
Schuldendienstquote0,11,212,410,2
Wechselkurs (URK/US-$-Auktionskurs; Ende des Zeitraums)74925 000104 200183 000
Internationale Nettoreserven (in Millionen US-Dollar; Ende des Zeitraums)284−486
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors (in Prozent des BIP)−29,3−11,8−8,2−4,1
Bruttoinvestitionen (reale prozentuale Veränderung)−36,9−10,3−22,7
Breit abgegrenzte Geldmenge (M3)29212 103465105
Gesetzlicher Refinanzierungssatz (in Prozent pro Jahr; Ende des Zeitraums)252105

IWF-Schätzungen.

Fremdwährungseinl.agen, bis Ende September 1994 zu Parallelkursen bewertet. Zu Vergleichszwecken sind die Fremdwährungsbestandteile in den Daten für 1995 zu dem Devisenkurs bewertet, der dem [WF-Programm zugrundeliegt.

IWF-Schätzungen.

Fremdwährungseinl.agen, bis Ende September 1994 zu Parallelkursen bewertet. Zu Vergleichszwecken sind die Fremdwährungsbestandteile in den Daten für 1995 zu dem Devisenkurs bewertet, der dem [WF-Programm zugrundeliegt.

Die Exporte entwickelten sich 1995 sehr lebhaft. Dies gilt insbesondere für die Lieferungen in die Länder außerhalb der ehemaligen Sowjetunion, die wäh-rend der ersten drei Quartale des Jahres auf US-Dollar-Basis gerechnet um schätzungsweise rund 40 % gestiegen sind und den Rückgang im Handel mit den Ländern innerhalb der ehemaligen Sowjetunion mehr als ausgeglichen haben. Diese günstige Entwicklung war auf früher durchgeführte Handelsliberalisierungsmaßnahmen zurückzuführen. Die Importe blieben im wesentlichen unverändert, da der Rückgang bei den Energieimporten den Anstieg bei den übrigen Importen ausglich. Der Wechselkurs war in der ersten Jahreshälfte von 1995, als Kapitalimporte zur Verbesserung der Zahlungsbilanz beigetragen hatten, relativ stabil. Aber als die wirtschaftspolitischen Anstrengungen im Laufe des Sommers nachließen, wertete sich der Karbovanetz ab und stabilisierte sich erst wieder im Zeitraum Oktober-November, als die Nationalbank die Geldpolitik straffte, um das Vertrauen wiederherzustellen. Der reale Wechselkurs wertete sich gegenüber 1995 um ungefähr 60 % auf, aber die außenwirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft stützte sich weiterhin auf die - im Vergleich zu den wichtigsten Wettbewerbern des Landes - auf Dollar-Basis niedrigen Arbeitslöhne.

Der Anstieg der Verbraucherpreise verlangsamte sich in der ersten Jahreshälfte von 1995 erheblich, beschleunigte sich aber wieder im September und Oktober aufgrund der Lockerung der Geldpolitik, der administrierten Preisanhebungen und aus saisonbedingten Gründen. Als die Nationalbank im Oktober ihre Kreditpolitik straffte, trug dies zu einer Umkehr des Inflationstrends bei, und die monatliche Inflation ging im Dezember auf 4,6 % zurück.

Die Direktoren bedauerten, daß die Reformanstrengungen der Ukraine nach einem vielversprechenden Beginn im Rahmen des fondsgestützten Anpassungsprogramms in der zweiten Jahreshälfte von 1995 wieder nachgelassen hatten. Wenngleich anfänglich beeindruckende Ergebnisse erzielt worden waren, wie beispielsweise eine niedrigere Inflation, ein verringertes Haushaltsdefizit sowie ein liberalisiertes Wechselkursund Handelssystem, hatten in der zweiten Jahreshälfte von 1995 Kursabweichungen in wichtigen Politikbereichen der Glaubwürdigkeit der von den Behörden verfolgten Wirtschaftspolitik Schaden zugefügt. Die Direktoren äußerten insbesondere Sorge über die anhaltende Anhäufung von Zahlungsrückständen gegenüber dem Ausland im Zusammenhang mit Schuldendienst- und laufenden Zahlungsverpflichtungen sowie über die Schwächen im Staatshaushalt, den schleppenden Fortgang der systemverändernden Reformen und über die begrenzten Fortschritte bei der Privatisierung und dem Aufbau eines privaten Sektors.

Die Direktoren wurden ermutigt durch die in einigen Bereichen ergriffenen Korrekturmaßnahmen, wie die gegen Jahresende erfolgte Straffung der Geldpolitik. Sie forderten die Behörden mit Nachdruck zu weiteren Anstrengungen auf, um das Anpassungs- und Reformprogramm wiederzubeleben und den Weg für eine Wiederaufnahme der Finanzhilfen seitens des Fonds und der internationalen Gemeinschaft freizumachen. Eine Korrektur der gesamtwirtschaftlichen Ungleichgewichte der Ukraine sei besonders vordringlich, wozu anhaltende Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen erforderlich seien. Die Haushaltsziele der Behörden für 1996 seien auf der Grundlage der derzeitigen Wirtschaftspolitik nicht erreichbar. Sie betonten, daß es notwendig sei, eine zurückhaltende Lohnpolitik zu verfolgen, soziale Hilfen besser auf die Bedürftigen zuzuschneiden und ein kommerzielles System zwischenbetrieblicher Transaktionen im Energiehandel mit dem Ausland einzuführen.

Die Direktoren waren sich darin einig, daß ein flexibles Wechselkursregime beibehalten werden solle, unterstützt von einer zurückhaltenden Geld- und Finanzpolitik, um die Inflation zu begrenzen und die Wettbewerbsfähigkeit zu bewahren. Sie waren über den kräftigen Anstieg der Geldbasis im Dezember 1995 besorgt und forderten die Behörden mit Nachdruck dazu auf, ihre Anstrengungen zur Verringerung des Geldmengen- und Kreditwachstums zu verstärken, indem sie die Anpassungsmaßnahmen im Haushaltsbereich und die Unternehmensreform intensivierten.

Die Direktoren unterstrichen die Notwendigkeit beschleunigter Strukturreformen, wozu eine zügigere Privatisierung der Staatsbetriebe, Unternehmensumstrukturierungen und die Reform des Finanzsektors zählten.

Die Direktoren forderten die Behörden zur Abschaffung aller noch verbliebenen Exportrestriktionen auf. Sie machten darauf aufmerksam, daß es notwendig sei, eine umfassende Energiepolitik zu verfolgen. Sie begrüßten die Absichten der Behörden, den Energiesektor neu zu ordnen und riefen dazu auf, Zahlungsdisziplin sicherzustellen. Auf diese Weise würden kontinuierliche Gaslieferungen aus dem Ausland ohne die Notwendigkeit von Staatsgarantien gewährleistet. Sie forderten die Behörden mit Nachdruck dazu auf, ihre Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Ausland pünktlich zu erfüllen.

Die Direktoren empfahlen den Behörden eine verbesserte Koordinierung auf dem Gebiet der Wirtschaftspolitik und rieten ihnen, bei der Formulierung und Durchführung der Wirtschaftspolitik enger mit dem Fondsstab zusammenzuarbeiten. Eine nachhaltige und in sich schlüssige Umsetzung einer strikten Geld- und Fiskalpolitik und struktureller Reformen seien wesentlich, um die ukrainische Wirtschaft auf dem Weg zu finanzieller Stabilität, der Transformation in eine Marktwirtschaft und anhaltendem Wirtschaftswachstum voranzubringen und bei den Geldgebern, den Gläubigern und Investoren neues Vertrauen zu erlangen.

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