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Kapitel 2: Länderspezifische, globale und regionale Überwachung durch den IWF

Author(s):
International Monetary Fund
Published Date:
September 2000
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Im Zentrum des Mandats des IWF, die Funktionsweise des internationalen Währungssystems zu verbessern, steht seine Aufsicht über die (oder „Überwachung” der) Wirtschafts- und Finanzpolitik seiner Mitgliedsländer. Die Überwachung durch den IWF hat im Gefolge der mexikanischen Krise von 1994 und der späteren Finanzkrisen in Asien und anderen aufstrebenden Marktwirtschaften noch mehr an Bedeutung gewonnen, und der IWF hat seine Aufsicht den sich ändernden Bedürfnissen seiner Mitglieder in einer zunehmend integrierten Weltwirtschaft angepasst. Das hat dazu geführt, dass die Überwachungstätigkeit des IWF auch der Mechanismus ist, in dem die meisten Initiativen, die im Rahmen der internationalen Anstrengungen zur Stärkung der Architektur des internationalen Währungsund Finanzsystems durchgeführt – oder geplant – werden, zusammenfließen (siehe Kapitel 4). Der IWF hat außerdem Maßnahmen ergriffen, um dafür Sorge zu tragen, dass der Überwachungsprozess durch informelle und zusätzliche Diskussionen und Mechanismen kontinuierlich verläuft.

Der IWF führt die Überwachung auf verschiedene Weisen durch:

  • Die Länderüberwachung hat die Form regelmäßiger (gewöhnlich jährlicher) Konsultationen mit den Mitgliedsländern über ihre Politikmaßnahmen. (Die Konsultationen werden als „Artikel-IV-Konsultationen” bezeichnet, da sie im Artikel IV des Übereinkommens bzw. der Charta des IWF niedergelegt sind.)
  • Die globale Überwachung umfasst periodische Überprüfungen der weltwirtschaftlichen Entwicklungen durch das Exekutivdirektorium des IWF auf der Basis von Berichten im World Economic Outlook (Weltwirtschaftsausblick), die vom IWF-Stab erstellt werden, sowie periodische Erörterungen von Entwicklungen, Aussichten und politischen Fragen in Bezug auf die internationalen Kapitalmärkte.
  • Die regionale Überwachung von Währungsunionen hat sich neuerdings verstärkt – z. B. erörterte das Direktorium im Geschäftsjahr 2000 Entwicklungen in der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion und in der Zentralafrikanischen Wirtschaftsund Währungsgemeinschaft1. Die intensivierten Beratungen zwischen dem Stab und den regionalen Behörden dienen dazu, die Länderkonsultationen mit den Mitgliedsländern zu ergänzen.

Um eine stetigere und wirksamere Überwachung zu erreichen, ergänzt das Direktorium seine festgelegte systematische Prüfung durch regelmäßige informelle Sitzungen – manchmal monatlich, oder häufiger – über bedeutende Entwicklungen in ausgewählten Ländern und Regionen. Das Direktorium trifft sich auch regelmäßig, um Entwicklungen in der Weltwirtschaft und an den Finanzmärkten zu erörtern. Diese fortwährenden Bewertungen des Direktoriums bereichern und lenken die Arbeit des IWF-Stabs in Bezug auf die Mitgliedsländer und werden den nationalen Behörden durch die Exekutivdirektoren mitgeteilt.

Auf all diese Arten strebt der IWF danach, auf Gefahren am Horizont hinzuweisen und die Notwendigkeit für politische Maßnahmen seiner Mitglieder vorauszusehen.

Die zentrale Bedeutung einer wirksamen und zeitnahen Überwachung durch den IWF hat sich in den letzten Jahren als Folge des kräftigen Wachstums der privaten Kapitalmärkte, der gestiegenen wirtschaftlichen und finanziellen Integration, der höheren Risiken, dass inländische Politikfehler Rückwirkungen auf andere Länder haben, und der Auswirkungen von Leistungsbilanzkonvertibilität und marktorientierter Reformen in den meisten Mitgliedsländern herauskristallisiert.

Eine wirksame Überwachung durch den IWF hängt zunehmend von Folgendem ab:

  • Bereitstellung von Informationen. Der IWF ermutigt die Länder, eine größere Transparenz und eine vollständigere Offenlegung von zeitnahen, zuverlässigen und umfassenden Daten einzuführen. In den Überwachungstätigkeiten wurde deshalb den Lücken oder Mängeln in den Daten, die die Analyse behindern können, mehr Aufmerksamkeit gewidmet, und die Bedeutung von offenen Informationen für die Qualität der verfügbaren Daten wurde unterstrichen.
  • Stetigkeit der Überwachung. Der IWF hat die jährlichen Konsultationen durch zwischenzeitliche Besuche des Mitarbeiterstabes in den Mitgliedsländern und durch häufige informelle Direktoriumssitzungen zur Überprüfung wichtiger Entwicklungen in ausgewählten Mitgliedsländern ergänzt.
  • Schwerpunkt der Überwachung. Die Überwachung auf der Länderebene legt den Schwerpunkt auf die Kerngebiete der Aufsicht über die wechselkurspolitischen, makroökonomischen und verwandten strukturpolitischen Maßnahmen. Sie prüft im Licht der Situation des Landes, ob diese Politikmaßnahmen dienlich sind, eine angemessene Preisstabilität, tragfähige Außenwirtschaftspositionen und Wirtschaftswachstum zu erreichen. Auf Grund der raschen Integration der internationalen Finanzmärkte wurden in den letzten Jahren Kapitalverkehrsentwicklungen, Finanzsektorfragen und die Bewertung der externen Anfälligkeit – insbesondere für aufstrebende Marktwirtschaften – der Palette von Kernüberwachungsfragen hinzugefügt. Die Palette der Kernfragen wird sich wahrscheinlich angesichts anhaltender Änderungen in der Weltwirtschaft weiter entwickeln, obwohl Fragen verbunden mit der externen Durchhaltbarkeit und der Anfälligkeit gegen Zahlungsbilanz- oder Währungskrisen von zentraler Bedeutung bleiben werden. Die Überwachung umfasst auch, wenngleich auf selektiver Basis, solche Nicht-Kernfragen wie Armut, Gesundheit und Ausbildung, Umwelt, Integrität der Regierungsführung und Militärausgaben, wenn diese einen direkten und gewichtigen Einfluss auf makroökonomische Entwicklungen haben.
  • Bewertung der Anfälligkeit. Die Anfälligkeitsanalyse in der Länderüberwachung ist vertieft worden, insbesondere für aufstrebende Marktwirtschaften. Diese Analysen werden unterstützt durch die Sammlung von umfassenderen und aktuelleren Daten, die für die Bewertung von Anfälligkeiten relevant sind – einschließlich schulden- und reservebezogener Indikatoren für Anfälligkeiten und Kapitalverkehrsentwicklung. Verwandte Arbeiten sind im Gange über die strukturellen und institutionellen Elemente der Devisenreservenverwaltung, häufige Prüfungen der Auslandsverbindlichkeiten inländischer Bankensysteme, makroprudentielle Indikatoren für die Anfälligkeit des Finanzsektors sowie über Frühwarnsysteme.
  • Transparenz. Die Bemühungen zur Erhöhung der Transparenz in Bezug auf die Politikmaßnahmen der Mitglieder und die Politikempfehlungen des IWF sind beträchtlich vorangekommen. Etwa ein Drittel der Mitgliedsländer nimmt an einem Pilotprojekt zur freiwilligen Veröffentlichung von Artikel-IV-Stabsberichten teil, und die große Mehrheit der Mitglieder gibt inzwischen nach den Artikel-IV-Konsultationsaussprachen Öffentliche Informationsmitteilungen (PINs)2 heraus.
  • Überwachung und Standards. Das Einhalten internationaler Standards und Verfahrenskodizes, das freiwillig ist, wird zunehmend als wichtig für die Verbesserung des Politikumfeldes und für die Reduzierung der makroökonomischen und finanziellen Anfälligkeit der Länder angesehen. Bei der Entwicklung und Stärkung von Standards wurden Fortschritte erzielt. Dazu gehören der Spezielle Datenveröffentlichungs-Standard (SDDS), der Verfahrenskodex zur Transparenz der Geld- und Finanzpolitik und die Basler Kernprinzipien (BCP) für Banken. Fortschritte gab es auch beim Erstellen von Bewertungsberichten über die Einhaltung der Standards von Seiten der Mitglieder mittels des versuchsweisen Programms zur Bewertung des Finanzsektors (FSAP) und der Berichte über die Einhaltung von Standards und Kodizes (ROSCs). Die Überwachung durch den IWF schafft einen Rahmen, in dem die Auswirkungen der Bewertungsergebnisse in Bezug auf die Einhaltung von Standards und Kodizes mit den nationalen Behörden geplant und erörtert werden können.

Länderüberwachung

Der IWF führt im Allgemeinen jedes Jahr mit seinen Mitgliedsländern Konsultationen durch, um die wirtschaftlichen Entwicklungen und Politikmaßnahmen der einzelnen Mitglieder zu überprüfen. Die Konsultationen sind nicht begrenzt auf die makroökonomischen Politikmaßnahmen, sondern berühren auch andere Maßnahmen, die die makroökonomische Entwicklung eines Landes beeinflussen, darunter zum Beispiel jene, die gegebenenfalls den Arbeitsmarkt, die Integrität der Regierungsführung und die Umwelt betreffen. Angesichts der verstärkten weltweiten Integration der Finanzmärkte bezieht der IWF Kapitalverkehrs-, Finanzund Bankensektorfragen ausdrücklicher mit ein (siehe Kapitel 4, in dem Mechanismen zur verstärkten Überwachung der Finanzsektoren der Mitglieder erörtert werden).

Um die Länderüberwachung durchzuführen, besucht ein IWF-Stabsteam das Land, sammelt wirtschaftliche und finanzielle Informationen und erörtert mit den Behörden die wirtschaftlichen Entwicklungen, die sich seit dem letzten Besuch ereignet haben, sowie die Geld-, Fiskal- und Strukturpolitik, die das Land verfolgt. Der Exekutivdirektor für das Mitgliedsland nimmt gewöhnlich daran teil. Der IWF-Stab bereitet normalerweise eine abschließende Erklärung oder ein Memorandum vor, das die Gespräche mit dem Mitgliedsland zusammenfasst, und überlässt diese Erklärung der Regierung. Wenn ein Land beschließt, die Abschlusserklärung des Mitarbeiterstabes für die Öffentlichkeit freizugeben, veröffentlicht der IWF die Erklärung auf seiner Website. Nach der Rückkehr in die Zentrale des IWF verfasst der Stab einen schriftlichen Bericht, der die wirtschaftliche Lage in dem Land und den wesentlichen Inhalt der politischen Gespräche mit der Regierung beschreibt und die Politik des Landes bewertet. Das Exekutivdirektorium erörtert dann diesen Bericht. Das Land wird in der Direktoriumssitzung durch seinen Exekutivdirektor vertreten. Die Auffassungen, die die Direktoriumsmitglieder während der Sitzung äußern, werden vom Vorsitzenden des Direktoriums (dem Geschäftsführenden Direktor) oder dem Amtierenden Vorsitzenden zusammengefasst, und es wird ein entsprechender Text (die „Zusammenfassung”) erstellt. Wenn der Exekutivdirektor, der das Mitglied vertritt, zustimmt, wird der zusammenfassende Text, begleitet von einführendem Hintergrundmaterial, als Öffentliche Informationsmitteilung (PIN) veröffentlicht. Im Geschäftsjahr 2000 führte das Direktorium 127 Artikel-IV-Konsultationen mit Mitgliedsländern durch, von denen 106 zur Herausgabe einer PIN führten (siehe Tabelle 2.1); die PINs werden auch auf der Website des IWF veröffentlicht.

Tabelle 2.1Im Geschäftsjahr 2000 abgeschlossene Artikel-IV-Konsultationen
LandDatum der DirektoriumsaussprachePIN bekannt gegebenLandDatum der DirektoriumsaussprachePIN bekannt gegeben
Albanien14. Juni 199922. Juni 1999Lettland28. Juli 199910. August 1999
Antigua und Barbuda10. November 199922. November 1999Libanon8. September 1999
Äquatorialguinea23. August 199930. August 1999Liberia28. Februar 200011. April 2000
Armenien8. Oktober 19995. November 1999Litauen26. Juli 19993. August 1999
Aruba7. Mai 199926. Mai 1999Malaysia7. Juli 19998. September 1999
Aserbcidschan30. Juni 19999. August 1999Malediven27. Oktober 1999
Äthiopien27. Juli 199916. August 1999Malta18. Juni 199913. Juli 1999
Australien28. Januar 200015. Februar 2000Marokko9. Juni 199925. Juni 1999
Bahamas3. August 199927. August 1999Mauritius3. August 199918. August 1999
Bangladesch24. Januar 2000Mexiko17. März 200022. März 2000
Barbados5. November 199910. Dezember 1999Moldau6. August 199923. August 1999
Belarus27. Juli 1999Mongolei24. Januar 200017. Februar 2000
Belgien25. Februar 20003. März 2000Mosambik28. Juni 199914. Juli 1999
Benin23. August 1999Myanmar13. Oktober 1999
Bhutan7. Juni 199917. Juni 1999Nepal18. Februar 200014. März 2000
Bolivien7. Februar 200025. Februar 2000Niederlande15. Oktober 199925. Oktober 1999
Bosnien und Herzegowina8. März 200016. März 2000Niederländische Antillen7. Juni 199913. Juli 1999
Botsuana6. Oktober 199917. November 1999Neuseeland30. August 199915. September 1999
Brasilien28. Juli 199923. August 1999Nicaragua15. September 199927. September 1999
Bulgarien31. März 200019. April 2000Nigeria8. Dezember 1999
Burkina Faso21. Mai 199928. Juni 1999Norwegen28. Januar 200015. Februar 2000
Burundi15. März 20007. April 2000Oman30. Juni 199916. Juli 1999
China, Volksrepublik23. Juli 1999Österreich9. Juni 199921. Juni 1999
Costa Rica6. Oktober 199926. Oktober 1999Palau10. November 199924. November 1999
Cöte d’Ivoire15. Juni 199916. Juli 1999Panama16. Februar 200028. Februar 2000
Dänemark5. August 199926. August 1999Papua-Neuguinea8. Juni 1999
Deutschland20. Oktober 19993. November 1999Paraguay1. März 2000
Dominica10. Januar 200016. Februar 2000Peru24. Juni 19996. Juli 1999
Dominikanische Republik6. August 199925. August 1999Philippinen22. Juli 199910. August 1999
Dschibuti18. Oktober 1999Polen15. März 200031. März 2000
El Salvador5. November 199915. November 1999Portugal8. Oktober 199922. Oktober 1999
Eritrea8. März 2000Ruanda19. November 19996. Dezember 1999
Estland24. Juni 19991. Juli 1999Russland28. Juli 19992. August 1999
Finnland8. Oktober 199918. Oktober 1999Sào Tomé und Principe28. April 200016. Mai 2000
Frankreich22. Oktober 199928. Oktober 1999Saudi-Arabien6. Oktober 1999
Gambia18. Juni 199912. Juli 1999Schweden25. August 19992. September 1999
Georgien21. April 200018. Mai 2000Schweiz14. Februar 20002. März 2000
Ghana19. November 19997. Dezember 1999Simbabwe5. Mai 1999
Griechenland20. Oktober 19998. November 1999Slowakische Republik21. Juli 19994. August 1999
Guatemala16. Dezember 199929. Dezember 1999Slowenien3. März 200016. März 2000
Guinea21. Dezember 19998. März 2000Spanien30. Juni 199930. Juli 1999
Guinea-Bissau13. September 19998. Oktober 1999Sri Lanka13. Oktober 199922. Oktober 1999
Guyana12. Mai 199921. Mai 1999St. Vincent10. November 199910. Dezember 1999
Haiti3. September 199924. September 1999Südafrika14. Februar 200010. März 2000
Honduras8. Dezember 199921. Dezember 1999Sudan12. Mai 19993. Juni 1999
Hongkong18. Februar 20006. März 2000Suriname30. Juni 199919. August 1999
Irland4. August 199920. August 1999Syrien, Arabische Republik2. Juli 1999
Island5. Mai 199914. Mai 1999Tadschikistan27. Januar 200014. Februar 2000
Israel23. März 200024. April 2000Thailand12. Januar 200010. Februar 2000
Italien3. Juni 199923. Juni 1999Togo21. Mai 19997. Juli 1999
Jamaika10. Januar 200027. Januar 2000Trinidad und Tobago9. Juni 199921. Juni 1999
Japan4. August 199913. August 1999Tschechische Republik21. Juli 199929. Juli 1999
Kanada2. Februar 200018. Februar 2000Tunesien2. September 199917. September 1999
Kap Verde24. Mai 199914. Juni 1999Türkei22. Dezember 19993. Januar 2000
Kasachstan26. Juli 19999. August 1999Turkmenistan1. November 1999
Katar24. Januar 2000Uganda26. August 1999
Kenia16. Dezember 19995. Januar 2000Ungarn8. März 200017. März 2000
Kiribati16. Juli 199922. September 1999Uruguay27. Juli 199930. Juli 1999
Kolumbien20. Dezember 199929. Dezember 1999Usbekistan31. Januar 2000
Korea17. Dezember 199929. Dezember 1999Venezuela6. August 1999
Kroatien7. Januar 200031. Januar 2000Vereinigte Staaten30. Juli 19995. August 1999
Kuwait13. Marz 20004. April 2000Vereinigtes Königreich1. März 20006. März 2000
Laos, Dem. Volksrepublik22. November 19992. Dezember 1999Vietnam21. Mai 19998. Juni 1999
Lesotho12. Juli 1999

Zusätzlich zu den Artikel-IV-Konsultationen führt das Direktorium die Überwachung durch seine Aussprachen über laufende IWF-Kreditvereinbarungen zur Unterstützung von Wirtschaftsprogrammen der Mitglieder, über Kreditvereinbarungen, die als vorbeugend geplant sind, und durch IWF-überwachte Programme durch.

  • Vorbeugende Vereinbarungen. Die Mitgliedsländer schließen mit dem IWF eine Bereitschaftskreditoder Erweiterte Kreditvereinbarung ab, beabsichtigen aber nicht, die Finanzmittel, die unter diesen Vereinbarungen zugesagt werden, zu nutzen, es sei denn, die Umstände erfordern dies. Das Land hat jedoch das Recht, die Mittel in Anspruch zu nehmen, wenn es die Bedingungen erfüllt, die in der Vereinbarung festgelegt werden. Solche Vereinbarungen helfen Mitgliedern durch das Bereitstellen eines Rahmens für die Wirtschaftspolitik und das Hervorheben der Unterstützung ihrer Politik durch den IWF, wodurch das Vertrauen in sie gestärkt wird. Sie geben dem Land außerdem die Gewissheit, dass die Finanzmittel des IWF verfügbar sind, falls sie benötigt werden und falls die vereinbarten Bedingungen erfüllt werden.
  • Stabsüberwachte Programme. Der IWF-Stab überwacht das Wirtschaftsprogramm des betreffenden Landes und trifft sich regelmäßig mit der Regierung des Landes, um die verfolgte Politik zu erörtern. Die Stabsüberwachung beinhaltet weder eine formale Billigung der Politik des Mitglieds durch den IWF, noch eine Bereitstellung von Finanzmitteln.

Globale Überwachung

World Economic Outlook (Bericht über die weltwirtschaftlichen Aussichten)

Das Exekutivdirektorium führt die globale Überwachung auf der Basis von Stabsberichten über die weltwirtschaftlichen Aussichten (World Economic Outlook) durch. Diese enthalten eine umfassende Analyse der Aussichten für die Weltwirtschaft und einzelne Länder und Regionen sowie eine Erörterung aktueller Themen. Diese Berichte werden gewöhnlich zweimal im Jahr vorgelegt (und veröffentlicht); sie können jedoch auch häufiger erstellt werden, wenn rasche Änderungen der weltwirtschaftlichen Lage es rechtfertigen.

Während des Geschäftsjahres 2000 trat das Direktorium zweimal zusammen, um den Bericht über die weltwirtschaftlichen Aussichten zu erörtern: im September 1999 und im März 2000. Diese Beratungen legten den Schwerpunkt auf die sich verstärkende weltwirtschaftliche Erholung.

In ihrer Aussprache über den World Economic Outlook im September 1999 begrüßten die Direktoren die Stärkung der Weltwirtschaft im Laufe des abgelaufenen Jahres 1999, die von folgenden Faktoren angetrieben worden sei: der raschen Erholung in den meisten krisenbetroffenen asiatischen Volkswirtschaften und, zu einem geringeren Grad, in Russland; ersten Anzeichen eines lang erwarteten Umschwungs in Japan; besser als erwarteten Ergebnissen in Brasilien; einer Festigung der Wirtschaftsaktivität in vielen Teilen Westeuropas; sowie anhaltendem Wachstum in der US-Wirtschaft. Verminderte Spannungen auf den Finanzmärkten stützten das Wachstum in vielen aufstrebenden Marktwirtschaften, von denen einige auch durch den Anstieg einiger zentraler Rohstoffpreise, einschließlich des Öls, gestärkt wurden. Die wirtschaftliche Aktivität in den Industriestaaten werde durch die im Allgemeinen milde Inflation, niedrige Zinssätze und die in den meisten Fällen verbesserte Lage der öffentlichen Finanzen gefördert. Die Direktoren stimmten ferner der Stabsvorhersage einer weiteren Beschleunigung des Wachstums im Jahr 2000 zu, wobei die erwartete leichte Abschwächung in den Vereinigten Staaten und in Kanada durch die stärkere Aktivität in anderen Industriestaaten und in den meisten aufstrebenden Marktwirtschaften mehr als ausgeglichen werde.

Wenngleich die Direktoren darin übereinstimmten, dass sich die Risiken, die diese Prognosen umgeben, in etwa gegenseitig aufwiegen, betonten einige die Ungewissheiten in der Vorhersage. Eine besondere Sorge seien die möglichen Auswirkungen einer Verlangsamung in den Vereinigten Staaten. Die meisten Direktoren erklärten übereinstimmend, dass angesichts der zunehmenden internen und externen Ungleichgewichte in der US-Wirtschaft solch eine Verlangsamung unvermeidbar und notwendig ist. Einige stellten allerdings fest, dass ein reibungsloser Übergang zu einer etwas niedrigeren und tragfähigeren Wachstumsrate nicht als sicher angesehen werden kann. Sie und andere Direktoren warfen darüber hinaus die Frage auf, ob das Wachstum in Japan und Europa ausreichend robust sein wird, um die geringere Expansion in den Vereinigten Staaten zu kompensieren.

In ihrer Sitzung über den World Economic Outlook im März 2000 nahmen die Direktoren mit Genugtuung die rasche Erholung in der Weltwirtschaft im Jahr 1999 und die Aussicht auf noch stärkeres Wachstum im Jahr 2000 zur Kenntnis. Die globale wirtschaftliche und finanzielle Lage habe sich auf Grund einer Beschleunigung des Wachstums in fast allen Regionen der Welt während des vergangenen Jahres drastisch verbessert. Die Direktoren stellten fest, dass die beeindruckende Stärke der US-Wirtschaft und das in Westeuropa sichtbare robuste Wachstum der rascher als erwarteten Erholung in Asien, Lateinamerika und anderen aufstrebenden Marktregionen eine entscheidende Stütze gegeben haben. Entschlossene Maßnahmen zur Vertiefung der Anpassungs- und Reformanstrengungen seitens der politischen Entscheidungsträger in den krisenbetroffenen Ländern sowie die Hilfe der internationalen Gemeinschaft seien ebenfalls wichtig. Die Direktoren hielten es für möglich, dass die Stabsprognosen zum globalen Wachstum zumindest auf kurze Sicht durchaus eine Anpassung nach oben erfordern können.

Gleichzeitig äußerten die Direktoren eine gewisse Besorgnis über das Potential für eine Korrektur der hochbewerteten Aktienkurse in allen Teilen der Welt (insbesondere in den Technologie- und Informationssektoren), die gemischten Signale in Bezug auf die wirtschaftliche Erholung in Japan, die Anfälligkeiten in den aufstrebenden Marktregionen und die Möglichkeit, dass wachsende globale wirtschaftliche und finanzielle Ungleichgewichte das globale Wachstum zerstören können, falls sie nicht unter Kontrolle gebracht werden. Eine anhaltende Erholung der Inlandsnachfrage in Westeuropa und Japan würde, verbunden mit einer gewissen Verlangsamung des US-Wachstums, dazu beitragen, eine ausgeglichenere Verteilung des Wachstums zwischen den wichtigsten Industrieländern zu erreichen. Einige Direktoren verwiesen auf zusätzliche Ungewissheiten als Folge der Erhöhungen der Weltölpreise. In Anbetracht dieser Besorgnisse und ungeachtet der insgesamt verzeichneten Besserung in der Weltwirtschaft, stünden die politischen Entscheidungsträger weltweit vor wichtigen, aber sehr unterschiedlichen Herausforderungen. In einigen Ländern müssten die makroökonomischen Maßnahmen darauf gerichtet werden, dem Aufschwung eine anhaltende Stütze zu geben, während andernorts wahrscheinlich eine weitere Straffung der makroökonomischen Politik erforderlich sei, um die Risiken der Überhitzung abzubauen. Allgemein könne man davon ausgehen, dass die Aussichten für dauerhaftes Wachstum in nahezu allen Entwicklungsländern und in vielen fortgeschrittenen Volkswirtschaften durch nachdrücklichere und weitergehende Strukturreformen verbessert würden.

Entwicklungen in den wichtigsten Währungsgebieten

Bei der Erörterung der Entwicklungen in den Vereinigten Staaten sahen die Direktoren trotz mehrerer Zinssatzerhöhungen durch die US-Notenbank „Federal Reserve” wenig Zeichen einer Verlangsamung der wirtschaftlichen Aktivität; tatsächlich beschleunigte sich das Wachstum gegen Ende 1999. Sie gingen davon aus, dass das Zusammenspiel von hohen Investitionen und Produktivitätswachstum, gedämpftem Lohndruck und anhaltend niedriger Inflation – als Folge grundlegender Änderungen in der Volkswirtschaft – die potentielle Wachstumsrate der USA erhöht hat. Dennoch waren viele Direktoren besorgt über die zunehmenden internen und externen Ungleichgewichte in der Volkswirtschaft, die die lang anhaltende Expansion begleitet hätten, einschließlich eines Leistungsbilanzdefizits in Rekordhöhe, einer stark negativen privaten Nettoersparnis und hoher Börsenbewertungen. Die Direktoren erkannten die zentrale Rolle an, die die US-Nachfrage bei der Stützung der Erholung weltweit gespielt hat, sowie die Bedeutung des günstigen inländischen Investitionsklimas und der Steigerung der nationalen Ersparnis für die Entwicklung der Leistungsbilanz. Viele Direktoren stimmten jedoch darin überein, dass eine gewisse weitere Straffung der US-Zinssätze in den kommenden Monaten wahrscheinlich unvermeidbar ist, falls es keine deutlichere Zeichen für eine Abschwächung der Nachfrage gibt. Eine solche Strategie würde die Aussichten auf eine „weiche Landung” der Volkswirtschaft verbessern, wohingegen eine verspätete Reaktion das Risiko einer weiteren Zunahme der Ungleichgewichte und einer anschließenden „harten Landung” erhöhen könne. Eine ausgeglichenere Verteilung des globalen Wachstums würde dazu beitragen, das außenwirtschaftliche Defizit der USA abzubauen.

Einige Direktoren stellten demgegenüber fest, dass weitere Anhebungen der US-Zinssätze die Aussichten auf eine anhaltende Erholung in einigen zentralen aufstrebenden Marktwirtschaften wieder schmälern könnten, insbesondere in den lateinamerikanischen Ländern, die in den kommenden Jahren erhebliche externe Finanzierungsmittel benötigten. Diese Direktoren empfahlen ein vorsichtiges Vorgehen bei einer weiteren geldpolitischen Straffung und erklärten, dass als Alternative eine weitere fiskalische Konsolidierung zur Dämpfung des Wachstums der Inlandsnachfrage das Risiko von Ansteckungseffekten auf den globalen Kapitalmärkten vermeiden würde. Sie erkannten jedoch an, dass sich die Durchführung einer weiteren fiskalischen Straffung bei einem Haushalt, der bereits einen Überschuss aufweist, politisch als schwierig erweisen kann. Allgemein stimmten die Direktoren darin überein, dass eine weitere fiskalische Ankurbelung, ob durch beträchtliche Steuerkürzungen oder Ausgabenerhöhungen, unter den gegenwärtigen Umständen gefährlich wäre. Sie erklärten, dass statt dessen die zu begrüßenden Steigerungen der öffentlichen Ersparnis weitgehend dazu verwandt werden sollten, die Schulden abzubauen und die längerfristigen fiskalischen Anforderungen, die mit einer alternden Bevölkerung verbunden sind, zu erfüllen.

In Bezug auf Japan stimmten die Direktoren darin überein, dass die wirtschaftlichen Indikatoren hinsichtlich der Aussichten auf eine Erholung unklare Signale geben. Die Daten für das BIP des vierten Quartals 1999 bestätigten zusammen mit Trends in den Haushaltsausgaben, dass sich die reale Aktivität nach dem kurzlebigen Aufschwung in der ersten Hälfte des Jahres 1999 wieder abgeschwächt habe, während der Index der vorlaufenden Indikatoren Grund zu mehr Optimismus über die wirtschaftlichen Aussichten gebe.

Die meisten Direktoren glaubten, dass ein starker, sich selbst tragender Aufschwung in Japan, der von der privaten Inlandsnachfrage angeführt wird, noch etwas fern scheint und dass stützende makroökonomische Maßnahmen daher beibehalten werden sollten. Die Direktoren stimmten darin überein, dass Japans Nullzinspolitik für die Geldpolitik angemessen bleibt, wobei einige eine weitere Lockerung der Geldpolitik vorschlugen, insbesondere falls sich der Yen erneut aufwerten sollte. Einige Direktoren waren weiterhin der Auffassung, dass die Einführung eines Inflationsziel-Konzeptes dazu beitragen kann, den geldpolitischen Rahmen zu verbessern. Die meisten Direktoren glaubten, dass auch die Fiskalpolitik weiterhin den Aufschwung stützen sollte, wenngleich eine Reihe von ihnen empfahl, angesichts des raschen Anstiegs der öffentlichen Verschuldung, des Drucks auf die längerfristigen Zinssätze und der Notwendigkeit, den langsam stärker werdenden fiskalischen Druck auf Grund der öffentlichen Rentensysteme zu bewältigen, bald mit der Verlagerung des Schwerpunkts in Richtung fiskalischer Konsolidierung zu beginnen. In diesem Zusammenhang äußerten sich mehrere Direktoren besorgt über die Wirksamkeit der aufeinanderfolgenden fiskalischen Pakete, die die Volkswirtschaft auf einen selbsttragenden Wachstumspfad führen sollten. Die Direktoren unterstrichen die entscheidende Rolle von Strukturreformen zur Stärkung des Vertrauens und damit zur Erhöhung der Effizienz der makroökonomischen Maßnahmen Japans, wobei sie auch feststellten, dass der Spielraum für anhaltende expansive makroökonomische Maßnahmen bei Zinssätzen von Null und einem hohen öffentlichen Schuldenstand seine Grenzen erreichen könnte. Vor diesem Hintergrund waren die Direktoren besorgt über Verzögerungen bei der Umsetzung einiger wichtiger Strukturreformen sowie über das, was sie als eine Schwächung anderer Initiativen ansahen. Sie waren der Auffassung, dass Strukturanpassungen zwar negative Wirkungen auf einige Sektoren haben können, dass dies jedoch mit der Zeit durch die weiter gehenden Verbesserungen in Bezug auf das Vertrauen und die Wirtschaftsaktivität, die auf Maßnahmen zur Liberalisierung heimischer Märkte, zur Stärkung des Finanzsystems und zur Bewältigung anderer struktureller Schwächen folgen, mehr als ausgeglichen wird.

Die Direktoren begrüßten die Zunahme des Vertrauens und der Aktivität im Eurogebiet. Sie nahmen die Verbesserungen in der wirtschaftlichen Entwicklung der größten Volkswirtschaften in der Region zur Kenntnis, bemerkten aber, dass das Wachstum in mehreren der kleineren Länder nach wie vor erheblich dynamischer ist. Die Fiskalpolitik müsse bei der Dämpfung der Überhitzungsrisiken in den rasch wachsenden Volkswirtschaften eine zentrale Rolle spielen, wenngleich fiskalische Anpassungen angesichts der entstehenden Haushaltsüberschüsse in einigen dieser Länder politisch schwer durchsetzbar sein könnten. In den meisten Volkswirtschaften des Eurogebiets sei außerdem ein umfassendes fiskalisches Reformprogramm erforderlich, um den gegenwärtigen und längerfristigen Ausgabendruck zu reduzieren und um größeren Spielraum für Steuererleichterungen zu gewinnen. Die Direktoren erklärten, dass die im Gang befindliche Erholung eine gute Gelegenheit bietet, diese fiskalischen Reformen und ergänzende Strukturanpassungen voranzutreiben – insbesondere auf den Arbeits- und Gütermärkten –, um den Aufschwung zu unterstützen. Während alle Direktoren übereinstimmten, dass sich die Geldpolitik weiterhin auf die Bewahrung niedriger Inflation konzentrieren sollte, waren einige der Auffassung, dass die Geldpolitik angesichts der in der Region noch sichtbaren freien Kapazitäten weiterhin die Erholung stützen sollte. Einige andere Direktoren erklärten demgegenüber, dass man im kommenden Jahr angesichts des in einigen Ländern entstehenden Risikos steigenden Preisdrucks – unter anderem auf den Märkten für Vermögenswerte – von einer Straffung der Geldpolitik ausgehen kann.

Preise für Vermögenswerte

Bei der Erörterung der Entwicklungen in den fortgeschrittenen Ländern widmeten die Direktoren den Trends in den Preisen für Vermögenswerte besondere Aufmerksamkeit. Sie stellten fest, dass die Inflation der Preise für Vermögenswerte eine generelle Sorge ist, die die Vereinigten Staaten und große Teile Westeuropas betrifft. Hohe Preise für Vermögenswerte seien in dem vorherrschenden Umfeld niedriger Inflation auf den Güter- und Dienstleitungsmärkten eine ernstzunehmende Herausforderung für die makroökonomische Politik. Auf der einen Seite waren die Direktoren der Auffassung, dass es angesichts der praktischen Schwierigkeiten bei der Bestimmung des Gleichgewichtswerts von Vermögenswertpreisen und der Tatsache, dass sie in relativ effizienten Märkten gehandelt werden, unangemessen ist, den Versuch zu unternehmen, diese Preise durch die makroökonomische Politik zu beeinflussen. Da auf der anderen Seite rasche und anhaltende Preissteigerungen bei den Vermögenswerten den Inflationsdruck verschlimmern und die finanzielle Stabilität durch ihre Wirkung auf die Gesamtnachfrage und das inländische Kreditvolumen gefährden könnten, könnten die Entwicklungen der Preise für Vermögenswerte durchaus zu einer ernsten Sorge für die Zentralbanken werden. Die Direktoren stimmten darin überein, dass solche Informationen in Inflations- und Geldmengenziel-Konzepten in dem Maße berücksichtigt werden sollten, wie die Preise für Vermögenswerte wichtige Informationen über künftige Entwicklungen in der wirtschaftlichen Aktivität und Inflation bieten, – dass jedoch die Preise von Gütern und Dienstleistungen das Politikziel bleiben sollten. Obwohl sie zustimmten, dass eine Beeinflussung der Preise für Vermögenswerte nicht zu einem dauerhaften Politikziel werden sollte, meinten einige Direktoren, dass es Phasen geben kann, in denen sich die makroökonomische Politik „gegen den Wind lehnen” sollte, um zu versuchen, Übertreibungen der Finanzmärkte einzudämmen, selbst wenn die Inflation auf den Güter- und Dienstleistungsmärkten verhalten bleibt – wenngleich sie die praktischen Schwierigkeiten bei der Entscheidung anerkannten, wann und in welchem Grad eine solche Politik umgesetzt werden sollte.

Die Direktoren stellten fest, dass in den Vereinigten Staaten viele Bewertungsanalysen trotz einiger Unsicherheiten auf einen gewissen Grad an Überbewertung in umfassenden Kernindizes verweisen. Im Lichte von Anzeichen, dass auf den Aktienmarkt zurückzuführende Vermögenseffekte dazu beitragen könnten, das Wachstum der Inlandsnachfrage weit über die Zunahme des Produktionspotentials hinaus anzufachen, meinten die Direktoren, dass die US-Schritte zur Straffung der Geldpolitik angemessen waren – und dass der Bedarf für eine weitere Straffung eng geprüft werden muss.

Hinsichtlich des Eurogebiets stimmten die Direktoren darin überein, dass die zentrale Herausforderung für die makroökonomische Politik, die sich aus der Entwicklung der Preise für Vermögenswerte ergebe, nach wie vor im Ausmaß der regionalen Unterschiede liege, insbesondere bei Immobilienpreisen, die in einigen rasch wachsenden Ländern des Euroraums an der Peripherie weitaus stärker stiegen als in der Region insgesamt. Während das raschere Wachstum an der Peripherie zumindest zum Teil durch die regionale Konvergenz der Einkommen im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Integration und der Einführung des Euro gerechtfertigt sei, stelle die potentiell erhebliche Wirkung von Korrekturen der Vermögenswertpreise auf die finanzielle Lage in einigen kleineren europäischen Ländern ein Problem für die Umsetzung der Geldpolitik dar.

Aussichten für aufstrebende Marktwirtschaften

Sich den wirtschaftlichen Entwicklungen in Asien zuwendend, begrüßten die Direktoren die rasche Erholung in den krisenbetroffenen Ländern und die Vorhersagen eines anhaltend starken Wachstums. Steigende Exporte hätten in diesem Aufschwung eine Schlüsselrolle gespielt und die Unterstützung durch die öffentlichen Ausgaben sowie, etwas später, durch die private Inlandsnachfrage ergänzt. Die Direktoren stimmten darin überein, dass die fiskalische Stimulierung stetig in dem Maße zurückgenommen werden sollte, wie das Wachstum selbsttragend werde. Tatsächlich schlugen mehrere Direktoren vor, in den Ländern, in denen der Aufschwung am weitesten fortgeschritten ist, die makroökonomische Politik darauf zu konzentrieren, die Risiken der Überhitzung zu reduzieren und das Wachstum der öffentlichen Verschuldung zu begrenzen. Die Direktoren drängten die krisenbetroffenen Länder, die Strukturreformen entschlossen weiterzuführen – insbesondere im Finanz- und Unternehmenssektor sowie im institutionellen und aufsichtsrechtlichen Rahmen – und warnten davor, dass sich die Erholungen als kurzlebig erweisen könnten, wenn in diesen Reformanstrengungen nachgelassen werde. Um die gegenwärtig kräftigen Wachstumsraten in China und Indien zu bewahren, seien weitere strukturelle Reformen notwendig.

In Lateinamerika habe sich der Abschwung 1999 insgesamt auf Grund der anhaltenden Umsetzung umsichtiger makroökonomischer und struktureller Maßnahmen milder als erwartet erwiesen, obwohl mehrere Länder ernste Rezessionen erlitten. Die Direktoren stimmten mit den Prognosen des Stabes überein, dass im Jahre 2000 eine umfassendere Erholung einsetzen und sich 2001 fortsetzen wird. Verschiedene Elemente trügen zur Verbesserung der regionalen wirtschaftlichen Lage bei: zu diesen gehörten das starke Wachstum in den Vereinigten Staaten, steigende Rohstoffpreise sowie rückläufige Inflation und Zinssätze. Trotzdem verwiesen mehrere Direktoren auf die verbleibenden Anfälligkeiten – insbesondere den hohen externen Finanzierungsbedarf der größten Länder und anhaltende Schwächen in einigen kleineren Volkswirtschaften. Die Direktoren drängten diese Länder, weiter Schritte zu unternehmen, um die Risiken abzubauen und das Vertrauen der internationalen Investoren zu erhalten. Zu den zentralen Maßnahmen gehörten ein Abbau der fiskalischen Defizite, bei denen im Jahre 2000 weitere Fortschritte erwartet würden; die Einführung geldpolitischer Konzepte mit dem Ziel, eine niedrige Inflation zu erreichen oder zu bewahren; sowie zur Stützung dieser Ziele die Umsetzung weiterer struktureller und institutioneller Reformen, einschließlich einer größeren Handelsliberalisierung. Die Direktoren betonten außerdem, dass eine Steigerung der öffentlichen und privaten inländischen Ersparnis für eine Verringerung der Abhängigkeit von ausländischer Finanzierung wichtig ist.

Russlands Volkswirtschaft erlebte 1999 eine rasche Wende, aber die Aussichten für eine anhaltende Erholung blieben ungewiss. Der Abbau der fiskalischen und außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte Russlands beruhte 1999 weitgehend auf höheren Ölpreisen, wobei die Importkompression und -substitution ebenfalls zum Wachstum beitrug. Die Direktoren stimmten darin überein, dass entschlossene und umfassende Reformanstrengungen erforderlich sind, um das Investitionsklima und die mittelfristigen Wachstumsaussichten zu verbessern. Priorität müsse der Stärkung der Institutionen und Abläufe eingeräumt werden, die Marktwirtschaften stützten – einschließlich des rechtlichen Rahmens, der Wettbewerbspolitik, der Transparenz und der Integrität der Politik. Solche Reformen würden die Bemühungen verstärken, die zentralen strukturellen Schwächen in der Volkswirtschaft anzugehen, insbesondere im Steuersystem, im Bankensystem sowie in vielen Teilen des Unternehmenssektors.

Die Wirtschaftslage in den mittel- und osteuropäischen Transformationsländern, die den Beitritt zur Europäischen Union (EU) anstreben, sei günstig. In all diesen Ländern werde im Jahre 2000, gestützt in den meisten Fällen auf steigende Exporte nach Westeuropa und stärkeres Vertrauen der Investoren, eine Beschleunigung des Wachstums erwartet. Für anhaltende Verbesserungen der wirtschaftlichen Aussichten und zur Vorbereitung auf eine eventuelle EU-Mitgliedschaft seien jedoch weitere Fortschritte bei der strukturellen Anpassung notwendig. In einigen Ländern sei außerdem neben stärkerem Wachstum ein rascherer Fortschritt bei der fiskalischen Konsolidierung wünschenswert, um den Druck auf Inflation und Zinssätze abzubauen.

In vielen Ländern des Nahen Ostens und mehreren Ländern in Afrika habe der Anstieg der internationalen Ölpreise zu Verbesserungen der fiskalischen Position, der Leistungsbilanzsalden und anderer Komponenten der wirtschaftlichen Entwicklung beigetragen. Die Erhöhungen einiger Nicht-Öl-Rohstoffpreise (wie die von Metallen) begünstigten ebenfalls das Wachstum der externen Einnahmen in mehreren afrikanischen Ländern, wenngleich niedrige Preise für andere Güter (wie Tee, Kaffee und Baumwolle) verbunden mit ungünstigen Wetterverhältnissen (insbesondere in Mosambik) die Wachstumsaussichten andernorts verlangsamt hätten. In diesem Zusammenhang betonten die Direktoren übereinstimmend die Bedeutung einer anhaltenden wirtschaftlichen Diversifizierung, um die Anfälligkeit dieser Länder gegen Schwankungen der Preise und Mengen der Rohstoffexporte abzubauen. Sie waren ermutigt darüber, dass in diesen Regionen, darunter in vielen der kleineren Länder Afrikas, erhebliche Fortschritte bei der Schaffung einer Basis für umfassenderes Wachstum erzielt wurden. Angesichts der verbleibenden wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen müssten diese Reformanstrengungen ausgeweitet werden, damit sie zu entscheidenden Vorstößen gegen die Armut führen und ein besseres Umfeld für die wirtschaftliche Entwicklung schaffen.

Stärkung des Wachstums in den ärmsten Ländern

In ihrer Aussprache über die weltwirtschaftlichen Aussichten im März 2000 bekräftigten die Direktoren auch ihr Bekenntnis zu Politikmaßnahmen, die auf die Erhöhung des Lebensstandards der Ärmsten zielen. Obwohl die wirtschaftliche Entwicklung in den meisten Entwicklungsländern im Verlauf der vergangenen 30 Jahre im Durchschnitt unbefriedigend gewesen sei, waren die Direktoren im wesentlichen ermutigt angesichts der Steigerung im realen Pro-Kopf-Einkommen in vielen armen Ländern Asiens – insbesondere in China und Indien – und, in neuerer Zeit, in mehreren Ländern Afrikas, in denen erfolgreich Programme mit der Zielsetzung angemessener Preisstabilität, vernünftiger Haushaltssalden und tragfähiger Wechselkursregelungen umgesetzt worden seien.

Die Direktoren betonten, von zentraler Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung seien marktfreundliche Institutionen und ein Umfeld, in dem Privatpersonen und Unternehmen sparen und investierten können und in dem sie davon ausgehen können, dass sie die künftigen Erträge ihrer Anstrengungen ernten. Politische Instabilität, Krieg und fehlende Rechtsstaatlichkeit seien entscheidende Hemmnisse für ein solches Umfeld sowie die Entwicklung im Allgemeinen. Die Direktoren forderten anhaltende Fortschritte bei der Beseitigung von Verzerrungen auf den heimischen Märkten durch die Abschaffung von Preiskontrollen und Subventionen, die Liberalisierung des Außenhandels und die Bekämpfung der Korruption durch leistungsfähige und transparente Regierungen. Viele Entwicklungsländer müssten außerdem stabilere Finanzmärkte schaffen, um die Ersparnisse wirksam in gewinnbringende Investitionen zu leiten. Viele dieser Länder, insbesondere die ärmsten, würden auch davon profitieren, Gesundheits- und Bildungsprogrammen höhere Priorität zu verleihen, um den Teufelskreis der Armut durch wachsende Produktivität durchbrechen zu helfen. Die Direktoren warnten allerdings, dass es keine allgemein gültige Formel für das Einleiten und Aufrechterhalten wirtschaftlichen Wachstums gebe; jedes Land müsse selbst entscheiden, wie die notwendigen Grundlagen für wirtschaftlichen Wohlstand am besten durch die gemeinsamen Anstrengungen von Regierung und Vertretern der Zivilgesellschaft geschaffen werden könnten. In diesem Zusammenhang betonten die Direktoren, dass das Bekenntnis der Länder zum Reformprozess („ownership”) entscheidend für seinen Erfolg ist.

Eine nicht tragfähige Auslandsverschuldung ist ein entscheidendes Hindernis für wirtschaftliches Wachstum und Armutsbekämpfung, insbesondere in einigen der ärmsten Länder. Ohne wesentliche Schuldenerleichterung werden Anreize für Regierungsreformen und Privatinvestitionen abgeschwächt, und die Länder können in eine heimtückische Schulden- und Armutsfalle geraten. Die Direktoren verwiesen auf die Möglichkeiten der vor kurzem erweiterten Initiative für hochverschuldete arme Länder (HIPCs), in deren Rahmen die Verschuldung durch abgestimmte Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft auf tragfähige Werte reduziert werde (siehe Kapitel 5).

Die Direktoren erkannten die wichtigen Beiträge an, die die Mitglieder und insbesondere die fortgeschrittenen Volkswirtschaften sowohl direkt als auch durch internationale Organisationen zur Schuldenerleichterung leisten. Mehrere Direktoren forderten eine Umkehr im Abwärtstrend der staatlichen Entwicklungshilfe und mahnten, dass der mit der HIPC-Initiative verbundene Schuldenerlass nicht als Ersatz für künftige Entwicklungshilfe gesehen werden dürfe. Diese Direktoren lenkten die Aufmerksamkeit auf eine wirksamere Nutzung der Entwicklungshilfe, zum Beispiel durch erweiterte Reformanreize in den Empfängerländern und durch einen besseren Zuschnitt der Hilfe auf die Befriedigung der Bedürfnisse dieser Länder. Viele Direktoren forderten außerdem die fortgeschrittenen Volkswirtschaften auf, die Wirksamkeit der HIPC-Initiative durch eine Reform ihrer Handelspolitik zu erhöhen, insbesondere in Bereichen wie landwirtschaftliche Produkte und Textilien, in denen die bisherige Politik besonders nachteilige Wirkungen auf Handelsmöglichkeiten und Wachstumsaussichten der Entwicklungsländer habe.

Internationale Kapitalmärkte

Ende Juli 1999 führten die Exekutivdirektoren ihre jährliche Überprüfung von Entwicklungen und Aussichten der internationalen Kapitalmärkte durch. Die Direktoren erörterten außerdem die Lehren aus der globalen Finanzmarktturbulenz von 1998 und den Krisen der aufstrebenden Märkte. Obwohl sich die Lage an den Finanzmärkten im vergangenen Jahr verbessert habe, verwiesen die Direktoren in der Vorhersage auf einige Risiken und Unsicherheiten. Sie waren unterschiedlicher Auffassung über die Lehren aus den Störungen der Jahre 1997-98 und bei den Initiativen, die erörtert wurden, um Schwächen in der globalen Finanzarchitektur anzugehen. Obwohl die Direktoriumsmitglieder weitgehend die Anstrengungen zur Erhöhung von Marktdisziplin, prudentieller Aufsicht und Regulierung unterstützten, erzielten sie weniger Einvernehmen über die konkret zu ergreifenden Maßnahmen und darüber, ob das Problem der Sicherstellung geeigneter Anreize angemessen angegangen wird. Die Risiken der Globalisierung und die Frage, wie ihnen am besten zu begegnen ist, sollten im Mittelpunkt der Forschungstätigkeit des IWF bleiben.

Fragen und Risiken

Im Juli 1999 stellte das Direktorium fest, dass die Funktionsweise der internationalen Kapitalmärkte erheblich besser ist als 1998, verwies jedoch auf mehrere verbleibende Risiken und Unsicherheiten und darauf, dass die Stimmung noch ungewöhnlich anfällig ist. Obwohl die Finanzmarktaktivität in den fortgeschrittenen Ländern in vieler Hinsicht zur Normalität zurückgekehrt sei, bleibe die externe Finanzierung für viele aufstrebende Märkte ungewöhnlich begrenzt. Die Zinsaufschläge auf die externen Schuldeninstrumente dieser Länder seien in mehreren Fällen nach wie vor sehr hoch, und international tätige Banken setzten ihren Rückzug aus den aufstrebenden Märkten fort. Dies führe zu einer weiterhin hohen Volatilität und zu fortdauernden erheblichen Anfälligkeiten.

Die anhaltend starke makroökonomische Entwicklung der US-Wirtschaft, Anzeichen für einen umfassenderen Aufschwung in Kontinentaleuropa und Japans Fortschritte bei der Bewältigung seiner Finanzsektorund makroökonomischen Probleme stimmten optimistisch. Die Hauptrisiken beträfen die Durchhaltbarkeit der zu verzeichnenden Kombination aus außergewöhnlich hohen US-Aktienkursen und starkem US-Dollar sowie die Möglichkeit, dass entweder eine spontane Neubewertung oder weitere Schritte der amerikanischen Zentralbank „Federal Reserve” zur Straffung der Geldpolitik eine erhebliche Korrektur der Aktienkurse auslösen könnten. Während viele Direktoriumsmitglieder zuversichtlich waren, dass die fortgeschrittenen Länder eine moderate Korrektur der US-Aktien bewältigen können, äußerte sich eine Reihe von Direktoren besorgt über das Ausmaß und die Verteilung der Hebelwirkung in fortgeschrittenen Finanzsystemen, da sie eine stärkere Folgewirkung haben könnten – mit negativen Auswirkungen auf die aufstrebenden Märkte, insbesondere auf Länder, deren Märkte bereits schwach seien.

Obwohl sie die Erholung der Preise für Vermögenswerte in den aufstrebenden Märkten seit Anfang 1999 begrüßten, verwiesen einige Direktoren auf die Risiken, die von der anhaltend angespannten externen Finanzierungslage und dem andauernden Rückzug internationaler Investoren hervorgerufen würden. Dieser eingeschränkte Zugang zu den Kapitalmärkten habe großen Druck auf die Bankensysteme mehrerer aufstrebender Märkte ausgeübt, was wiederum zu Kürzungen bei lokalen Finanzierungen für Wertpapiere heimischer Unternehmen beigetragen und dadurch die Schuldenbedienung erschwert habe. Einige Direktoren stellten fest, dass seit Russlands einseitiger Schuldenumstrukturierung im August 1998 ein Teufelskreis zu verzeichnen sei, da der Rückzug internationaler Investoren aus den aufstrebenden Märkten zu niedriger Liquidität und relativ hoher Volatilität beitrage, was wiederum andere Investoren von einer Beteiligung abhalte. Obwohl die Direktoren eine gewisse Zuversicht über die kurzfristigen Aussichten äußerten, blieben einige Direktoren besorgt über den mangelnden Grad an tatsächlicher Umstrukturierung der Finanzinstitute und Unternehmen in mehreren asiatischen Krisenländern.

Turbulenzen auf den reifen Märkten sowie Institutionen und Aktivitäten mit hoher Hebelwirkung auf Grund mangelnder Eigenkapitalausstattung

Die Exekutivdirektoren erörterten die systemischen und sonstigen Fragen in Bezug auf hebelstarke Institutionen und Aktivitäten im Jahr 1998 und die Reformen, die erwogen wurden, um eine übermäßige Fremdverschuldung zu begrenzen. Das Entstehen finanzieller Risiken, das den Turbulenzen von 1998 vorausgegangen sei, habe wichtige Fragen über die bestehenden Verteidigungslinien gegen das systemische Risiko aufgeworfen – insbesondere in Bezug auf Schwächen in der Marktdisziplin, der Bankenaufsicht und -regulierung sowie der makroprudentiellen Überwachung. Die Direktoren waren jedoch etwas unterschiedlicher Auffassung über die Bedeutung der einzelnen Verteidigungslinien und darüber, was getan werden könne, um sie zu stärken. Während sich einige Direktoren für direkte Kontrollen der Hedge-Fonds aussprachen, sahen die meisten beträchtliche Schwierigkeiten bei dem Versuch, diese Institutionen direkt zu regulieren; sie unterstützten die laufenden Anstrengungen – einschließlich der Bemühungen des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht – die Hedge-Fonds indirekt durch eine erhebliche Stärkung der Aufsicht von Seiten der als Gegenparteien fungierenden Banken und durch verbesserte Marktdisziplin zu beeinflussen.

Viele Direktoren waren der Auffassung, dass eine unzureichende Marktdisziplin bei Gläubigern, Gegenparteien und Anteilseignern ein Schlüsselfaktor ist, der zum Entstehen von Anfälligkeiten und der Hebelwirkung geführt hat, die den Turbulenzen von 1998 vorausgingen. Diese Direktoren meinten, dass das Fehlen einer angemessenen Marktdisziplin andere, grundlegendere Schwächen widerspiegeln kann, die auf die Notwendigkeit hindeuten, die finanzielle Offenlegung und Transparenz zu verbessern und die internen, marktmäßigen und regulatorischen Anreizstrukturen besser auszurichten. In diesem Zusammenhang sahen mehrere Direktoren die zentrale Herausforderung für private Finanzinstitutionen und die staatliche Politik darin, die leistungserhöhenden Aspekte moderner Finanzierung zu erhalten und gleichzeitig die Neigung des Systems zu finanziellen Übertreibungen und schädlicher Marktdynamik zu senken. Mehrere Direktoren stellten fest, dass eine aktivere Bankenaufsicht und Marktüberwachung helfen kann, das Entstehen von Anfälligkeiten zu entdecken und zu vermeiden. Sie argumentierten, dass die Existenz des öffentlichen Sicherheitsnetzes für Finanzinstitutionen negative Anreize schafft, die gegen die Marktdisziplin arbeiten könnten. Einige Direktoren meinten, die Stabsanalyse hätte zur Frage des Risikos fahrlässiger Kreditvergabe und zur Analyse der Optionen zu seiner Reduzierung weitere Überlegungen anstellen können; einige andere waren jedoch nicht davon überzeugt, dass Sicherheitsnetze Moral Hazard verursacht haben oder übermäßig ausgedehnt waren. Die Direktoren stimmten darin überein, dass die Fähigkeit, moderne Finanzsysteme zu überwachen und zu kontrollieren, entscheidend bleibt.

Die Direktoren begrüßten einstimmig die Reformvorschläge zur verbesserten Transparenz und Offenlegung sowohl von Gruppen des Privatsektors als auch staatlicher Stellen. Solche Vorschläge würden wahrscheinlich von allen Finanzinstituten – einschließlich der hebelstarken Finanzinstitute – die Bereitstellung von mehr Informationen erfordern. Ein wichtiger nächster Schritt bestehe darin, sich auf einen Kernsatz von Daten über die risikoträchtigen Positionen der Unternehmen und über die Häufigkeit zu verständigen, mit der sie gegenüber Marktinvestoren, Gegenparteien und gegebenenfalls Bankaufsichtsgremien offengelegt werden sollten.

Viele Direktoren bemerkten, dass eine größere Offenlegung und verbesserte Transparenz allein möglicherweise nicht ausreichen könnten, die Abschätzung des Kredit- und Gegenparteirisikos zu verbessern; es seien vielmehr interne Anreizstrukturen erforderlich, um Unternehmen zu ermutigen, Informationen zu sammeln und danach zu handeln. Mehrere Direktoren waren der Auffassung, dass die vorgelegten Reformvorschläge im Allgemeinen die Notwendigkeit von solchen Änderungen der Anreize nicht berücksichtigen In diesem Zusammenhang verwies eine Reihe von Direktoren auf die vorgeschlagenen Revisionen der Basler Eigenkapitalvereinbarung als einen ersten Schritt zur Korrektur möglicher regulatorischer Verzerrungen.

Mehrere Direktoren äußerten die Besorgnis, dass das anhaltende rasche Tempo der Liberalisierung des Finanzsektors, der Innovation und der Globalisierung zu Änderungen in der Art und den Ursachen des systemischen Risikos beitragen, die nicht vollständig verstanden werden. Sie sahen daher die Notwendigkeit zusätzlicher Überlegungen zu der Frage, wie Regulatoren, die international tätige Finanzinstitute überwachen, in einer zunehmend dynamischen und verflochtenen Weltwirtschaft auf dem neuesten Stand bleiben können.

Hinsichtlich der Marktdynamik stellten die Direktoriumsmitglieder fest, dass es keine eindeutige Antwort auf die Frage des optimalen Entwurfs von Risikokontrollmechanismen gibt, eines Entwurfs, der einen Ausgleich zwischen der für das Bankgewerbe charakteristischen langsamen Anpassung an Schocks und der raschen Anpassung auf modernen Kapitalmärkten schafft. Einige Direktoren glaubten, Turbulenzen wie sie im Herbst 1998 auftraten, könnten durch eine Stärkung der Risikomanagement- und -kontrollverfahren vermieden werden, die darauf abzielen, das Entstehen einer übermäßigen Risiko/Eigenkapital-Relation zu verhindern. Andere meinten, dass der mechanische und starre Einsatz von Risikomanagementpraktiken – zusammen mit häufiger Bewertung der Märkte – wegen des Tempos, das sie bei der Neuausrichtung des Portfolios und dem Abbau des Verschuldungsgrades fordern, Finanzmarktspannungen unnötig verstärken kann, wenn eine Krise ausgebrochen ist.

Hinsichtlich der makroprudentiellen Aufsicht verwiesen mehrere Direktoren auf die Notwendigkeit, die komplexe Verbindung zwischen Geld- und Finanzpolitik besser zu verstehen und zu überwachen – insbesondere die Rolle, die eine reichlich vorhandene Liquidität 1998 bei der Entstehung des Verschuldungsgrades gespielt haben kann. Mehrere Direktoren forderten, größere Aufmerksamkeit auf die Frage zu richten, wie das Wachstum der globalen Liquidität überwacht werden kann, sowie allgemein auf seine mögliche Rolle als Vorbote für das Entstehen von Hebelwirkung und Ungleichgewichten – wobei einige Direktoren die Schwierigkeit unterstrichen, solch ein Konzept zu definieren und zu quantifizieren. Eine Reihe von Direktoren warf außerdem die Frage auf, ob die nationalen Behörden die Synergien zwischen makroprudentieller Überwachung und der Aufsicht über einzelne Finanzinstitute angemessen nutzen. Mehrere Direktoren glaubten, dass eine aktivere und antizyklische prudentielle Aufsicht und Marktüberwachung eine Schlüsselrolle dabei spielen kann, eine übermäßige Risiko/Eigenkapital-Relation zu vermeiden. Einige Direktoren äußerten jedoch Vorbehalte unter Hinweis auf die weltweiten Unterschiede in den Konjunkturzyklen und die Schwierigkeit, den Zeitpunkt für Änderungen der Kennzahlen für die Eigenkapitalausstattung in Relation zum Konjunkturzyklus richtig zu wählen.

Eine Reihe von Direktoren bemerkte, dass die Verbesserungen in den Verteidigungslinien (Risikomanagement des Privatsektors, Bankenaufsicht und Marktüberwachung) zwar dazu beitragen dürften, die systemischen Fragen anzugehen, die mit den hebelstarken Finanzinstituten verbunden sind, dass sie jedoch die Besorgnisse hinsichtlich der Wirkung solcher Institute auf kleine und mittlere Märkte nicht berücksichtigen. Mehrere Direktoren waren deshalb der Auffassung, dass weitere Arbeiten notwendig sind, um die Bedingungen besser zu verstehen, unter denen die Aktivitäten von hebelstarken Finanzinstituten kleine und mittlere Märkte destabilisieren können.

„Nicht-standardgemäße” Politikreaktionen

Eine Reihe nationaler Behörden hatte auf „nicht-standardgemäße” Gegenmaßnahmen zurückgegriffen, um einem außerordentlichen externen Druck zu widerstehen, einschließlich staatlicher Interventionen an den Anleihen- und Aktienmärkten und der Einführung oder Verstärkung von Kapitalverkehrs- und Devisenkontrollen. Einige Direktoren verteidigten den Einsatz solcher Instrumente angesichts des Drucks, der in keinem Verhältnis mehr zu den grundlegenden Fundamentaldaten gestanden habe, und im Hinblick auf die aggressive Taktik einiger Investoren. Diese Direktoren waren der Auffassung, dass solche Maßnahmen – als Ergänzung zu anderen politischen Anpassungen – in außergewöhnlichen Situationen nicht ausgeschlossen werden sollten. Sie erkannten jedoch an, dass nichtstandardgemäße staatliche Gegenmaßnahmen längerfristig das Risiko-/Ertrags-Profil von verschiedenen Finanzmarktinvestitionen negativ beeinflussen können. Andere Direktoren glaubten, dass die Daten in Bezug auf die Wirksamkeit und Wünschbarkeit dieser Interventionen bestenfalls nicht schlüssig sind.

Eine Reihe von Direktoren sah in den Kapitalverkehrskontrollen, die Malaysia eingeführt hat, eine nützliche Absicherung gegen künftige spekulative Aktivitäten und glaubte, dass die Kontrollen in diesem Sinne ihren Zweck erfüllt haben. Diese Direktoren erklärten außerdem, dass Malaysia den Schutz, den die Kontrollen bieten, wirksam genutzt hat, um seinen Bankenund Unternehmenssektor weiter zu restrukturieren. Einige andere Direktoren stellten jedoch fest, dass sich der Einsatz von Kontrollen für Malaysias längerfristige Interessen als schädlich erweisen und künftige Kapitalzuflüsse behindern kann. Sie forderten daher andere Länder auf, beim Einsatz ähnlicher Maßnahmen vorsichtig vorzugehen.

Kreditrating-Agenturen

Die Direktoren stellten fest, dass die bedeutendsten Kreditrating-Agenturen zu wichtigen Stellen für unabhängige Bewertungen staatlicher und privater Kreditrisiken geworden sind. Die Kreditratings, die diese Agenturen herausgeben, könnten eine starke Wirkung auf die Finanzierungskosten der Kreditnehmer und auf die Bereitschaft wichtiger institutioneller Investoren, bestimmte Arten von Wertpapieren zu halten, ausüben. Da der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht vorgeschlagen habe, Kreditratings zu einem zentralen Bestimmungsfaktor für die Risikogewichtung der Bankrisiken zu machen, glaubten viele Direktoren, dass sich der Einfluss der Kreditrating-Agenturen wahrscheinlich noch ausweiten werde.

Im Hinblick auf die mögliche Wirkung von RatingÄnderungen auf die Kapitalströme in aufstrebende Märkte war eine Reihe von Direktoren besorgt über die Vorgehensweise der bedeutendsten Ratingagenturen vor und während der letzten Krisen der aufstrebenden Märkte. Diese Agenturen hätten ein prozyklisches Element in die globalen Kapitalströme eingeführt und dadurch zu übermäßigen Kapitalströmen in die aufstrebenden Märkte sowie zu ihrer abrupten Umkehr beigetragen. Darüber hinaus bemerkten einige Direktoren, dass es den Ratingagenturen weder gelungen ist, eine Warnung vor der Krise auszusprechen, noch die wirtschaftlichen Fundamentaldaten richtig widerzuspiegeln. Einige Direktoren stellten allerdings fest, dass die Lehren, die die Kreditrating-Agenturen aus ihren Erfahrungen gezogen haben, denjenigen ähnlich sind, die der IWF-Stab zur Verbesserung der Überwachung gezogen hat.

Mehrere Direktoren äußerten Vorbehalte dagegen, sich bei der Bestimmung der Risikogewichte für Bankkredite zu sehr auf Kreditratings zu verlassen, insbesondere in Bezug auf staatliche Kreditnehmer. Sie stellten fest, dass es keine eindeutigen Belege hinsichtlich der Genauigkeit von Ratings für Kreditnehmer der öffentlichen Hand gibt und hielten es eindeutig für erforderlich, dass die Ratingagenturen die Qualität ihrer Analyse erheblich verbessern – auch durch Berücksichtigung der gestiegenen internationalen Verflechtung und der größeren Komplexität der Märkte.

Regionale Überwachung

Zentralafrikanische Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft

Die Exekutivdirektoren erörterten auf einer Sitzung im Februar 2000 die letzten Entwicklungen und regionale politische Fragen der Zentralafrikanischen Wirtschaftsund Währungsgemeinschaft (CEMAC). Sie würdigten die Anstrengungen der Mitgliedsländer der CEMAC (Kamerun, die Zentralafrikanische Republik, Tschad, die Republik Kongo, Äquatorialguinea und Gabun), die wirtschaftliche Integration zu stärken und den Weg zur Schaffung eines einheitlichen Binnenmarktes zu ebnen. Der zunehmende Umfang der auf der regionalen Ebene formulierten und umgesetzten wirtschaftspolitischen Maßnahmen bedeute, dass ein politischer Dialog des IWF mit regionalen Institutionen die bilaterale Überwachung sinnvoll ergänzen könne und die Aufsicht über IWF-gestützte Programme im CEMAC-Gebiet erleichtern dürfte.

Die Direktoren stellten fest, dass sich die wirtschaftliche und finanzielle Lage in der Region 1998 und in der ersten Hälfte von 1999 im Gegensatz zu den beeindruckenden wirtschaftlichen Verbesserungen der Gemeinschaftsmitglieder nach der Abwertung des CFA-Franc Anfang 1994 deutlich verschlechtert hat. Die erhebliche Verschlechterung der Terms of Trade sei durch ein Nachlassen der fiskalischen Kontrolle in einem der wichtigsten Länder und die lockere Geldpolitik der regionalen Zentralbank sowie durch inländische Konflikte in zwei anderen Ländern noch verschlimmert worden.

In diesem Zusammenhang begrüßten die Direktoren die Annahme eines regionalen Politikpakets durch die CEMAC im September 1999, das von der Zentralbank vorbereitet worden war, um die Konvergenz der makroökonomischen Politik, fiskalische Disziplin und wirtschaftliche Zusammenarbeit zu fördern. Dieses Paket sollte zusammen mit der Erholung des internationalen Ölpreises, einer verbesserten Sicherheitslage in der Region und der im Gang befindlichen Anpassung in den Mitgliedsländern dazu beitragen, die wirtschaftlichen Aussichten der Region für 2000 und danach zu verbessern. Die Direktoren drängten die Regierungen der Mitglieder und die regionalen Institutionen, die Gelegenheit der CEMAC-Gründung zu ergreifen, um einen soliden Rahmen für eine enge Abstimmung der Fiskal- und Strukturpolitik zu schaffen und so dem gemeinsamen festen Wechselkurssystem eine starke Stütze zu geben.

Die Direktoren stellten fest, dass die Wechselkursanpassung vom Januar 1994 geholfen hat, die Wettbewerbsposition der Region zu verbessern und zu einer starken Zunahme des Wachstums der Nicht-Öl-Produktion und der Exporte geführt hat. Obwohl die verfügbaren Indikatoren darauf hindeuteten, dass die Wettbewerbsposition der CEMAC in etwa angemessen bleibe, betonten die Direktoren, dass diese Indikatoren angesichts der gezeigten hohen Anfälligkeit der Leistungsbilanz eng überwacht werden sollten. Eine solide makroökonomische Politik und entscheidende Fortschritte bei den Strukturreformen – einschließlich einer Verbesserung der Regierungsführung – seien in allen Mitgliedsländern wesentlich, um das Produktivitätswachstum zu steigern, die Wettbewerbsfähigkeit der Region zu erhalten und die wirtschaftliche Diversifizierung zu fördern.

Das angestrebte System gegenseitiger regionaler Überwachung der Fiskalpolitik der Mitgliedsländer werde zur finanziellen Stabilität der CEMAC beitragen. Strikte fiskalische Disziplin solle für alle Mitgliedsländer eine Priorität bleiben. Die Direktoren sahen Vorteile in dem Vorschlag, einen Ölstabilisierungsfonds einzuführen, um die Kreditgewährung der Zentralbank besser auf die grundlegenderen makroökonomische Ziele auszurichten. Sie begrüßten die Absicht, den gegenwärtigen Mechanismus zur Gewährung eines automatischen Kredits an die Regierungen (vorbehaltlich von Kreditobergrenzen) im Rahmen der Entwicklung eines regionalen Marktes für Regierungsschuldtitel als Medium für die Nicht-Bankenfinanzierung des inländisehen Kreditaufnahmebedarfs der Schatzämter schrittweise abzubauen.

Die Direktoriumsmitglieder verwiesen auf den Fortschritt, den die regionale Bankenkommission COBAC bei der Durchführung der Bankenüberwachung in der Region erzielt habe, betonten aber, wie wichtig es sei, das Bankenrestrukturierungsprogramm in den beiden verbleibenden Ländern der Region rasch abzuschließen und die vollständige Privatisierung der Banken zu erreichen. Sie ermutigten ferner die Behörden zu einer weiteren Stärkung ihrer aufsichtlichen Regelungen, gemäß den vom Basler Ausschuss empfohlenen Kerngrundsätzen für wirksame Bankenaufsicht, und zur Ausweitung der technischen Kapazität der COBAC.

Die Qualität der finanziellen Intermediation in der Region würde von einem besseren Funktionieren des regionalen Interbankenmarktes, der Einführung eines einheitlichen zonenweiten Zulassungsabkommens für Banken und einem stärkeren Wettbewerb unter den Finanzinstituten profitieren. Die Direktoren drängten die CEMAC, rasch zu handeln, um einen funktionierenden regionalen Finanzmarkt zu schaffen.

Das Direktorium begrüßte die bedeutenden 1994 von den CEMAC-Ländern eingeleiteten handelspolitischen Reformen, insbesondere die Einführung eines gemeinsamen Außenzolls und die Liberalisierung des interregionalen Handels. Die Direktoren ermutigten die Behörden, den Handel durch eine Vereinfachung der Tarifstruktur, eine Senkung der durchschnittlichen Zollsätze und die Abschaffung verbleibender intraregionaler Barrieren weiter zu liberalisieren.

Jede Strategie für regionale Integration und wirtschaftliches Wachstum müsse die Schaffung eines gemeinsamen rechtlichen und regulatorischen Umfeldes einschließen, das der Entwicklung des Privatsektors und seiner Investitionen sowie einer effizienten Ressourcenallokation diene, betonten die Direktoren. Sie unterstrichen die Notwendigkeit, die jüngsten Initiativen auf den Gebieten des Handelsrechts, der Investitionsgenehmigungen und der Wettbewerbspolitik umzusetzen. Sie hoben ferner die Notwendigkeit hervor, die Erstellung zeitnaher und zuverlässiger regionaler Statistiken zu verbessern, um die regionale Überwachung zu stärken, und ermutigten die Behörden, technische Hilfe auf diesem Gebiet zu suchen.

Einige Direktoren sprachen die Hoffnung aus, dass anspruchsberechtigte CEMAC-Länder unter der erweiterten Initiative für hochverschuldete arme Länder eine Schuldenerleichterung erhalten.

Geld- und Wechselkurspolitik im Eurogebiet

Im März erörterten die Direktoren die Geld- und Wechselkurspolitik des Eurogebiets. Sie stellten fest, dass sich die kurzfristigen Aussichten mit der Vertiefung und Verbreiterung des Aufschwungs verbessert haben, dass jedoch nach wie vor die zentrale politische Herausforderung darin besteht, die Bedingungen für anhaltendes rasches Wachstum zu schaffen. Um dieses Ziel zu erreichen, forderten die Direktoren eine fest auf die Preisstabilität ausgerichtete geldpolitische Strategie, nationale fiskalpolitische Maßnahmen, die auf die Förderung öffentlicher Ersparnis und günstiger Rahmenbedingungen für die Angebotsseite abzielen, sowie eine Intensivierung der strukturellen Reformanstrengungen.

Die Direktoren würdigten die Europäische Zentralbank (EZB) für eine Politik, die die Wirtschaft des Eurogebiets während des Jahres 1999 gestützt habe, ohne die mittelfristige Preisstabilität zu gefährden. Obwohl sie, bei fortschreitendem Konjunkturzyklus, die Notwendigkeit einer allmählichen Rückkehr zu einer neutraleren Position anerkannten, meinten viele Direktoren, diese unterstützende Orientierung solle im Jahre 2000 beibehalten werden. Sie sahen insbesondere angesichts der verbleibenden unausgelasteten Kapazitäten auf den Arbeits- und Produktmärkten, des gemächlichen Tempos, mit dem die Kapazitätsauslastung gestiegen sei, der vorherrschenden Zurückhaltung bei den Lohnforderungen und des Drucks auf Preissenkungen, der von der Deregulierung in Schlüsselsektoren herrühre, keine dringende Notwendigkeit für eine Erhöhung der Zinssätze in der nahen Zukunft. Diese Direktoren waren ferner der Auffassung, dass die Geldpolitik die Notwendigkeit im Auge behalten muss – unter Berücksichtigung einiger Anzeichen für ein verbessertes Inflations/Produktions-Austauschverhältnis im Eurogebiet ebenso wie in den Vereinigten Staaten – die Spielräume ungenutzter Ressourcen vorsichtig zu untersuchen. Einige Direktoren sahen demgegenüber zunehmende Risiken für die Preisstabilität – unter anderem auf Grund der reichlichen Liquiditätsversorgung 1999 und steigender Öl- und Rohstoffpreise; sie meinten, es bleibe notwendig, rasch auf inflationäre Gefahren zu reagieren. Die Direktoren stimmten im Wesentlichen darin überein, dass die entschlossene Durchführung struktureller Reformen die beste Chance für nichtinflationäres Wachstum im Eurogebiet und den Erhalt des Marktvertrauens bietet und es gleichzeitig der Geldpolitik erlaubt, sich auf anhaltende Preisstabilität zu konzentrieren.

Die EZB habe zwar große Fortschritte bei der Weitergabe von Informationen über ihre Strategie und ihre Bewertung der Wirtschaftslage an die Öffentlichkeit erzielt, aber die Direktoren meinten, dass größere Transparenz die Geldpolitik wirksamer machen könne. Sie begrüßten daher die Absicht der EZB, makroökonomische Prognosen zu veröffentlichen – einschließlich Inflationsprognosen -, was ein besseres Verständnis der Frage fördern würde, wie die EZB ihre Meinung über die Inflationsaussichten bilde. Dadurch würde die Glaubwürdigkeit und Vorhersagbarkeit der Politik erhöht, ohne Abkehr von der akzeptierten geldpolitischen Strategie.

Vor dem Hintergrund einer stärkeren Aktivität im Eurogebiet und der Leistungsbilanz- und Kapitalverkehrsbilanz-Ungleichgewichte zwischen den Hauptwährungszonen stimmten die Direktoren darin überein, dass die vorherrschende Schwäche des Euro unerwünscht ist. Verzögerte Reaktionen des Wechselkurses auf Handelsströme könnten, so betonten sie, bestehende Muster von Handelsungleichgewichten verschlimmern und die Risiken von abrupten Wechselkursumschwüngen und protektionistischen Maßnahmen erhöhen.

Dennoch sei, so bemerkten die Direktoren, eine geldpolitische Reaktion nur bei einer Bedrohung der mittelfristigen Preisstabilität angemessen. Wenn ein schwacher Euro die relative Konjunkturlage der Vereinigten Staaten und des Eurogebiets sowie die Besorgnisse der Märkte über die strukturellen Verhärtungen, die die Dauerhaftigkeit der Expansion untergraben könnten, widerspiegele, werde eine geldpolitische Reaktion in Abwesenheit klarer Risiken für die Preisstabilität wenig zur Stärkung der Währung erreichen. Nach Auffassung des Direktoriums ist eine Erholung des Euro davon abhängig, dass sich die Märkte besser auf die fundamentale Stärke der Wirtschaft des Eurogebiets einstellen, dass eine größere konjunkturelle Konvergenz zwischen den Vereinigten Staaten und dem Eurogebiet erzielt wird und dass größere Fortschritte bei strukturellen und fiskalischen Reformen in vielen Ländern des Eurogebiets erreicht werden.

Die Direktoren würdigten die Fortschritte in Richtung auf eine tragfähige fiskalische Position im Vorfeld von Stufe 3 der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion, die am 1. Januar 1999 begann. Die meisten Direktoren wiesen jedoch darauf hin, dass die Anpassungsanstrengungen 1998-99 nachgelassen haben und wieder belebt werden müssen. Solche Verbesserungen seien notwendig, um Spielraum für eine diskretionäre Fiskalpolitik zu schaffen, was im Rahmen einer einheitlichen Geldpolitik besonders wichtig sei. Diese Direktoren verwiesen darauf, dass die aktualisierten Stabilitätsprogramme für 2002-2003 bei den beabsichtigten Steuerkürzungen in einigen Fällen zwar ehrgeiziger als frühere sind, dass sie aber nicht weit genug gehen, um für das gesamte Gebiet die notwendigen Verbesserungen bei den strukturellen Primärsalden und dem Abbau der Steuerlast zu gewährleisten.

Die Direktoren betonten, dass das Erreichen von Haushaltsgleichgewichten oder -Überschüssen in allen Ländern des Eurogebiets sowie eine Senkung des Einnahmen/BIP-Verhältnisses im Eurogebiet angesichts der verbesserten Konjunkturlage zu den erreichbaren Zielen für das Jahr 2003 gehören sollten. Sie unterstrichen ferner, dass es für die meisten Länder notwendig ist, durch eine weitere Reform der Krankenversicherung und Änderungen in den Rentensystemen anhaltende Verbesserungen in den öffentlichen Finanzen sicherzustellen, um dadurch die öffentlichen Ausgaben dauerhaft zu senken. Eine solche Zurückhaltung bei den Ausgaben sei wesentlich, um eine erhebliche Senkung der Steuersätze von den gegenwärtigen Niveaus zu ermöglichen, bei gleichzeitiger Wahrung der fiskalpolitischen Umsicht und gleichzeitigem Erreichen der im Stabilitäts- und Wachstumspakt vorgesehenen annähernd ausgeglichenen Haushalte oder Überschüsse.3

Obwohl die Länder des Eurogebiets beträchtliche Fortschritte bei der Reform der Güter-, Dienstleistungs- und Kapitalmärkte erzielt hätten, sei die Reichweite der Reformstrategie des Eurogebiets immer noch zu begrenzt. Die Direktoren forderten die Regierungen auf, die Reform des Arbeitsmarktes zu beschleunigen, um den Abbau der Arbeitslosigkeit im gesamten Euroraum fortzusetzen.

Hinsichtlich des Arbeitsmarktes waren die meisten Direktoren der Auffassung, dass für viele Länder die Notwendigkeit besteht, die Zugangsbedingungen für Arbeitslosengeld und Sozialhilfe neu zu bewerten, eine weniger starre und differenziertere Lohnstruktur zu fördern und den Umfang der wirksamsten Berufs- und Ausbildungsprogramme zu erweitern. In Bezug auf die Güter- und Dienstleistungsmärkte begrüßten die Direktoren den anhaltenden Fortschritt bei der Privatisierung und Deregulierung, forderten aber beschleunigte Anstrengungen, um die vorteilhaften Wirkungen des Wettbewerbs zu sichern. Sie verwiesen auf den reichlichen Spielraum für eine weitere Öffnung des Zugangs zu den noch abgeschotteten Sektoren und für die Abschaffung von administrativen Hindernissen für Unternehmensgründungen sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen in den Dienstleistungssektoren und gewerblichen Aktivitäten.

Abschließend stellten einige Direktoren fest, dass die Handelsliberalisierung auf Grund ihrer Auswirkungen auf die inländischen Preise, die Ressourcenallokation und die außenwirtschaftliche Position nicht nur bedeutende Vorteile für die Erhöhung des globalen Wachstumspotentials sondern auch für die Euroländer selbst bietet. Sie ermutigten die Euroländer, einen verstärkten Marktzugang für Exporte aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu gewähren, wobei sie feststellten, dass der Protektionismus im Handel, insbesondere in der Landwirtschaft, immer noch hoch ist.

1

Eine der beiden Währungsunionen in der CFA-Franc-Zone (die andere ist die Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion).

2

Öffentliche Informationsmitteilungen (PINs) werden auf Beschluss des Mitgliedslandes nach Abschluss seiner Artikel-IV-Konsultation veröffentlicht. Diese Freigaben zielen auf eine Stärkung der Überwachungsarbeit des IWF gegenüber der Wirtschaftspolitik der Mitglieder durch eine Ausweitung der Transparenz der IWF-Bewertung dieser Politik.

3

Der Stabilitäts- und Wachstumspakt, der durch den Europäischen Rat im Juni 1997 verabschiedet wurde, zielte darauf, die Haushaltsdisziplin in den Mitgliedsstaaten während der letzten Stufe der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion zu sichern.

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