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ÜBERBLICK: Die Reform der globalen Finanzarchitektur und die Beschleunigung der Armutsbekämpfung beherrschten die IWF-Agenda im Geschäftsjahr 2000

Author(s):
International Monetary Fund
Published Date:
September 2000
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Das Exekutivdirektorium des IWF hatte im Geschäftsjahr 20001 ein umfangreiches Programm von Beratungen und Reformen, da der IWF eine immer größere Rolle in den internationalen Bemühungen spielte, das internationale Währungs- und Finanzsystem zu stärken und da er Anstrengungen unternahm, seine Hilfe an die ärmsten Mitgliedsländer zu intensivieren.

Eine solidere globale Finanzarchitektur wird allgemein als wesentlich dafür angesehen, dass Länder die Auswirkungen der wirtschaftlichen Globalisierung sowohl zu nutzen als auch besser zu bewältigen verstehen – einen Druck, der in den öffentlichen Demonstrationen gegen den IWF und die Weltbank bei ihren Tagungen im April 2000 seinen Niederschlag fand. Die Fähigkeit zur Anpassung hilft dem IWF, mit möglichen Störungen in den aufstrebenden Marktwirtschaften wirksamer umzugehen, Länder im Übergang von Zentralverwaltungs- zu marktorientierten Systemen zu unterstützen sowie Wachstum zu fördern und die Armut in den ärmsten Ländern der Erde abzubauen.

Die Arbeit des IWF im Geschäftsjahr 2000 war in ein gestärktes globales Umfeld eingebettet. Die Wirtschafts- und Finanzlage verbesserte sich 1999 und Anfang 2000, da sich die Weltwirtschaft als widerstandsfähiger gegenüber den 1997/98 ausgebrochenen Finanzkrisen erwies als ursprünglich angenommen. Die Wende war stärker als erwartet, wobei die Erholungen in Korea, Malaysia, Thailand und Brasilien durch förderliche fiskalische und monetäre Politikmaßnahmen und steigende Exporte gestützt wurden. Das Wachstum blieb in China und Indien ausreichend robust, so dass sich die Steigerung des Pro-Kopf-Einkommens fortsetzte und die Armut zurückging.

Der IWF passte im Verlauf des Jahres seine Operationen an vielen Fronten an. Viele der Maßnahmen bezogen sich auf Folgendes:

  • Erhöhung der Transparenz bei den Politikmaßnahmen der Mitglieder und den Tätigkeiten des IWF, zum großen Teil durch Freigabe eines bis dahin einzigartigen Umfangs an Informationen;
  • Entwicklung und Stärkung internationaler Standards guter Praktiken und die Bewertung der Einhaltung der Standards durch die Mitglieder;
  • Hilfe an Mitglieder zur Stärkung ihrer Finanzsysteme und eine bessere Bewertung von Finanzsektorrisiken und Anfälligkeiten;
  • Einbeziehung des Privatsektors bei der Verhütung und Lösung von Finanzkrisen;
  • Verbesserung der Fähigkeit, die Armut in den ärmsten Ländern abzubauen, indem die frühere Erweiterte Strukturanpassungsfazilität in die Armutsbekämpfungs- und Wachstumsfazilität, die die Armutsbekämpfung zu einem Schlüsselelement einer wachstumsorientierten Strategie macht, umgewandelt wurde; sowie
  • Erweiterung der gemeinsamen IWF-Weltbank-Initiative für hochverschuldete arme Länder mit der Absicht, die Schuldenerleichterung schneller, umfassender und weitergehender zu machen.

Wie noch nie zuvor berücksichtigten diese Reformen die Rolle des IWF in Beziehung zu anderen internationalen Institutionen und Gruppen, insbesondere zur Weltbank, aber auch zum Forum für Finanzstabilität (FSF), zur Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), zu anderen in Basel ansässigen Gruppen, zur Welthandelsorganisation (WTO), zur Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und zu anderen.

Der IWF leitete im Geschäftsjahr 2000 auch eine Neubewertung seiner Ausleihpolitiken (oder Fazilitäten) ein – wobei einige abgeschafft und Wege zur Stärkung anderer erwogen wurden –, um sicherzustellen, dass sie den Bedürfnissen der Mitgliedsländer im gegenwärtigen globalen Umfeld entsprechen. Außerdem unternahm er Anstrengungen, neue Sicherungen zum Schutz seiner Mittel gegen möglichen Missbrauch durch Mitgliedsländer einzuführen und der Angabe irreführender Informationen von Seiten der Mitglieder vorzubeugen. Ferner erörterte er Möglichkeiten, seinen Mitgliedern dabei zu helfen, solide Praktiken bei der Verwaltung der Devisenreserven anzuwenden.

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Nach der Erhöhung der IWF-Quoten von 146 Milliarden SZR auf 212 Milliarden SZR2 unter der Elften Allgemeinen Quotenüberprüfung – die im Januar 1999 in Kraft trat – verbesserte sich die finanzielle Position des IWF während des Geschäftsjahres 2000. Diese Stärkung erfolgte vor dem Hintergrund einer verbesserten globalen Wirtschafts- und Finanzlage und einer Rückkehr des Vertrauens der Investoren in viele aufstrebende Marktwirtschaften. Diese Entwicklungen fanden ihren Niederschlag darin, dass die Nachfrage nach Finanzhilfen des IWF beträchtlich zurückging – wobei die Inanspruchnahmen der allgemeinen Mittel des IWF durch Mitglieder im Geschäftsjahr 2000 6,3 Milliarden SZR erreichten, verglichen mit 21,4 Milliarden SZR 1999. Es handelte sich bei den Ziehungen um 5,7 Milliarden SZR an Bereitschaftskredit- und Erweiterten Kreditvereinbarungen, 0,2 Milliarden SZR im Rahmen der Fazilität zur Kompensierung von Exporterlösausfällen und unerwarteten externen Störungen (CCFF) und 0,4 Milliarden SZR im Rahmen von Notfallhilfen für Länder, die von Naturkatastrophen oder den Nachwirkungen kriegerischer Konflikte betroffen waren.

Die Inanspruchnahmen unter der konzessionären Armutsbekämpfungs- und Wachstumsfazilität (PRGF) des IWF zugunsten armer Länder gingen im Geschäftsjahr 2000 ebenfalls zurück, und zwar auf 0,5 Milliarden SZR, verglichen mit 0,8 Milliarden SZR 1999.

Ende des Geschäftsjahres 2000 waren 16 Bereitschaftskreditvereinbarungen, 11 Erweitere Kreditvereinbarungen und 31 PRGF-Vereinbarungen mit Mitgliedsländern in Kraft. Das ausstehende Kreditvolumen des IWF betrug per 30. April 2000 50,4 Milliarden SZR, verglichen mit 67,2 Milliarden SZR ein Jahr zuvor.

Die frei verwendbaren Mittel des IWF erreichten Ende des Geschäftsjahres 2000 74,8 Milliarden SZR, verglichen mit 56,7 Milliarden SZR ein Jahr zuvor. Mit dem Rückgang der kurzfristigen Verbindlichkeiten des IWF auf 48,8 Milliarden SZR per 30. April 2000 gegenüber 63,6 Milliarden SZR ein Jahr zuvor erhöhte sich seine „Liquiditätsquote” (das Verhältnis von frei verwendbaren Mitteln zu kurzfristigen Verbindlichkeiten) im Verlauf des Geschäftsjahres 2000 auf 153,1 %.

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Die Bedeutung einer wirksamen und zeitnahen Überwachung (oder Aufsicht) durch den IWF hat sich in den letzten Jahren als Folge des raschen Wachstums der privaten Kapitalmärkte, einer gestiegenen wirtschaftlichen und monetären Integration und der erhöhten Risiken, dass sich inländische Politikfehler auf andere Länder auswirken, verstärkt. Die abgestimmten internationalen Bemühungen zur Stärkung der globalen Finanzarchitektur unterstreichen die zentrale Rolle der IWF-Überwachung – vor allem bei der Hilfe zur Verhütung oder Minimierung der Auswirkungen von Finanzkrisen und auch bei der Berücksichtigung von Aspekten wie Armut, Gesundheit und Bildung sowie Regierungsführung, wenn diese bedeutsame Auswirkungen auf die makroökonomischen Entwicklungen haben. Eine wirksame Überwachung ist abhängig von der Bereitstellung zeitnaher und qualitativ hochwertiger Daten durch die Mitglieder; der Stetigkeit der Überwachung während des Jahresverlaufs; der Konzentration der Überwachung auf einen angemessenen Rahmen von Anliegen; der Bewertung von Anfälligkeiten, insbesondere in aufstrebenden Marktwirtschaften; der Bereitstellung klarer und offener wirtschaftspolitischer Beratung an Mitglieder und der Erhöhung der Transparenz der Politikmaßnahmen der Mitglieder und der Politikempfehlungen des IWF; sowie der Unterstützung seiner Mitgliedsländer bei der freiwilligen Einhaltung internationaler Standards und Verfahrenskodizes.

Im Geschäftsjahr 2000 erörterte das Exekutivdirektorium Artikel-IV-Konsultationsberichte für 127 Mitgliedsländer. Was die Förderung von Standards und Verfahrenskodizes anbetrifft, so wurde größere Aufmerksamkeit auf die Unterstützung der Mitgliedsländer bei der Stärkung ihrer Finanzsysteme gerichtet – vor allem im Rahmen des gemeinsamen IWF-Weltbank-Programms zur Bewertung des Finanzsektors. Der IWF verstärkte außerdem seine regionale Überwachung von Währungsunionen, indem er Politikentwicklungen in der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion und in der Zentralafrikanischen Wirtschaftsund Währungsgemeinschaft (eine der beiden Währungsunionen der CFA-Franc-Zone) erörterte. Der IWF-Stab intensivierte ferner die Gespräche mit regionalen Behörden, um die Länderkonsultationen zu ergänzen.

Als Teil seiner Bemühungen zur Stärkung der Aufsichtsarbeit des IWF gab das Exekutivdirektorium eine externe Evaluierung der Überwachung in Auftrag, die es im September 1999 erörterte. Zu den Kernempfehlungen der externen Gutachter gehörte, dass sich die Überwachung so weit wie möglich auf Sachverhalte konzentrieren sollte, bei denen der IWF einen komparativen Vorteil hat – die Kernfragen der Wechselkurspolitik und direkt damit zusammenhängende makroökonomische Politikmaßnahmen, einschließlich Finanzsektor- und Kapitalverkehrsfragen – sowie auf die wichtigen systemischen und internationalen Fragen in der globalen Finanzwelt. Bei der zweijährlichen Überprüfung der Überwachung durch das Direktorium im März 2000 stimmten die Exekutivdirektoren darin überein, dass die makroökonomische Relevanz ein sachdienliches Kriterium für die Aufnahme von Themenbereichen in die Länderberichte des Mitarbeiterstabes bleibt. Parallel zur raschen Integration der internationalen Finanzmärkte seien in den letzten Jahren Kapitalverkehrs- und Finanzsektorfragen dem Satz der Kernthemen der IWF-Aufsicht hinzugefügt worden, und angesichts der anhaltenden Änderungen in der Weltwirtschaft werde sich der Satz der Kernthemen wahrscheinlich fortlaufend weiterentwickeln. Dabei blieben jedoch alle Fragen in Bezug auf die außenwirtschaftliche Tragfähigkeit und die Anfälligkeit gegen Zahlungsbilanz- oder Währungskrisen von vorrangiger Bedeutung für die IWF-Überwachung. Ausgehend von der Feststellung, dass der IWF nicht immer den Umfang an Fachwissen und Erfahrung hat, der zur Erfassung vieler Gebiete notwendig ist, die zwar außerhalb der traditionellen Kernbereiche liegen, aber manchmal entscheidend für die makroökonomische Stabilität eines Landes sein können, zog das Direktorium die Schlussfolgerung, dass der IWF-Stab zunehmend das Fachwissen anderer Institutionen nutzen muss.

Ebenfalls im Geschäftsjahr 2000 bewertete eine Gruppe externer Experten im Rahmen der externen Überprüfungen der verschiedenen Aspekte der IWF-Operationen die IWF-Forschungsaktivitäten, um festzustellen, ob sie erfolgreich zum Erreichen der Hauptziele der Organisation beitragen. Die Gutachter sahen keine wesentlichen Lücken im Forschungsprogramm des IWF, waren aber der Auffassung, dass es Raum für Verbesserungen in Bezug auf Relevanz, Qualität und Veröffentlichung gibt. Das Direktorium nannte überzeugende Argumente dafür, den Schwerpunkt der Forschung auf Themen zu verlagern, die den größten Mehrwert bringen, und Duplizierung der außerhalb des IWF stattfindenden Arbeit zu minimieren. Die Direktoren stellten fest, dass eine Umorientierung der Forschung, wie von den Gutachtern vorgeschlagen, bereits im Gang ist – insbesondere in Bezug auf die Erforschung des Finanzsektors – und dass diese Verlagerung beschleunigt werden sollte.

Das Direktorium gab im Geschäftsjahr 2000 außerdem eine externe Überprüfung der gegenwärtigen Formeln in Auftrag, die bei der Berechnung und Überprüfung der IWF-Quoten verwendet werden.

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Obwohl die internationalen Bemühungen zur Reform des globalen Währungsund Finanzsystems – und des IWF – langfristiger Natur sind, unternahm der IWF im Geschäftsjahr 2000 einige wichtige neue Schritte. Er begann auf mehreren Gebieten experimentelle Pilotprogramme und förderte ihre Umsetzung durch technische Hilfe. In anderen Bereichen wie Kapitalverkehrsliberalisierung, Wechselkurssysteme und Einbeziehung des Privatsektors in die Krisenverhütung und -lösung wurden Fortschritte bei der Entwicklung von Empfehlungen erzielt, wobei die Beratungen im Geschäftsjahr 2001 fortgesetzt werden sollen. Während des Geschäftsjahres verzeichnete der IWF gute Fortschritte auf folgenden Gebieten:

Transparenz und Rechenschaftspflicht. Der IWF veröffentlichte mehr Informationen über seine Überwachung der Mitglieder. Mehr als 80 % der Länder veröffentlichten im Anschluss an ihre Länder-(Artikel-IV-)Konsultationen Öffentliche Informationsmitteilungen (PINs)3. Gleichzeitig erklärten sich 60 Mitgliedsländer dazu bereit, am Pilotprojekt bezüglich des Artikel-IV-Stabsberichts teilzunehmen, das im April 1999 begann und in dessen Rahmen sie ihre Artikel-IV-Berichte vollständig freigeben. Außerdem veröffentlichte der IWF PINs zu Politikfragen und Dokumente über die Anträge der Länder auf IWF-Mittel und deren Verwendung. Der IWF veröffentlichte weiterhin interne und externe Bewertungen der IWF-Politiken und -Operationen – insbesondere eine externe Evaluierung und eine interne Überprüfung der IWF-Überwachung sowie eine externe Bewertung der wirtschaftlichen Forschungsaktivitäten des IWF. Schließlich beschloss das Direktorium im Frühjahr 2000, eine unabhängige Prüfstelle im IWF zu errichten, deren Aufgabengebiet und Umfang bis zum Zeitpunkt der Jahrestagungen in Prag festgelegt werden soll.

Um seine eigene Transparenz weiter zu verbessern, gab der IWF mehr Finanzinformationen frei als früher üblich. Dazu gehören zeitnahe Informationen über die Finanzposition der einzelnen Mitglieder im IWF; wöchentliche Aktualisierungen von Kernstatistiken über Kreditvergabe und Finanzmittel des IWF sowie seine Kreditvereinbarungen mit den Mitgliedern; und regelmäßige Informationen über seine Liquiditätsposition. Ab August 2000 wird er auch regelmäßig Informationen über die Finanzierungsquellen für die IWF-Kreditvergabe veröffentlichen. Um seine finanzielle Transparenz weiter zu erhöhen, ist der IWF dazu übergegangen, bei seinen Finanzausweisen in diesem und in künftigen Jahresberichten internationale Rechnungslegungsstandards anzuwenden.

Standards und Kodizes. Wenn die Länder international anerkannte Standards und Verfahrenskodizes zur Lenkung ihrer Politiken einhalten, kann dies zu sachkundigeren Kredit- und Investitionsentscheidungen, zu einer erhöhten Rechenschaftspflicht von Wirtschaftspolitikern und Entscheidungsträgern des Privatsektors sowie zu verbesserten wirtschaftlichen Ergebnissen beitragen. Nach der Entwicklung freiwilliger Standards auf Gebieten direkter operationaler Zuständigkeit des IWF – Datenveröffentlichung, Transparenz fiskalischer, monetärer und finanzieller Politikmaßnahmen und Bankenaufsicht – konzentrierte sich der IWF im Geschäftsjahr 2000 auf die Verbreitung und Umsetzung dieser freiwilligen Standards, u. a. auch durch technische Hilfe. Er hat Anleitungen erstellt, die den Ländern helfen, die Standards anzuwenden: ein Handbuch für den Verfahrenskodex zur fiskalischen Transparenz ist seit 1998 auf der Website des IWF zugänglich, und der IWF stellt gerade ein Begleitdokument zum Verfahrenskodex zur Transparenz der Geld- und Finanzpolitik fertig. Die operationalen Richtlinien über ein für den Speziellen Datenveröffentlichungs-Standard (SDDS) des IWF erstelltes Datenschema für Währungsreserven und Liquidität in Fremdwährungen werden bis Ende 2000 abgeschlossen sein, nachdem die Erfahrungen der Mitglieder mit seiner Umsetzung ausgewertet worden sind. Schließlich überprüfte das Exekutivdirektorium die Erfahrungen mit dem SDDS und dem Allgemeinen Datenveröffentlichungs-Standard (GDDS) und verständigte sich einvernehmlich auf Änderungen auf den Gebieten der internationalen Reserven und der Auslandsverschuldung, um sicherzustellen, dass Aufbau und Umsetzung der Standards angemessen bleiben.

Stärkung der Finanzsysteme. Obwohl der IWF seit einiger Zeit die Solidität der Finanzsektoren in seinen Überwachungs- und Kreditgewährungsaktivitäten bewertet, vertiefte und schärfte er im Geschäftsjahr 2000 in Zusammenarbeit mit der Weltbank seine Arbeit auf diesem Gebiet. Seine Prioritäten bestanden darin, die Solidität der Finanzsysteme systematisch zu untersuchen und die Verzahnungen zwischen makroökonomischen Politikmaßnahmen, Realwirtschaft und Struktur- und Entwicklungsfragen im Finanzsektor kenntlich zu machen.

Als eine wesentliche Entwicklung im Geschäftsjahr 2000 führten der IWF und die Weltbank als einjähriges Pilotprojekt das Programm zur Bewertung des Finanzsektors ein. Das Programm zielt darauf ab, die Basis für einen wirksameren Dialog mit den nationalen Regierungen zu schaffen, Länder zu unterstützen, Anfälligkeiten in ihren Finanzsektoren abzubauen und zu helfen, Prioritäten für die Entwicklung des Finanzsektors zu formulieren. Innerhalb des IWF begannen die Stabsmitglieder, gestützt auf die Berichte über die Programme zur Bewertung des Finanzsektors für die einzelnen Länder – mit dem Blick auf mögliche Anfälligkeiten – Bewertungen der Stabilität des Finanzsektors zu erstellen. Das Pilotprojekt war gegen Ende des Geschäftsjahres 2000 weit fortgeschritten. Von den geplanten Pilotbewertungen für 12 Länder, die freiwillig teilnahmen, – wodurch ein Fächer von Finanzsystemen und geographischen Regionen abgedeckt wurde – wurden 4 abgeschlossen und 8 befanden sich in Arbeit. Die Rückmeldungen der nationalen Regierungen sind positiv, und ihre Verbesserungsvorschläge helfen, das Programm zu präzisieren.

Die Arbeit an der Stärkung des Finanzsystems machte während des Jahres auch in solchen anderen Foren und Institutionen wie dem Basler Ausschuss für Bankenaufsicht Fortschritte.

Bewertung von Anfälligkeiten. Zeitnahe, häufige und qualitativ hochwertige Daten sind entscheidend für die Fähigkeit des IWF, Risiken und Anfälligkeiten sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene zu bewerten. Der IWF richtete daher im Geschäftsjahr 2000 große Anstrengungen auf die Verbesserung sowohl der Datenqualität und der Berichterstattung als auch der Verwendung von Anfälligkeitsindikatoren in Verbindung mit der traditionellen Wirtschaftsanalyse. Die Arbeit zur Entwicklung besserer Methoden zur Bewertung externer Anfälligkeiten schritt im IWF, in der Weltbank und in anderen internationalen Institutionen an mehreren Fronten voran, und der IWF legte verstärktes Gewicht auf die Veröffentlichung umfassender und zeitnaher Daten über die externe Verschuldung und die amtlichen Reserven der Mitglieder unter dem Speziellen Datenveröffentlichungs-Standard.

Der IWF und die Weltbank arbeiten auch in der Frage der Verwaltung der Auslandsschulden zusammen. Der Mitarbeiterstab stützte sich auf Untersuchungen in der Weltbank, im IWF und anderswo und beschäftigte sich mit schuldenund reservebezogenen Indikatoren für die externe Anfälligkeit. Diese Studien betrachten die analytische Nützlichkeit verschiedener Indikatoren und die Möglichkeit der Ermittlung einfacher Bezugsgrößen zur besseren Bewertung der Fähigkeiten der Länder, externen Schocks zu widerstehen. Außerdem werden Richtlinien für die Verwaltung der Schuldtitel staatlicher Kreditnehmer, eine Studie über solide Praktiken bei der Verwaltung der Schuldtitel staatlicher Kreditnehmer und ein Handbuch für die Entwicklung heimischer Kapitalmärkte erarbeitet.

Einbeziehung des Privatsektors in die Krisenverhütung und -lösung. Das Exekutivdirektorium erzielte im Geschäftsjahr 2000 konkrete Fortschritte in der wichtigen aber heiklen Frage der Einbeziehung privater Kreditgeber in die Bereitstellung von Finanzmitteln für das Anpassungsprogramm eines Landes. Zwei Versuche, die Einbeziehung des Privatsektors durch Umschuldung internationaler Staatsanleihen (in Pakistan beziehungsweise in der Ukraine) sicherzustellen, waren ermutigend, und der Grundsatz einer angemessenen Einbeziehung des Privatsektors schien ausreichend akzeptiert zu werden, auch im privaten Finanzsektor. Das Direktorium erörterte einen vom Mitarbeiterstab vorgeschlagenen Rahmen für die Einbeziehung des Privatsektors, der auf den Grundsätzen aufbaut, die die Finanzminister der Siebenergruppe in ihrem Bericht an den Kölner Weltwirtschaftsgipfel im Juni 1999 formuliert hatten und die vom Interimsausschuss in dessen Kommunique vom September 1999 bestätig wurden. Unter diesem Rahmenplan könnte die Einbeziehung des Privatsektors in der Hauptsache der traditionellen katalytischen Finanzierungsrolle des IWF überlassen bleiben, solange die Finanzierungsbedürfnisse des betreffenden Mitglieds moderat sind oder – im Fall von größeren Finanzierungsbedürfnissen – wenn das Mitglied gute Aussichten hat, den Marktzugang rasch zurückzugewinnen. Abgestimmtere Formen der Einbeziehung des Privatsektors wären erforderlich, wenn der Finanzierungsbedarf groß ist und das Mitglied geringe Aussichten hat, den Marktzugang in naher Zukunft zurückzugewinnen, oder wenn das Mitglied auf mittlere Sicht eine nicht durchhaltbare Schuldenlast aufweist. Im Einzelfall wird Flexibilität notwendig sein, und die Form der Einbeziehung des Privatsektors wird von den Umständen jedes Falles abhängen. Das Direktorium war der Auffassung, dass der vom Stab vorgeschlagene Rahmenplan einen nützlichen Beginn darstellt, wies aber auf mehrere Probleme bei der operationellen Gestaltung hin, nicht zuletzt die Schwierigkeit der zugrunde liegenden analytischen Bewertungen. In diesem Zusammenhang stellte das Direktorium fest, dass:

  • Verträge so weit wie möglich erfüllt werden sollten;
  • die Mitglieder kooperative Lösungen für entstehende Schuldenprobleme suchen sollten;
  • keine Einzelkategorie privater Gläubiger als von vornherein privilegiert gegenüber anderen angesehen werden sollte; sowie
  • der Ansatz, der in den einzelnen Fällen verfolgt wird, die besonderen Umstände eines Mitglieds widerspiegeln und auf der Analyse der mittelfristigen Zahlungsbilanzaussichten und Schuldentragbarkeit basieren sollte.

Das Direktorium arbeitet weiter an den analytischen Grundlagen und an Fragen im Zusammenhang mit der Umsetzbarkeit des Rahmenplans.

Kapitalverkehrsliberalisierung und Kapitalverkehrskontrollen. Das Exekutivdirektorium betonte im Geschäftsjahr 2000 in mehreren Aussprachen die Vorteile der Kapitalverkehrsliberalisierung, unterstrich aber die Notwendigkeit, die Liberalisierung sorgfältig und richtig abgestuft umzusetzen, um mögliche Risiken zu minimieren. Im September 1999 stimmten die Direktoren darin überein, dass es keinen einheitlichen Ansatz gibt, die Vorteile der internationalen Kapitalströme zu sichern und gleichzeitig die Risiken zu begrenzen. Es gab jedoch weiterhin Meinungsunterschiede hinsichtlich der Nettovorteile oder -kosten von Kapitalverkehrskontrollen und somit der Frage, ob Kontrollen als eine Politikmaßnahme nützlich sind. Das Direktorium bemerkte auf der Basis von Fallstudien, dass

  • Kapitalverkehrskontrollen solide makroökonomische Politiken nicht ersetzen können, wenngleich sie eine Atempause für Korrekturmaßnahmen verschaffen können;
  • umfassende und weitreichende Kontrollen zwar wirksamer als selektive Kontrollen erscheinen, dass sie aber auch tendenziell verzerrender sind, wünschenswerte Transaktionen behindern, die Entwicklung des Finanzmarktes erschweren und das Vertrauen der Investoren sowie den Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten schwächen;
  • der Aufbau wirksamer Regulierungs- und Aufsichtsbehörden für Finanzmärkte eine lange Zeit erfordern kann;
  • entschlossene Aufsichtsmaßnahmen für den Finanzsektor eine wichtige Roll bei einer geordneten und durchhaltbaren Kapitalverkehrsliberalisierung sowie beim Abbau der Anfälligkeit einer Volkswirtschaft gegen externe Schocks spielen können; sowie
  • ein einzelfallbezogener Ansatz zur Kapitalverkehrsliberalisierung benötigt wird.

Wechselkurse. Während des Geschäftsjahres 2000 erörterte das Exekutivdirektorium auch die Schlüsselfragen in Bezug auf die Wahl des Wechselkursregimes ir einem Umfeld zunehmender Mobilität des internationalen Kapitals. Die Direktoren kamen zu folgendem Schluss:

  • kein einzelnes Wechselkursregime ist geeignet für alle Länder oder in allen Umständen, aber welches Wechselkursregime auch immer gewählt wird, es muss im Einklang stehen mit der zugrunde liegenden makroökonomischen Politik;
  • das gegenwärtige System flexibler Wechselkurse zwischen den drei wichtigsten Währungen (US-Dollar, Yen und Euro) wird wahrscheinlich bestehen bleiben; sowie
  • in den letzten Jahren haben mehrere aufstrebende Marktwirtschaften flexible Wechselkursregime eingeführt. Die Anforderungen zur Aufrechterhaltunj einer Wechselkursbindung bei international mobilem Kapital sind groß. Selbst bei Flexibilität müssen unterstützende makroökonomische Politikmaßnahmen abgestimmt und glaubwürdig sein. Es kann sein, dass ein die Wechselkursbindung ersetzendes Gerüst, wie Geldmengen- oder Inflationszielsetzungen, gebraucht wird, damit für einen nominalen Anker gesorgt ist

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Der IWF gewährt auf zwei Arten Finanzhilfe für seine ärmsten Mitgliedsländer durch konzessionäre Kredite unter der Armutsbekämpfungs- und Wachstumsfazilität (PRGF) und durch Schuldenerleichterung unter der von Weltbank und IWF geförderten Initiative für hochverschuldete arme Länder (HIPC-Initiative). Während des Geschäftsjahres 2000 wurden sowohl die HIPC-Initiative als auch die konzessionäre Kreditvergabe des IWF erheblich gestärkt. Der IWF und die Weltbank – sowie die internationale Gemeinschaft – haben die Schuldeninitiative erweitert, um schnellere, umfassendere und weitreichendere Schuldenerleichterung zu gewähren, und der IWF hat eine frühere konzessionäre Kreditfazilität (die Erweiterte Strukturanpassungsfazilität – ESAF) in die PRGF umgewandelt und diese ausdrücklicher darauf ausgerichtet, Armutsabbau und dauerhaftes Wirtschaftswachstum zu erreichen und gleichzeitig das Ziel zu bewahren, die Zahlungsbilanzposition zu stärken. Ende des Geschäftsjahres 2000 waren unter der erweiterten HIPC-Initiative 467 Millionen SZR an neun Länder zugesagt worden, und 3,5 Milliarden SZR waren als PRGF-Finanzierungen zur Unterstützung der Reformprogramme von 31 einkommensschwachen Ländern zugesagt.

Im Verlauf des Jahres setzte der IWF seine Bemühungen fort, die Finanzmittel zu mobilisieren, die zur Weiterführung der konzessionären Kreditvergabe unter der PRGF und zur Gewährung zusätzlicher Schuldenerleichterung unter der erweiterten HIPC-Initiative benötigt werden. Bis zum Ende des Geschäftsjahres 2000 waren 60 % der von den Mitgliedsländern zugesagten Beiträge entweder eingegangen oder im Begriff ausgezahlt zu werden. Der Beitrag des IWF wird weitgehend durch Einkommen aus der Anlage von Erlösen aufgebracht, die aus Transaktionen mit einem Teil seines Goldbestandes außerhalb des regulären Goldmarktes stammen.

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Im Rahmen weiterer Bemühungen, seine Unterstützung für die Mitgliedsländer zu stärken, begann das Exekutivdirektorium im Verlauf des Geschäftsjahres 2000 eine umfassende Überprüfung der finanziellen Politiken (oder Fazilitäten) des IWF, um zu bewerten, in welchem Umfang sie noch benötigt werden und ob sie gegebenenfalls Änderungen erfordern. Die Überprüfung der Fazilitäten ist Teil der weitergehenden Bemühungen zur Stärkung der globalen Finanzarchitektur. Die Direktoriumsaussprachen führten zur Abschaffung der Fazilität zur Finanzierung von Rohstoffausgleichslagern, des Eventualfinanzierungselements für den Fall externer Störungen innerhalb der Fazilität zur Kompensierung von Exporterlösausfällen und unerwarteten externen Störungen (CCFF) und der IWF-Hilfen für Währungsstabilisierungsfonds sowie für Maßnahmen zur Reduzierung der Verschuldung und des Schuldendienstes gegenüber Geschäftsbanken. Gleichzeitig strebte das Direktorium danach, die IWF-Politiken zu stärken, um Krisen zu verhüten. Es begann, Änderungen an anderen Fazilitäten zu erörtern, insbesondere am Aufbau der Vorsorglichen Kreditlinien (CCL) und anderer vorbeugender Fazilitäten, um Anreiz für größere Anstrengungen zur Krisenverhütung zu bieten.

Ebenfalls im Geschäftsjahr 2000 veranlassten mehrere Vorfälle des Missbrauchs von IWF-Finanzierungsmitteln und der Angabe falscher Informationen an den IWF das Exekutivdirektorium, den rechtlichen Rahmen, die Politiken und die Verfahren des IWF zu überprüfen mit dem Ziel, die Sicherungen gegen den Missbrauch von IWF-Mitteln zu verstärken. Obwohl sich der Verdacht auf Missbrauch von IWF-Mitteln nicht erhärtete, verständigte sich das Direktorium auf einen vielfältigen Ansatz in diesem Bereich, der

  • von den Zentralbanken der Mitgliedsländer, die IWF-Mittel in Anspruch nehmen, verlangt, unabhängig geprüfte jährliche Finanzausweise zu veröffentlichen; sowie
  • eine experimentelle zweistufige Bewertung der Sicherungen einführt, um das Kontroll-, Rechnungslegungs-, Berichterstattungs- und Prüfungssystem der Zentralbanken der Kreditnehmerländer zu begutachten und zu stärken.

Um das Problem der Angabe falscher Informationen anzugehen, verständigte sich das Direktorium darauf, die Anwendung der bestehenden rechtlichen Maßnahmen des IWF zu erweitern und seine Verfahren für die Bearbeitung der Wirtschafts- und Finanzinformationen der Mitgliedsländer zu stärken.

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Der IWF bietet seinen Mitgliedsländern einen weiten Fächer an technischer Hilfe und Ausbildung in makroökonomischem Management, der fiskalische, monetäre, statistische und rechtliche Bereiche abdeckt. Außerhalb der Zentrale stellt er diese Hilfe durch Missionen des IWF-Stabs aus verschiedenen Abteilungen und durch die Anstellung von Beratern und Experten zur Verfügung. Das IWF-Institut und andere Abteilungen führen sowohl in der Zentrale als auch in Übersee Fortbildungskurse und Seminare durch. Der Ausschuss für technische Hilfe – zusammengesetzt aus hochrangigen Stabsmitgliedern von betroffenen IWF-Abteilungen und unterstützt durch ein spezielles Sekretariat für Technische Hilfe – berät die IWF-Geschäftsleitung über Prioritäten und Politikmaßnahmen und stimmt die Aktivitäten der technischen Hilfe innerhalb des IWF ab.

Die technische Hilfe an Mitglieder blieb im Geschäftsjahr 2000 ein wesentliches Element der Arbeit des IWF und war Teil der internationalen Bemühungen zur Stärkung der globalen Finanzarchitektur. Auf diese Unterstützung entfielen etwa 19 % der gesamten Verwaltungsausgaben des IWF. IWF-Mitarbeiter und Experten stellten mehr als 300 Personenjahre an Dienstleistungen zur Verfügung. Das entspricht dem jährlichen Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre und ist mehr als doppelt soviel wie Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre. Der Anteil technischer Hilfe für Länder der asiatischen und pazifischen Region war im Geschäftsjahr 2000 geringer, da der Bedarf dieser Länder mit der Lösung der asiatischen Finanzkrise nachließ. Das Exekutivdirektorium führte im Juni 1999 eine umfassende Überprüfung der technischen Hilfe durch und gab im März 2000 eine Grundsatzerklärung über technische Hilfe heraus, die unter anderem den Umfang und den Schwerpunkt der technischen Hilfe und die Kriterien für ihre Vergabe klarstellt.

Im Geschäftsjahr 2000 gab es im IWF mehrere wichtige personelle und organisatorische Änderungen, insbesondere in der Geschäftsleitung. Am 9. November 1999 erklärte der Geschäftsführende Direktor Michel Camdessus aus Frankreich seine Absicht, Anfang 2000, nach 13 Dienstjahren, zurückzutreten, und am 23. März 2000 ernannte das Exekutivdirektorium Horst Köhler, einen deutschen Staatsbürger, zu seinem Nachfolger. Herr Köhler trat sein Amt als Geschäftsführender Direktor am 1. Mai 2000 an. Etwas früher im gleichen Geschäftsjahr, am 14. Dezember 1999, trat Eduardo Aninat, bis dahin Finanzminister von Chile, für eine fünfjährige Amtszeit das Amt eines Stellvertretenden Geschäftsführenden Direktors an. Er ersetzte Alassane D. Ouattara, Staatsbürger von Côte d’Ivoire, der den IWF am Ende seiner Amtszeit am 31. Juli 1999 verließ.

1.Mai 1999 bis 30. April 2000.
2Stand vom 30. April 2000: 1 SZR = 1,31921 US-$.
3PINs werden auf Antrag des Mitgliedslandes nach Abschluss seiner Artikel-IV-Konsultationen veröffentlicht. Sie enthalten eine Übersicht über die letzten wirtschaftlichen Entwicklungen und eine Bewertung der Wirtschaftspolitik durch das Exekutivdirektorium des IWF.

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