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Kapitel 1. Der Rahmen: Weltwirtschaftliche Entwicklungen im Geschäftsjahr 2001

Author(s):
International Monetary Fund
Published Date:
September 2001
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Die Weltwirtschaft verzeichnete im Jahr 2000 das höchste Wachstum seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten. Die Expansion wurde durch eine anhaltend lebhafte Konjunktur in den meisten fortgeschrittenen Ländern und eine substanzielle Wachstumssteigerung in anderen Regionen der Welt, insbesondere in der Westlichen Hemisphäre, im Nahen Osten sowie in den Transformationsländern, unterstützt (Tabelle 1.1 und Schaubild 1.1).1 Das Tempo des globalen Wachstums verlangsamte sich jedoch, ausgehend von einer Abschwächung in den Industrieländern – insbesondere in den USA – und einem schwächeren Wachstum in einer Reihe von aufstrebenden Marktwirtschaften, gegen Ende 2000 und Anfang 2001.

Tabelle 1.1Weltwirtschaftlicher Überblick(jährliche Veränderung in Prozent, insoweit nicht anders vermerkt)
19931994199519961997199819992000
Weltwirtschaftliche Gesamtproduktion2,33,73,64,04,22,83,54,8
Fortgeschrittene Volkswirtschaften1,43,42,72,93,52,73,44,1
Wichtige Industrieländer1,33,12,32,73,32,83,03,8
Vereinigte Staaten2,74,02,73,64,44,44.25,0
Japan0,51,01.63,31,9−1,10,81,7
Deutschland−1.12,31,70,81,42,11,63,0
Frankreich−0,91,81,91,01,93,33,23,2
Italien−0,92,22,91,12,01,81,62,9
Vereinigtes Königreich2,34,42,82,63,52,62,33,0
Kanada2,34,72,81,54,43,34,54,7
Sonstige fortgeschrittene Volkswirtschaften1,94,64,33,84,22,24,85,2
Nachrichtlich
Europäische Union−0,42,82,41,62,62,92,63,4
Euroraum−0,82,32,31,52,42,92,63,4
Neuerlich industrialisierte asiatische Volkswirtschaften6,47,97,56,35,7−2,47,98,2
Entwicklungsländer6,36,76,16,55,83,53,85,8
Afrika0,22,42,95,72,93,32,33,0
Entwicklungsländer in Asien9,49,69,08,26,64,06,16,9
China13,512,610,59,68,87,87,18,0
Indien5,06,77,67,14,96,06,66,4
ASEAN-416,97,68,17,33,4−9,52,85,0
Naher Osten, Malta und Türkei3,30,34,34,85,43,60,85,4
Westliche Hemisphäre4,15,01,73,65,32,30,24,1
Brasilien4,95,94,22,73,30,20,84,2
Transformationsländer−7,5−7,6−1,5−0,51,6−0,92,65,8
Mittel und Osteuropa0,33,55,54,02,52,11,83,8
Gemeinschaft unabhängiger Staaten und Mongolei
und Mongolei−10,9−13,3−5,5−3,31,0−2,83,17,1
Russland−10,4−11,6−4,2−3,40,9−4,93,27,5
Ohne Russland−11,8−17,0−8,6−3,11,41,62,76,3
Welthandelsvolumen (Waren und Dienste)3,79,09,16,510,14,25,312,4
Einfuhren
Fortgeschrittene Volkswirtschaften1,49,69,26,29,35,77,911,4
Entwicklungsländer11,27,410,28,110,6−0,61,616,9
Transformationsländer7,64,211,67,611,50,8−7,313,3
Ausfuhren
Fortgeschrittene Volkswirtschaften3,18,88,96,010,63,85,011,4
Entwicklungsländer9,411,87,49,212,05,34,115,7
Transformationsländer4,51,09,74,85,84,70,614,9
RohstoffpreiseÖI2
In SZR−11,1−7,31,823,7−0,2−31,236,562,6
In US-Dollar−11,8−5,07,918,4−5,4−32,137,556,9
Rohstoffe ohne Brennstoffe (Durchschnittswerte gestützt auf gewichteten Weltrohstoffexport)
In SZR2,710,62,33,32,2−13,5−7,85,5
In US-Dollar1,813,48,4−1,2−3,2−14,7−7,11,8
Verbraucherpreise
Fortgeschrittene Volkswirtschaften3,12,62,62,42,11,51,42,3
Entwicklungsländer43,255,323,215,49,910,46,76,1
Transformationsländer634,3274,2133,542,427,421,843,920,1
Londoner Interbanken-Angebotssatz (LIBOR) für Sechsmonatsgeld (Prozent)
US-Dollar-Einlagen3,45,16,15,65,95,65,56,7
Yen-Einlagen3,02,41,30,70,70,70,20,3
Euro-Einlagen7,45,75,73,73,53,73,04,6
Quelle: IWF, World Economic Outlook (Mai 2001).

Indonesien, Malaysia, die Philippinen und Thailand.

Der einfache Durchschnitt für Kassanotierungen für Brent-Öl aus Groβbritannien, Dubai-Öl und Rohöl aus West-Texas.

Quelle: IWF, World Economic Outlook (Mai 2001).

Indonesien, Malaysia, die Philippinen und Thailand.

Der einfache Durchschnitt für Kassanotierungen für Brent-Öl aus Groβbritannien, Dubai-Öl und Rohöl aus West-Texas.

Schaubild 1.1Weltindikatoren

(jährliche prozentuale Veränderung, falls nicht anders angegeben)

Quelle: IWF, World Economic Outlook (Mai 2001). Gewogene Mittelwerte. Für weitere Informationen siehe statistischen Anhang des World Economic Outlook.

1Waren und Dienstleistungen, volumenmäβig.

Die „Gesamtinflation” (einschlieβlich Energie- und Nahrungsmittelpreise) stieg in den Industrieländern infolge höherer Energiepreise und einer stärkeren gesamtwirtschaftlichen Expansion an, sie ging aber in den Entwicklungsländern und in den Transformationsländern zurück. Die Haushaltsungleichgewichte konnten in den groβen Wirtschaftsregionen der Welt verringert werden, während die auβenwirtschaftlichen Ungleichgewichte in einzelnen Ländern weiterhin Anlass zur Sorge boten. Die Finanzströme in die aufstrebenden Marktwirtschaften erholten sich im Jahr 2000 weiter, obwohl die Finanzierungskosten im letzten Quartal des Jahres durch eine Verschlechterung der Bedingungen an den internationalen Märkten anstiegen. Eine lebhafte globale Nachfrage in der Weltwirtschaft unterstützte das starke Wachstum des Auβenhandels sowohl in den Industrie- als auch insbesondere in den Entwicklungs- und Transformationsländern.

Zu den herausragenden Entwicklungen im Jahr 2000 und Anfang 2001 zählten auch die starken Kursverluste an den groβen Aktienmärkten, insbesondere in den USA, Schwierigkeiten von zwei wichtigen Kreditnehmerländern, Argentinien und die Türkei, sowie der Rückgang der Ölpreise von den Höchstständen Ende 2000. Die US-Aktienmärkte verzeichneten die meiste Zeit im Jahr 2000 und Anfang 2001 Kursverluste, die auf Berichte über geringere Unternehmensgewinne, eine niedrigere Bewertung von Technologieunternehmen, schlechtere Kreditbedingungen sowie gestiegene Erwartungen hinsichtlich einer konjunkturellen Abkühlung in den USA zurückgingen. Diese Kursverluste spiegelten sich in anderen entwickelten Aktienmärkten wider und strahlten auch auf die aufstrebenden Marktwirtschaften aus. Die Zinsaufschläge für Anleihen aufstrebender Marktwirtschaften erhöhten sich im letzten Quartal 2000 wegen verschärfter externer Liquiditätsbedingungen, die sich auf Grund von Besorgnissen über die wirtschaftliche und finanzielle Situation in Argentinien und der Türkei verschlechterten. Die globalen Liquiditätsbedingungen entspannten sich Anfang 2001, teilweise bedingt durch die Zinssenkungen in den USA, die im Januar begannen. Sie verschärften sich jedoch wieder im März, infolge der gestiegenen Finanzierungsprobleme in Argentinien. Die Ölpreise stiegen vom zweiten Quartal 2000 bis November, gingen dann aber u. a. auf Grund der globalen Wachstumsabschwächung wieder zurück. Die Aussichten für die Entwicklung der Ölpreise und der Produktion blieben jedoch sehr unsicher.

Das Produktionswachstum verstärkte sich in der Gruppe der Entwicklungsländer im Jahr 2000, angetrieben von lebhaften Exporten und einer Erholung der inländischen Nachfrage. Das Wirtschaftswachstum beschleunigte sich deutlich in Lateinamerika, im Nahen Osten und in einem geringeren Maβe in Afrika und den Entwicklungsländern in Asien. Die Belebung der lateinamerikanischen Volkswirtschaften wurde von der starken Nachfrage aus den USA sowie der Erholung der inländischen Nachfrage – nach dem niedrigen Stand im Jahre 1999 – unterstützt. Im Jahr 2000 stieg das Produktionswachstum in den Ländern des Nahen Ostens durch eine starke Verbesserung der realen Terms of Trade und die Erhöhung der Ölförderquoten seitens der Organisation der Erdöl exportierenden Länder (OPEC)in einem seit Anfang der neunziger Jahre nicht mehr beobachteten Ausmaβ. Ein anhaltend starkes Wachstum in China und Indien unterstützte die wirtschaftliche Erholung in Asien insgesamt.

Nach einer Phase des Wirtschaftswachstums nahe oder über dem Potenzialpfad schwächte sich die Wirtschaftsaktivität in den fortgeschrittenen Ländern auf Grund einer starken konjunkturellen Abkühlung in den USA, eines ins Stocken geratenen Aufschwungs in Japan und eines schwächer werdenden Wachstums in Europa ab. Nach einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 5 ½ % im zweiten Quartal 2000 ging das Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten in der zweiten Jahreshälfte erheblich zurück; das BIP-Wachstum erreichte im vierten Quartal nur noch eine Rate von 1 % auf Jahresbasis. Diese Abschwächung resultierte zum Teil aus der Straffung der Geldpolitik im Verlauf des Jahres sowie höheren Ölpreisen und einem Kursrückgang an den Aktienmärkten, einschlieβlich einer deutlichen Korrektur an der NASDAQ. Das Wirtschaftswachstum in Japan wurde von einem geringen Vertrauen der Verbraucher, nachlassenden Unternehmensinvestitionen und einer schwächeren externen Nachfrage belastet und konnte das im ersten Quartal 2000 vorgelegte hohe Tempo nicht aufrechterhalten. Das Produktionswachstum in Europa beschleunigte sich im Vergleich zum Vorjahr weiter und erreichte die höchste Rate seit Ende der achtziger Jahre. Es schwächte sich jedoch im späteren Verlauf des Jahres 2000 und Anfang 2001 ab, anscheinend als Reaktion auf die Folgen der gestiegenen Ölpreise für die Kaufkraft, auf das verschlechterte Geschäftsklima sowie auf die Übertragungseffekte der konjunkturellen Abkühlung in der US-Wirtschaft.

Globales Umfeld

An den Rohstoffinärkten setzten die Ölpreise während des Groβteils des Jahres 2000 ihren Anstieg auf Grund einer hohen Energienachfrage und von Angebotsverknappungen fort, bevor sie im Dezember und Anfang des Jahres 2001 wieder zurückgingen. Um die Ölpreise in dem Referenzbereich von 22 bis 28 US-S zu halten, kündigte die OPEC Pläne zur Kürzung der Fördermengen an. Die Volatilität der Kassakurse für Ölprodukte hielt an und reflektierte Unsicherheiten über das Ausmaβ und die Dauer der globalen Wachstumsabschwächung sowie über die Perspektiven für die Ölförderung und über die politische Situation in Teilen des Nahen Ostens. Die Preise der Rohstoffe ohne Brennstoffe blieben auf einem niedrigen Niveau und stiegen nur wenig gegenüber ihrem gedrückten Niveau im Jahr 1999, insbesondere wenn sie in US-Dollar ausgedrückt werden. Die gröβten Änderungen gab es bei den Preisen für Metalle und Holz. Die Metallpreise gingen, nach einer leichten Erhöhung im dritten Quartal 2000, wieder zurück. Die Nahrungsmittelpreise stiegen gegen Ende 2000 und sanken danach ebenfalls. Neben einem Rückgang der Kaffeepreise war ein Verfall der Rindfleischpreise wegen Gesundheitsbedenken, insbesondere in Europa, zu verzeichnen. Die Getreidevorräte blieben auf einem hohen Niveau im Vergleich zum Verbrauch. Anfang 2001 führte die Abschwächung der globalen Nachfrage zu einem zusätzlichen Abwärtsdruck auf die Rohstoffpreise.

Das Volumen des Welthandels nahm im Jahr 2000 stark zu, insbesondere zu Beginn des Jahres. Die Importe der Industrieländer stiegen, auf Jahresbasis hochgerechnet, mit zweistelligen Raten, da die Nachfrage in Nordamerika und Europa deutlich zunahm. Die Importe der Entwicklungsländer stiegen ebenfalls erheblich an, insbesondere in den asiatischen Entwicklungsländern, im Nahen Osten und in der Westlichen Hemisphäre. Ein rasches Wachstum von Konsum und Investitionen in den gröβten Ländern dieser Regionen förderte die Zunahme der Importnachfrage.

Die Kapitalströme in die aufstrebenden Marktwirtschaften stiegen im Jahr 2000 deutlich an, blieben aber unter den Höchstständen des Jahres 1997. Die Kapitalströme bestanden im Wesentlichen aus Darlehen von Konsortiälbanken und Kapitalbeteiligungen. Die Konsortialkreditvergabe überstieg im Jahr 2000 die Volumina der beiden vorausgegangenen Jahre deutlich und wurde durch vermehrte Darlehen an öffentliche und quasi-öffentliche Stellen gefördert. Mehr als die Hälfte dieser Darlehen ging an die Länder Asiens und der Westlichen Hemisphäre, wobei auf die Sonderverwaltungszone Hongkong, die chinesische Provinz Taiwan, auf Korea, Malaysia, Mexiko, Chile und Brasilien die gröβten Anteile entfielen. Auch die Türkei erhielt trotz einer Finanzkrise die dringend benötigten privaten externen Finanzierungsmittel. Darlehen in einem beträchtlichen Umfang flossen in die Telekommunikations- und Energiesektoren, wobei letzteres mit den anhaltend hohen Preisen für Öl und Erdgas zusammenhing. Ungeachtet der hohen Kursverluste an den Aktienmärkten der aufstrebenden Marktwirtschaften, insbesondere im Technologiesektor, erreichte die Emission neuer Aktien im Jahr 2000 einen Höchststand. Asien nahm dabei eine herausragende Position ein, insbesondere China, das für etwa die Hälfte der gesamten internationalen Aktienemissionen der aufstrebenden Marktwirtschaften und für 85 % aller Emissionen im letzten Quartal verantwortlich zeichnete. China notierte im Jahre 2000 drei groβe Unternehmen des Energie- und Telekommunikationssektors an der Börse, wobei die Aktienemission des chinesischen Mobilfunkunternehmens die gröβte jemals vorgenommene Aktienplatzierung in Asien, abgesehen von Japan, darstellte.

Die Finanzicrungsbedingungen für Kreditnehmer aus aufstrebenden Marktwirtschaften verschlechterten sich im letzten Quartal des Jahres 2000, wobei die Zinsaufschläge durchweg im Gleichschritt mit den Zinsen hochrentierlicher US-Papiere stiegen. Besorgnisse über externe Finanzierungsprobleme Argentiniens lieβen die Zinsaufschläge dort gegen Ende März 2001 auf mehr als 1000 Basispunkte ansteigen, und die Zinsaufschläge für die Türkei blieben ebenfalls hoch.

Die Zinssätze für kurzfristige US-Dollar- oder Euro Papiere stiegen im Jahr 2000 zum Teil auf Grund der Straffung der Geldpolitik in Nordamerika und Europa an. Dagegen blieben die langfristigen Zinssätze konstant oder gingen zurück. Während die Renditen für langfristige US-Regierungsanleihen fielen, stiegen seit Mitte 2000 die Zinsaufschläge für Unternehmenskredite, und zwischen den verschiedenen Risikoklassen unterschieden sich die Zinsaufschläge stärker, insbesondere auf dem hochrenticrlichen Markt. Nachdem sich die Anzeichen für eine Abschwächung der privaten Investitions- und Konsumentwicklung verdichtet hatten, begann die US-Notenbank Anfang 2001 erstmals seit Ende 1998, die Zinsen zu senken. Da die Gesamtinflation in Europa oberhalb der Stabilitätsnorm lag, lieβ die Europäische Zentralbank ihre Zinssätze im ersten Quartal 2001 auf dem Stand von Ende 2000. Die Bank von Japan kehrte im März 2001 mit einem Versuch, die Liquidität des Finanzsektors auszuweiten, praktisch zu einer Nullzinspolitik zurück und setzte einen Rahmen für weitere monetäre Stimuli. Dies führte dazu, dass sowohl der Tagesgeldsatz am Interbankenmarkt als auch die Renditen für langfristige Anleihen nach unten tendierten.

An den Devisenmärkten bestand die offensichtliche Fehlbewertung der Relationen zwischen den groβen Währungen fort, insbesondere zwischen Euro und US-Dollar, was mit den anhaltend groβen externen Ungleichgewichten zwischen den gröβten Volkswirtschaften in Zusammenhang gebracht wird. Der US-Dollar wertete sich Anfang 2001 gegenüber dem Euro auf, und sowohl der US-Dollar als auch der Euro gewannen an Wert gegenüber dem Yen. Während die Stärke des US-Dollar die Einschätzung von Investoren widergespiegelt haben könnte, dass die langfristigen Wachstumsaussichten für die USA vergleichsweise günstig sind, schien die Aufwertung des US-Dollar im Gegensatz zu der Notwendigkeit zu stehen, die externen Ungleichgewichte auf ein tragfähigeres Niveau zu senken. Die Stärke des US-Dollar zeigte sich ferner im Rückgang des Wechselkurses zwischen US-Dollar und Pfund Sterling im Jahr 2000, in einer Abschwächung des australischen und neuseeländischen Dollar auf neue Tiefststände sowie in dem Abwärtsdruck auf die Währungen einiger aufstrebender Marktwirtschaften.

Zentrale Entwicklungen in den aufstrebenden Marktwirtschaften und fortgeschrittenen Volkswirtschaften

Das Produktionswachstum in den aufstrebenden Marktwirtschaften in Asien beschleunigte sich im Jahr 2000, da diese Region ihre Erholung von der Finanzkrise in den Jahren 1997/98 fortsetzte. Die wirtschaftliche Expansion verlangsamte sich jedoch nach der Jahresmitte 2000. Dies war im Wesentlichen eine Folge der Abschwächung in den USA, höherer Ölpreise und eines Kursrückgangs an den regionalen Aktienbörsen. Bei einigen Ländern kamen dazu Besorgnisse über Verzögerungen bei den Umstrukturierungen im Finanz- und Unternehmenssektor und zurückgehende Exporte von Elektronikgütern. Die Auswirkungen dieser Einflüsse variierten zwischen den Ländern der Region. In China und Indien, die drei Viertel der regionalen Produktion auf sich vereinigen, blieb die Konjunktur rege (und bot einen wichtigen Anker der Stabilität). Gleichzeitig verringerte sich die Wirtschaftsaktivität in stärkerem Maβe in Ländern, deren Erholung von der früheren Krise bereits relativ weit fortgeschritten war, wie in Korea, Singapur und Malaysia.

In Lateinamerika und in der Karibik setzte sich der Wirtschaftsaufschwung im gesamten Jahr 2000 fort und wurde durch das starke Wachstum der US-Volkswirtschaft in der ersten Jahreshälfte, eine gestiegene inländische Nachfrage und – in einigen Ländern – durch höhere Ölpreise unterstützt. Die Entwicklung innerhalb der Region war jedoch sehr unterschiedlich. Mexiko, Chile und Brasilien verzeichneten ein starkes Wachstum, die Länder der Andenregion einen mäβigen Aufschwung und Argentinien eine sehr schwache Wirtschaftstätigkeit. Trotz eines kräftigen Exportwachstums ging das regionale Leistungsbilanzdefizit nur wenig zurück, da die Importe deutlich zunahmen. Gegen Ende des Geschäftsjahres wurden Mexiko und eine Reihe von Ländern der Andenregion und Mittelamerikas am stärksten von der Wachstumsabschwächung in den USA in Mitleidenschaft gezogen. Brasilien und Argentinien, die weniger intensive Handelsbeziehungen mit den USA unterhalten, verspürten geringere Auswirkungen. Die Krise in Argentinien gegen Ende 2000 überschattete jedoch andere Entwicklungen in der Hemisphäre. Die Wirtschaft Argentiniens geriet in den Jahren 1999 und 2000 infolge groβer Verschlechterungen des realen Austauschverhältnisses, der Freigabe des brasilianischen Real, steigender internationaler Zinssätze sowie der Aufwertung des US-Dollar unter verstärkten Druck. Die Wirtschaftsaktivität in Argentinien stagnierte, da sich die inländische Nachfrage unter dem Einfluss von Deflation abschwächte und da sich die externen Finanzierungsbedingungen infolge eines nachlassenden Vertrauens der Investoren verschlechterten, was sich auch in einer Ausweitung der Zinsaufschläge für argentinische Anleihen widerspiegelte. Die Behörden reagierten darauf mit der Einführung verschiedener Maβnahmen zur Verbesserung der Haushaltslage und zur Flexibilisierung von Güterund Arbeitsmärkten.

Das Wirtschaftswachstum in Afrika verstärkte sich im Jahr 2000 etwas. Der Anstieg reichte aber in vielen Ländern nicht aus, um das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen anzuheben. Auβerdem blieb der Aufschwung anfällig und in hohem Maβe abhängig von der Entwicklung der Rohstoffpreise. Das Produktionswachstum in Südafrika erholte sich von einer Reihe negativer Schocks, zu denen höhere Ölpreise, ungünstige Wertterbedingungen sowie Ansteckungseffekte von der Krise in Simbabwe zählten. Die Erdöl exportierenden Länder erzielten trotz hoher Öpreise nur einen geringen Anstieg des realen Wachstums. Dies war auf strukturelle Schwächen sowie in einzelnen Ländern auf politische Instabilität und bewaffnete Konflikte zurückzuführen. In den meisten anderen Ländern Afrikas wurde die Verschlechterung der realen Terms of Trade durch eine geringere inländische Nachfrage und ein schwächeres Wachstum aufgefangen. Dadurch wurden diese Länder um die Früchte ihrer Reformanstrengungen gebracht. Konflikte oder interne politische Unruhen trugen in einigen Fällen zu einer Verschlechterung der makroökonomischen Politik und der Wirtschaftsentwicklung bei. Für viele Länder der Region ist HIV/AIDS zur gröβten Bedrohung ihrer Entwicklung geworden. Obwohl einige Länder ihre Anstrengungen zur Prävention von HIV/AIDS intensivierten, sind stärker konzertierte Anstrengungen zur Vorbeugung und Behandlung sowie eine höhere internationale Unterstützung erforderlich, um die Pandemie zu bekämpfen. Allgemein gesprochen würde eine weitere Schuldenerleichterung und eine Erhöhung der öffentlichen Entwicklungshilfe zu einer Belebung des Wachstums in Afrika beitragen.

Die Wirtschaftsentwicklung im Naben Osten beschleunigte sich im Jahr 2000, angetrieben von hohen Ölpreisen und Steigerungen der OPEC-Quoten für die Erdölförderung. Die Schwankungen der Öpreise verdeutlichten jedoch die Notwendigkeit, die Diversifikation der Wirtschaft zu erhöhen, um ein dauerhaftes Wachstum zu erreichen. Das Produktionswachstum in der Maschrek-Region (Ägypten. Jordanien, Libanon, Syrien sowie Westbank und Gazastreifen) belebte sich, vor allem in Ägypten. Das Wachstum in Israel gewann im Jahr 2000, gestützt von hohen Technologieexporten, ebenfalls deutlich an Schwung, es lieβ aber später im Jahr wegen der globalen Abschwächung im Hochtechnologiebereich und der Verschlechterung der Sicherheitslage nach.

Auch in den aufstrebenden Marktwirtschaften in Europa verstärkte sich das Wachstum. Allerdings erwiesen sich die anhaltend hohe Inflation und groβe externe Ungleichgewichte in einer Reihe dieser Länder erneut als Problem. In der Türkei führten wachsende Schwierigkeiten im Bankensektor sowie ein steigendes Leistungsbilanzdefizit gegen Ende des Jahres 2000 zu einer Finanz- und Währungskrise. In Reaktion darauf verstärkten die Behörden im Dezember ihr Wirtschaftsprogramm, u. a. durch die Verabschiedung einer strafferen makroökonomischen Politik und beschleunigter Strukturreformen. Politische Schwierigkeiten und Verzögerungen des Privatisierungsprogramms führten jedoch zu Vertrauensverlusten bei den Investoren und zu einer erneuten Krise im Februar 2001, die die Behörden zu dem Beschluss veranlasste, den Wechselkurs freizugeben.

Das Wirtschaftswachstum in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften war im Jahr 2000 gröβtenteils kräftig, schwächte sich aber später im Jahr und Anfang 2001 ab. Nach einem dynamischen Beginn verlangsamte sich das Wachstum in den USA im weiteren Jahresverlauf infolge von gestiegenen Ölpreisen, den Kursverlusten an den Aktienmärkten, verschärften Kreditkonditionen und der Aufwertung des US-Dollar. Der stärkste Wachstumsrückgang war im verarbeitenden Gewerbe festzustellen. Das Leistungsbilanzdefizit vergröβerte sich im Jahr 2000 wegen hoher privater Investitionen und eines weiteren Rückgangs der Ersparnis der Haushalte. In Japan geriet der Aufschwung wegen der anhaltenden Schwäche des Finanzsektors und des Konsumentenvertrauens sowie der Abkühlung der Weltwirtschaft ins Stocken. Dieser Rückschlag vor dem Hintergrund der langanhaltenden Stagnation in Japan verdeutlichte erneut die Dringlichkeit von Strukturreformen mit dem Ziel, den Finanz- und Unternehmenssektor in Japan auf eine solidere Basis zu stellen. Die Europäische Union expandierte im Jahr 2000 kräftig. Die gröβten Volkswirtschaften – Deutschland, Frankreich, Italien und das Vereinigte Königreich – erreichten dabei ein Wachstum von etwa 3 %, mit dem ein Rückgang der Arbeitslosigkeit einherging. Später im Jahresverlauf zeigten sich Anzeichen einer Abschwächung, die aber in der Region unterschiedlich waren. Beispielsweise gaben in Deutschland das Wachstum der Industrieproduktion und das Geschäftsklima nach, während sich die Produktion und das Vertrauen in Frankreich vergleichsweise gut zu behaupten schienen. In Australien und Neuseeland wurde die wirtschaftliche Aktivität weiterhin durch ein starkes Exportwachstum unterstützt, das durch einen die Wettbewerbsfähigkeit fördernden Wechselkurs sowie eine relativ starke externe Nachfrage angeregt wurde.

1In diesem Kapitel werden Entwicklungen im IWF-Geschäftsjahr 2001 (Mai 2000 bis April 2001) behandelt, wenngleich Bezüge zum Kalenderjahr in vielen Fällen notwendig sind, einschlieβlich in Tabelle 1.1.

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