Chapter

Finanzielle aktivitäten und geschäftsgrundsätze des fonds

Author(s):
International Monetary Fund
Published Date:
September 1996
Share
  • ShareShare
Show Summary Details

Die Neukreditzusagen des IWF im Rahmen von Bereitschafts-, Erweiterten und SAF/ESAF-Kreditvereinbarungen stiegen im Geschäftsjahr 1995/96 auf den Rekordstand von 19,7 Mrd SZR. Darin kamen hauptsächlich die Erhöhung des Kreditbetrages unter der Bereitschaftskreditvereinbarung mit Mexiko und die Genehmigung einer Erweiterten Kreditvereinbarung mir Rußland zum Ausdruck. Die Käufe (bzw. Ziehungen) der Mitgliedsländer vom Allgemeinen Konto, zuzüglich SAF und ESAF-Kredite, betrugen 12,3 Mrd SZR - ebenfalls ein Rekord. Die unter sämtlichen Vereinbarungen, einschließlich der SAF und der ESAF, ausstehenden Fondskredite erhöhten sich zum Ende des Geschäftsjahres 1995/96 um 5,2 Mrd SZR auf 42,0 Mrd SZR und überstiegen damit den vor mehr als einem Jahrzehnt aufgestellten Rekord. Im zurückliegenden Geschäftsjahr wurde die Liquiditätslage des IWF von der hohen Nachfrage nach seinen Mitteln beeinflußt, und die Liquiditätsquote verringerte sich beträchtlich. Das Direktorium setzte seine Arbeit an Fragen im Zusammenhang mit IWF-Quoten im Rahmen der Elften Allgemeinen Überprüfung der Quoten fort, und zwar insbesondere im Hinblick auf die Größe und Verteilung einer generellen Quotenerhöhung. Im Mai 1996 verständigten sich die Gruppe der Zehn Industrieländer (Zehnergruppe) und eine Anzahl weiterer Industrieländer, die finanziell fähig sind, das internationale Währungssystem zu unterstützen, auf die Hauptkomponenten neuer Ausleihungsvereinbarungen zur Ergänzung der Ressourcen des Fonds. Das 1995/96 erzielte Nettoeinkommen des IWF in Höhe von 89 Mio SZR wurde den Rücklagen zugeführt; dadurch stiegen diese zum Ende des Geschäftsjahres auf 1,88 Mrd SZR. Der Betrag der überfälligen Verpflichtungen gegenüber dem IWF ging im Berichtsjahr stark - auf 2,2 Mrd SZR – zurück, und die Anzahl der Länder mit Zahlungsrückständen von sechs oder mehr Monaten gegenüber dem Fonds verminderte sich von acht auf sechs. Der Bewertungskorb des SZR wurde ab 1. Januar 1996 geändert. Mit 27,4 Mrd SZR stieg das Volumen der SZR-Übertra-gungen 1995/96 auf Rekordhöhe.

Mitgliedschaft

Im Geschäftsjahr 1995/96 weitete sich die Mitgliedschaft des IWF von 179 auf 181 aus. Das südostasiatische Sultanat Brunei Darussalam wurde am 10. Oktober 1995 Mitglied mit einer Quote von 150 Mio SZR. Am 20. Dezember desselben Jahres stellte das Direktorium fest, daß Bosnien-Herzegowina die Voraussetzungen erfüllt habe, um die Nachfolge der Mitgliedschaft der ehemaligen Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien im IWF anzutreten. Die Quote der Republik Bosnien-Herzegowina im Fonds beläuft sich auf 121,2 Mio SZR. Die Föderative Republik Jugoslawien (Serbien/Montenegro) hat noch nicht alle Vorkehrungen getroffen, die nötig sind, um die Nachfolge der Mitgliedschaft im Fonds anzutreten.

Quoten

Im Geschäftsjahr 1995/96 setzte das Direktorium im Zusammenhang mit der Elften Allgemeinen Quoten-Überprüfung seine Arbeit an den Quoten fort. Im Juli 1995 wurden die Fragen erörtert, die den Anteil der Entwicklungsländer an der Quotensumme des Fonds betreffen. Bei seinen Beratungen gelangte das Direktorium zu den folgenden Hauptschlußfolgerungen: Erstens funktionieren die Quotenformeln im großen und ganzen wie ursprünglich beabsichtigt; zweitens gibt es eine kleine Gruppe von Ländern mit überdurchschnittlich hohen langfristigen Wachstumsraten, die in den Quotenermittlungen wegen der zu Marktkursen vorgenommenen Umrechnung des BIP von nationalen Währungseinheiten in SZR-Gegenwerte nicht voll berücksichtigt sind; und drittens können diese Länder auf Einzelfallbasis behandelt werden. Im August 1995 wurde der Plenarausschuß für die Elfte Allgemeine Überprüfung der Quoten eingerichtet. Der Ausschuß befaßte sich mit den vorläufigen Quotenkal-kulationen; diese beruhen auf den Formeln, die bei der Achten und Neunten Allgemeinen Überprüfung Verwendung fanden, und fußen auf Daten bis Ende 1993. Der Ausschuß bestätigte, daß die Quotenformeln im allgemeinen wie beabsichtigt funktionieren. Angesichts des großen Ausmaßes an Schätzungen, die der Mitarbeiterstab vornehmen mußte, um die Datenbasis für die Ermittlungen zu schaffen, forderte der Ausschuß die Mitgliedsländer auf, vollständige und akkurate Daten zeitgerecht vetfügbar zu machen.

Der Plenarausschuß traf erneut im Dezember 1995 zusammen, um sich mit den technischen Einzelheiten für die Verteilung der Quotenerhöhungen zu befassen. Die meisten Ausschußmitglieder vertraten die Ansicht, daß die Wahl der Methode zur Verteilung des selektiven Elements (d. h. des Teils der Quotenerhöhung, der nicht gleichmäßig proportional verteilt wird) einmal vom Umfang der Quotenerhöhung und zum zweiten vom Umfang der äquiproportionalen Komponente abhängen sollte. Einige Ausschußmitglieder waren der Meinung, daß die erläuterten Methoden, die in Erwägung gezogen wurden, nicht weit genug gehen beim Heraufsetzen der Quotenanteile solcher Länder, deren tatsächliche Quoten erheblich von ihren gemäß den regulären Formeln ermittelten Quoten abweichen. Im Januar 1996 überprüfte der Ausschuß die herkömmlichen quantitativen Faktoren, die den Umfang einer Quotenerhöhung beeinflussen, wie Veränderungen in der Größe der Weltwirtschaft seit der letzten Quotenerhöhung und Projektionen möglicher Nachfrage nach Fondsressourcen in der kommenden Periode. Die Ausschußmitglieder erörterten auch die Angemessenheit der Fondsquoten im Zusammenhang mit der globalisierten Wirtschaft.

Im Februar 1996 traf der Plenarausschuß zusammen, um über Quotenkalkulationen zu befinden, die auf revidierten Daten (bis Ende 1993) fußen, und um Fragen über die jedem Mitgliedsland zugeteilten Grundstimmen abzuhandeln. Der Ausschuß wies daraufhin, daß die modifizierten Daten hauptsächlich die offiziellen Daten der Mitgliedsländer widerspiegeln und daß die vom IWF-Mitarbeiterstab angefertigten Schätzungen auf ein fast unerhebliches Ausmaß reduziert worden sind. Angesichts des beträchtlichen Verlustes der relativen Bedeutung der Grundstimmen innerhalb der Abstimmungsstruktur des IWF hielten viele Ausschußmitglieder es für angebracht, die Anzahl der Grundstimmen für jedes Mitgliedsland zu verändern. Eine Reihe anderer Ausschußmitglieder sahen das Problem der Grundstimmen nicht als hohe Priorität an und glaubten, daß die Situation der Entwicklungsländer mehr durch angemessene Erhöhungen ihrer Quotenanteile geschützt werden sollte. Sie vertraten die Auffassung, daß der Fonds bereits andere Maßnahmen getroffen hat, um angemessene Quotenanteile für die kleinsten Länder zu gewährleisten. Da die Veränderung der Grundstimmen nicht ohne eine

Änderung des Übereinkommens über den IWF erfolgen kann, meinten die Ausschußmitglieder, daß die Überprüfung anderer Aspekte der Quotenüberprüfung wegen dieser Frage nicht langsamer vonstatten gehen sollte und daß man zu der Frage zurückkehren könne, falls weitere Änderungen des IWF-Übereinkommens in Erwägung gezogen würden.

Im März 1996 überprüfte der Ausschuß erneut die Fragen in bezug auf Umfang und Verteilung einer generellen Quotenaufstockung. In diesem Zusammenhang waren viele Ausschußmitglieder der Meinung, der bis Ende 1997 und Anfang 1998 vorhergesagte empfindliche Rückgang im Liquiditätsverhältnis des Fonds unterstreiche die Notwendigkeit einer erheblichen Erhöhung der Fondsquoten und einer Überprüfung der Kreditaufnahmevereinbarungen des Fonds. Obwohl andere Ausschußmitglieder einräumten, es bestehe die Notwendigkeit, die Kreditaufnahmevereinbarungen des Fonds zu überprüfen, betrachteten sie doch die Finanzlage des IWF als weiterhin stark. Der Ausschuß kam überein, daß sich sein Arbeitsprogramm nach wie vor auf den Betrag der Quotenaufstockung und dessen Verteilung auf die einzelnen Mitglieder konzentrieren wird. Der Ausschuß verständigte sich ferner auf die Überprüfung (1) einer Anzahl technischer Fragen im Zusammenhang mit ad hoc-Quotenanpassungen für jene Mitgliedsländer, deren gegenwärtige Quoten erheblich von ihrer jeweiligen relativen Bedeutung in der Weltwirtschaft abweichen, und (2) alternativer Ansätze zur Lösung der Frage jener wenigen Mitgliedsländer mit letzthin verhältnismäßig raschen langfristigen Wachstums raten, aber rückläufigen Anteilen an kalkulierten Quoten.

Liquiditätslage, Zugangspolitik und Kreditaufnahme des IWF

Die Liquiditätslage im Geschäftsjahr 1995/96 wurde von der Rekord nach frage nach Fondsressourcen - im zweiten aufeinanderfolgenden Jahr - beeinflußt; und die Liquiditätsquote verschlechterte sich gegenüber dem Ende 1993/94 erreichten historisch hohen Stand. Im Laufe des Jahres nahmen Rußland und Mexiko im Rahmen ihrer jeweiligen Bereitschaftskreditvereinbarungen hohe Käufe vor, und Rußland erhielt gegen Ende des Jahres unter der Erweiterten Fondsfazilität (EFF) eine erhebliche zusätzliche Kreditzusage.

Die liquiden Mittel des Fonds bestehen aus verwendbaren Währungen und SZR, die auf dem Allgemeinen Konto gehalten werden. Verwendbare Währungen - der größte Bestandteil der liquiden Ressourcen - sind Währungen von Mitgliedsländern, deren Zahlungsbilanz- und Bruttoreservepositionen als hinlänglich stark erachtet werden, um die Einbeziehung ihrer Währungen in das Geschäftsbudget zur Verwendung bei der Finanzierung von Operationen und Transaktionen des Fonds zu rechtfertigen (siehe Kasten 10). Ende April 1996 betrugen die liquiden Ressourcen des Fonds 56,4 Mrd SZR, verglichen mit 61,6 Mrd SZR vor Jahresfrist. Der Hauptgrund fur diesen Rückgang war das hohe Volumen der Käufe im Rahmen von Kreditvereinbarungen.

Kasten 10Das Geschäftsbudget

Gemäß den im IWF-Übereinkommen niedergelegten Prinzipien beschließt das Exekutivdirektorium für das jeweils folgende Quartal ein Geschäftsbudget, in dem die Beträge an SZR und ausgewählten Mitgliederwährungen festgelegt werden, die bei Käufen, Rückkäufen und sonstigen in diesem Zeitraum zu erwartenden finanziellen Operationen und Transaktionen des Fonds eingesetzt werden sollen.

Beurteilung der Außenwirtschafts-positionen der Mitgliedsländer

Ein wichtiger Bestandteil jedes vierteljährlichen Geschäftsbudgets ist die Auswahl jener Mitgliedsländer, deren Außenwirtschaftspositionen stark genug sind, um die Einbeziehung ihrer Währungen zur Verwendung von Übertragungen des Fonds nach außen zu rechtfertigen. Die Währungen solcher Mitglieder werden dann für Käufe durch jene Mitglieder bereitgestellt, die sich in Zahlungsbilanzschwierigkeiten befinden. Wenn der Fonds ein Mitgliedsland zur Einbeziehung in das Geschäftsbudget und den Designie-rungsplan (siche Kasten 12) vorschlägt, so berücksichtigt er dabei neuerliche und in Aussicht stehende Veränderungen in den Bruttowährungsreserven des Mitgliedslandes, Entwicklungen in der Zahlungsbilanz, das Verhältnis von Bruttowährungsreserven des Mitglieds zu seinen Einfuhren und seiner IWF-Quote und Entwicklungen an den Devisenmärkten; neuerliche Veränderungen in den Nettowährungsreserven eines Mitglieds werden ebenfalls in Rechnung gestellt, sofern die notwendigen Daten verfügbar sind. Die Zahlungsbilanzposition und die Bruttoreserve-position eines Landes werden zusammen geprüft, denn die Stärke des einen Faktors schafft möglicherweise einen Ausgleich für die mäßige Schwäche des anderen Faktors. In der Praxis setzt die Einschätzung der zusammengefaßten Zahlungsbilanz- und Reserveposition eines Mitglieds ein bedeutendes Maß an Urteilsvermögen voraus.

Konvertibilität

Die Mitgliedsländer, deren Währungen zum Einsatz bei Übertragungen des IWF vorgeschlagen werden, sind verpflichtet, diese in eine der fünf frei verwendbaren Währungen umzutauschen, falls das IWF-Mittel beanspruchende Mitglied dies verlangt. Im Austausch für die Verwendung ihrer Währungen in Übertragungen erhalten sogenannte “starke Mitglieder” einen Fordemngsanspruch an den Fonds in Form einer Verbesserung ihrer Reservetranebenposition, die sie im Falle eines Zahlungsbilanzbedarfs ohne Begründung dieses Bedarfs beanspruchen dürfen.

Richtlinien über den Einsatz von Währungen

Das Direktorium hat Richtlinien für die Aufteilung der Währungsbeträge festgelegt, die sowohl bei Übertragungen vom Fonds als auch an den Fonds im Rahmen seines Geschäftsbudgers verwendet werden sollen. Nach den gegenwärtigen Richtlinien richtet sich die Verwendung von Währungen auf der Ausgabensvite des Budgets (das sind Währungen, die zur Finanzierung von Fondskrediten benutzt werden) nach dem Anteil der Bestände der Mitgliedsländer an Gold- und Devisenreserven. Die Verwendung der Währung eines Mitglieds in Übertragungen unterliegt allerdings einer Begrenzung, damit die Bestände des Fonds an der betreffenden Währung nicht zwei Drittel der (in Prozent der Quote ausgedrückten) Durchschnittshöhe seiner Bestände an den ins Geschäftsbudget einbezogenen Mitgliederwährungen unterschreiten. Die Richtlinien legen fest, daß Übertragungen von US-Dollar auf der Basis von ad hoc-Vorschlägen vorgenommen werden, mit dem Ziel, die Bestände des Fonds an US-Dollar, soweit möglich und im Verhältnis zu den Quoten, in der Nähe des Durchschnittsniveaus der anderen im Geschäftsbudget einbezogenen Mitgliederwährungen zu halten. Auf der Einnahmenseite (das sind Währungen, die in erster Linie dazu verwendet werden, frühere Kreditvergaben zu bedienen) ist die Aufteilung der Währungen laut Richtlinien im Verhältnis zu den Reservetranchenpositionen der Mitglieder im Fonds zu bestimmen. Das Direktorium überprüft von Zeit zu Zeit die Richtlinien zur Aufteilung von Währungen im Rahmen des Geschäftsbudgets, um zu gewährleisten, daß das Ziel “ausgewogener Positionen” im Fonds im Laufe der Zeit erreicht wird. Bei der letzten, im Februar 1995 beendeten Übeprüfung wurde beschlossen, die gegenwärtigen Richtlinien bis Ende Dezem her 1996 weiterhin anzuwenden.

Zur Beurteilung der Angemessenheit der Liquidi-tätslage des Fonds wird der Bestand verwendbarer Währungen und SZR auf dem Allgemeinen Konto um den Betrag der unter Kreditvereinbarungen zugesagten Mittel reduziert, von denen angenommen wird, daß sie auch abgerufen werden. Danach wird der Bestand verwendbarer Währungen weiter nach unten angepaßt, um zu berücksichtigen, wie der Mitarbeiterstab einerseits die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung angemessener Arbeitsbestände an allen beteiligten Währungen einschätzt und andererseits die Möglichkeit beurteilt, daß die Währungen einiger außenwirtschaftlich relativ schwacher Mitgliedsländer zur Finanzierung von Fondsoperationen und -transaktionen unverwendbar werden könnten. Nach Vornahme dieser Anpassungen summierten sich die um einen Sicherheitsabschlag angepaßten Bestände des Fonds an noch nicht zugesagten verwendbaren Währungen per 30. April 1996 auf 33,5 Mrd SZR, verglichen mit 42,5 Mrd SZR vor Jahresfrist.

Die jederzeit einlösbaren Verpflichtungen des IWF betrugen Ende April 1996 37,3 Mrd SZR und bestanden zur Gänze aus Reservetranchenpositionen, da der Fonds erstmals seit 1973/74 keine ausstehenden Schulden hatte. Demgegenüber hatten derartige Verpflichtungen des IWF vor Jahresfrist 33,7 Mrd SZR betragen. Davon waren 31,7 Mrd SZR Reservetranchenpositionen und 2,0 Mrd SZR ausstehende Schulden des Fonds gewesen. Das Verhältnis der um einen Sicherheitsabschlag angepaßten Bestände an noch nicht zugesagten verwendbaren Währungen des Fonds zu seinen jederzeit einlösbaren Verpflichtungen - das sogenannte Liquiditätsverhältnis - verringerte sich von 126,1 % Ende April 1995 auf 89,8 % Ende April 1996. (Für die Entwicklung der Liquiditätsquote seit dem Kalenderjahr 1982 siehe Schaubild 7.) Die auf Basis der gegenwärtigen Geschäftsgrundsätze des IWF über den Zugang zu seinen Mitteln und dessen Begrenzung vorgenommenen Projektionen deuten daraufhin, daß die Nachfrage nach Fondsmitteln in den nächsten Jahren verhältnismäßig hoch bleiben wird. Aus diesem Grund dürfte sich der Rückgang der Liquiditätsquote weiter fortsetzen, wenn auch mit einem langsameren Tempo als in den vergangenen zwei Jahren. In Anbetracht der absehbaren Entwicklung der Liquiditätslage des Fonds forderte der Interimsausschuß das Direktorium im April 1996 auf, seine Arbeit an den Quotenfragen fortzusetzen und möglichst bald zu einem Resultat zu gelangen.

Schaubild 7Die Liquiditätsquote des Fonds, 1982-96

(in Prozent, Ende Dezember)

Der IWF hat gegenwärtig keine aufgenommenen Beträge ausstehen, da er bis Ende März 1996 seine restlichen ausstehenden Schulden beglichen hatte. Falls zusätzliche Mittel benötigt werden, um eine Beeinträchtigung des internationalen Währungssystems zu verhüten oder zu beheben, ist der Fonds jedoch zur Kreditaufnahme im Rahmen der Allgemeinen Kreditvereinbarungen (AKV) bis zu 17 Mrd SZR und im Rahmen einer den AKV assoziierten Kredirvereinbarung mit der Saudiarabischen Währungsbehorde (Saudi Arabian Monetary Agency) in Höhe von 1,5 Mrd SZR befugt. Die Verdoppelung der dem Fonds gegenwärtig im Rahmen der AKV zur Verfügung stehenden Ressourcen, die derzeit von der Zehnergruppe und anderen Industrieländern, die finanziell in der Lage sind, das internationale Finanzsystem zu unterstützen, erwogen wird, wäre ein Mittel zur Stärkung des IWF und zur Ergänzung einer Quotenerhöhung.

Bei ihrer Tagung in Paris am 23. Mai 1996 einigten sich die Vertreter der Zehnergruppe und eine Anzahl anderer Industrieländer, die finanziell in der Lage sind, das internationale Währungssystem zu unterstützen, sowohl auf die allgemeinen Prinzipien als auch auf die wichtigsten substantiellen Punkte für neue Vereinbarungen zur Erhöhung der dem IWF zur Bewältigung internationaler Finanzkrisen zur Verfügung stehenden Ressourcen. Diese neuen Vereinbarungen, mit denen sich die dem Fonds gegenwärtig im Rahmen der AKV zur Verfügung stehenden Ressourcen verdoppeln werden, werden die erste und wichtigste Quelle für vom Fonds benötigte ergänzende Kreditmittel sein. Die bisherigen AKV bleiben bestehen; jedoch können unter beiden Vereinbarungen zusammen jeweils höchstens 34 Mrd SZR gezogen werden. Ein Hauptkriterium für die Höhe der Kreditzusagen der einzelnen Länder wäre deren relative Wirtschaftskraft, gemessen an ihren tatsächlichen Quoten im Fonds. Die I ander werden gleichberechtigte Partner sein, mit Rechten und Verantwortlichkeiten, die jeweils mit ihren Verpflichtungen in Einklang stehen müssen. Es ist beabsichtigt, bis zur Jahrestagung 1996 die neuen Kreditvereinbarungen in allen Einzelheiten auszuarbeiten und eine endgültige Einigung darüber zu erzielen.

Anläßlich der Überprüfung der Geschäftsgrundsätze des IWF über den Zugang zu seinen Ressourcen und dessen Begrenzung im Jahre 1994 beschloß das Direktorium, für einen Dreijahreszeitraum die jährliche Höchstgrenze für den Zugang zu den allgemeinen Mitteln des Fonds unter Kredittranchen und Erweiterten Kredivereinbarungen von 68 % der Quote auf 100 % der Quote anzuheben, vorbehaltlich regelmäßiger jährlicher Prüfungen. Im Oktober 1995 überprüfte das Direktorium erneut die Geschäftsgruncisätze über den Zugang zu seinen Ressourcen und dessen Begrenzung und beschloß, die jährliche Höchstgrenze für den Zugang zu Fondsmitteln unter Kredittranchen und Erweiterten Kreditvereinbarungen bei 100 % der Quote und die kumulative Höchstgrenze bei 300 % der Quote zu belassen. Bei den jährlichen Prüfungen werden alle sachdienlichen Faktoren berücksichtigt, darunter die Größenordnung der Zahlungsprobleme von Mitgliedsländern und die Entwicklung der Liquiditätslage des Fonds. Diese maximalen Ziehungsgrenzen dürfen - nach einer Ermessensentscheidung des Direktoriums - unter außergewöhnlichen Umständen überschritten werden.

Inanspruchnahme der Fondsressourcen durch Mitgliedsländer und deren ausstehende Kredite

Im Geschäftsjahr 1995/96 betrugen die Währungs-käufe der Mitgliedsländer vom Allgemeinen Konto - ohne Käufe in der Reservetranche13 - 10,8 Mrd SZR und waren damit nur geringfügig höher als 1994/95 (10,6 Mrd SZR). Die Währungs kaufe mitsamt SAF-und ESAF-Krediten bezifferten sich auf 12,3 Mrd SZR, das höchste Kreditvolumen, das der IWF je in einem Geschäftsjahr bereitgestellt hat (siehe Tabelle 39; auch Anhang II, Tabelle 7). Von der Gesamtsumme entfielen 1995/96 8,4 Mrd SZR auf Käufe unter Bereitschaftskreditvereinbarungen (gegenüber 7,6 Mrd SZR 1994/95), 1,6 Mrd SZR auf Käufe unter Erweiterten Kreditvereinbarungen (1,6 Mrd SZR 1994/95), 0,7 Mrd SZR auf zwei Direktkäufe und 0,1 Mrd SZR auf Käufe unter der Svslcmtransibrmationsläzililät (1,1 Mrd SZR 1994/95), Ferner stellte der Fonds im Rahmen der Fazilität zur kompensierenden Finanzierung Mittel in Höhe von 9 Mio SZR (0,3 Mrd SZR im Vorjahr) bereit.

Tabelle 39.Indikatoren der Finanzlage des IWF(in Millionen SZR)
Für das am 30. April: abgelautene Geschäftsjahr
19891990199119921993199419951996
Während des jeweiligen Zeitaums
Summe der Auszahlungen2 6825 2666 8235 9035 8775 90311 17812 303
Käufe (Allgemeines Konto) nach Fazilitäten12 1284 4406 2485 2945 2845 24110 59210 826
Bereitschaftskredite und erste Kredittranche1 7021 18319752 3432 9401 0527 5879 127
Erweiterte Fondsfaziliäi1882 4492 1461 5712 2547461 5951 554
Fazilität zur Kompensierung von Exporterlösauslällen und unerwarteten externen Störungen2388082 1271 381907182879
Systemtranstformationsfazilität2 7251 123136
Kredite im Rahmen von5548265756085936625871 477
SAF/ESAF-Vcreinbatungen
Mittel des Kontos für Sondenerwcndungen380584180138496819185
Mittel des ESAF-Treuhandfonds1742423954705445945681 292
Nach Gebieten2 6825 2676 8235 9035 8775 90311 17812 303
Afrika7011 2895777403771 1851 0222 324
Asien4695251 7141 4761 806690383367
Europa3382681 9601 5161 3433 2582 8965 046
Nahost66333261176129
Westiche Hemisphäre1 1743 1192 5721 8382 3257586 8014 437
Rückkäufe und Rückzahlungen6 7056 3995 6084 7704 1174 5094 2317 100
Rückkäufe6 2586 0425 4404 7684 0814 3433 9846 698
Rückzahlungen von Treuhandfondsund SAF/ESAF-Kreditcn447357168236166247402
Zum Ende des jeweiligen Zeitraums
Summe der ausstehenden Fondskredite25 52024 38825 60326 73628 49629 88936 83742 040
davon:
Allgemeines Konto23 70022 09822 90623 43224 63525 53332 14036 268
Konto für Sonderverwendungen9651 5491 7291 8651 8791 83516511 545
Verwaltete Konten
Treuhandfonds68232615815815810510295
ESAF-Treuhandfonds21744168111 2811 82424162 9444 132
Veränderung aller ausstehenden Kredite−14−454751912
Anzahl der verschuldeten ländcr8387818290939997

Ausgenommen Käufe in der Reservetranche.

Schließt assoziierte Kredite des Saudiarabischen Entwicklungsfonds ein.

Ausgenommen Käufe in der Reservetranche.

Schließt assoziierte Kredite des Saudiarabischen Entwicklungsfonds ein.

Am stärksten wurden die Fondsmittel 1995/96 von Rußland beansprucht. Dieses Mitgliedsland zog insgesamt 3,8 Mrd SZR (etwa 100 % seiner Quote) in monatlichen Raten, zunächst unter einer Bereitschafts-kreditvereinbarung und später unter einer Erweiterten Kredirvereinbarung (siche Anhang II, Tabelle 8). Mexiko rief weiterhin Beträge unter seiner Bereir-schaftskreditvereinbarung ab, und zwar insgesamt 3,5 Mrd SZR in drei Raten. Umfangreiche Käufe erfolgten ferner durch Argentinien (0,8 Mrd SZR), Sambia (0,7 Mrd SZR in einem Direktkauf im Anschluß an die Begleichung seiner Zahlungsrückstände gegenüber dem Fonds und vor Auszahlung eines Kredites unter der ESAF - siehe unter “Überfällige finanzielle Verpflichtungen”), Ukraine (0,5 Mrd SZR) und Algerien (0,4 Mrd SZR). Nach Regionen aufgeschlüsselt ergeben sich die folgenden Kaufbeträge: für die Länder der ehemaligen Sowjetunion und für Mittel- und Osteuropa -5,0 Mrd SZR, für Lateinamerika - 4,4 Mrd SZR, für Afrika - 1,1 Mrd SZR, für Asien - 0,2 Mrd SZR und für den Nahen Osten - 0,1 Mrd SZR.

Währungsrückkäufe über das Allgemeine Konto beliefen sich 1995/96 auf insgesamt 6,7 Mrd SZR, verglichen mit 4,0 Mrd SZR im vorangegangenen Geschäftsjahr (siehe Anhang II, Tabelle 9). Das tatsächliche Volumen der Rückkäufe im Jahre 1995/96 war höher als das planmäßig vorgesehene Volumen von 4,4 Mrd SZR; ursächlich dafür waren freiwillig vor Fälligkeit zurückgezahlte Kredite durch Chile (142 Mio SZR), Polen (640 Mio SZR) und Ungarn (392 Mio SZR) sowie Rückkäufe hinsichtlich überfälliger Beträge durch Sambia (542 Mio SZR) und Bosnien-Herzegowina (18 Mio SZR). Sambias unverzüglicher Rückkauf hinsichtlich seines Direktkaufes im Betrag von 652 Mio SZR trug ebenfalls zu einem höheren Gesamtvolumen der Rückkäufe im Berichtsjahr bei. Die planmäßigen Rückkäufe werden in der absehbaren Zukunft generell zunehmen, und zwar infolge der letzthin gestiegenen Inanspruchnahme der Fondsressourcen und auch wegen des Umlaufcharakters und der mittelfristigen Fällig-keitsstruktur der Zahlungsbilanzhilfe des IWF (siche Schaubild 8).

Schaubild 8Allgemeine Mittel: Währungskäufe und Währungsrückkäufe, jeweils am 30. April abgelaufene Geschäftsjahre, 1982-96

(in Milliarden SZR)

1 Ohne Währungskäufe in der Reservetranche

Werden sowohl Käufe als auch Rückkäufe in Rechnung gestellt, so läßt das Allgemeine Konto 1995/96 eine Zunahme der ausstehenden Fondskredite um 4,2 Mrd SZR erkennen, und zwar von 32,1 Mrd SZR am 30. April 1995 auf 36,3 Mrd SZR am 30. April 1996 (für Einzelheiten siehe Anhang II, Tabelle 10). Unter Einschluß aller Nettoauszahlungen unter der SAF und der ESAF (siehe weiter unten) stiegen die gegenüber dem Fonds im Rahmen aller Fazilitäten ausstehenden Kredite 1995/96 um 5,2 Mrd SZR - von 36,8 Mrd SZR am 30. April 1995 auf 42 Mrd SZR am 30. April 1996 (siehe Schaubild 9). In Anbetracht der vorhergesagten starken Nachfrage nach den allgemeinen IWF-Mitteln und den Ressourcen des ESAF-Treuhandfonds ist zu erwarten, daß die Summe der ausstehenden Fondskredite in der unmittelbaren Zukunft weiter zunimmt.

Bereitschafts- und Erweiterte Kreditvereinbarungen

Im Geschäftsjahr 1995/96 wurden im Rahmen von Bereitschaftskreditvereinbarungen Neuzusagen in Höhe von 9,6 Mrd SZR gebilligt, darunter Zusagen unter neuen Kreditvereinbarungen für 19 Länder und Heraufsetzung der Zugangsgrenzen unter bestehenden Kreditvereinbarungen für zwei weitere Länder (siehe Anhang II, Tabelle 1). Erwähnenswert bei diesen Zusagen ist die Erhöhung des Kreditbeträges unter der Bereitschaftskreditvereinbaung mit Mexiko. Diese Kreditvereinbarung über insgesamt 12,1 Mrd SZR - gebilligt im Februar 1995 für einen Kaufbetrag von zunächst 5,3 Mrd SZR (300 % der Quote) - wurde nach einer Überprüfung Ende Juni 1995 um 6,8 Mrd SZR (388 % der Quote) aufgestockt. Fünf weiteren lateinamerikanischen Ländern (Argentinien, Costa Rica, El Salvador, Panama und Uruguay) wurden im Berichtsjahr insgesamt 1 Mrd SZR im Rahmen von Bereitschaftskre-ditvereinbarungen zugesagt. Der Zugang unter der Kreditvereinbarung mit Panama wurde in der Folge zur Durchführung von Operationen der Schulden- und Schuldendienstreduzierung erhöht. Acht Bereitschaftskrectitvereinbarungen in Hlöhe von insgesamt 1,0 Mrd SZR wurden für Länder der ehemaligen Sowjetunion sowie Mittel- und Osteuropas (Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien, Kasachstan, die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Ungarn und Usbekistan) gebilligt. Die Kreditvereinbarungen mit Armenien und Georgien wurden später vorzeitig beendet und durch ESAF-Vereinbarungen ersetzt. Überdies genehmigte das Direktorium unter einer bereits bestehenden Bereitschaftskreditvereinbarung mit Rumänien einen um 0,2 Mrd SZR erhöhten Zugang. Drei Bereitschaftskreditvereinbarungen über insgesamt 0,6 Mrd SZR wurden für asiatische und Nahost-Länder gebilligt (für Jemen, Pakistan - nach vorzeitiger Beendigung seiner EFF/ESAF-Vereinbarung -und Papua-Neuguinea) und drei weitere Vereinbarungen über insgesamt 0,1 Mrd SZR für afrikanische Länder (Dschibuti, Kamerun und Lesotho). Zum 30. April 1996 unterhielten 21 Länder Bereitschaftskreditvereinbarungen mit dem Fonds, wobei die Gesamtzusagen 15,0 Mrd SZR und die unbeanspruchten Beträge 5,5 Mrd SZR ausmachten (siehe Anhang II, Tabelle 2 und 3).

Schaubild 9Von Mitgliedern insgesamt ausstehende Fondskredite (einschließlich Treuhandfonds, SAF und ESAF), jeweils am 30. April abgelaufene Geschäftsjahre, 1982-96

(in Milliarden SZR, Ende des Zeitraums)

Vier Erweiterte Kreditvereinbarungen über insgesamt 8,4 Mrd SZR wurden 1995/96 für Algerien, Gabun, Jordanien und Rußland genehmigt. Die Vereinbarung für Rußland in Höhe von 6,9 Mrd SZR (160 % der russischen Quote), die gegen Ende März 1996 gebilligt wurde, ist die umfangreichste Erweiterte Kreditvereinbarung seit Bestehen des IWF. Zum 30. April 1996 unterhielten sieben Länder Erweiterte Kreditvereinbarungen mit dem IWF, wobei die Gesamtzusagen 9,4 Mrd SZR und die unbeanspruchten Beträge 8,6 Mrd SZR ausmachten (siehe Anhang II, Tabelle 4).

Die Neuzusagen des Fonds unter Bereitschafts- und Erweiterten Kreditvereinbarungen zusammengenommen stiegen im Verlauf des Geschäftsjahres 1995/96 auf 18 Mrd SZR und übertrafen damit noch erheblich das Volumen der 1982/83 auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise zugesagten Beträge von 14,1 Mrd SZR. Ursächlich für diese Rekordhöhe des Zusagevolumens waren in erster Linie die Aufstockung des Kreditbetrages unter Mexikos Bereitschaftskreditvereinbarung und die Erweiterte Kreditvereinbarung für Rußland, die sich zusammengefaßt auf 13,7 Mrd SZR summierten. Anderen Ländern wurden Kredite in Höhe von 4,3 Mrd SZR zugesagt, ein beträchtlicher Anteil davon für Transformationsländer. Darin spiegeln sich die Fortschritte wider, die diese Länder bei der Ausarbeitung solcher Wirtschafts- und Strukturreformprogramme gemacht haben, die im Rahmen einer Bereitschafts- oder Erweiterten Kreditvereinbarung unterstützt werden können.

Sonderfazilitäten

Die Sonderfazilitäten des Währungsfonds bestehen aus der Fazilität zur Kompensierung von Exporterlös ausfällen und unerwarteten externen Störungen (CCFF) und der seit 1983 unbeanspruchten Fazilität zur Finanzierung von Rohstoffausgleichslagern (BSFF). Die Systemtransformationsfazilität (STF) lief Ende Dezember 1995 aus.

Nur ein Land, Ruanda, beanspruchte 1995/96 die CCFF, mit einer Ziehung von 9 Mio SZR, gegenüber Ziehungen in Höhe von insgesamt 0,3 Mrd SZR 1994/95. Seit Einrichtung der STF im April 1993 bis zu ihrer Auflösung Ende 1995 zogen 20 Mitgliedsländer insgesamt 4 Mrd SZR auf diese Fazilität, darunter 17 Länder, die Beträge in jeweils zwei Raten abriefen. 1995/96 betrugen die Währungskäufe unter der STF insgesamt 136 Mio SZR, verglichen mit 2,7 Mrd SZR 1994/95. Vorgenommen wurden diese Käufe von vier Ländern der ehemaligen Sowjetunion (Armenien, Aserbaidschan, Georgien und Usbekistan) und einem mitteleuropäischen Land (der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien).

SAF und ESAF

Während des Geschäftsjahres 1995/96 stellte der Fonds Mitgliedsländern mit niedrigem Pro-Kopf-Einkommen nach wie vor über die SAF und die ESAF Finanzhilfen zu Vorzugsbedingungen zur Verfügung. Zum 30. April 1996 waren eine SAF-Vereinbarung und 28 ESAF-Vereinbarungen in Kraft. Eine Ein-jahresvereinbarung unter der SAF über 0,2 Mrd SZR wurde 1995/96 für Sambia in Verbindung mit einer Dreijahresvereinbarung im Rahmen der ESAF über 0,7 Mrd SZR genehmigt, nachdem dieses Land sein Programm zur Ansammlung von Rights erfolgreich abgeschlossen und seine Zahlungsrückstände gegenüber dem IWF beglichen hatte. Sieben weitere neue ESAF-Vereinbarungen über insgesamt 0,7 Mrd SZR wurden 1995/96 für Armenien, Georgien, Ghana, Kenia, Malawi, Mali und Tschad genehmigt, zusammen mit erhöhtem Zugang unter bereits bestehenden ESAF-Vereinbarungen mit Burkina Faso, der Kirgisischen Republik und Sierra Leone. Die Kreditzusagen im Rahmen aller bewilligten SAF- und ESAF-Vereinbarungen, ausschließlich det im Rahmen ausgelaufener und vorzeitig beendeter Vereinbarungen unbeanspruchten Beträge, kumulierten sich zum 30. April 1996 auf 8 Mrd SZR, verglichen mit 6,9 Mrd SZR ein Jahr zuvor (siehe Anhang II, Tabelle 5 und 6). Die Auszahlungen unter der SAF und der ESAF summierten sich 1995/96 auf 1,5 Mrd SZR, verglichen mit 0,6 Mrd SZR 1994/95. Dadurch stiegen die kumulativen Auszahlungen bis zum 30. April 1996 auf 6,5 Mrd SZR.

Finanziert wird die ESAF hauptsächlich durch Beitragsleistungen der Mitgliedsländer in Form von Darlehen und verlorenen Zuschüssen zum ESAF-Treu-handfonds, der vom IWF verwaltet wird, sowie von Ressourcen der SAF auf dem Konto für Sonderverwen dungen (SDA - Special Disbursement Account). SAF-Ressourcen wurden in Verbindung mit Darlehen aus dem ESAF-Treuhandfonds bis Februar 1994 bereitgestellt. Zu dem Zeitpunkt beschloß das Direktorium, keine Zusagen von SAF-Mitteln nuter der ESAF mehr zu bewilligen. Im Dezember 1995 waren alle für SAF-Vereinbarungen verfügbaren Ressourcen vollständig vergeben. Per 30. April 1996 betrugen die für SAF-und ESAF-Vereinbarungen vom Konto für Sonderverwendungen ausgezahlten Mittel insgesamt 2,2 Mrd SZR.

Die von einem breiten Querschnitt der IWF-Mitgliedschaft unterstützte Verlängerung und Aufstockung des ESAF-Treuhandfonds wurden am 23. Februar 1994 wirksam. Durch die Aufstockung des Treuhandfonds soll dessen Kreditvergabekapazität auf ungefähr das Doppelte (10,1 Mrd SZR) steigen. Seit Inkrafttreten der Aufstockung hat das Direktorium Vereinbarungen über Kreditaufnahmen in Höhe von 4,6 Mrd SZR mit elf Ländern, darunter drei Entwicklungsländern, und mit dem OPEC-Fonds für Internationale Entwicklung genehmigt. Eine dieser Kreditaufnahmevereinbarungen, über 0,2 Mrd SZR, harrt noch der parlamentarischen Zustimmung. Zum 30. April 1996 betrugen die von Kreditgebern für den ESAF-Treuhandfonds gegebenen Gesamtzusagen, die im Rahmen von Vereinbarungen mit dem IWF vom Direktorium gebilligt worden waren, 9,7 Mrd SZR, und zum Erreichen des Kreditzielbetrages von 10,1 Mrd SZR fehlten noch 449 Mio SZR an zusätzlichen Kreditzusagen.

Die Zusagefrist für Kredite des ESAF-Treuhandfonds an anspruchsberechtigte Mitglieder endet am 31. Dezember 1996, wobei Auszahlungen bis Ende 1999 erfolgen können. Wie bereits weiter oben erörtert (siehe “Unterstützung der Mitgliedsländer durch den Fonds”), hat sich das Direktorium bereits ausführlich mit Vorschlägen für die Weiterführung von ESAF-Operationen und für die weitere Finanzierung und Anpassung der ESAF befaßt.

Beiträge zum Subventionskonto sorgen dafür, daß Kredite des ESAF-Treuhandfonds zu einem äußerst konzessionären Zinssatz (gegenwärtig 0,5 % pro Jahr) bereitgestellt werden können. Im Rahmen der Vereinbarungen zur Aufstockung des ESAF-Treuhandfonds haben sich 43 Mitgliedsländer bereit erklärt, Beiträge zum Subventionskonto in Form von verlorenen Zuschüssen und Depositengeldern oder Anlagen zu konzessionären Zinssätzen zu leisten. Bei etwa der Hälfte der Beitragletistenden handelt es sich um Entwicklungsländer, die fast 20 % der gesamten Beiträge aufbringen. Bezüglich der meisten Beiträge sind alle damit verbundenen Modalitäten abgeschlossen, und Zahlungen gehen dementsprechend beim ESAF-Treuhandfonds ein. Hinsichtlich einiger anderer Beiträge werden die Zahlungen anlaufen, sobald die diesbezüglichen Beratungen der betreffenden Länderparlamente abgeschlossen sind. Der Wert der bilateralen Subventionsleistungen für die Aufstockung wird auf insgesamt etwa 1,4 Mrd SZR veranschlagt; dadurch erhöht sich die Gesamtsumme der bilateralen Subventionsbeiträge, die für die Aufstockung und bereits davor zugesagt wurden, auf 3,8 Mrd SZR. Zusätzlich zu diesen bilateralen Beiträgen übertrug das Direktorium Anfang des Jahres 1994 0,4 Mrd SZR vom Konto für Sonderverwendungen auf das Subventionskonto zum ESAF-Treuhandfonds. Der Wert dieser Beitragsleistung des IWF kommt nach Einschluß der darauf anfallenden Zinsen auf etwa 0,6 Mrd SZR.

Die auf dem Subventionskonto verfügbaren Gelder, abzüglich der bereits gezahlten Subventionen, stiegen von 1 330 Mio SZR am 30. April 1995 auf 1 425 Mio SZR am 30. April 1996. Der ESAF-Treuhandfonds zahlte seinen Gläubigern 1995/96 Zinsen in Höhe von 126 Mio SZR; 17 Mio SZR davon wurden durch Zinszahlungen seitens der Schuldner des Treuhand-fonds finanziert und die restlichen 109 Mio SZR aus den Mitteln des Subventionskontos.

Nähere Ausführungen über SAF- und ESAF-Vereinbarungen sowie über Kreditaufnahmevereinbarungen und Subventionsleistungen zugunsten des ESAF-Fonds finden sich in Anhang II, Tabelle 5, 6 und 11.

Ertragslage des Fonds, Gebühren und Lastenteilung

Zu Beginn eines Geschäftsjahres setzt der IWF den Gebührensatz für die Verwendung seiner Ressourcen jeweils als einen Anteil des wöchentlichen SZR-Zinssatzes fest, um somit einen Nettoeinkommenszielbetrag für das Geschäftsjahr zu erreichen, der der Aufstockung der Rücklagen dient. Mit diesem Verfahren soll gewährleistet werden, daß das laufende Einkommen des Fonds seinen laufenden Ausgaben, die großenteils vom SZR-Zinssatz abhängen, genauer entspricht und somit die Notwendigkeit von ad hoc-Veränderun-gen des Gebührensatzes zum Erreichen des Nettoziel-einkommens möglichst vermieden wird.

Für 1995/96 wurde der Anteil des Gebührensatzes am SZR-Zinssatz auf 102,5 % festgesetzt, um ein Net-tozieleinkommen zu erreichen, das 5 % der Rücklagen zu Beginn des Geschäftsjahres entspricht. Das den Zielbetrag übersteigende Einkommen soll dazu verwendet werden, den Gebührensatz für das Berichtsjahr rückwirkend zu senken. Nach Rückerstattung der den Netto-einkommenszielbetrag übersteigenden Summe von 12 Mio SZR an die Mitgliedsländer, die während des Geschäftsjahres Gebühren gezahlt hatten, wurde der Anteil des Gebührensatzes am SZR-Zinssatz für 1995/96 auf 101,7 % reduziert. Der durchschnittliche Gebührensatz für die Verwendung der Fondsmittel betrug 1995/96 - vor Anpassungen im Rahmen der weiter unten erörterten Lastenteilungsmechanismen - 4,31% (siehe Anhang II, Tabelle 14).

Der Fonds zahlt einem Mitglied Vergütung auf den Betrag, um den seine Vergütungsnorm die Bestände des Fonds an seiner Währung übertrifft, mit Ausnahme der Bestände, die der Inanspruchnahme von Fondskrediten durch das Mitglied entsprechen. Die Norm wird für jedes Mitglied ermittelt als die Summe von 75 % seiner Quote am 1. April 1978 zuzüglich aller seither vom Mitglied gebilligten und eingezahlten Quotenaufstockungen. Für Mitglieder, die dem IWF nach dem 1. April 1978 beigetreten sind, ist die Norm gleich der Summe aus einem Prozentsatz der Quote, der dem gewogenen Mittel der Normen aller bestehenden Mitglieder gegenüber der Quote am Tag der Aufnahme entspricht, zuzüglich aller seither vom Mitglied gebilligten und eingezahlten Quotenaufstockungen. Der Vergütungssatz wird - vor Anpassungen im Rahmen der weiter unten erörterten Lastenteilungsmechanismen - auf 100 % des SZR-Zinssatzes festgelegt; dieser betrug 1995/96 durchschnittlich 4,25 %.

Die verschiedenen Maßnahmen, die in den letzten Jahren unternommen wurden, um die Finanzlage des Fonds gegen die Folgen überfälliger Verpflichtungen abzusichern, wurden 1995/96 fortgesetzt. Erstens führt der IWF jedes Jahr seinen Rücklagen einen jeweils von ihm festgelegten Einkommenszielbetrag zu. Zweitens werden die durch die überfälligen Verpflichtungen entstehenden Finanzlasten von Schuldnern und Gläubigern unter den Fondsmitgliedern gemeinsam getragen: Für die eine Hälfte der Verzugskosten fälliger, aber nicht gezahlter Gebühren und der Beträge, die dem Sonderkonto 1 für Eventualfälle (SCA-1 - Special Contingent Account) in Höhe von 5 % der Rücklagen zu Beginn des Geschäftsjahres zugeführt werden, kommen jene Mitgliedsländer auf, die Gebühren für die Verwendung der Fondsmittel entrichten. Die andere Hälfte wird von Mitgliedern bezahlt, die durch Anpassungen des Gebühren- und des Vergütungssatzes Vergütungen vom Fonds beziehen. Allerdings dürfen die Anpassungen des Vergütungssatzes diesen nicht unter 85 % des SZR-Zinssatzes sinken lassen. Diese Verfahren der Lastenteilung hat das Direktorium bis zum Ende des Geschäftsjahres 1996/97 verlängert.

Im Zuge der verstärkten kooperativen Strategie zur Lösung des Problems langzeitig überfälliger Verpflichtungen erfolgen weitere Anpassungen des Gebühren-und des Vergütungssatzes - die sogenannte erweiterte Lastenteilung. Dabei ist für den Vergütungssatz die im IWF-Übereinkommen festgelegte Untergrenze von 80 % des SZR-Zinssatzes zu beachten. Die dadurch aufgebrachten Mittel werden auf dem Sonderkonto 2 für Eventualfälle (SCA-2) hinterlegt und dienen dem Zweck, den Fonds gegen Risiken abzusichern, die mit der Gewährung von Krediten durch das Allgemeine Konto zur Einlösung von Rights verbunden sind, welche unter Rights-Ansammlungsprogrammen erworben wurden. Ferner gewährleisten diese Mittel, daß zur Finanzierung solcher Einlösungen zusätzliche Liquidi-tät vorhanden ist. Die Verfahren der erweiterten Lastenteilung wurden im Juli 1990 eingeführt und bleiben so lange in Kraft, bis der Zielbetrag von 1 Mrd SZR auf dem SCA-2 erreicht ist. Die Anpassung des Vergütungssatzes wird so festgelegt, daß dadurch das Dreifache des durch die Anpassung des Gebührensatzes aufgebrachten Betrages an Ressourcen geschaffen wird, vorbehaltlich der oben erwähnten für den Vergütungssatz geltenden Untergrenze.

Wenn fällige, aber nicht gezahlte Gebühren beglichen werden, erhalten jene Mitglieder, die im Rahmen der Lastenteilung höhere Gebühren gezahlt oder eine geringere Vergütung bezogen haben, eine Rückerstattung in entsprechender Höhe. 1995/96 wurden überfällige Gebühren in Höhe von 333 Mio SZR abgegolten. Dementsprechend stiegen die kumulativen Rückerstattungen Ende April 1996 auf 959 Mio SZR. Die Guthaben auf dem SCA-1 - per 30. April 1996 waren es 692 Mio SZR - werden an die Beitragsleistenden zurückgezahlt, wenn keine übertfälligen Verpflichtungen mehr bestehen oder zu einem vom Fonds zu bestimmenden früheren Zeitpunkt. Die Guthaben auf dem SCA-2 - per 30. April 1996 waren es 942 Mio SZR - werden an jene Mitglieder, die zusätzliche Gebühren gezahlt oder eine geringere Vergütung bezogen haben, dann verteilt, wenn hinsichtlich aller ausstehenden Käufe, die mit der Einlösung von Rights zusammenhängen, Rückkäufe erfolgt sind oder zu einem vom Fonds zu bestimmenden früheren Zeitpunkt.

Für 1995/96 wurden der für die Rücklagen bestimmte Nettoeinkommenszielbetrag und die auf das SCA-1 zu übertragende Summe auf jeweils 89 Mio SZR festgesetzt. Nichtgezahlte Gebühren - fällig von Mitgliedern mit langwierigen Zahlungsrückständen -und Beiträge zum SCA-1 verursachten Anpassungen des grundlegenden Gebührensatzes um 24 Basispunkte und des Vergütungssatzes um 28 Basispunkte. Anpassungen im Rahmen der erweiterten Lastenteilung bewirkten eine weitere Erhöhung des Gebührensatzes um 4 Basispunkte und eine weitere Absenkung des Vergütungssatzes um 57 Basispunkte auf 80 % des durchschnittlichen SZR-Zinssatzes. Minderbeträge bei den Zuweisungen zum SCA-2, die dann entstehen, wenn die Untergrenze des Vergütungssatzes von 80 % erreicht ist, kumulierten sich Ende April 1996 auf 14 Mio SZR. Dieser Fehlbetrag wird wieder ausgeglichen, wenn der angepaßte Vergütungssatz nicht länger an diese Untergrenze stößt. Für 1995/96 betrug der angepaßte Gebührensatz für die Verwendung von Fondsressourcen im Schnitt 4,59 % und der angepaßte Vergütungssatz 3,40 %.

Unter Berücksichtigung einer rückwirkenden Absenkung der Gebühren um 12 Mio SZR entsprach das Nettoeinkommen des IWF für 1995/96 dem Nettozielbetrag von 89 Mio SZR. Diese Summe wurde den Rücklagen zugeführt, die Ende April 1996 auf 1,88 Mrd SZR stiegen, gegenüber 1,79 Mrd SZR vor Jahresfrist. Das Direktorium bestimmte für 1996/97 ein Nettoeinkommensziel von 94 Mio SZR und setzte das Verhältnis des Gebührensatzes für denselben Zeitraum auf 109,4 % des SZR-Zinssatzes fest.

Ende April 1996 verfügte der Fonds über Vorsorgebestände (d. h. Rücklagen und Salden der beiden Sonderkonten für Eventualfälle) in Höhe von 3,5 Mrd SZR. Diese Summe entsprach 9,7 % der gesamten ausstehenden Fondskredite. Die Vorsorgebestände -gewöhnlich sind sie zur Abschirmung der finanziellen Lage des Fonds gegen die Folgen überfälliger Währungsrückkäufe im Rahmen des Allgemeinen Kontos (Rücklagen zuzüglich Saldo des SCA-1) verfügbar -bezifferten sich auf 2,6 Mrd SZR und entsprachen damit 236 % der ausstehenden Kredite von Mitgliedsländern, die gegenüber dem Fonds sechs oder mehr Monate in Zahlungrückstand sind (1,1 Mrd SZR). (Für eine Erörterung der IWF-Goldbestände siehe Kasten 11.)

Die erforderliche Höhe und die Angemessenheit der Vorsorgebestände des Fonds wurden im April 1996 im Direktorium erörtert. Bei der Urteilsbildung über hinlängliche Vorsorgeguthaben und eine angemessene Rate für deren Ansammlung lassen sich die Direktoren von zwei allgemeinen Prinzipien leiten. Erstens sollten Vorsorgebestände hoch genug sein, um die ausstehenden Kredite von Mitgliedsländern mit langwierigen Rückständen gegenüber dem IWF voll abzudecken; und zweitens solltebei Vorsorge be ständen auch das potentielle Risiko mit einkalkuliert werden, das selbst bei Krediten gegeben ist, die seitens jener Mitgliedsländer ausstehen, die gegenwärtig ihren Verpflichtungen zeitgerecht nachkommen. Nach Berücksichtigung der Zunahme der ausstehenden Kredite und qualitativer Faktoren, wie beispielsweise der von Mitgliedsländern bei Anpassungsanstrengungen bewiesenen Energie und Ausdauer und der Fortschritte, die von ihnen bei der Erlangung einer auf mittlere Sicht tragfähigen Zahlungsbilanz gemacht wurden, kamen die Direktoren überein, sowohl den Einkommenszielbetrag für 1996/97 als auch die Summe der Beitragsleistungen zum SCA-1 auf 5 % der Rücklagen zu Beginn des Geschäftsjahres festzulegen.

Überfällige finanzielle Verpflichtungen

Das Volumen der ausstehenden überfälligen Verpflichtungen gegenüber dem Fonds verringerte sich von 3 Mrd SZR am 30. April 1995 auf 2,2 Mrd SZR am 30. April 1996. Diese erhebliche Abnahme war großenteils das Ergebnis der Beseitigung von Zahlungsrückständen im Dezember 1995, einmal durch Sambia (830 Mio SZR) und zum anderen durch Bosnien-Herzegowina (25 Mio SZR).

Im Geschäftsjahr 1995/96 traten keine neuen Fälle langwieriger Zahlungsrückstände gegenüber dem Fonds auf, und die Anzahl der Länder mit Zahlungsrückständen von sechs oder mehr Monaten gegenüber dem Fonds verringerte sich von acht auf sechs. Von den sechs Mitgliedsländern mit langwierigen Zahlungsrückständen per 30. April 1996 waren alle mit ihren Zahlungen beim Allgemeinen Konto in Verzug; vier hatten Rückstände bei der SZR-Abteilung, drei beim Treuhandfonds und zwei waren mit ihren Zahlungen für SAF-Kredite im Rückstand. Ausgewählte Daten über Rückstände gegenüber dem Fonds sind in Tabelle 40 wiedergegeben, und weitere Angaben zu den überfälligen finanziellen Verpflichtungen der Mitgliedsländer nach Art und Dauer enthält Tabelle 41.

Tabelle 40Zahlungsrückstände Von Sechs Oder Mehr Monaten Gegenüber dem Fonds Seitens der Länder(in Millionen SZR; Ende des Zeitraums)
Für das am 30. April abgelaufene Geschäftsjahr
199119921993199419951996
Höhe der überfälligen Verpflichtungen3 377,73 496,03 006,42 911,32 982,62 174,9
Anzahl der Länder91012986
davon:
Allgemeine Abteilung3 171,73 274,12 768,32 729,52 809,12 001,6
Anzahl der Länder91012986
SZR-Abteilung27,337,549,951,446,353,1
Anzahl der Länder679854
Treuhandfonds178,7184,3188,3130,4127,2120,2
Anzahl der Länder666443
Anzahl der nicht länger ziehungsberechrigten Mitglieder887554
Tabelle 41Zahlungsrückstände Von Sechs Oder Mehr Monaten Gegenüber dem Fonds Seitens der Länder, Nach Art und Dauer, Stand Vom 30. April 1996(in Millionen SZR)
Nach ArtNach Dauer
InsgesamtAIIgem. Abt. (inkl. SAF)SZR Abt.Treuhand-fondsWeniger als ein Jahr1-2 Jahre2-3 Jahre3 Jahre oder länger
Irak25,20,125,13,04,93,813,5
Jugoslawien, Föderative Rep. (Serbien/Montenegro)72,062,19,98,914,323,825,0
Liberia433,6389,413,530,711,111,913,3397,3
Somalia181,3169,04,67,77,28,110,2155,8
Sudan1 183,31 101,581,829,230,335,31 088,5
Zaire279,6279,629,550,967,3131,9
Insgesamt2 174,92 001,653,1120,288,9120,4153,71 812,0

Kasten 11Die Goldbestände des IWF

Per 30. April 1996 hielt der IWF etwa 103,4 Mio Feinunzen Gold an vier Aufbewahrungsorten. In den Jahresabschlüssen des IWF sind sie - auf der Basis von 35 SZR je Feinunze - zu 3,6 Mrd SZR bewertet.1 Eine Ausnahme bildet ein kleinerer Goldbestand, der 1992 als Teilbegleichung überfälliger finanzieller Verpflichtungen eines Mit-gliedslandes erworben und zu dem damals vorherrschenden Marktpreis bewertet wurde. Diese Goldbestände sind dem Fonds nach den Goldauktionen zur Finanzierung des Treuhandfonds - einer konzessionären Fazilität für anspruchsberechtigte Niedrigeinkommensländer - und der Rückerstattung von Gold an Mitgliedsländer im Zeitraum 1976-80 verblieben.

Nach der Zweiten Ãnderung des Übereinkommens über den Internationalen Währungsfonds (bzw. des IWF-Übereinkommens) im April 1978 wurde die monetäre Rolle von Gold aus dem Übereinkommen entfernt. Die Zweite Änderung bewirkte u. a. die folgenden Veränderungen: Abschaffung von Gold als Grundlage für die Bewertung des SZR, Abschaffung des offiziellen Goldpreises (0,888671 Gramm Feingold je SZR), Aufgabe der Preisgrenzen, innerhalb derer Mitgliedsländer Gold handeln konnten, Beendigung der Restriktionen im Goldhandel zwischen Mitgliedsländern, Verpflichtung des Fonds, sich von dem Ziel leiten zu lassen, das Preismanagement oder die Einrichtung eines Festpreises am Goldmarkt zu unterlassen. Ferner beseitigte die Zweite Änderung die obligatorische Verwendung von Gold zur Leisung von Zahlungen vom oder an den IWF und ließ es nicht länger zu, daß Mitgliedsländer

Gold als Währungsbindung benutzten. Jegliche Verwendung von Gold als Zahlungsmittel muß sowohl für den IWF als auch für das Gold benutzende Mitgliedsland akzeptabel sein. Der IWF kann Gold nur dann zur Erfüllung von Verpflichtungen entgegennehmen, wenn Mitgliedsländer, die 85 % der Gesamtsummen im Fonds auf sich vereinigen, dies genehmigen.

Gold wird zwar in der Bilanz und den Jahresabschlüssen als Aktivum ausgewiesen, es wird aber nicht für Operationen und Transaktionen des IWF verwendet. Jegliehe Verfügung über den verbleibenden Goldbestand des Fonds bedarf der Zustimmung einer 85%igen Mehrheit der gesamten Stimmen im Fonds. Der IWF kann Gold verkaufen, darf aber Gold nicht in Transaktionen wie beispielsweise Kredit-, Pacht- oder Swap-Geschäften benutzen. Auch darf er Gold nicht als Sicherheit verwenden. Sogar nach dem Verkauf von Gold unterliegt die Verwendung der Erlöse genauen Bestimmungen des IWF-Übereinkommens.

Im Jahre 1995 überprüfte das Exekutivdirektorium die Rolle des Goldes im Fonds; Es gelangte zu dem Schluß, daß bei der Verwendung von Gold der überragenden Notwendigkeit, die finanzielle Grundlage des IWF zu erhalten und gegebenenfalls zu stärken, Rechnung getragen werden müsse. In dieser Hinsicht herrschte allgemein Einigkeit, daß sich der IWF bei seiner Geschäftspolitik bezüglich Gold von den folgenden Prinzipien leiten lassen sollte:

  • Als ein vom Fonds gehaltenes unterbewertetes Aktivum trägt Gold zur grundlegenden Stärke der Bilanz des IWF bei. Daher sollte jedwede Mobilisierung von IWF-Gold eine Schwächung der finanziellen Gesamtlage des Fonds vermeiden.
  • Die Goldbestände des IWF bieten dem Fonds operationellen Spielraum sowohl in Bezug auf seine Geschäftsgrundsätze über die Verwendung seiner Ressourcen als auch dadurch, daß die Höhe der Vorsorgebestände des IWF an Glaubhaftigkeit gewinnt. In beiderlei Hinsicht werden die Vorteile der Goldbestände des Fonds an die allgemeine Mitgliedschaft - Gläubiger wie Schuldner - weitergereicht.
  • Der Fonds sollte auch in Zukunft einen verhältnismäßig großen Goldbetrag unter seinen Aktiva halten, und zwar nicht nur aus Gründen der Vorsorge, sondern auch, um für unvorhergesehene Eventualfälle gerüstet zu sein.
  • Als zweitgrößter offizieller Inhaber von Gold in der Welt - mit rund 10 % der gesamten offiziellen Goldbestände seiner Mitgliedsländer - trägt der Fonds auch systemische Verantwortung. Der IWF muß größtmögliche Vorsicht walten lassen, damit er keine Störungen verursacht, die für sämtliche Inhaber und Erzeuger von Gold, wie auch das Funktionieren der Goldmärkte, abträgliche Folgen hätten.
  • Die Bedeutung, die der Ansicht beigemessen wird, daß der Verkauf von Gold die Finanzlage des Fonds nicht schwächen, sondern nach Möglichkeit stärken sollte, bedeutet in der Praxis, daß die Kapitalgewinne aus Goldverkäufen einbehalten werden und lediglich die Erträge aus der Investition dieser Gewinne für ein vereinbartes laufendes Geschäft verwendet werden sollten.

Im Zusammenhang mit Erörterungen der Modalitäten zur Finanzierung einer sich selbst tragenden ESAF prüften die Direktoren im Laufe des Jahres 1995/96 die Möglichkeit, einen bescheidenen Betrag des IWF-Goldes zu verwenden. Es bestand allgemein Übereinstimmung darüber, daß eine jegliche solche Mobilisierung die oben ausgeführten Prinzipien widerspiegeln solle. Gleichwohl konnte die für den Verkauf von Gold benötigte 85 %ige Stimmenmehrheit bislang nicht erreicht werden.

1 Auf der Grundlage des am 30. April 1996 vorherrschenden Marktpreises würden die IWF-Bestände mit 40,3 Mrd US-S (27,8 Mrd SZR) bewertet.

In Einklang mit der Erklärung gemäß Artikel XXVI Abschnitt 2 Buchstabe a blieb der Entzug der Berechtigung zur Inanspruchnahme der allgemeinen Mittel des Fonds per 30. April 1996 gegenüber vier Mitgliedsländern bestehen. Diese sind Liberia, Somalia, der Sudan und Zaire. Zu dem vorstehenden Zeitpunkt waren diese vier Länder für 96 % aller überfälligen finanziellen Verpflichtungen gegenüber dem Fonds verantwortlich. Ferner blieben Bekanntgaben über die mangelnde Kooperationsbereitschaft von drei Ländern -Liberia vom 30. März 1990, dem Sudan vom 14. September 1990 und Zaire vom 14. Februar 1992 - weiterhin in Kraft.

Fortschritte im Rahmen der verstärkten kooperativen Strategie

Die verstärkte kooperative Strategie zur Bewältigung des Problems überfälliger finanzieller Verpflichtun gen gegenüber dem Fonds wurde Anfang 1990 formuliert und im Mai desselben Jahres vom Interims-ausschuß gebilligt. Um den Fondsmitgliedern in Zahlungsverzug bei der Suche nach Lösungen für dieses Problem zu helfen und um das Entstehen neuer Zahlungsrückstände zu verhindern, wurden im Laufe des Geschäftsjahres 1995/96 weiterhin die drei Hauptwerkzeuge dieser Strategie - Vorbeugung, engere Zusammenarbeit und Gegenmaßnahmen - benutzt.

Vorbeugungsmaßnahmen

Maßnahmen, mit denen verhindert werden soll, daß neue Fälle von Zahlungsrückständen entstehen oder daß bestehende Rückstände langwierig werden, bleiben weiterhin der entscheidende erste Grundzug bei der die Rückstände betreffenden Strategie des Fonds. Diese Maßnahmen umfassen vier Bestandteile: die jeweils mit der Inanspruchnahme von Fondsressourcen verbundenen Auflagen; die Beurteilung der mittelfristigen Tragfähigkeit der Zahlungsbilanz eines Landes, das Fondsmittel beansprucht, und dessen Rückzahlungstahigkeit; Zusammenarbeit mit Geldgebern und anderen offiziellen Gläubigern, um zu gewährleisten, daß vom IWF unterstützte Anpassungsprogramme angemessen finanziert sind; und technische Hilfe bei der Formulierung und Durchführung angemessener Anpassungsprogramme. Im zurückliegenden Geschäftsjahr haben zwei Entwicklungen dem IWF noch bessere Möglichkeiten für die Beurteilung der Rückzahlungsfähigkeit eines Mitgliedslandes und das Aufspüren potentieller Probleme während der Rückzahlungsperiode an die Hand gegeben - die Einführung von Schuldendurchhaltbarkeits-Analysen, die die Mitarbeiterstäbe von IWF und Weltbank gemeinsam für die hochverschuldeten armen Länder angefertigt haben, und die Verstärkung der Überwachungsfunktion.

Im Verlauf des Geschäftsjahres haben die Stabsangehörigen von IWF und Weltbank ihre Zusammenarbeit bei der Analyse der Aussichten für Schuldendurchhalt-barkeit der hochversehuldeten armen Länder intensiviert. Es wurden umfassendere Analysen der gesamten Auslandsverschuldungslage dieser Länder und ihrer mittelfristigen Schuldendurchhaltbarkeit unternommen, und zwar auch im Zusammenhang mit der Arbeit an fondsgestützten Programmen, wirtschaftspolitischen Rahmendokumenten, Konsultationen nach Artikel IV und den verschiedenen Strategien der Weltbank zur Unterstützung einzelner dieser Länder. Die Früchte dieser Anstrengungen sind u. a. daran zu erkennen, daß die Frage der Schuldentilgungsfähigkeit dieser Länder starker in den Mittelpunkt gerückt ist und die Institutionen sich darum bemühen sicherzustellen, daß Umfang und Bedingungen neuer Kredite mit dieser Fähigkeit vereinbar sind.

Während der Nachwirkungen der mexikanischen Krise gegen Ende 1994 und Anfang 1995 wurde vereinbart, die Überwachungspraktiken des IWF zu stärken, um seine Möglichkeiten zu verbessern, jeglichen aufkommenden finanziellen Spannungen frühzeitig auf die Spur zu kommen. Zu den Bemühungen, die Überwachungsfunktion des IWF zu stärken, zählen Verbesserungen in der Verfügbarkeit und Qualität von Wirtschaftsdaten und die Einführung eines kontinuierlicheren Überwachungsprozesses, gerade auch für Länder, in denen der IWF ein großes finanzielles Risiko eingegangen ist.

Vertiefte Zusammenarbeit und Rights-Ansatz

Der IWF arbeitete 1995/96 nach wie vor eng mit zahlungsrückständigen Ländern zusammen in dem Bemühen, das Problem ihrer überfälligen finanziellen Verpflichtungen gegenüber der Institution zu lösen. Die vertiefte Zusammenarbeit wurde als ein Hilfsmittel zur Koordinierung der diesbezüglichen Anstrengungen bestimmt. Sie bietet Mitgliedsländern in Zahlungsverzug einen Rahmen, innerhalb dessen sie sich über Zeit in bezug auf Programmdurchführung und Zahlungsverhalten bewähren, Ressourcen von internationalen Gläubigern und Geldgebern mobilisieren und ihre Beziehungen zum IWF normalisieren können, wozu auch die Ablösung ihrer überfälligen finanziellen Verpflichtungen gehört. Die Wirtschaftspolitik eines Landes kann im Zusammenhang mit einem Rights- Ansammlungsprogramm oder mit einem vom IWF oder dessen Mitarbeiterstab laufend überwachten Programm formuliert werden.

Der Rights- Ansatz steht nur jenen elf Ländern offen, die Ende 1989 langwierige Rückstände gegenüber dem IWF hatten. Um sich dieses Ansatzes zu bedienen, müssen diese Länder bis zu einem bestimmten Termin ein mittelfristiges Programm zur Ansammlung von Rights annehmen. Dieser Termin wurde bis ins Jahr 1997 hinein verlängert. Ein Rights- Ansammlungsprogramm - in vieler Hinsicht gleicht es einem normalen fondsgestützten wirtschaftlichen Stabilisierungs- und strukturellen Reformprogramm - gibt einem Land mit hartnäckigen Rückständen gegenüber dem Fonds die Möglichkeit, Rights, d. h. Rechte auf künftige Ziehungen auf den Fonds, anzusammeln bzw. zu erwerben. Dieser Erwerb erfolgt stufenweise nach einem entsprechenden Zeitplan und bis zu einer Summe, die den zu Beginn des Programms ausstehenden überfälligen Verpflichtungen entspricht. Auszahlungen erfolgen jedoch erst nach Begleichung der überfälligen Verpflichtungen und vorbehaltlich des erfolgreichen Abschlusses des betreffenden Rights-Ansammlungs-programms und der Billigung einer oder mehrerer Anschlußkreditvereinbarungen durch den Fonds.

Fünf der ursprünglich für den Rights- Ansatz in Frage kommenden Länder - Guyana, Honduras, Kambodscha, Panama und Vietnam - haben ihre Rückstände gegenüber dem Fonds inzwischen beseitigt, ohne sich des Rights- Ansatzes zu bedienen. Drei weitere ansprnchsberechtigte Mitglieder, nämlich Peru, Sambia und Sierra Leone, haben Rights- Ansammlungsprogramme durchgeführt. Alle drei Länder haben diese Programme erfolgreich beendet, ihre Rückstände gegenüber dem Fonds abgelöst (Peru im März 1993, Sambia erst kürzlich, im Dezember 1995, und Sierra Leone im März 1994) und seither ihre Zahlungen an den Fonds fristgerecht erbracht.

Die Ablösung von Sambias Zahlungsrückständen -die umfangreichste seit Beginn der Ansammlungsprogramme - erfolgte am 6. Dezember 1995 mit Hilfe von Überbrückungskrediten seitens mehrerer Mitgliedsländer. Nach Ablösung der Rückstände und der Sambia wieder zuerkannten Berechtigung, Fondsmittel zu beanspruchen, genehmigte das Direktorium An-schlußkreditvereinbarungen unter der SAF und ESAF in Höhe von insgesamt 883 Mio SZR, wovon 833 Mio SZR sofort ausgezahlt wurden. Drei weiteren Ländern mit langwierigen Rückständen Ende 1989 - Liberia, Somalia und dem Sudan - steht der Rights- Ansatz weiterhin offen, obwohl die erhofften Fortschritte bis heute durch eine Reihe von Faktoren behindert worden sind.

Am 20. Dezember 1995 beglich Bosnien-Herzegowina mit Hilfe eines Überbrückungskredits von einem anderen Mitgliedsland seine Zahlungsrückstände gegenüber dem Fonds (25 Mio SZR) und trat die Rechtsnachfolge als Mitglied im Fonds an. Am selben Tag bewilligte das Direktorium eine Ziehung in Höhe von 30 Mio SZR (25 % der Quote) im Rahmen der Fondspolitik der Notfallhilfe für Länder nach Beendigung schwerer Konflikte, um das Wirtschaftsprogramm dieses Landes für 1996 zu unterstützen. Die Ablösung der Rückstände seitens Bosnien-Herzegowinas war Teil einer intensiven multilateralen Zusammenarbeit zur Normalisierung der Beziehungen dieses Landes mit der internationalen Gemeinschaft und zur Schaffung des Fundamentes für Wiederaufbau und Entwicklung seiner Wirtschaft.

Gegenmaßnahmen

Die Komponenten Vorbeugung und Zusammenarbeit innerhalb der Zahlungsrückstandsstrategie werden durch Gegenmaßnahmen ergänzt, um die Ressourcen des Fonds vor der weiteren Inanspruchnahme durch zahlungsrückständige Länder zu schützen und eine konzertierte Anstrengung zur Lösung der Schwierigkeiten von Mitgliedsländern in Zahlungsverzug in Gang zu setzen. Dabei handelt es sich um eine Reihe ganz bestimmter Schritte, die im Einklang mit einem vom Direktorium Anfang 1990 vereinbarten Zeitplan unternommen werden. Der Zeitplan steckt einen Rahmen für die Prüfung verschiedener Maßnahmen durch das Direktorium ab. Diese Maßnahmen werden dann ergriffen, wenn das Direktorium den Eindruck gewinnt, daß das betreffende Mitglied nicht zur Lösung seiner Probleme überfälliger Verpflichtungen mit dem Fonds zusammenarbeitet, wobei die besonderen Umstände des einzelnen Mitgliedslandes mit berücksichtigt werden.

Gemäß dem Zeitplan der Gegenmaßnahmen wurden, als die Zahlungsrückstände 1995/96 die Einmonatsmarke erreicht hatten, dem Direktorium drei Fälle gemeldet. In einem dieser Fälle wurden, nachdem das betreffende Mitgliedsland mehr als sechs Wochen im Rückstand gewesen war, bestimmte Gouverneure des Fonds nach Beratung mit dem Direktorium über den Tatbestand unterrichtet. In einem anderen Fall wurde die Versendung einer solchen Mitteilung diskutiert; als das Mitgliedsland dann aber Vorkehrungen zur Ablösung seiner Rückstände traf, wurde von einer Benachrichtigung der Gouverneure Abstand genommen. In zwei der drei Fälle wurden die Rückstände noch vor Einlegen einer Beschwerde beim Direktorium abgelöst. Im dritten Fall wurden dem Direktorium am 27. Februar 1996 ein Bericht und eine Beschwerde nach Regel S-1 (d. h. in bezug auf Rückstände gegenüber der SZR-Abteilung) zugestellt.

Nach dem Zeitplan der Gegenmaßnahmen sind die Stimmrechte zweier Länder im IWF einstweilen ausgesetzt worden: betroffen sind der Sudan (ab 9. August 1993) und Zaire (ab 2. Juni 1994). Im Falle von Zaire überprüfte das Direktorium diesen Beschluß 1995/96 bei zwei Gelegenheiten. Am 1. März 1996, als die neueste Überprüfung stattfand, hatte das Land erhöhte Zahlungen vorgenommen und für 1996 ein Wirtschaftsprogramm ausgearbeitet, das vom IWF-Mitarbeiterstab informell überwacht wurde; das Direktorium entschied daher, die Erörterung einer Einleitung des Verfahrens über den Ausschluß aus dem Fonds nochmals aufzuschieben, und zwar bis zur nächsten Überprüfung, die planmäßig binnen sechs Monaten stattfindet.

Der Ausschluß aus dem IWF ist die letzte und härteste Sanktion unter dem Zeitplan der Gegenmaßnahmen. Im Falle des Sudans, der die größten und langwierigsten Zahlungsrückstände aufweist, wurde das Verfahren über den Ausschluß mit Einlegung einer Beschwerde durch den Geschäftsführenden Direktor am 8. April 1994 eingeleitet. Das Direktorium befaßte sich 1995/96 bei drei Gelegenheiten mit dieser Beschwerde. Bei seiner neuesten Überprüfung am 13. Februar 1996 vermerkte das Direktorium, daß der Sudan dem IWF gegenüber hinsichtlich seiner Wirtschaftspolitik und auch mit Bezug auf erhöhte Zahlungen Verpflichtungen eingegangen sei. Die Direktoriumsmitglieder ermunterten das Land, seine Anpassungsan-strengungen durch Inangriffnahme eines umfassenden Programms finanzieller und struktureller Maßnahmen zu verstärken. Sollte der Sudan bis zum 2. August 1996 seine Zusammenarbeit mit dem Fonds nicht verbessert haben, so ist laut Direktorium zu erwarten, daß es dem Gouverneursrat empfiehlt, den Sudan aus dem Fonds auszuschließen.

SZR-Transaktionen und -Operationen

Das SZR ist ein internationales Reservemedium, das der IWF gemäß der Ersten Änderung seines Übereinkommens zur Ergänzung seiner bestehenden Reserveaktiva geschaffen hat. Die erste SZR-Zuteilung fand im Januar 1970 statt; seither wurden insgesamt 21,4 Mrd SZR zugeteilt. Sie werden zwar zum überwiegenden Teil von Fondsmitgliedern (die zur Zeit allesamt Teilnehmer der SZR-Abteilung sind) gehalten; gleichwohl besitzen auch das Allgemeine Konto des Fonds und offizielle, vom Fonds als Inhaber von SZR zugelassene amtliche Stellen SZR. Zugelassenen Inhabern werden - im Gegensatz zu den Mitgliedern - keine SZR zugeteilt, sie können jedoch SZR in Transaktionen und Operationen mit Teilnehmern der SZR-Abteilung sowie mit sonstigen zugelassenen Inhabern zu den gleichen Bedingungen wie Teilnehmer erwerben und verwenden. Die Anzahl der vom Fonds zugelassenen Inhaber von SZR blieb im Geschäftsjahr 1995/96 unverändert bei fünfzehn14. Infolge eines Ersuchens des Interimsausschusses vom April 1995 hat der IWF -unter Einschluß externer Sachverständiger - mit einer breit angelegten Untersuchung der Rolle und der Funktionen des SZR im Lichte der im Weltfinanzsystem eingetretenen Veränderungen begonnen (siehe den Abschnitt “Gegenwärtige und künftige Rolle des SZR”).

Das SZR ist die Rechnungseinheit für Transaktionen und Operationen des Fonds. Daneben dient es einer Anzahl anderer internationaler und regionaler Organisationen und bindender internationaler Übereinkommen als Rechnungseinheit (bzw. als Grundlage einer Rechnungseinheit). Überdies ist das SZR in sehr begrenztem Umfang als Maßeinheit für außerhalb des Fonds vom Privatsektor geschaffene Finanzinstrumente verwendet worden (private SZR). Am Ende des Geschäftsjahres 1995/96 waren die Währungen von drei Mitgliedsländern an das SZR gebunden.

SZR: Bewertung und Zinskorb

Wert und Verzinsung des SZR werden seit dem 1. Januar 1981 anhand eines einheitlichen Währungskorbes von fünf Währungen ermittelt. Die Bewertung des SZR wurde vom Direktorium im September 1995 überprüft, und der Bewertungs- bzw. SZR-Korb wurde ab 1. Januar 1996 modifiziert. Die in den Korb mit einbezogenen Währungen - das sind jene der fünf Mitgliedsländer des Fonds, die in dem ein Jahr vor dem Änderungsdatum ablaufenden Fünfjahreszeitraum die wertmäßig höchsten Ausfuhren an Gütern und Dienstleistungen aufgewiesen haben - blieben unverändert. Jedoch wurden die Anfangsgewichte für diese Währungen geändert, und zwar entsprechend den zwischen den Zeiträumen 1985-89 und 1990-94 in der relativen Bedeutung dieser Währungen im internationalen Handel und bei den internationalen Währungsreserven eingetretenen Änderungen. Dabei diente als Maßstab der Wert der Exporte von Gütern und Diensten der Emissionsländer und der Wert der Bestände an diesen Währungen, die von anderen Fondsmitgliedern als Reserven gehalten wurden. Die Währungsgewichte wurden dergestalt in Währungsbeträge umgerechnet, daß sichergestellt wurde, daß der Wert des SZR am 29. Dezember 1995 (dem letzten Geschäftstag des Jahres 1995) gemäß dem revidierten Korb und gemäß früheren Körben gleich hoch war. Die Anfangsgewichte und die entsprechenden Beträge jeder der fünf Währungen im derzeitigen Korb und den früheren Bewertungskörben werden in Tabelle 42 wiedergegeben. Der abgeänderte SZR-Korb bleibt bis zum 31. Dezember 2000 in Kraft.

Tabelle 42Veränderungen Im SZR-BEWF. Rtungskorb(prozenntnle Anspanflsßewichtc; Beträßc der Währintjpemhätm)
Währung1. Januar 19961. Januar 1991
US- Dollar39 (0,582)40 (0,572)
Deutsche Mark21 (0,446)21 (0,453)
Japanischer Yen18 (27,2)17 (31,8)
Französischer franc11 (0,813)11 (0,800)
Pfund Srerling11 (0,105)11 (0,0812)

Seit dem 1. August 1983 wird der SZR-Zinssatz wöchentlich als ein gewogener Durchschnitt der Zinssätze bestimmter kurzfristiger Schuldtitel an den inländischen Geldmärkten der fünf Länder ermittelt, deren Währungen den SZR-Bewertungskorb bilden. Im September 1995 überprüfte das Direktorium auch die im SZR-Zinskorb enthaltenen Finanzinstrumente und beschloß, diese nicht zu ändern. Die Zinssätze und Instrumente sind die Marktrendite für Dreimonats-US-Schatzwechsel, der Zinssatz für Dreimonats-Interbankgelder in der Bundesrepublik Deutschland, der Zinssatz für Einlagenzertifikate (CDs) mit dreimonatiger Laufzeit in Japan, der Zinssatz für Dreimonats-Schatz-wechsel in Frankreich und die Marktrendite für britische Dreimonats-Schatzwechsel.

SZR-Übertragungen

Der Gesamtbetrag an SZR-Transfers erreichte 1995/96 mit 27,4 Mrd SZR Rekordhöhe und übertraf damit den zuvor (im vorangegangenen Geschäftsjahr) erzielten Höchststand von 20,3 Mrd SZR. Ursächlich dafür war eine äußerst starke Zunahme der Verwendung von SZR durch Mitgliedsländer zur Abgeltung ihrer finanziellen Verpflichtungen gegenüber dem IWF im Verbund mit einer erheblichen Zunahme der Übertragungen zwischen Teilnehmern und zugelassenen Inhabern und sehr hohe Transfers vom Allgemeinen Konto an Teilnehmer. Eine zusammenfassende Darstellung der Übertragungen von SZR durch Teilnehmer, das Allgemeine Konto und zugelassene Inhaber ist in Tabelle 43 wiedergegeben (siehe Anhang II, Tabelle 12).

Tabelle 43Übertragungen Von SZR(in Millionen SZR)
Jahresdurchschnitt1Am 30. April abgelaufenes Geschäftsjahr1.1.70-30.4.96
1.1.70-30.4.781.5.78-30.4.811.5.81-30.4.831.5,83-30.4.871.5.87-30.4.93199419951996
Übertragungen zwischen Teilnehmern und zugelassenen Inhabern
Transaktionen mit Designierung
Aus eigenen Beständen2212948151655016
Ans SZR-Käuten vom Fonds431 1501 4791 74416414 727
Transaktionen im Einvermehmen4397711 2623 1216 0233 1228 9878 93178 155
Zugelassene Operationen2775201 4534061241 95113 835
IWF bezogene Operationen432034363017042 829
Nertozinsen auf SZR421612592854101211743195 564
Insgesamt7442 3774 0925 8788 2544 0859 58611 905120 126
Übertragungen von Teilnchmern an das Allgemeine Konto
Rückkäufe3068097029911 9566421 1815 57229 474
Gebühren2596201 2332 5741 8871 4251 3861 98532 893
Quotetieinzablungen241 7031751 5912 15171247025 097
Auf Bestünde des Allgemeinen Kontos eingegangene Zinsen1613555130781336262534 007
Umlagen1124444467
Insgesamt6063 2692 6625 4666 0792 4782 8577 68391 538
Übertragungen vom Allgemeinen Konto an Teilnehmer und zugelassene Inhaber
Käufe2081 4742 2272 5542 0672 6765 9706 46048 325
Rückzahlungen von Mittelaufnahmen des Fonds88866141 26130086211 620
Zinsen auf Mittelauthanmen des Fonds42718344329S162974 286
Im Austausch gegen Währungen anderer Mitglieder
Erwerb von SZR zur Begleichung von Gebühren39589638816699496 422
Erwerb von SZR zur Quotcncin Zahlung114341
Rekonstiuttion175331 555
Vergütung261656041 5361 0219588151 09217 058
Sonstige297221753108512591 109
Insgesamt4421 9113 2176 0595 0854 3707 8947 85990 716
Übertragungen insgesamt1 7927 5569 97117 40419 41810 93320 33627 448302 379
Bestände des Allgemeinen Kontos zum Ende des jeweiligen Zeitraums1 3715 4454 3351 9607 9306 0381 001825825

Die erste Spalte betrifft den Zeitraum von der Schaffung des SZR Im zur Zweiten Änderung des IWF-Übereinkommens. Die zweite Spalte gibt den Zeitraum wieder, der die SZR-Zuteilungen in der dritten Basisperiode und die Aufstockung der Quoten im Rahmen der Siebten Allgemeinen Überprüfung abdeckt. Danach folgt ein zwischen zwei Quotenüberprütungen liegender durch die dritte Spalte repräsentierter Zeitraum. Die vierte Rubrik bezieht sieb auf den Zeitabschnitt der Aufstockung unter der Achten Allgemeinen Überprüfung, noch vor Eintührung der reziproken Vereinbarungen zur Erleichterung des Ablauts von Transaktionen im Einvernehmen Spalte fünf schließlich zeigt den Zeitraum an (mit Ausnahme der drei let/ten Geschäftsjahre), seit dem der Designiermigsmechauismus mir mehr Vötb6Qgtmg$chariltt$r hat.

Die erste Spalte betrifft den Zeitraum von der Schaffung des SZR Im zur Zweiten Änderung des IWF-Übereinkommens. Die zweite Spalte gibt den Zeitraum wieder, der die SZR-Zuteilungen in der dritten Basisperiode und die Aufstockung der Quoten im Rahmen der Siebten Allgemeinen Überprüfung abdeckt. Danach folgt ein zwischen zwei Quotenüberprütungen liegender durch die dritte Spalte repräsentierter Zeitraum. Die vierte Rubrik bezieht sieb auf den Zeitabschnitt der Aufstockung unter der Achten Allgemeinen Überprüfung, noch vor Eintührung der reziproken Vereinbarungen zur Erleichterung des Ablauts von Transaktionen im Einvernehmen Spalte fünf schließlich zeigt den Zeitraum an (mit Ausnahme der drei let/ten Geschäftsjahre), seit dem der Designiermigsmechauismus mir mehr Vötb6Qgtmg$chariltt$r hat.

Die SZR-Übertragungen von Teilnehmern auf das Allgemeine Konto sind um mehr als das Doppelte gestiegen, und zwar von 2,9 Mrd SZR 1994/95 auf 7,7 Mrd SZR 1995/96. Darin kam in erster Linie der sprunghafte Anstieg der Verwendung von SZR in Währungsrückkäufen von 1,2 Mrd SZR 1994/95 auf 5,6 Mrd SZR 1995/96 zum Ausdruck, als Rückkäufe in SZR mehr als 80 % aller Rückkäufe ausmachten. Mit dem Wachstum der ausstehenden Fondskredite stiegen die in SZR gezahlten Gebühren auf 2,0 Mrd SZR, und dies trotz eines niedrigeren durchschnittlichen Gebührensatzes. Weitere Übertragungen an das Allgemeine Konto in Höhe von 0,1 Mrd SZR bestanden aus kleineren Beträgen für Quoteneinzahlungen, Zinsen auf SZR-Bestände im Allgemeinen Konto und diesem Konto für die Führung der Geschäfte der SZR-Abtei-lung rückerstattete Beträge.

Trotz des verhältnismäßig niedrigen Niveaus der Bestände zu Beginn des Geschäftsjahres 1995/96 (1 Mrd SZR) konnte der IWF wegen der beträchtlichen SZR-Eingänge auf dem Allgemeinen Konto den Teilnehmern 7,9 Mrd SZR übertragen, womit er die im vorangegangenen Geschäftsjahr bei solchen Übertragungen erreichte Rekordhöhe noch übertraf. Währungskäufe vom IWF durch Mitgliedsländer im Betrag von 6,5 Mrd SZR 1995/96 bildeten die umfangreichste Kategorie von Übertragungen vom Allgemeinen Konto; es folgten vergütungs- und andere Zahlungen in Höhe von 1,4 Mrd SZR an Mitgliedsländer. Der Erwerb von SZR durch Mitgliedsländer für Gebührenzahlungen ging auf einen äußerst geringfügigen Betrag zurück; ursächlich dafür waren allgemein höhere SZR-Bestände der Schuldnerländer und das höhere Angebot an SZR, die über Transaktionen im Einvernehmen mit anderen Teilnehmern verfügbar sind15.

Die Übertragungen von SZR zwischen Teilnehmern und zugelassenen Inhabern stiegen von 9,6 Mrd SZR 1994/95 auf 11,9 Mrd SZR 1995/96. Verantwortlich dafür war das Rekordvolumen der zugelassenen Transaktionen, die von 0,1 Mrd SZR 1994/95 auf 2,0 Mrd SZR 1995/96 zunahmen. Diese Operationen bestanden zu einem Großteil aus Überbrükungskreditabmachungen, die zwei Länder benutzten, um ihre Zahlungsrückstände gegenüber dem IWF abzulösen und den Reserveakriva-Anteil ihrer Quotenerhöhungen einzuzahlen. Vergleichsweise ging es bei den zugelassenen Operationen 1994/95 hauptsächlich um die Begleichung finanzieller Verpflichtungen zwischen Teilnehmern und zugelassenen Inhabern. Mitgliedsländer erwarben auch 1995/96 wieder erhebliche SZR-Sum-nien in Transaktionen im Einvernehmen, um ihren finanziellen Verpflichtungen gegenüber dem IWF nachzukommen und ihre SZR- Bestände aufzubauen. Transaktionen im Einvernehmen erfolgten weiterhin größtenteils mit Hilfe von zwölf Mitgliedsländern, die mit dem Fonds ständige Vereinbarungen getroffen haben, wonach sie jederzeit SZR im Austausch gegen eine oder mehr frei verwendbare Währungen einkaufen oder abgeben, vorausgesetzt, ihre SZR- Bestände halten sich in bestimmten Grenzen. Diese sogenannten reziproken Vereinbarungen haben es dem Fonds immer wieder ermöglicht, den SZR-Kaufwünschen zu entsprechen und auch einen recht beträchtlichen Teil der SZR-Verkaufswünsche zu erfüllen, ohne auf den Designierungsmechanismus zurückgreifen zu müssen (siehe Kasten 12). Die Transaktionen im Einvernehmen bezifferten sich 1995/96 auf 8,9 Mrd SZR und lagen damit nur geringfügig unter dem Rekordstand von 1994/95. Um SZR-Kaufwünsche erfüllen zu helfen, denen weder von Ländern mit reziproken Vereinbarungen noch von anderen Ländern, die SZR verkaufen wollten, entsprochen werden konnte, forderte der Fonds zwei Länder mit verhältnismäßig umfangreichen SZR-Beständen auf, zusätzliche Verkanfe, in Erwägung zu ziehen; diese beiden Länder stellten daraufhin weitere 0,5 Mrd SZR zum Verkauf im Geschäftsjahr 1995/96 bereit. Trotz des hohen Trans-aktionsvolumens im Jahre 1995/96 konnte Anträgen einer Anzahl von Ländern auf Erwerb von SZR in Höhe von insgesamt 0,8 Mrd SZR per Ende des Geschäftsjahres nicht entsprochen werden.

Die IWF-bezogenen Operationen, welche die Verwendung von SZR im Zusammenhang mit der SAF, der ESAF, dem Treuhandfonds und dem Subventions-konto zur Zusätzlichen Finanzierungsfazilität darstellen, stiegen von 0,3 Mrd SZR 1994/95 auf 0,7 Mrd SZR 1995/96. Teilweise war dieser Anstieg auf Operationen zurückzuführen, die mit Sambias Ablösung seiner Zahlungsrückstände gegenüber dem Fonds im Dezember 1995 zusammenhingen. Die auf SZR eingegangenen Nettozinsen erhöhten sich auf 0,3 Mrd SZR, was auf die höheren durchschnittlichen SZR-Bestände der zugelassenen Inhaber und der Teilnehmer, deren Bestände über ihren kumulativen Zuteilungen lagen, zurückzuführen ist.

Kasten 12Der Designierungsplan

Artikel XIX des Übereinkommens über den IWF sieht einen als Designierung bezeichneten Mechanismus vor, unter dem Teilnehmer, deren Zahlungsbilanz- und Reservepositionen als hinlänglich stark erachtet werden, verpflichtet sind - falls der Fonds sie designiert - frei verwendbare Währungen bis zu einer bestimmten Höhe gegen SZR Beträge abzugeben. Durch diesen Designierungsmechanismus wird ge währ-leistet, daß Teilnehmer im Bedarfsfall SZR ohne lange Voranmeldung zum Erwerb von Devisen verwenden können. Ein Teilnehmer, der seine SZR in Transaktionen mit Designierung verkauten will, muß dem Fonds darlegen, daß er Bedarf an der Verwendung von SZR hat. Gegen einen Antrag auf Verkauf von SZR im Wege der Designierung kann zwar zum Zeitpunkt der Verwendung kein Einwand erhoben werden, aber der Fonds überprüft gleich darauf die neuesten Entwicklungen in der zusammengefaßten Zahlungsbilanz- und Reservepnsitiou des Teilnehmers, um festzustellen, ob die Vorsehrift, daß ein Redarf vorliegen muß, eingehalten wurde, bzw. ob die Verwendung von SZR in Einklang mit Artikel XIX Abschnitt 3 Buchstabe a stand. Falls die Transaktion nach Meinung des Fonds diesem Artikel zuwiderlief, kann der Teilnehmer dazu designiert werden, SZR entgegenzunehmen, um die Wirkung der vorherigen Verwendung auszugleichen. Das Festhalten am Prinzip dieses Artikels gewährleistet, daß SZR im Designie-rungsvertähren nicht ausschließlich dazu benutzt werden, die Zusammensetzung der Währungsreserven zu ändern.

Der Designierungsmechanismus wird durch vierteljährliche, vom Direktorium genehmigte, Designicrungs-pläne ausgeführt; diese Pläne zeigen auf, welche Teilnehmer der Designierung unterliegen und geben die Höchstgrenzen an für die Beträge von SZR, zu deren Empfang sie während des Quartals designiert werden können. Ganz abgesehen davon, ob ein Teilnehmer in einer hinlänglich starken Lage für Designierungszwecke ist, werden die Designierungsbcträge für einzelne Teilnehmer solcherart festgelegt, daß über Zeit Gleichheit in den “Relationen überschüssiger Bestände” der Teilnehmer gefördert wird (d. h. über oder unter den Zuteilungen liegender SZR-Betrag als Anteil an den offiziellen Gold- und Devisenreserven der Teilnehmer). Ein Teilnehmer unterliegt daher der Designierung, wenn seine Relation überschüssiger Bestände unter dem vorhergesagten gemeinsamen Verhältnis liegt, das zur Ermittlung des vorgeschlagenen Plans verwendet wurde. Ein Teilnehmer ist allerdings nur so lange zur Abgabe von Währung gegen SZR verpflichtet, bis der doppelte Betrag seiner kumulativen Nettozuteilungen erreicht ist, sofern der Teilnehmer und der Fonds keine höhere Grenze vereinbart haben.

Seit September 1987 hat es keine Transaktionen mit Designierung mehr gegeben; seither ist jedem Austausch von SZR gegen Währung durch freiwillige Transaktionen im Einvernehmen mit anderen Teilnehmern entsprochen worden. Dabei handelte es sich in erster Linie um die zwölf Teilnehmer, die mit dem Fonds ständige Vereinbarungen zum jederzeitigen Kauf oder Verkauf von SZR gegen eine oder mehrere frei verwendbare Währungen getroffen haben, sofern sich ihre SZR-Bestände innerhalb bestimmter Grenzen halten. Diese sogenannten reziproken Vereinbarungen haben dazu beigetragen, daß den Wünschen zum Kauf wie auch zum Verkauf von SZR ent sprochen werden konnte, und haben den Umlauf von SZR im System erleichtert.

Entwicklung der SZR-Bestände

Durch die vorstehend beschriebenen Übertragungen von SZR im Geschäftsjahr 1995/96 ergab sich eine bedeutende Umverteilung der SZR-Bestände unter den verschiedenen Gruppen von Inhabern. Dabei spielte der Fonds in bezug auf Umlauf und Umverteilung von SZR die Hauptrolle. Bei den Übertragungen von SZR im Rahmen seiner vierteljährlichen Geschäftsbud-gets läßt sich der Fonds seit Anfang 1993 von dem Ziel leiten, seine SZR-Bestände bis Ende 1995 auf eine Bandbreite von 1-1,5 Mrd SZR zurückzuführen. Da der IWF seine SZR-Bestände bis Ende 1994/95 auf 1 Mrd SZR verringert hatte und beabsichtigte, sie auch zukünftig ungefähr auf dieser Höhe zu halten, übertrug er gewöhnlich die während eines Quartals einge-gegangenen SZR an Schuldnermitglieder im Zusammenhang mit Käufen und an Gläubigermitglieder in Form von Vergütungszahlungen. Per 30. April 1996 betrugen die SZR-Bestände des Allgemeinen Kontos 0,8 Mrd SZR und lagen damit geringfügig unter dem Vorjahresstand.

Die Schuldnermitglieder verkauften einen beträchtlichen Teil ihrer vom Allgemeinen Konto empfangenen SZR an Mitgliedsländer mit reziproken Vereinbarungen, um frei verwendbare Währungen zu erwerben, und sie verwendeten SZR zur Erfüllung ihrer finan ziellen Verpflichtungen dem fonds gegenüber. Gleichwohl behielten sie auch einige der solcherart bezogenen SZR ein mit dem Ergebnis, daß ihre SZR-Bestände im Verhältnis zu auf ihren kumulativen Nettozuteillungen stiegen (siehe Anhang 11, Tabelle 13). Im Verhältnis zu ihren kumulativen Nettozuteilungen erhöhten sich die SZR-Bestände der Entwicklungsländer im Verlauf des Jahres 1995/96 von 60,4 % auf 67,9 %. Darin kam zum Ausdruck, daß diese Länder es vorzogen, größere Beträge an SZR zu halten und daß sie dazu in der Lage waren, nachdem sie SZR vom Allgemeinen Konto gekauft hatten. Demgegenüber sanken die SZR-Bestände der Industrieländer von 105,1 % auf 102,4 % der Nettozuteilungen, und zwar in erster Linie deshalb, weil der von ihnen während des Jahres in einvernehmlichen Transaktionen verkaufte SZR-Betrag höher war als der von ihnen erworbene SZR-Betrag. Die SZR-Bestände der zugelassenen Inhaber erhöhten sich per 30. April 1996 auf 1,1 Mrd SZR. Diese geringfügige Zunahme repräsentiert großenteils Anlagen des Fonds von SAF- und ESAF-Ressourcen in offiziellen SZR bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).

    Other Resources Citing This Publication